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Ausbildung zum Goldschmied

Handwerksberuf mit Glamoureffekt

Goldschmied_TeaserEgal ob funkelnde Colliers, extravagante Ringe oder schlichte Armbänder – der Goldschmied ist vom Entwurf bis zur Herstellung für das Schmuckstück verantwortlich. Schmuck hat für jeden eine andere Bedeutung. Aber es gibt kaum jemanden, der nicht in den Bann edler Schmuckstücke mit ihrem faszinierenden Glanz gezogen wird. Schmuck wird getragen, um einen bestimmten Stil zu zeigen, die persönliche Individualität zum Ausdruck zu bringen oder sich damit – im wahrsten Sinne des Wortes – einfach zu schmücken. Diesen Ansprüchen der Kunden will Jennifer Breuer gerecht werden. Sie absolviert derzeit ihr drittes Ausbildungsjahr bei dem Aachener Goldschmied Georg Comouth. „Jedes Schmuckstück ist anders und auch eine neue Herausforderung“, sagt die 25-jährige Auszubildende. Im Vergleich zu ihrer vorherigen Ausbildung als gestaltungstechnische Assistentin, spricht sie das handwerkliche Arbeiten in der Goldschmiede sehr an. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich das Ergebnis meiner Arbeit nicht nur sehen kann, sondern es auch in der Hand habe.“

Filigranes Tun
Fingerfertigkeit, Sorgfalt, Kreativität und viel Geduld sind Eigenschaften, die ein Goldschmied für seine Arbeit braucht. Es ist viel Sitzfleisch nötig, bis die Kette fertig oder die Ringfassung für einen besonderen Edelstein geschaffen ist. Manchmal sitzt Jennifer Breuer eine Stunde lang an ihrem Feilnagel, um nur einen kleinen Teil des Schmuckstückes anzufertigen. Der Feilnagel, ein Hartholzkeil, ist in der Mitte des Arbeitsplatzes am Tisch befestigt. „Wenn ich ein Stück Blech feilen muss, lege ich es so an meinen Feilnagel, dass es fest liegt und ich es exakt bearbeiten kann“, erklärt die Auszubildende. Da jeder Goldschmied anders arbeitet, schaut auch jeder Feilnagel, der oft als „persönlicher Fingerabdruck“ des Handwerkers bezeichnet wird, unterschiedlich aus.

Alles genau überlegt
Zu ihren Aufgaben gehört es, Schmuckstücke umzuarbeiten oder kaputten Schmuck zu reparieren. Auch lernt sie, Entwurfsskizzen anzufertigen, um danach das Modell zu erstellen. Bevor sie mit ihrer handwerklichen Arbeit beginnt, müssen die einzelnen Arbeitschritte genau überlegt sein. Steht die Herstellung eines normalen Traurings an, dann ist zu überlegen, ob sie das Gold schmilzt, in eine Form gießt, versäubert und schmiedet, bevor sie es in Form feilt und schmirgelt. Oder ob sie einen Streifen Gold verwendet, es in Form biegt und dann mit Fugen verlötet. Auch die Materialmenge muss sie ausrechnen. Eine klare Regel, welche Art von Fertigung besser ist, gibt es nicht.  Die Entscheidung ist abhängig vom Modell, vom Material und der Ausstattung der Werkstatt. Verarbeitet werden in einer Goldschmiede Legierungen der Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium. In den Fertigungsschritten werden diese Materialien gewalzt, gezogen, gesägt, gefeilt, gebogen und gelötet. Werden Edelsteine verwendet, so werden diese zuerst eingefasst, danach wird die Oberfläche fertiggestellt, das heißt geschliffen, poliert oder mattiert. Perlen werden in der Regel zu allerletzt mit Spezialkleber fixiert.

Optik und Mechanik
Die Gestaltung des Schmucks hängt weitgehend vom Kundenwunsch ab. Im Gespräch mit dem Kunden wird nicht nur die Entscheidung für die äußere Form getroffen, sondern auch für die Art der Mechanik. So kann beispielsweise ein Ohrschmuck Stecker, Hänger, Clip oder Creole sein. Diese kreativen Möglichkeiten, gepaart mit der handwerklichen Vielseitigkeit, schätzt Jennifer Breuer an ihrer Ausbildung.

Von Kupfer bis Neusilber
Bei dieser Ausbildung, die dreieinhalb Jahre dauert, begleitet der Meister seinen Lehrling besonders intensiv. „Es ist wichtig, dass der Lehrling von Anfang an die richtigen Handgriffe erlernt und dass er lernt, mit den kostbaren Materialien sorgfältig umzugehen. Denn der Abfall in einer Goldschmiede ist teuer“, erklärt Georg Comouth, der vor sieben Jahren die Goldschmiedewerkstatt seines Vaters übernahm. Deshalb arbeiten die Azubis in seiner Goldschmiede zu Anfang vor allem in Kupfer, Messing und Neusilber. Diese Materialen sind nicht so kostspielig und Azubis können damit dann auch mal etwas ausprobieren.

Keative Begabung
Wenn sich Georg Comouth für einen Bewerber entscheidet, sind die Schulnoten nicht alleine ausschlaggebend. Er muss den Eindruck haben, dass neben handwerklichem Geschick und Verständnis auch eine kreative Begabung vorhanden ist. Ein Betriebs-praktikum bietet dem Ausbilder die Möglichkeit, solche Kriterien beim Bewerber zu beurteilen, und gibt dem Bewerber Einblicke in diesen Handwerksberuf. „Wenn der Bewerber beim persönlichen Vorstellungsgespräch bisherige künstlerische Arbeiten in einer Mappe präsentieren kann, fällt die Entscheidung oftmals leichter“, betont der Aachener Goldschmied.

Verschiedene Wege
goldschmiedEs gibt zwei Möglichkeiten, Goldschmied zu werden. Der klassische Weg bedeutet, von Anfang an bei einem Goldschmiedemeister in die Lehre zu gehen und parallel die Berufsschule vor Ort zu besuchen. Die andere Möglichkeit ist es, die ersten zwei Ausbildungsjahre an der Berufsfachschule für Goldschmiede in Pforzheim oder an der Staatlichen Zeichenakademie in Hanau zu absolvieren. Anschließend geht es noch für eineinhalb Jahre in eine Werkstatt. Auch Jennifer Breuer war zuerst in Pforzheim. Sie hat die Zeit dort sehr genossen und viel gelernt. In den ersten beiden Jahren lernt man sehr detailliert die einzelnen Techniken kennen. Besonders umfangreich ist auch der Theorieunterricht. Neben technischer Mathematik und technischem Zeichnen werden auch Fächer wie Kunst- und Designgeschichte angeboten.

Selbstständigkeit
Nach erfolgreicher Ausbildung kann sich jeder Goldschmied – auch ohne Meistertitel – selbstständig machen, da das Goldschmiedehandwerk seit einigen Jahren ein zulassungsfreies Handwerk ist. Das hat zur Folge, dass sich viele Gesellen oft schon nach abgeschlossener Lehre einen Laden oder eine Werkstatt eröffnen. Georg Comouth, der auch Obermeister der Aachener Goldschmiedeinnung ist, sieht darin einen Qualifikationsverlust für dieses Handwerk und empfiehlt erst drei bis fünf Jahre Berufserfahrung zu sammeln.

Drei bis Fünf und danach?
Wie ihr Gesellenstück aussehen soll, das weiß Jennifer Breuer heute noch nicht. Weil sie gerne mit den feinen Präzisionswerkzeugen arbeitet, wird es wahrscheinlich kein Ring oder keine Kette sein, sondern ein besonderes Schloss für ein Schmuckstück. Eine interessante Alternative für die berufliche Weiterentwicklung ist ein Studium im Bereich „Handwerksdesign“. An der Akademie „Gut Rosenberg“ in Aachen können Handwerkerinnen und Handwerker nach sechs Semestern ihre Prüfung zum „Handwerksdesig-ner“ ablegen. „Der Schwerpunkt liegt hier nicht mehr auf reinen handwerklichen Tätigkeiten, sondern im Bereich Gestaltung und Entwurf mit dem Ziel, auch komplexe Designaufgaben erarbeiten zu können“, sagt Beate Amrehn, Studienberaterin an der Aachener Akademie. Daneben erhalten die Teilnehmer Vorlesungen in Betriebswirtschaft und Management. Mit dieser Qualifikation steht ihnen dann eine Karriere im selbstständigen Bereich, aber auch in den Planungsabteilungen bei Bijouterien oder großen Manufakturen offen.

Diskussion

Ein Kommentar zu “Ausbildung zum Goldschmied”

  1. Der Beruf des Goldschmieds ist ein Handwerksberuf im Sinne des Wortes. Die Lernkurve während der Ausbildung steigt beständig an. Motorische Fähigkeiten, die Koordination von Auge und Hand sowie das theoretische Verständnis für die ausgeführten Arbeiten müssen jeden Tag trainiert werden.
    Die Zahl der zur Verwendung kommenden Techniken, Tätigkeiten und Materialien ist so groß, dass sie während der Ausbildung nur ansatzweise oder gar nicht vermittelt werden können. Hier sollen überbetriebliche Kurse Abhilfe schaffen. Von einer rein schulischen Ausbildung rate ich jedoch ab, da das Verständnis für betriebliche Abläufe für das spätere Berufsleben unabdingbar sind.
    Junge Goldschmiede sollten Herrn Comouths Worten einen hohen Wert beimessen, um nicht mit einer zu frühen Selbstständigkeit unnötig Schiffbruch zu erleiden – Stichpunkt Wanderjahre!
    Die Verdienstmöglichkeiten, gemessen an anderen Berufen, sind eher schlecht.
    Wer den hohen Lernaufwand und die geringen Verdienstmöglichkeiten nicht scheut, stets bereit für neues ist und den unbedingten Willen zum Bestehen besitzt, wird die Wandlung des Wortes Beruf hin zur Berufung nachvollziehen. Wer das Handwerk hingegen als reinen Broterwerb betrachtet, der wird es schwer haben.

    Geschrieben von Mario Sarto | Dezember 23, 2009, 09:49

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