Berufsbilder


Winzer

Den Wein durchs ganze Jahr begleiten

phillip_wittmann_weinglas.jpgWer bisher glaubte, der Winzer sitzt nur in seinem dunklen Weinkeller und probiert die edlen Tropfen, die er gebraut hat, wird auf dem Weingut der Familie Wittmann bei Worms eines Besseren belehrt. Neben traditioneller Arbeit kommt auch moderne Technik zum Einsatz. Wer die Abwechslung liebt, ist in diesem Beruf daher richtig.

Alt ist die Kunst des Winzerns – aber sicher nicht unmodern. Wer sich für die Ausbildung entscheidet, ergreift einen interessanten Beruf, der sehr unterschiedliche Arbeitsbereiche vereint, sodass neben Muskelkraft auch Verstand und Gefühl gefragt sind.

Einer, der die abwechslungsreichen Tätigkeiten schätzt, ist der 21-jährige Christian Braunewell, der sich kurzfristig für eine praktische Ausbildung zum Winzer entschieden hatte. „Eigentlich wollte ich nach dem Abitur Chemie studieren“, erklärt er. Chris-tian bringt gute Voraussetzungen mit, denn seine Eltern besitzen ebenfalls ein Weingut, auf dem er bereits als Junge mitgeholfen hat.

Körpereinsatz ist gefragt
Für die Ausbildung sollten die angehenden Winzer schon praktisch veranlagt sein, wie Elisabeth Wittmann erklärt. Sie ist nicht nur Mutter von Phillip und Ehefrau von Günter Wittmann sondern hält auch die Stellung im Büro des Familienbetriebes, während die anderen im Weinberg oder auf dem Gut unterwegs sind. „Wir bilden zwar auch Mädchen aus“, sagt sie, „aber die haben es schon schwer“. Sie müssen genau wie ihre männlichen Kollegen Gabelstapler und Traktor fahren und auch die übrigen Arbeiten können arg an den Kräften zehren. Eine der Auszubildenden ist die 21-jährige Yvonne Lucas, die versichert: „Ganz so schlimm ist das gar nicht.“ Sie muss zwar zugeben, dass es manchmal schon anstrengend ist, aber es gibt Hilfsmittel, sodass alles zu schaffen ist. „Man muss sich eben durchbeißen und bei wirklich schweren Sachen helfen die männlichen Kollegen dann“, sagt sie.

Im Jahreszeitenwechsel
„Körperlich robust sollten Auszubildende schon sein, denn im Weinkeller ist es häufig feucht. Und Spaß an der Arbeit im yvonne_lucas.jpgFreien ist wichtig“, zählt die Winzerin auf. Schließlich gebe es im Sommer wie im Winter auch Arbeit auf den Weinbergen: „Im Winter der Rebschnitt, im Sommer muss der Boden bearbeitet sowie die Rebstöcke gebändigt werden und schließlich im Herbst die Ernte“, erklärt Wittmann. „So begleiten wir den Wein durch das ganze Jahr hindurch.“

Natürlich müssen die edlen Tropfen auch verkauft werden. „Auch das gehört zum Job eines Winzers“, erklärt die Weinbäuerin. „Das bedeutet, dass kaufmännische Grundlagen für den Beruf genauso wichtig sind.“ Und dies ist dann das Feld, auf dem sich meistens die Frauen spezialisieren. „Wir haben eine Weinbauingenieurin, die im Büro arbeitet und sich in erster Linie um die Kundenkontakte kümmert“, sagt Wittmann.

Mit Verstand und Gefühl
Während der Ausbildung ist Chemie ein wichtiges Fach. Jeder Winzer sollte natürlich wissen, was mit seinem Wein gerade geschieht und wie er Geschmack und Gärungsprozesse beeinflussen kann. Dennoch gibt es kein festes Rezept, das einen guten Wein garantiert. „Die Trauben sind eben in jedem Jahr anders“, weiß die Weinbäuerin. „Und daher kann man kaum aus seinen Fehlern lernen, denn was in diesem Jahr vielleicht falsch war, kann im nächsten Jahr wiederum richtig sein.“ Das bedeutet, dass die Winzer stets ganz genau überlegen müssen, wann sie welchen Schritt tun, damit am Ende ein guter Wein herauskommt. Und der ist nicht allein durch das Fachwissen des Winzers beziehungsweise des Kellermeisters zu erzielen. Damit das Ergebnis am Ende stimmt, sind eben auch viel Erfahrung und das richtige Gefühl für den edlen Trank entscheidend.

Die Erfahrung unterschiedlicher Ausbilder
Während in vielen Ausbildungsberufen erst als Geselle der Betrieb gewechselt wird, ist es bei den Winzern durchaus üblich, jedes Jahr auf einem anderen Weingut zu verbringen. „Dass jemand seine gesamte Lehrzeit auf einem Gut ableistet, ist eher selten“, erzählt Yvonne. Auch sie stammt aus einer Weinbauer-Familie. Angesichts ihrer Erklärung wird schnell klar, warum weder sie noch ihr Kollege Christian nicht auf dem elterlichen Gut ihre Ausbildung machen. „Man will möglichst viele Betriebe sehen“, sagt sie. „Der Weinbau ist ständig im Wandel und lebt vom Austausch.“ Daher hat sie das erste Ausbildungsjahr auf dem Weingut Wegmüller in der Pfalz verbracht, bevor sie zu den Wittmanns kam. Nach ihrer Abschlussprüfung im Juli will sie sich drei Monate in einem kalifornischen Weinkeller umschauen, um möglichst viele neue Eindrücke mit auf das elterliche Gut bringen zu können.

Christian will sein zweites Ausbildungsjahr auf dem Weingut Knipser in Laumersheim verbringen. „Das Weingut Wittmann hat seinen Schwerpunkt in den Bereichen Weißwein und ökologischer Anbau“, erklärt er. In der nördlichen Pfalz will er dann mehr über Rotweine lernen.

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?
Wer Winzer werden möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Einige finden ihren Arbeitsplatz als Kontrolleure bei weinkeller_web.jpgBehörden, wo sie dann zum Beispiel im Auftrag Weine prüfen. Auch auf die Arbeit im Weinberg kann sich ein Winzer spezialisieren. Im Weinberg gibt es aber nicht nur für gut ausgebildete Fachkräfte einen Job. Vom Hilfsarbeiter bis hin zum Chef finden alle Qualifizierungsstufen hier ihre Arbeit.

Wer ein besonderes Händchen für die Herstellung hat, kann als Kellermeister tätig werden. Er ist verantwortlich für die Verarbeitung der Trauben, die Lagerhaltung, die richtige Etikettierung und den Versand der Weine. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz als Entwickler oder Techniker. Diese Berufsgruppe arbeitet dann vorwiegend mit den Gerätschaften, die für die Herstellung von Weinen erforderlich sind.

Im Handel werden ebenfalls Fachkräfte benötigt. Wer hier tätig ist, muss über Marktkenntnisse verfügen und wissen, welche Weine aus welcher Region zu erwarten sind. Nur sehr wenige Winzer, die in diesem Tätigkeitsfeld arbeiten, dürfen sich „Master of Wine“ nennen. Diese angesehene Spezialausbildung können Winzer nur in London machen. Einen solchen Abschluss vorweisen zu können, entspricht schon fast einer Jobgarantie.

Für Christian Braunewell und Yvonne Lucas steht schon fest, was sie anschließend machen werden: Beide wollen nach der Ausbildung Weinbau und Oenologie (Kellerwirtschaft) studieren. Das hätten sie zwar auch direkt nach dem Abitur tun können, allerdings ist dafür ohnehin ein mindestens viermonatiges Praktikum erforderlich, das sie nun nicht mehr benötigen. Ist das Studium abgeschlossen, werden die beiden bestens gewappnet sein, um gemeinsam mit ihren Brüdern – sie haben jeder einen – später den elterlichen Betrieb zu übernehmen. ¦

Fotos: Wittmann

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