Interview


Christian Kahrmann im Interview

christian_kahrmann_web1.jpgazubi: Sie sind mit der Lindenstraße groß geworden. Keine Angst, es geht nicht um die Figur, die Sie gespielt haben. Die soll außen vor bleiben und Benny Beimer kennen die jungen Leute eh nicht mehr, oder doch?

Christian Kahrmann: Naja, es gibt eigentlich so drei verschiedene Lager von jungen Leuten, die mich auf bestimmte Filme/Serien ansprechen: Die einen, die mich noch aus der Lindenstraße kennen. Die sind dann eher so alt wie ich und haben jetzt schon Kinder und so weiter. Danach die, für die eher „Und Tschüss…“ kultig war und natürlich aus neuester Zeit die riesen Fangemeinde von „Bang, Boom, Bang“, die mich als „Mark Kampmann“ grüßen.

azubi: Nervt Sie die Frage nach Benny Beimer oder ist es schon so weit, dass Sie die Frage nervt, ob es Sie nervt, nach Benny Beimer gefragt zu werden?

Christian Kahrmann: Es kommt darauf an. Ich habe sogesehen kein Problem, über diese Rolle und diesen Abschnitt meiner Laufbahn zu sprechen. Aber man entwickelt sich ja weiter, hat neue Ziele und Wünsche und es ist doch klar, dass man auch gerne so wahrgenommen und nicht immer nur auf ein bestimmtes Image reduziert werden möchte. Das ist über die Jahre gesehen harte Arbeit und verlangt viel Eigeninitiative, damit man nicht auf so etwas hängen bleibt.

azubi: Im Grunde ist es nicht wichtig, wie hoch ihre damalige Rolle auf heutigen Coolness-Skalen ausschlägt. Sie haben von ihr profitiert, nehme ich an. Mit acht Jahren standen Sie erstmals vor der Kamera, mit 13 erlangten Sie als Benny größere Bekanntheit. Sicherlich ein Sprungbrett. Dennoch machten Sie Ihr Abi. Wie haben Sie das alles unter einen Hut bekommen?

Christian Kahrmann: Natürlich habe ich im Endeffekt davon profitiert – deshalb bin ich heute Schauspieler. Da in meiner Familie niemand aus der Branche war, musste ich mich aber trotzdem „hochboxen“. Ich hatte zwar schon etwas Erfahrung mit der Filmerei aber 1985, zum Beginn dieser ersten Langzeitserie, konnte mir niemand vorhersagen, was da auf mich zukommt. Ich habe sicherlich auch Opfer bringen müssen. Im Nachhinein fand ich es gar nicht so toll, dass diese Rolle und damit ich so bekannt wurden. Heute sagen mir Leute, dass sie sich damals mit der Figur identifizieren konnten. Sie war halt sehr realistisch konzeptioniert und kein ausgedachter „Mr. Supercool“. Ich denke, dass der „Umweltrebell“, den ich damals gespielt habe, heutzutage viel mehr geachtet werden würde, da solche Werte eigentlich erst später akzeptiert waren. Die Schule und meine Freizeit habe ich eigentlich recht easy nebenher hinbekommen. Allerdings war ich auch auf einer sehr liberalen Schule, die mir da wenig Steine in den Weg gelegt hat. Die Lehrer waren, bis auf einige Ausnahmen, sehr fair und haben mich ganz normal behandelt. Ich bin nicht bevorzugt worden. Das habe ich eigentlich in sehr guter Erinnerung.

azubi: Nach Bennys tödlichem Unfall 1992 wechselten Sie zu anderen Produktionen mit neuem Image. Und Tschüss…! zum Beispiel. Später kamen Tatort-Episoden und Filme wie Kubaner küssen besser, Bang Boom Bang und das Tribunal hinzu. Klebte Ihnen Benny dabei wie ein Kaugummi unterm Fuß?

Christian Kahrmann: In der Branche hatte ich dadurch eigentlich nie Probleme. Ich habe jedenfalls nicht wissentlich eine Rolle nicht bekommen, weil ich diese Vergangenheit hatte. Bei einigen Projekten hat dann eher der Bekanntheitsgrad geholfen oder ganz bewusst die Absicht der Macher, mit mir ganz andere Figuren zu besetzen. Im Falle von „Bang, Boom, Bang“ hat es dem Regisseur Peter Thorwarth sicherlich recht viel Spaß bereitet, mein vorheriges „Image“ mit der Rolle vom triebigen und verschlagenen Mark Kampmann einmal kräftig auf den Kopf zu stellen.

azubi: War Ihnen das Abitur wichtig, falls aus der Filmkarriere nichts wird?

Christian Kahrmann: Ja, das wollte ich schon machen. Aber nie mit Krampf. Ich wusste zum Zeitpunkt des Abiturs auch noch gar nicht, dass ich die Schauspielerei weiterhin professionell betreiben werde. Deshalb habe ich erstmal versucht, „Akademiker“ zu werden, was aber überhaupt nichts für mich war. Ich kam mir wie ein Huhn in einer Legebatterie vor. Ich habe einfach für mich nicht gesehen wo das Ganze hingehen soll und es war mir viel zu wenig praxisbezogen. Dennoch habe ich persönlich den größten Respekt vor Leuten, die sich heutzutage durch ein schwieriges Medizin- oder Jurastudium durchbringen.

azubi: Sie hängten ein Studium von Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften dran, gingen nach Amerika, absolvierten eine Schauspielausbildung im renommierten Herbert Berghoff- Studio. Warum?

Christian Kahrmann: Ich hatte schon immer einen starken Bezug zu der Stadt, bin jedes Jahr mindestens zweimal dorthin geflogen. Da NYC ja quasi das Mekka der Schauspielerei ist, habe ich mich dann eines Tages dort in der Szene einmal umgesehen, um herauszufinden, wie das denn alles so ist mit Strasberg, Method Acting oder anderen Techniken. Ich habe mir so ziemlich alles angeschaut, was es gab und fand die Schule von Herbert Berghoff und Uta Hagen ziemlich pur und toll in ihrer Auffassung der Lehre. Es geht da weder um Geldmacherei, noch um Elitedenken, sondern sehr darum, seine eigenen Talente auszubauen und zu erweitern. Nachdem man mich dort auch noch aufgenommen hatte, packte ich 1995 sofort meine Koffer und begann die Ausbildung. Diese vier Jahre waren bisher die schönsten Jahre meines Lebens.

azubi: Sie sagten einmal, dass Sie eher der Macher sind als der, der die Dinge auf sich zukommen lässt. Sie haben in New York mit Partnern ein Theater gegründet, das German Theater Aboard. Was haben Sie noch vor?

Christian Kahrmann: Das GTA (www.g-t-a.de) ist mittlerweile sehr erfolgreich. Wir haben es geschafft, von einem kleinen „Garagentheater“ in Manhattan, aufwendige Theaterproduktionen mit großer medialer Wirkung und Wahrnehmung auf beiden Seiten des Atlantiks zu veranstalten. Unsere Mission ist ja, deutsche Stücke und Theaterkünstler in den USA in englischer Übersetzung zu präsentieren und vor allem einen kulturellen Austausch und eine Kollaboration mit den Künstlern dort zu schaffen. Es gibt dafür weitere Projekte , die in Planung sind, nun auch verstärkt hier in Deutschland. Mal sehen, wo uns das hinbringt. Ansonsten reizt es mich, einmal selbst bei einem Film Regie zu führen. Ich denke, ich könnte ganz gut andere Schauspieler „führen“. Ich bin aber noch auf der Suche nach der richtigen Idee, beziehungsweise dem richtigen Drehbuch. Dennoch bleibt meine Hauptkonzentration natürlich weiterhin beim Schauspielen.

azubi: Welche Rolle hat Sie in Ihrer Karriere bisher am wenigsten begeistert? Welche würden Sie gerne spielen?

Christian Kahrmann: Ich habe, wie jeder, natürlich auch ein paar Leichen im Keller. Die Filmfortsetzungen zur Serie „Und Tschüss…“ zum Beispiel, hätte man besser bleiben lassen sollen. Da habe ich schon gespürt, dass das nichts Tolles wird. Aber ich kenne keinen Kollegen, der nicht irgendwann mal in einer peinlichen Krankenhausoder Familienserie und Schmonzette sein Bestes gegeben hat. Man war halt jung und brauchte das Geld ;-).

azubi: Was können Sie denen ans Herz legen, die noch ihr ganzes Berufsleben vor sich haben?

Christian Kahrmann: Ich finde, man sollte sich ruhig etwas Zeit nehmen herauszufinden, was man wirklich machen will. Und es muss auch nicht jeder Arzt oder Anwalt werden. Ohne Quatsch, ich habe selten unglückliche, jammernde Handwerker getroffen. Solche Berufe hatten früher sicherlich nicht das tollste gesellschaftliche Ansehen, aber ich denke, das hat sich geändert. Auf jeden Fall sollte man Träume haben können und versuchen, sie zu erreichen. Wer merkt, dass er in seinem Job unglücklich ist, muss nicht sein ganzes Leben zur Strafe damit verbringen.

azubi:In welchem Film werden wir Sie als nächstes sehen?

Christian Kahrmann: Als nächstes bin ich in dem großen Zweiteiler „Der Untergang der Pamir“, im November in der ARD als Hauptmatrose Uwe Brehme zu sehen. Das ist die Verfilmung der spektakulären Schiffskatastrophe aus dem Jahr 1957, bei der nach dem Kampf der Mannschaft gegen einen Hurrikan von 86 Besatzungsmitgliedern nur fünf junge Kadetten und der Bootsmann überlebt haben.

Das Interview führte Björn Schönewald

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