Interview


Eva Dumann im Interview

Jung-Autorin Eva Dumann über ihren Roman

Wie alt muss muss man sein, um ein wirklich gutes Buch zu schreiben? 25? 30? Die Antwort darauf kann wohl niemand geben, aber eines steht fest: Eva Dumann, Schülerin aus Hemmingen bei Hannover, war 14 Jahre alt, als ihr Fantasy-Roman „Im Zeichen der Schwäne“ erschien. Das 500 Seiten starke Buch braucht den Vergleich mit bekannten Werken dieses Genres nicht zu scheuen.

azubi: Eva, Du hast mit 14 den fast 500 Seiten starken Fantasy-Roman „Im Zeichen der Schwäne“ geschrieben. Die Kritiken sind super. Wie ist diese ausgeklügelte Geschichte entstanden?

Eva Dumann: Oh, die ist mehr oder weniger „wild“ gewachsen. Ich habe ins Blaue hinein geschrieben und nie mehr als zwei Kapitel im Voraus geplant, also kann ich von Glück reden, dass am Schluss doch alles gepasst hat.

azubi: Wolltest Du von Anfang an ein so dickes Buch schreiben?

Eva Dumann: Ehrlich gesagt, ich wollte überhaupt kein Buch schreiben. Ich brauchte dringend ein Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder, der ein Jahr jünger ist als ich. Wir beide lieben Fantasy-Geschichten à la „Herr der Ringe“ und zu diesem Zeitpunkt hatten wir gerade das Rollenspiel „Dungeons & Dragons“ für uns entdeckt. Dabei muss man sich Charaktere ausdenken und sie mit bestimmten Eigenschaften ausstatten, also kam mir die Idee, ihm zu Weihnachten eine kleine Geschichte über Pellinor und Eolée, unsere Charaktere, zu schreiben. Zwei Jahre später war ich fertig. Dass diese Geschichte so lang und komplex werden würde, konnte ich vorher ja nicht wissen.

azubi: Hat man in Deinem Alter nicht eigentlich andere Interessen?

Eva Dumann: Sicher. Meinen Freunden habe ich deshalb auch lange Zeit gar nichts von meinem neuen Hobby erzählt. Aber natürlich darf man sich das Schreiben nicht als meine einzige Beschäftigung vorstellen. Ich zeichne zum Beispiel auch gern, lese viel, spiele Klavier und Querflöte oder arbeite im Garten. Jetzt könnte man sagen, auch das sind nicht unbedingt Hobbys, die man von Jugendlichen erwartet. Es stimmt schon, samstagabends vor einer Disko herumlungern und Wetten darüber abschließen, ob ich reingelassen werde, so etwas könnte ich mir nicht vorstellen. Aber ehrlich gesagt, ist es nicht auch ein Klischee, das von ausnahmslos allen Teenagern zu erwarten? Außerdem glaube ich nicht, dass ich die einzige Jugendliche bin, die in ihrer Freizeit an einer eigenen Fantasy-Geschichte schreibt. Seit dem immensen Erfolg von Christopher Paolinis Buch „Eragon“, das er mit 15 begann, sind viele auf die Idee und auf den Geschmack gekommen. Viele hören aber auch mittendrin wieder auf, wenn sie merken, dass man in so etwas richtig viel reinstecken muss – Zeit und Nerven.

azubi: Wieviel Zeit hast Du in Deinen Debüt-Roman investiert?

Eva Dumann: Zwei Jahre lang habe ich daran gearbeitet, meistens schaltete ich am Abend noch mal den Computer ein und schrieb ein paar neue Zeilen. Etwas mehr als die Hälfte der Zeit habe ich gebraucht, um die Geschichte zu Ende zu schreiben. Danach habe ich sie gründlich überarbeitet, bis ich glaubte, etwas vorzeigen zu können.

azubi: Wie hast Du zu Deinem Verlag gefunden?

Eva Dumann: Mein damaliger Deutschlehrer, dem ich dafür nicht dankbar genug sein kann, brachte mich überhaupt erst auf den ernsthaften Gedanken an eine Veröffentlichung. Ermutigt und entmutigt zugleich (Welcher Verlag nimmt eine Vierzehnjährige, die etwas geschrieben hat, ernst?) machte ich erste zaghafte Anfragen bei Literaturagenturen. Ich wurde abgewiesen, ich sei zu jung, ich solle noch üben. Da bekam ich von einem Bekannten den Tipp, es einmal bei „Papierfresserchens MTM Verlag“ zu versuchen, einem kleinen Verlag, der auch Neulingen eine Chance gibt. Tatsächlich gefiel der Leiterin des Verlages mein Manuskript sofort. All dies lief über E-Mails.

azubi: Welche Aufgaben bringt so ein Buch außer dem eigentlichen Schreiben mit sich?

Eva Dumann: Korrigieren, Überdenken, Druckreif machen – das ist nicht zu unterschätzen. Ich habe zwar schon während des Schreibens immer wieder verbessert, umgestellt, neu geschrieben, doch die unangenehme Arbeit ging in meinem Fall erst los, nachdem ich die erste Fassung fertig hatte. Ich habe all die Seiten immer wieder durchgesehen, erst in Eigenregie, dann meiner Mutter und schließlich dem Lektorat zu lesen gegeben, um möglichst viele Logik- und Druckfehler ausfindig zu machen. Oft habe ich dabei die Erfahrung gemacht, dass mir Stellen, die ich vor einigen Wochen geschrieben hatte, nun überhaupt nicht mehr gefielen oder mich sogar richtig störten. Und dann hatte ich mich ja auch noch verpflichtet, das Cover sowie eine Vignette und eine Landkarte für das Innere des Buches selbst zu gestalten.

azubi: Was ist es für ein Gefühl, wenn man auf Lesungen vor fremden Menschen aus dem eigenen Buch zitiert?

Eva Dumann: Ein seltsames, bei mir ist es eine Mischung aus Stolz und Schüchternheit. Einerseits haben auf einmal erwachsene Menschen Respekt vor mir und hören mir zu. Andererseits werde ich auch ganz genau beobachtet. Ich weiß vorher nie, wie mein Buch ankommt, ob es mir gelingt, meine Zuhörer zu fesseln und ihre Erwartungen zu erfüllen.

azubi: Welche Note hast Du in Deutsch?

Eva Dumann: Interessiert das? Na gut. Eine Eins.

azubi: Eolée, die Hauptfigur „Im Zeichen der Schwäne“, ist in Deinem Alter. Welche Eigenschaften hast Du mit ihr gemein?

Eva Dumann: Oh, wahrscheinlich mehr als mir selbst bewusst ist, wie ich aus den augenzwinkernden Kommentaren von Bekannten schließe. Was mir einfallen würde, ist eine Ausdauer, die nicht selten bis zur Verbissenheit geht. Mut und Lust, immer Neues, auch Fremdes zu suchen. Ein nicht immer ganz einfaches Verhältnis zu Gleichaltrigen, wenn auch aus verschiedenen Gründen – Eolée wird von ihnen als Halbelfe oft gemieden, ich gelte manchen als Streberin. Und genau wie ich fällt auch Eolée ihre Entscheidungen eher mit dem Kopf als aus dem Bauch heraus (also ist sie nicht unbedingt der typische weibliche Teenager). Pellinor, die zweite Hauptperson, ist da impulsiver, genau wie mein Bruder. Das macht ihn unkomplizierter, aber auch leichter von außen beeinflussbar.

azubi: Wer ist Dein schriftstellerisches Vorbild?

Eva Dumann: Da gibt es viele. Der „große“ Tolkien natürlich, in dessen ausgefeilten Welten man sich so wunderbar vergraben kann, Fantasyautoren wie T. A. Barron, J. K. Rowling, Cornelia Funke, aber zum Beispiel auch Isabel Allende mit ihrer Jugendbuchtrilogie  oder Rainer M. Schröder mit seinen historischen Romanen für meine Altersklasse. Aber das sind noch lange nicht alle. Ich glaube, ich nehme mir von jedem Buch, das ich lese, ein bisschen was mit, größtenteils ohne es zu merken.

azubi: Was können wir in Zukunft von Dir erwarten?

Eva Dumann: Gute Frage. Wenn ich das nur wüsste. Auf jeden Fall habe ich mit einem zweiten Band über Eolée und Pellinor, angefangen. Der ist jetzt stolze fünfzehn Seiten lang.

azubi: Wünschst Du Dir ein Leben als Schriftstellerin?

Eva Dumann: Da bin ich mir nicht sicher, eher nein. Natürlich ist es ein Traum von mir, irgendwann mit dem Hobby Schreiben genug Geld zum Leben zu verdienen, aber leider ein sehr unwahrscheinlicher, da mache ich mir nichts vor. Außerdem brauchen meine Geschichten Zeit, damit was draus wird, ich kann mir schlecht vorstellen, eine nach der anderen zu fabrizieren. Das nicht zu tun, können sich aber nur sehr erfolgreiche Schriftsteller leisten, und damit die Chance auf einen Durchbruch steigt, muss man – allermeistens – viele Bücher schreiben. Wie man es dreht und wendet …

azubi: Kann man alles schaffen, wenn man es nur will?

Eva Dumann: Natürlich, solange man weiß, was man will. Man darf nur nicht die Geduld und den Mut verlieren. ¦

Das Interview führte Björn Schönewald

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