Unternehmen


Karriere bei der Flughafenfeuerwehr Frankfurt

Beruf oder Berufung?

Der Frankfurter Flughafen gehört zu den wichtigsten Luftfahrt-Drehscheiben der Welt. Auf 19 Millionen Quadratmetern arbeiten rund 70000 Menschen. Mehr als 1300 Flugzeuge am Tag wollen mit bis zu 16 Millionen Litern Kerosin betankt werden. Weit mehr als 50 Millionen Passagiere durchlaufen die Terminals im Jahr. Jede Menge Arbeit und Verantwortung bedeutet das für die Flughafenfeuerwehr. Wer hier als Brandschützer arbeiten möchte, braucht eine fundierte Ausbildung. Ein anerkannter Ausbildungsberuf ist Feuerwehrmann allerdings nicht.

Das Handy klingelt fast ununterbrochen. Die Wachen, der Bundesgrenzschutz, die Verwaltung. Unterwegs reicht eine Mitarbeiterin noch schnell ein paar Akten ins Fahrzeug. „Ist bis zur Mittagspause fertig“, sagt Karl-Christian Hahn. Mit Feuerwehr habe er früher nichts am Hut gehabt, erzählt er während der Fahrt über das Rollfeld. Nach seinem Studium habe er bei einem Chemiekonzern arbeiten wollen. Die hatten ihren Ingenieurbedarf jedoch gedeckt. Hahn ging darum zur Werkfeuerwehr, weil dort jemand mit Chemiekenntnissen gesucht wurde. Vorübergehend, um später in die Entwicklung zu wechseln. Er wechselte nie zurück, im Gegenteil. Er blieb zwölf Jahre bei der Werkfeuerwehr des Chemiekonzerns, die er schließlich leitete. Vor 15 Jahren nahm er dann ein Angebot der Fraport AG an, als Leiter Flughafenbrandschutz auf dem Frankfurter Flughafen.

 

Feuer fast täglich
„Was in einer Großstadt passiert, passiert hier auch“, sagt Hahn. 70000 Mitarbeiter der Fraport AG und mehr als 50 Millionen Fluggäste sorgen für 5500 Einsätze im Jahr. Allein 1000 Verkehrsunfälle gibt es jährlich auf dem Flughafengelände. 50000 Feuermelder schlagen im Durchschnitt 2500 Mal Alarm, 350 Mal brennt es wirklich – fast täglich. Zu 99 Prozent bleibt es bei Kleinfeuern. Wie in einer Großstadt also, plus das, was Flugzeug & Co. so mit sich bringen. Etwa 100 Einsätze im Jahr stehen im Zusammenhang mit Flugzeugen. Wenn eine Maschine übertankt worden ist, eine Notlandung angekündigt oder heißgelaufene Räder hat, ist die Feuerwehr zur Stelle. „Die Luftfahrt ist so sicher geworden, weil wirklich jede Kleinigkeit gemeldet wird“, sagt Hahn.

In drei Minuten überall
Drei Wachen hat die Flughafenfeuerwehr Frankfurt an zentralen Punkten, um jeden Winkel des Airports innerhalb kürzester Zeit erreichen zu können. „Wir müssen in drei Minuten an jedem beliebigen Punkt des Geländes sein können“, sagt der Feuerwehrchef. 30 Sekunden davon haben die Feuerwehrleute, um in voller Montur im Einsatzfahrzeug zu sitzen. 2,5 Minuten bleiben also, um Distanzen von bis zu vier Kilometern zurückzulegen. Mit herkömmlichen Feuerwehrfahrzeugen ginge das nicht. Auch da ist die Flughafen-
feuerwehr sehr speziell.

36 Tonnen Wasser
Die Fahrzeuge der Flughafenfeuerwehr Frankfurt sind auf Geschwindigkeit ausgelegt. Spezialanfertigungen nach den Bedürfnissen der Fraport AG. Die größten von ihnen sind die Simba 8×8, die dank 1200 PS mit 12500 Litern Wasser, 1500 Litern Schaum und 500 Kilogramm Pulver an Bord 140 Stundenkilometer schnell unterwegs sind. Zwei Simbas 8×8, ein Simba 6×6 und ein HTLF (Hilfeleistungstanklösch-fahrzeug) bilden einen Löschzug und befördern zusammen mehr als 36 Tonnen Wasser, vier Tonnen Schaum und eine Tonne Pulver.

Ausbildung vorausgesetzt
Genau wie die Fahrzeuge, ist auch die Ausbildung der Feuerwehrleute auf die speziellen Anforderungen des Flughafens ausgerichtet. Insgesamt dauert sie 18 Monate und setzt eine abgeschlossene Berufsausbildung, idealerweise im technischen Bereich, einen LKW-Führerschein, Fitness, ein gutes Allgemeinwissen und vor allem Teamfähigkeit voraus.

Intern ausgeschrieben
Bircan Ulutuz ist 37 Jahre alt und war bis vor wenigen Monaten in der Flugzeugabfertigung beschäftigt. Jetzt durchläuft er die Grundausbildung für Werkfeuerwehrleute. „Durch eine Ausschreibung von Fraport bin ich darauf gekommen“, sagt er. Vorher habe er gar nicht daran gedacht, jemals bei der Feuerwehr zu arbeiten. Gemeinsam mit neun Kameraden soll er heute die Sportprüfung durchlaufen. Körperliche Fitness ist ein K.-o.-Kriterium.

Grundausbildung
Das Feuerwehr-Training-Center (FTC) am Flughafen Frankfurt bildet Feuerwehrleute aus der ganzen Welt aus. Werkfeuerwehrleute vieler unterschiedlicher Unternehmen durchlaufen hier ihre Grundausbildung. In der Gruppe von Bircan Ulutuz sind auch Leute von Merck, Opel oder Heraeus.

Idealismus gehört dazu
„Diesen Beruf hat man aus Überzeugung, nicht wegen des Geldes“, sagt Andy Glaw. Immer müsse man sich der Gefahren bewusst sein. Im Grunde werde man da hingeschickt, wo andere herausgeholt werden. „Da gehört schon eine Menge Idealismus dazu.“ Seit seiner Kindheit ist der 24-Jährige bei der Freiwilligen Feuerwehr und nun in der Grundausbildung zum Werkfeuerwehrmann. Seine Berufsausbildung hat er im Vorfeld gezielt ausgerichtet. „Ich habe Kraftfahrzeugelektroniker gelernt“, sagt Glaw. Eine ideale Grundlage, erwidert Ausbilder Tobias Schneider.

Aus den eigenen Reihen
„In der Regel rekrutieren Unternehmen ihre Feuerwehrleute aus den eigenen Reihen“, erklärt Schneider. Stellen für Nachwuchsbrandschützer werden zunächst intern ausgeschrieben. Eine technische Ausbildung in einem Betrieb mit Werkfeuerwehr ist also die wahrscheinlich beste Kombination, um zum Brandschutz zu gelangen.

Ganz so technisch muss der erlernte Beruf aber nicht immer sein. Daniel Peters zum Beispiel hat sich vor seiner Feuerwehrausbildung mit Zierpflanzen beschäftigt – in der Fraport-eigenen Gärtnerei. Dort durchlief er seine Ausbildung und wurde im Anschluss für ein Jahr übernommen. Es folgte der Wechsel zum Gepäckdienst, wo er Koffer und Taschen verlud, bis er die Ausschreibung entdeckte. Da wusste der 25-Jährige sofort, wo seine berufliche Laufbahn hingehen sollte. Er bewarb sich und hatte Erfolg.

Vielfältige Aufgaben
„Das schöne am Beruf des Feuerwehrmanns ist die Abwechslung“, sagt Reiner Weyrauther, zuständig für die Abnahme von Sportabzeichen bei der Feuerwehrausbildung. „Man steht morgens auf und weiß nicht, was kommt“, führt er aus. Zum Alltag gehört das Beseitigen von Ölspuren, Sicherung von Gefahrgut, wenn zum Beispiel die Verpackung beschädigt wurde, oder auch das Einfangen entflohener Tiere. Für Letzteres gibt es sogar spezielle Trainings auf Bauernhöfen und im Zoo. „Die Feuerwehr wird gerufen, wenn ein Zug stehengeblieben ist, ein Zaun gesichert werden muss oder sich jemand einen Finger in einer Maschine geklemmt hat“, sagt Karl-Christian Hahn. Und wenn alle Fahrzeuge des Rettungsdienstes im Einsatz seien, eile zunächst die Feuerwehr zu Hilfe.

Bergungen weltweit
Nicht nur auf dem eigenen Flughafen, sondern weltweit, bietet das geschulte Team der Fraport-Feuerwehr Flugzeugbergungen an. „Da muss man sich gut mit den Maschinen auskennen“, sagt Hahn. Ein Jumbo wiege um die 400 Tonnen und wenn der neben der Rollbahn im Schlamm stecke, könne man ihn nicht einfach herausziehen. „Ganz schnell hat sich ein Flugzeug dann verzogen und ist irreparabel beschädigt“, erklärt Hahn. Mit speziellen Luftkissen und Schwerlastanhängern lasse sich jedes Flugzeug adäquat stützen und sogar mit demontierten Fahrwerksteilen schadlos bewegen.

Feuerwehr-Trainings-Center
Weiterbildung und Training sind Themen, die bei der Flughafenfeuerwehr kontinuierlich auf dem Programm stehen. Die Regelmäßigkeit sichert Brandschutz auf höchstem Niveau. Mathe, Chemie, Physik und die Feuerwehr-Dienstvorschrift sind nur einige Fachgebiete, mit denen sich ein Feuerwehrschüler konfrontieren muss. Die praxisbezogene Ausbildung erfolgt unter anderem an der Brandsimulationsanlage BSA. Hier können alle erdenklichen Szenarien eines Flugzeugbrandes nachgestellt werden. Ob Feuer in der Bordküche, im Gepäckfach oder im Frachtraum eines Flugzeugs, im Cockpit, oder am Triebwerk, sogar ein Flash-Over in der Kabine ist inszenierbar. Zahlreiche weitere Sonderlehrgänge reichen von der Ausbildung an Rettungsschere und Spreizer, an Motorkettensägen und anderem Spezialgerät über die Atemschutzträgerausbildung bis hin zur Strahlenschutzausbildung und zum Deutschen Sportabzeichen.

24-Stunden-Dienst
Was bei den Feuerwehrleuten eher zu kurz kommt, ist das Privatleben. Bei der Flughafenfeuerwehr gibt es ausschließlich 24-Stunden-Schichten. Dienstbeginn ist jeweils morgens um 8 Uhr. Bis 16 Uhr arbeiten die Feuerwehrleute in den Büros oder den Werkstätten der Wachen, stellen Leistungen in Rechnung, kümmern sich um Buchhaltung und Personalwesen oder warten Fahrzeuge und Geräte. Danach geht es in den Bereitschaftsdienst, bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr. Darauf gibt es 24 Stunden frei, bevor der nächste Dienst beginnt. „Das wiederholt sich viermal, dann hat man 48 Stunden Pause“, sagt Schneider. „Man verbringt mehr Zeit mit seinen Kollegen, als mit der Familie“, sagt Anwärter Ralph Schwäch. Der Zusammenhalt sei dadurch sehr ausgeprägt, was auch sein müsse. Sogar ihre Freizeit gestalten die Feuerwehrmänner des Frankfurter Flughafens zuweilen gemeinsam, bei Motorradausflügen zum Beispiel.

Wachsen mit dem Flughafen
Bis 2011 soll der Frankfurter Flughafen um eine neue Landebahn und bis 2015 um ein weiteres Terminal erweitert werden. „2009 müssen wir dann schon neue Feuerwehrleute einstellen“, sagt Karl-Christian Hahn. Um die Drei-Minuten-Regel nicht zu brechen, sei die Einrichtung einer vierten Feuerwache unumgänglich.

Diskussion

7 Kommentare zu “Karriere bei der Flughafenfeuerwehr Frankfurt”

  1. Hallo,

    ist es richtig das die Freischicht nur 48 Std. ist? Ich habe gehört sie sei 72 Std.?
    dasselbe ist mit der Ausbildung. Auf der Fraport Homepage steht diese geht 120 Tage?
    Wo kann man sich weitere Informationen holen? (genaue Bewerbungsvoraussetzungen, Kontaktdaten usw.)

    Vielen Dank für die Hilfe

    Geschrieben von Björn Enge | Juli 14, 2008, 13:31
  2. Hallo Herr Enge,

    versuchen Sie es hier mal: http://www.fraport.de/cms/ftc/dok/212/212187.kontakt.htm

    Viele Grüße
    Björn Schönewald

    Geschrieben von bs | Juli 14, 2008, 13:58
  3. Hallo Herr Enge ab wie vielen Jahren kann man bei der Berufsfeuerwehr mitmachen.
    Ich bin schon ein Jahr bei der Freiwilligen Feuerwehr
    bitte schreib zurück Gruß Tobias Bleifuß

    Geschrieben von Tobias Bleifuß | April 23, 2009, 18:58
  4. Hi,

    also nach 4 Schichten arbeiten hat man eine Freischicht, das bedeutet das man zB. Montags morgens nach Hause kommt und dann am Donnerstag wieder arbeiten geht; man hat also drei Tage frei.

    Die Ausbilung gliedert sich in zwei Teile:
    Das erste halbe Jahr macht man seinen Grundlehrgang, danach folgt noch 1 Jahr Ausbildung im Wachbetrieb. Nach insgesammt 1 1/2 Jahren macht man dann seine Laufbahnprüfung.

    Fraport bietet mittlerweile auch eine Berufsausbildung zum Werkfeuerwehrmann an, hierfür braucht man vorher keinen anderen Beruf erlernt zu haben. Bei fragen einfach den Link von Herrn Enge anwählen.

    Hoffe ich konnte helfen…

    Geschrieben von Mister X | November 3, 2009, 21:13
  5. Mit welchem Schulabschluss kann man hir eine Ausbildung anfangen?

    Geschrieben von Kevin | Dezember 7, 2009, 14:38
  6. Hallo,
    kann man nur bei Fraport eine Ausbildung machen?!
    Würde sonst gerne in HH eine Ausbildung machen aber Ich finde keinen Kontakt oder Seite von der HH Flughafen Feuerwehr!!
    Kann mir jemand weiter Helfen?!

    Geschrieben von Bock | November 2, 2010, 10:18
  7. Hallo Bock,

    schau mal hier nach: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/133115,0.html

    Beste Grüße
    Björn

    Geschrieben von bs | November 4, 2010, 08:51

Hinterlassen Sie einen Kommentar

azubi-News per E-Mail:

E-Mail-Adresse eingeben:

Zugestellt von FeedBurner

Online durchblättern:


Ausgabenarchiv

Regionale Specials:


Archiv

Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Diese Website verwendet Cookies und Google AdSense. Mit der Nutzung erklärst Du Dich damit einverstanden. Details

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen