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Anlagentechniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik

Fit für den Klimawandel

Samir Hanna am SaugolatorDie Welt verändert sich. Berufe verändern sich. Und es gibt Berufe, die von einem Umbruch profitieren. Der fortschreitende Klimawandel sorgt dafür, dass sich die Heizungstechnologie in den kommenden Jahren vollkommen wandeln wird. Eine Herausforderung mit Zukunft für den Anlagenbauer für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Zukunft? Hermann Scheelen schüttelt den Kopf. „Nein, für die nächsten zwanzig Jahre mache ich mir über unseren Beruf keine Sorgen!“ Scheelen ist Obermeister der Handwerkerinnung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in Duisburg. Und er ist Gründer der Scheelen GmbH, einem Sanitär- und Heizungsbaubetrieb mit drei Niederlassungen in Duisburg, Moers und in Krefeld. „Wir heizen heute noch mit Öl- und Gas, aber das wird sich innerhalb der nächsten zehn Jahre vollkommen ändern.“ Scheelen setzt bei der Heizungstechnologie auf den Einsatz von Wärmepumpen, die über spezielle technische Verfahren die Erdwärme nutzen, um Häuser zu heizen oder sogar Strom zu erzeugen.

Zwei Gewerke kombiniert
Wie solche Anlagen im Detail funktionieren, installiert und gewartet werden, das lernt ein angehender Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in den dreieinhalb Jahren seiner Ausbildung. Und die hat es in sich, seit vor nunmehr vier Jahren der Beruf des Gas- und Wasserinstallateurs sowie der des Zentralheizungs- und Lüftungsbauers zusammengelegt worden sind, zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Die beiden Gewerke hatten schon immer im Bereich des anderen gewildert“, erzählt Scheelen. Daraus hatte dann die Politik die Konsequenz gezogen, die beiden Berufe zu dem neuen zusammenzufassen. „Für die Lehrlinge, die damals in der Ausbildung waren, war das ganz schön hart“, schildert Scheelen rückblickend. „Sie mussten die Inhalte von zwei Berufen lernen, denn der Stoff ist nicht weniger geworden.“

Ausbildung statt Ausbeutung
Das kann der 22-jährige Samir Hanna nur bestätigen. „Die Ausbildung istanspruchsvoll, aber dafür vielseitig und das gefällt mir sehr.“ Dem Sohn libanesischer Christen, die vor zwanzig Jahren vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon geflüchtet waren, gefällt es, mit den Monteuren unterwegs zu sein. „Wir nehmen uns ein altes Bad vor und nach einer Woche sieht alles aus wie neu.“ Zwar hat es ihn am Anfang Überwindung gekostet, alte Kloschüsseln auszubauen, „aber das ist ja nur ein kurzer Moment, interessant wird es ja danach.“ Zumal Juniorchef Jörg Scheelen den Saugolator entwickelt hat, ein Gerät, das im Bad einen leichten Unterdruck erzeugt – und somit das Arbeiten praktisch staubfrei macht. „Ein cooles Teil“, meint Samir Hanna, der auf Umwegen zur Scheelen GmbH gekommen ist.

„Ich wollte erst Einzelhandelskaufmann in einem Sportgeschäft werden und durfte dann jeden Tag bis Mitternacht in einem Keller T-Shirts beflocken“, erinnert er sich. „Das war skandalös“, regt sich Hermann Scheelen auf. „Das ist keine Ausbildung, sondern Ausbeutung.“ Kurzerhand bot Scheelen dem jungen Mann eine Ausbildung in seinem Betrieb an. „Und ich habe zugegriffen“. Und es bereut? „Nein!“, sagt Samir. „Auch wenn die Mathematik in der Berufsschule sehr anspruchsvoll ist.“ Das sagt gerade er, der Abiturient? „Naja, Mathe war nicht immer mein Lieblingsfach.“ Und später? „Vielleicht Versorgungstechnik studieren oder den Meister machen und dann vielleicht irgendwann mal einen eignen Betrieb“, sagt er selbstbewusst. „Er hat´s doch auch geschafft“, grinst er – und zeigt auf den Seniorchef.

Spezialisierung
Und der schätzt beruflichen Ehrgeiz durchaus. „Das Schöne an dem Beruf ist, dass er so viele Einsatzmöglichkeiten bietet.“  Sein Unternehmen habe sich zum Beispiel auf Heizungstechnik und Badsanierung spezialisiert. „Dann gibt es die Klimabetriebe, die komplexe Klimaanlagen installieren. Das ist der gleiche Beruf, aber wir machen das nicht, weil Sie sich auf etwas beschränken müssen, sonst verzetteln Sie sich.“ Nach welchen Kriterien wählt er die Auszubildenden aus? Müssen alle Abitur haben? „Nein, natürlich nicht“, sagt er. „Aber ein Hauptschulabschluss sollte es schon sein. Und die Fächer Mathematik, Physik und Chemie sollten nicht allzu schlecht benotet sein.“ Wichtiger als Schulnoten sind Herrmann Scheelen aber Interesse und Engagement – sowie ein gutes Auftreten beim Kunden. „Wir arbeiten ja nicht im stillen Kämmerlein, sondern bei unseren Kunden zuhause. Deshalb lege ich einfach Wert auf gute Umgangsformen und ein angemessenes Auftreten.“ Etwa 50 Bewerbungen gehen bei Scheelen in jedem Jahr ein. Zwei bis drei junge Menschen bildet er regelmäßig aus. „Und das seit 1971.“ Das Unternehmen kann nicht jeden übernehmen, obwohl es mit seinen 33 bis 36 Mitarbeitern schon zu den Betrieben mittlerer Größe gehört. „Aber, die Gesellen, die bei uns gelernt haben, sind noch immer irgendwo gut untergekommen.“

Branche mit Zukunft
Wie eingangs beschrieben, macht sich Herrmann Scheelen für seine Branche keine Sorgen. „Die meisten Heizungen haben ihre beste Zeit hinter sich. Und die meisten Bäder übrigens auch – der Sanierungsbedarf in Deutschland ist enorm.“ Das liege daran, das die meisten Menschen für Dinge Geld ausgeben, die die Nachbarn sehen, wie etwa ein dickes Auto. „Eine Heizung sieht keiner – und ein Bad auch nicht.“ Manchmal wundert sich sogar noch der erfahrende Herrmann Scheelen: „Wir haben einmal eine Solaranlage auf ein Dach montiert. Anschließen sollten wir sie nicht. Das war nur, damit die Nachbarn was zu sehen hatten. Seltsam die Leute manchmal, nicht?“

Olaf Peters

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