Auslandserfahrung


Praktikum in Norwegen

Keine Zeit für Heimweh

Nicht nur für Schüler, sondern auch für Azubis besteht die Möglichkeit, den Arbeits- und Ausbildungsalltag in einem anderen Land kennen zu lernen. Eine lohnende Erfahrung, die obendrein die Referenzen für spätere Bewerbungen erweitert.

Viel Fisch, wenig Stress und eine ganz andere Art zu arbeiten – so fasst Lisa Reekers ihr „Norwegenabenteuer“ zusammen. Ihre Chefin Erika Wahlbrink spricht sogar von einer Wende im Ausbildungsleben der 19-Jährigen, die vor ihrem Auslandspraktikum eher ängstlich und wenig selbstbewusst gewesen sei.

Jetzt sprudelt es aus der angehenden Friseurin im zweiten Lehrjahr nur so heraus, wenn sie von den vielen Eindrücken erzählt, die sie im April in Alesund, einer Kleinstadt am Meer, gesammelt hat. Dort verbrachte eine Gruppe von 30 nordrhein-westfälischen Lehrlingen aus verschiedenen Handwerksberufen drei Wochen. Sie lebten in Familien und arbeiteten in verschiedenen Betrieben. „Wir Deutschen wurden als stressig empfunden“, erzählt Lisa, denn in der noch winterlichen Provinz ging es gemächlicher zu, als es die jungen Leute von ihrem deutschen Arbeitsalltag her gewohnt sind. Lisa zum Beispiel wundert sich noch im Rückblick darüber, wie viel Zeit sich die Menschen in Alesund für einen Friseurbesuch nehmen und mit wie viel Ruhe und Hingabe sich das Personal um die wenigen Kunden kümmert.

Mit dem Schiff zur Arbeit
Anstrengend fand Lisa nur den Weg zur Arbeitsstelle. Ihre Gastfamilie wohnt auf einer Insel, deshalb brauchte Lisa eineinhalb Stunden – mit Schiff und Bus – für eine Strecke. „Es ist enorm, was die Jugendlichen
dort für ihre Ausbildung auf sich nehmen“, staunt sie, die im heimischen Münsterland nur ein paar Minuten mit dem Fahrrad zu ihrem Ausbildungsbetrieb braucht. Nicht nur die Chefin, sondern auch die Handwerkskammer Münster hat Lisas Ausflug nach Norwegen unterstützt. Zu den geförderten Maßnahmen in diesem Zusammenhang zählte zum Beispiel ein vorbereitender Sprachkurs in Englisch.

Gruppenaustausche mit Partner-einrichtungen, sei es berufs- oder bezirksbezogen, gibt es seit langem. Die Teilnehmer brauchen nur Taschengeld, Reise- und Unterbringungskosten werden aus öffentlichen Mitteln bestritten. So findet zum Beispiel bereits seit sieben Jahren ein gegenseitiger Gruppenaustausch von Tischlerlehrlingen aus den Bezirken der Handwerkskammern Düsseldorf und Tours in Frankreich statt, den das deutsch-französische Jugendwerk unterstützt.

let’s go!
Aber es gibt auch Möglichkeiten, eigenständig aktiv zu werden, zum Beispiel über das Projekt „let’s go!“ Seine vorrangigen Zielländer für Betriebspraktika sind Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande,
Norwegen, Polen, Portugal, Spanien und die Türkei, bei entsprechender Eigeninitiative auch andere EU-Länder, wie Island und Liechtenstein. Zwar helfen auch hier die Gewerbekammern, Praktikumsplätze in den gewünschten Berufen zu finden, aber vor Ort ist man dann auf sich gestellt. Je nach Zielland bekommen „weltoffene Azubis“ 700 bis 900 Euro aus EU-Mitteln, für die interkulturelle und sprachliche Vorbereitung stehen maximal 300 Euro zur Verfügung.

„Die deutschen Azubis genießen im Ausland einen guten Ruf, die Betriebsinhaber trauen ihnen viel zu“, weiß Daniela Bruchsteiner, Projektreferentin Berufsbildung bei der Landes-Gewerbeförderungsstelle Handwerk (LGH) in Düsseldorf. Sie selbst schätzt an den Bewerbern für Auslandspraktika, dass sie in der Regel sehr einfallsreich im Aufspüren von interessanten Orten und Betrieben für ihr Vorhaben sind.

Der ideale Zeitraum für Auslandspraktika ist das zweite Lehrjahr, wenn man sich schon genügend Fachwissen angeeignet hat, die Gesellenprüfung aber noch weit genug weg ist. Bewerbungen können jederzeit eingereicht werden, bis zum Praktikumsbeginn ist jedoch mit einem Vorlauf von drei bis vier Monaten zu rechnen.

Auch für diejenigen, die erst nach der Gesellenprüfung die Lust auf ein berufliches Auslandsabenteuer packt, gibt es geförderte Möglichkeiten. Informationen über die beschriebenen Programme gibt es bei den Handwerkskammern vor Ort und im Internet unter: www.letsgoazubi.de. ¦

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