Berufsbilder


Fachkraft für Hafenlogistik

Neuer Beruf am Wasser

hafenlogistik1b_web.jpgDass ein großes Schiff wohl in den meisten Fällen eine Ladung hat, das wusste Paul Mergentheimer natürlich schon vorher. Aber nicht, wie viel in den Bauch eines Frachters hineingeht – und was das an Aufwand mit sich bringt. Jetzt weiß Paul Bescheid, denn er sieht es ja jeden Tag von früh bis spät. Paul macht nämlich eine Ausbildung zur Fachkraft für Hafenlogistik.Früher nannte man so etwas Seegüterkontrolleur. Und noch früher Küper. Berufsnamen ändern sich mit der Zeit und mit ihnen auch die Aufgaben. „Früher konnte man vielleicht sagen: schau mal, ob die Ladung vollzählig ist“, weiß Holger Jense von der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), „heute ist die Arbeit im Hafen schon etwas umfangreicher.“

MEHR TECHNIK, MEHR GESCHWINDIGKEIT
In der Tat: Zwar geht es heute wie zu Großmutters Zeiten im Prinzip immer noch um dasselbe, nämlich um die Abfertigung von Ein- und Ausfuhrgütern, dem Abgleichen der Ladepapiere mit der Fracht und gegebenenfalls um sachgemäße Lagerung.
Aber heute ist dies alles mit sehr viel mehr Technik und vor allem sehr viel höherer Geschwindigkeit verbunden.

SPEZIALISTEN FÜR LADUNG
Gewürze und Tee aus Südostasien, Holz aus Südamerika oder Elektrogeräte aus Japan – rund um die Uhr bringen Schiffe die verschiedensten Ladungen in die Häfen. Beladen, Entladen, Transportieren, Lagern – alles muss schnell gehen und präzise ablaufen, damit der Hafenbetrieb nicht ins Stocken gerät. Und hier tritt Paul auf den Plan. Denn Paul gehört spätestens am Ende seiner Lehre zu den Fachkräften für Hafenlogistik. Und die sind Spezialisten dafür.

NICHT ALLES VOM SCHIFF
Ist die Ladung auch vollzählig? Das muss anhand der Ladepapiere überprüft werden. Sind die Frachtpapiere in Ordnung? Die Fachkräfte für Hafenlogistik checken alles, was da so kommen mag. Was gerade nicht mit einem Schiff „einkommt“, wird von Land zumeist in Containern per Lkw oder auf der Schiene in Güterwagen gebracht. Ob ausgehendes Stück- und Sackgut, Holz, Autos oder Farbfernseher.

VERTRAUEN IST GUT, ABER …
Alles muss auf Menge und Beschaffenheit kontrolliert werden. Sind die Mengen überhaupt richtig angegeben? Das bedeutet unter anderem Wiegen und Vermessen der Ladung, Protokollieren von eventuellen Beschädigungen. Dabei werden die einzelnen Waren genau geprüft: Sie vermessen zum Beispiel auch Tankräume oder stellen Tankinhalte fest. Damit niemand schummeln kann. Zum Beispiel bei der Qualität. Ist die bei der Ware wie vom Kunden gewünscht? Um die festzustellen, braucht man wiederum die unterschiedlichsten Messgeräte und -instrumente. Mit denen ziehen die Spezialisten dann Proben. Manchmal muss man sogar dienstlich seine eigene Nase zum Einsatz bringen. Oder die Hände. Wenn es gar nicht anders geht, um beispielsweise einem Verdacht nachzugehen, werden Warenproben auch schon mal zur genaueren Untersuchung ins Labor geschickt.

FALL FÜR DEN STAATSANWALT?
Mitunter kommt es vor, dass schon der Ladebehälter nicht in Ordnung ist, denn auch ein Stahlcontainer ist irgendwann einmal hinüber. Wenn ein amtliches Siegel beschädigt ist, kann das ein Fall für den Staatsanwalt sein. Manchmal kann auch niemand etwas dafür, wenn zum Beispiel Verpackungen beschädigt worden sind, etwa weil ein Schiff auf rauer See hin und hergeschaukelt ist. Trotzdem muss es ja repariert werden. Hierfür sind die „Hafenlogistiker“ ebenfalls zuständig.

WO DER GRÜNE TEE IST
Außerdem organisieren sie den Weitertransport zum Lagerplatz und stellen geeignete Transportmittel bereit. Zunächst bereiten sie die Lager vor und reinigen sie. Bei der Entladung kontrollieren sie die Verpackungen und helfen bei der Verpackung loser Güter mit. Dann nehmen sie die Güter mit hydraulischen Winden oder anderen Hilfsmitteln auf und transportieren sie zum Speicher. Dort lagern sie sie fachmännisch und dokumentieren den genauen Ort berufsbilder mittels EDV. So kann man jederzeit abrufen, wo genau sich etwa der grüne Tee befindet, der gestern aus China ankam. Während der Lagerzeit beobachten und pflegen Fachkräfte für Hafenlogistik die Ware: Sie durchlüften sie gut, regulieren Temperatur und Luftfeuchtigkeit oder achten darauf, dass bestimmte Güter voneinander getrennt liegen, um Vermengungen oder Ausdünstungen zu vermeiden. Schließlich ziehen sie auch hier Proben, um die Qualität zu kontrollieren und etwaige Schäden festzustellen, etikettieren die Proben und schicken sie zur Untersuchung weiter.

HELMPFLICHT UND KOPFARBEIT

Oft sind sie auch nachts und an Sonn- und Feiertagen im Dienst. Damit keine Unfälle passieren, müssen sie sich genau an die Sicherheitsvorschriften halten. Sich selbst schützen sie mit Schutzhelm oder Ölzeug. Im Kontor erledigen sie die anfallenden Verwaltungsarbeiten: Sie füllen sorgfältig die Frachtpapiere aus oder bereiten die vorgeschriebenen Zolldeklarationen vor und arbeiten mit modernen Terminalmanagement-, Lager- und Logistiksystemen, die im zunehmend automatisierten Umschlaggeschäft inzwischen unverzichtbar sind.

AUFGABENWECHSEL
„Das ist viel Stoff“, findet Paul, der am 1. August seine Lehre begonnen hat. Genau genommen gibt es die neue Ausbildung erst seitdem. Drei Jahre wird das so gehen: ein ständiger Wechsel zwischen den unterschiedlichen Aufgaben. Dazu gehören auch ganz trockene Dinge wie Lagerlisten führen und Berichte anfertigen: „Aber es ist eine Tätigkeit mit viel Abwechslung.“

SPRACHWECHSEL
Zur Abwechslung gehört allerdings auch das Sprechen. Und in einem Welthafen wie Hamburg hat man es an jedem Tag mit Menschen aus allen Ecken zu tun. Da heißt es Englisch sprechen! In den ersten Tagen musste sich Paul nicht nur kräftig überwinden, sondern auch feststellen, dass es mit seinem aktiven Wortschatz nicht weit her ist. Das hat er in etwa schon vorher gewusst, Aber nicht, wie viel Aufwand das mit sich bringt.

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