Berufsbilder


Fischwirt

Um die Wette angeln?

 Wenn von Fischfang die Rede ist, denkt man zunächst an kräftige Männer, denen weder Sturm noch Kälte etwas anhaben können. Und an eine Brise Abenteuer und Spannung. Der Beruf des Fischwirts erfordert aber nicht nur eine robuste Gesundheit, sondern auch eine fundierte Ausbildung.Für ihn ist es ein Traumberuf. Die Liebe zur Natur und zu den Fischen hat Jens Berger dazu bewogen, in dem alteingesessenen Betrieb Mohnen in Stolberg bei Aachen eine Ausbildung als Fischwirt zu beginnen.  Es ist seine zweite Ausbildung. Nach dem Fachabitur hat er – auf Empfehlungen seiner Eltern – erst mal mit einer kaufmännischen Lehre begonnen. Bald wurde ihm aber klar, dass er nicht in einem Büro bei Neonlicht und Klimaanlage arbeiten möchte, sondern den Bezug zur Natur braucht.

PRAKTIKUM WICHTIG
Von ca. zwanzig Bewerbungen, die  Elmar Mohnen jährlich erhält, lädt er zehn Bewerber zu einem Praktikum ein. „Die Praktikanten sollen sehen, dass die Arbeit eines Fischwirts wenig mit dem Angeln von Fischen zu tun hat“, sagt Ausbilder Mohnen, der – für die Branche – einen relativ großen Betrieb mit 25 Mitarbeitern führt. In zweiter Generation züchtet er auf einer Teichfläche von 26000 Quadratmetern Regenbogen- und Lachsforellen und beliefert vorwiegend kleine Fischzuchtbetriebe, Angelparks und  Direktvermarkter im Umkreis von 200 Kilometern. „Eine Belieferung von Supermärkten oder Großhandelsmärkten wie Metro streben wir nicht an“, erklärt der 50-jährige Fischwirtschaftsmeister.
Er konzentriert sich auf die Zucht und den Verkauf von Fischen. Die Direktvermarktung im Hofladen läuft nebenher. Seine zwei Fischgeschäfte hat er verpachtet.

WIE TIERPFLEGER
Für Azubi Jens Berger beginnt der Arbeitstag morgens um 7 Uhr mit der Fütterung der Jungfische. Wie der Bauer das Feld sät, so versorgt der Fischwirt seinen Fischacker. Je nach Fischgröße streut Jens Berger mit einer Schaufel und im weiten Bogen die entsprechend großen Pellets aus.  Die Aufzucht von Forellen ist eine seiner Hauptaufgaben. „Man könnte sogar sagen, die Aufgaben eines Azubis in den ersten Lehrjahren sind Arbeiten, die auch ein Tierpfleger macht“, erklärt sein Ausbilder Elmar Mohnen, denn der Azubi muss die Fische nicht nur versorgen, er sollte auch den Gesundheitszustand der Fische feststellen können, und er muss den Teich – ähnlich wie ein Gehege – regelmäßig säubern.

Gefischt wird aber auch. Mit einer Reuse – einem großen Netz – werden die Forellen, die bereits vom Alter und der Mast her verkauft werden können, aus dem Teich gefischt und kommen in kleine Bassins. Dort werden sie nochmals auf Gewicht geprüft. Frühestens nach 15 Monaten sind sie reif für den Verkauf. Fast 50 Prozent der Fische werden aber noch ein bis drei Monate gemästet, bis sie zwischen 500 und 1000 Gramm wiegen.

WIND- UND WETTERFEST
Wind und Wetter dürfen Jens Berger nichts anhaben. Auch wenn es minus 8 Grad Celsius ist oder es in Strömen regnet, muss Jens Berger raus, Fische versorgen und Wasserqualität überprüfen. Bei schönem Wetter mit viel Sonnenschein hat der Fischwirt sogar noch mehr Arbeit. Da bei steigender Temperatur der Sauerstoffgehalt im Teich für die Fische knapp werden kann, muss die Wasserqualität häufiger als normal überprüft werden.

„Ich erwarte von meinen Mitarbeitern eine hohe Arbeitsbereitschaft. Das gilt auch für meine fünf Aus-zubildenden, die ich zurzeit habe“, erklärt Elmar Mohnen. Nicht immer ist um 17 Uhr Feierabend. Wenn kurz davor der Teich ausläuft oder Sauerstoffmangel herrscht, dann können die Mitarbeiter nicht einfach die Arbeit liegen lassen und sie auf den nächsten Tag verschieben. Arbeit mit lebenden Tieren ist Arbeit rund um die Uhr. Auch am Wochenende hat der Lehrling einmal im Monat Dienst. Am Samstag fünf bis sechs und am Sonntag drei bis vier Stunden. Die Arbeit ist anstrengend und herausfordernd. „Wenn der Bezug zum Fisch nicht da ist, dann schafft man die Belastung nicht. Aber ich habe mich daran gewöhnt, und mir macht die Arbeit Spaß“, sagt Jens Berger.

CHEMIE UND BIOLOGIE
Chemische und biologische Kenntnisse gehören selbstverständlich zum Berufsalltag eines Fischwirtes, wenn beispielsweise die tägliche Prüfung der Wasserqualität gemacht werden muss. Sauerstoff ist wichtig, der freie Kohlensäureanteil muss stimmen, und für den Mineralhaushalt der Fische muss auch der Chloridanteil passen. Als Azubi muss Jens Berger vor allem die Wassertemperatur überprüfen. „Mathematisches Verständnis ist absolut wichtig“, betont Elmar Mohnen. Problemlos und schnell – natürlich ohne Taschenrechner – sollte der Azubi ausrechnen können, wie viele Fische er in einen 500 Quadratmeter großen Teich einsetzen kann.

Auch die Vielseitigkeit seiner Ausbildung schätzt der angehende Fischwirt Jens Berger. Neben Aufzucht und Mast hat er viel mit Kunden zu tun. Fast jeden Tag steht eine Kundenbelieferung an. Bis zu 800 lebende Forellen, die in Wasser befüllten Wannen zappeln, transportiert der Azubi auf der Ladefläche eines speziellen Transporters. „Ich nehme nur Lehrlinge, die schon einen Führerschein haben“, erklärt Elmar Mohnen, denn zwischen 50000 und 60000 frische Fische müssen pro Woche an Fischgroßhandel, Gastronomie und Privatkunden geliefert werden.

Obwohl auch bei der Fischzucht viele Arbeitsgänge mechanisiert sind, ist noch echte Handarbeit gefragt. Abgesehen von den handwerklichen Tätigkeiten wie Flicken von Netzen oder defekten Schlauchstellen braucht der Fischwirt auch beim Schlachten und Ausnehmen der Speisefische Fingerfertigkeit. Für diese Arbeit benötigt Jens Berger im zweiten Lehrjahr nur noch um die 45 Sekunden für einen Fisch.

AUSBILDUNG DREI JAHRE
Der Beruf des Fischwirtes zählt zu den landwirtschaftlichen Berufen. Die Ausbildung dauert drei Jahre und endet mit einer Abschlussprüfung. Fast 60 Prozent aller Interessenten entscheiden sich für den Schwerpunkt Fischhaltung und Fischzucht. Zur Auswahl steht auch die Spezialisierung auf Seen- und Flussfischerei oder  Hochsee- und Küstenfischerei.

Neben der Praxis im Betrieb findet die theoretische Ausbildung – meist als Blockunterricht – an einer der fünf Berufs- und Fischereischulen Deutschlands statt. „Die Azubis sollten gegenüber räumlichen Veränderungen aufgeschlossen sein“, erklärt Gregor Bunne, Berufsberater bei der Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen. Nur in ganz wenigen Fällen findet sich eine passende Lehrstelle nahe des Heimatortes. Für Jens Berger war der Umzug von Wuppertal nach Stolberg keine Problem. Er fühlt sich in dem Eifeldörfchen Gressenich wohl und nutzt die freien Wochenenden aber für einen Besuch in Wuppertal. Den theoretischen Unterricht hat er an der Justus-von-Liebig-Berufschule in Hannover.

REGIONALE SCHWERPUNKTE
Zwar wurde der Ausbildungsplan für alle Bundesländer 1972 vereinheitlicht, dennoch gibt es weiterhin regionale Schwerpunkte. „Bei uns in NRW müssen alle Azubis zusätzliche bestimmte Kurse zur innerbetrieblichen Ausbildung belegen, wie den einwöchigen Kurs „Aufzucht und Vermehren von Fischen“, erklärt  Gregor Bunne. Derzeit werden etwa 300 angehende Fischwirte ausgebildet. In den Bundesländern Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen gibt es die meisten Azubis.

BERUFSRICHTUNGEN
So unterschiedlich wie die Berufsrichtungen sind die Anforderungen. Eine abgeschlossene Schulbildung – Haupt- oder Realschulabschluss – ist erwünscht. „Ich rate jedem, schon während der Schulzeit in den Ferien ein Praktikum zu machen. Nur so kann er feststellen, ob der Beruf das ist, was er sich vorgestellt hat“, sagt der Ausbildungsberater. „Wer dann noch eine Lehrstelle in einem anerkannten Ausbildungsbetrieb bekommt, hat später gute Karten, einen Arbeitsplatz zu finden. Denn die Ausbildungsbetriebe sind gut vernetzt und vermitteln auch untereinander Stellen.“

Jens Berger hat seine Berufswahl noch keine Minute bereut, auch wenn er bei schönem Wetter mal wieder länger Dienst hat, weil er für den Verkauf am nächsten Tag noch Forellen fischen muss. ¦

Diskussion

4 Kommentare zu “Fischwirt”

  1. Guten Tag erstmal,

    ich bin der Marvin Brand komme aus Spenge (NRW),und bin momentan noch Schüler der Regenbogengesamtschule Spenge.
    Ich werde aller warscheinlichkeit nach nach der 10.Klasse abgehen und HA 10 haben. Fragen wollte ich, ob es man auch praktikum in NRW machen könnte, oder in Niedersachsen z.B Osnabrück oder Melle.
    MFG. M.Brand

    Geschrieben von Marvin Brand | Dezember 4, 2008, 22:08
  2. Hallo
    ich heiße Luca Holm und besuche zurzeit die Stephan-Hawking-Schule Neckargemünd,
    im 8 Schuljahr sollen wir ein Praktikum absolvieren und mich interessiert sehr der Fischverkauf und die Fischzucht daher wollte ich wissen ob es möglich wäre bei ihnen ein Praktikum zu absolvieren
    Mfg
    Luca Holm

    Geschrieben von Luca Holm | Februar 7, 2009, 12:05
  3. […] gibt – wie soll es auch anders sein – auch zu diesem Ausbildungsberuf des Fischwirtes reichlich Informationen. Daher angel ich Ihnen einige wichtige Infos […]

    Geschrieben von Jobcoach Ströver » Blog Archiv » Fischerei | Oktober 25, 2009, 00:38
  4. […] gibt – wie soll es auch anders sein – auch zu diesem Ausbildungsberuf des Fischwirtes reichlich Informationen. Daher angel ich Ihnen einige wichtige Infos […]

    Geschrieben von Strövers Berufepaedblog » Blog Archiv » Die Ausbildung zum Fischwirt bzw. zur Fischwirtin | Januar 23, 2011, 18:46

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