Finanzen


Achtung, Schuldenfalle!

Martin Kinkel4-1aDer Schritt vom Schüler zum Azubi bringt auch einen satten Zuwachs im Geldbeutel. Statt 30 oder 50 Euro Taschengeld landen nun Monat für Monat meist 500 bis 700 Euro auf dem Konto, in manchen Berufen sogar noch mehr. Mit dem Geld wachsen die Wünsche – und die Risiken: Weit über 100000 Teenies sind in Deutschland überschuldet! Ihr Einkommen reicht also nicht mehr aus, um ihre Schulden zu bezahlen. Dies bedeutet eine Menge Ärger mit Banken oder anderen Unternehmen, Rechtsanwälten und auch den eigenen Eltern. Auch die Leistungen in der Ausbildung und der Berufsschule leiden oft unter Geldproblemen. Doch wie machst Du es richtig?

Da beim Verkaufen viel Psychologie im Spiel ist, musst Du Deine eigenen Gefühle und Wünsche überlisten. So hilft der alte Spruch „Nur Bares ist Wahres“, auch wenn der Griff zur EC- oder Kreditkarte viel cooler wirkt. Bei der Barzahlung greifen nämlich gleich mehrere psychologische Bremsen: Erstens gibst Du Geld aus der Hand und nicht nur ein Stück Plastik, zweitens spürst Du die Ausgabe sofort und nicht erst Tage oder Wochen später bei der Abbuchung, und drittens ist die Shopping-Tour mit einem leeren Portemonnaie von ganz allein zu Ende.

Nie sofort unterschreiben
Ebenfalls ganz wichtig ist eine Grenze für Spontankäufe, beispielsweise 50 Euro. Bei manchem Schnäppchen ist der Kauf selbst die größte Freude, hinterher verstaubt es nutzlos in einer Ecke. Einkäufe über Deiner persönlichen Grenze solltest Du immer noch einmal überdenken und Verträge nie sofort unterschreiben: Gerade wenn Zeitdruck aufgebaut wird („Nur heute: Sparen Sie 10 Euro Aufnahmegebühr!“), wird der steinzeitliche Jäger und Sammler in uns aktiviert und so Kaufdruck erzeugt!

Besonders gefährlich sind Kredite. Geschäfte auf Kredit sind nicht zulässig mit Minderjährigen, also jungen Menschen unter 18 Jahren. Wer allerdings schon 18 oder älter ist, haftet voll für seine Verträge, egal, wie unsinnig sie sind. Achte einmal auf die Werbung: Bei „Ihr Sofortkredit ab 4,36 Prozent“ sehen fast alle Leute nur den niedrigen Zinssatz. Sie übersehen jedoch das entscheidende Wort „ab“ – für die allermeisten dieser Kredite sind nämlich deutlich höhere Zinsen fällig, beim zusätzlichen Abschluss bestimmter Versicherungen betragen die Gesamtkosten teilweise über 20 Prozent pro Jahr!

Bei vielen Azubis sind diese Kredite die häufigste Ursache von Überschuldung. Ein schickes Auto, die erste eigene Wohnung, Party am Wochenende mit regelmäßig neuen Klamotten und möglichst noch ein toller Urlaub sind mit dem normalen Gehalt nicht drin, und da kommt der schnelle Kredit wie gerufen. Doch auch wenn es schwerfällt, ist ein offenes „Das kann ich mir momentan nicht leisten“ fast immer die bessere Lösung.

Blick auf die wahren Kosten
Sehr wichtig ist daher vor größeren Anschaffungen wie einem Auto oder Möbeln ein Blick auf die wahren Kosten. Dass für ein Auto Steuer, Versicherung und Benzin zu zahlen sind, ist klar, auch an die Instandhaltung (Reifen, Bremsen, Auspuff …) denken noch die meisten. Unvorhergesehene Reparaturen werden aber schon gerne verdrängt, ebenso viele kleine Posten wie Parkgebühren, TÜV/ASU usw. Zudem verliert ein Auto über die Zeit enorm an Wert, und auch das gehört in eine solche Rechnung. Ganz typisch ist, dass Azubis ihre Autokosten mit 200 Euro im Monat schätzen, bei korrekter Rechnung sind es dann aber 350 Euro – eine Unterschätzung von fast 2000 Euro im Jahr, die dann woanders fehlen!

Die eigenen Finanzen im Blick
Um auch auf Dauer einen guten Überblick über die eigenen Finanzen zu bekommen, ist vor allem eines wichtig: Ehrlichkeit! Wie viel Geld steht monatlich zur Verfügung, welche Ausgaben liegen an? Für einen ersten Überblick notierst Du beispielsweise über drei Monate hinweg Deine Ausgaben, am besten unterteilt in größere Blöcke wie Nahrung, Auto, Kleidung usw. Einmalausgaben wie Urlaub teilst Du durch zwölf und schreibst jedem Monat einen Anteil zu. Und wenn Du schon eine eigene Wohnung hast, kommen noch ein paar Posten hinzu: Strom, Wasser, Heizung und auch die Kosten für Geräte wie Kühl- und Gefrierschrank, Fernseher usw. Kostet zum Beispiel eine Waschmaschine 650 Euro und hält acht Jahre, sind das allein schon rund 7 Euro im Monat.

Wenn Du so vorgehst, wirst Du von ganz allein Sparmöglichkeiten entdecken und Dir damit finanzielle Spielräume schaffen. Das geht von einem Wechsel zu einem günstigen Handytarif, der Kündigung von überflüssigen Fitnessclub-Jahresabos oder Mitgliedschaften in Bücherclubs bis hin zur Bildung von Fahrgemeinschaften für den Discobesuch und so weiter.

Beim Thema „Geld“ kommen auch Geldanlagen und Versicherungsverträge ins Spiel. Hier ist große Vorsicht angebracht, denn die meisten so genannten „Berater“ leben eigentlich vom Verkaufen und bekommen pro Vertrag eine Provision, teilweise mehrere Tausend Euro! So ist es schon vorgekommen, dass Azubis mit etwas über 500 Euro Monatseinkommen Verträge über Altersvorsorge und Versicherungen aufgeschwatzt wurden, die dann 400 Euro im Monat gekostet haben. Toll vorgesorgt, aber nicht mehr genug Geld zum Leben – und der „Berater“ hat kräftig abkassiert! Was hier wichtig ist, erfährst Du in den beiden kommenden Heften von „azubi“.

Neben dem cleveren Umgang mit Geld, Banken und Versicherungen kannst Du auch sonst noch einiges tun, um Dich vor unseriösen oder teuren Angeboten zu schützen. So werden bei Einkäufen im Internet bisweilen Abos oder andere Zusatzkosten geschickt im „Kleingedruckten“ versteckt – nur ein Klick, und schon ist das Geld weg! Achte außerdem darauf, wo Du im Internet persönliche Angaben wie Geburtstag, Adresse, Telefonnummer, Mailadresse usw. für jeden lesbar machst. Oft werden diese von automatisierten Programmen aufgesammelt und dann zum Beispiel an Werbefirmen verkauft. Auch bei anderen Aktionen geht es um solche Daten, um Dich anschließend mit Werbung zu bombardieren. Dazu gehören viele Preisausschreiben, wo Du immer den Text durchstreichen solltest, dass man Dir „interessante Produktinformationen“ (= Werbung) zusenden oder Dich gar anrufen darf. Auch der Einkauf mit Rabattkarten wird gezielt ausgewertet, danach bekommst Du Werbung, die genau auf Deine Vorlieben zugeschnitten ist – statt Schnäppchen mit Rabatt wirst Du so zu weiteren Einkäufen animiert, und der Geldbeutel wird immer leerer.

Schnelle Hilfe ganz wichtig
Und wenn Deine Finanzen trotz aller Vorsicht doch einmal aus dem Gleichgewicht geraten? Hier ist schnelle Hilfe ganz wichtig – wer das Thema aus Scham zu lange aufschiebt, verbaut sich oft schon dadurch Lösungsmöglichkeiten. Durch Zinsen, Mahngebühren und so weiter wächst der Schuldenberg nämlich immer schneller, bis schließlich gar nichts mehr geht.

Kannst oder willst Du dieses Thema nicht mit Deinen Eltern besprechen, solltest Du Dich im Betrieb an Deinen Ausbilder oder Deine Ausbilderin, die Personalabteilung oder die Jugendvertretung wenden. Die kennen sich mit diesem Thema aus und können mit Dir zusammen meistens eine Lösung finden. In vielen größeren Firmen gibt es spezielle Sozialdienste oder „Sorgentelefone“ für Finanzprobleme. Zudem bieten fast überall kirchliche oder kommunale Stellen Beratungen an. Wenn Du die Tipps und Tricks aus diesem Artikel nutzt, kommst Du jedoch bestimmt auch in Zukunft gut mit Deinem Geld aus!

Infos:
Martin Kinkel, 44 Jahre, ist diplomierter Volkswirt und Diplom-Kaufmann. Er schreibt als freier Fachautor zu Finanz-, Steuer- und Versicherungsthemen und ist Verfasser des Ratgebers „Job & Money für jüngere Arbeitnehmer“  Leseprobe unter www.jobmoney.de

Diskussion

Ein Kommentar zu “Achtung, Schuldenfalle!”

  1. […] abzuzahlen. Die Gefahr hier ist: der Dispokredit kann für junge Leute in der Ausbildung ein Einstieg in eine Schuldenfalle […]

    Geschrieben von Die Ausbildung ohne finanzielle Probleme meistern | FuturePlan Magazine | Juli 29, 2015, 11:24

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