Berufsbilder


Steinmetz

Granitharter Tipp für kreative und künstlerische Hände

Wer den Beruf Steinmetz erlernt, schafft aus groben Steinquadern Skulpturen, Grabsteine, verlegt Bodenplatten in Häusern oder restauriert alte Baudenkmäler. Je nach Betrieb überwiegt bei der Arbeit die Kunst oder das Handwerk.

Noch ein paar Striche, dann hat Alexander Busse seine Arbeit ausreichend mit Pinsel und Paste versiegelt. Vor ein paar Tagen war es noch ein schlichter Steinblock aus weißem Marmor. Mit ganz unterschiedlichen Werkzeugen hat Alexander aus dem steinharten Material ein Relief, bestehend aus einem wallenden Mantel und Totenkopf geschaffen. Es ist für eine Grabsteinplatte und bereits sein drittes Werk.

Unvergängliche Kunst
Alexander ist seit neun Monaten Azubi in der Steinmetzwerkstatt von Ulrich Berghoff in Aachen, die überwiegend Grabdenkmäler anfertigt. Stein hat ihn schon immer fasziniert. Aber erst durch eine Klassenfahrt nach Florenz, die für ihre zahlreichen weltberühmten Baudenkmäler bekannt ist, kam er auf die Ausbildung zum Steinmetz. „Ein kunstvoll gestalteter Stein ist so gut wie unvergänglich“, erklärt der 20-Jährige. Ihm liegt das Künstlerische – aus einem harten Stein einen besonderen Gedenkstein zu schaffen, das liebt er. Grundlagen wurden sicher auch durch das Kunstpraktikum in der Waldorfschule geschaffen, an der er seinen Realschulabschluss machte.

Schon mal laut und staubig
In der rund 50 Quadratmeter großen Aachener Werkstatt arbeiten sie oft zu dritt, Steinmetzmeister Berghoff, Azubi Busse und ein Geselle. Dann kann es sehr laut und staubig werden. Wenn die Sandstrahlmaschine läuft, mit dem Presslufthammer eine große Fläche bearbeitet und mit dem Meißel ein Steinblock bearbeitet wird, sind Lärmschützer, Schutzbrille und Staubmaske ein Muss. „Obwohl heute die Arbeit an einem Stein durch Pressluftpistolen erleichtert wird, verwenden wir doch vorwiegend die Werkzeuge, die schon seit Jahrhunderten benutzt werden“, erklärt Ulrich Berghoff. „Hammer, Meißel und Knüpfel sind unsere gängigen Werkzeuge.“

Steinmetz oder Steinbildhauer?
Die ersten beiden Ausbildungsjahre sind für Azubis in den Metiers Steinmetz und Steinbildhauer einheitlich. Erst im dritten Lehrjahr differenziert sich die Ausbildung. Bei der Ausbildung zum Steinbildhauer überwiegt eindeutig die künstlerische Arbeit, beim Steinmetz der handwerkliche Teil. Ulrich Berghoff bildet regelmäßig einen Steinmetz aus. Ein gewisses Maß an Liebe zum Material und an künstlerischer Begabung gehöre hier dazu, auch wenn es sonst ein knochenharter Job ist. Darüber sind sich Meister und Azubi einig.

Liebe zum Material
„Bei einer Bewerbung sind gute Noten sicher ein Vorteil, aber wichtiger ist mir die Persönlichkeit“, sagt Steinmetzmeister Berghoff. Deshalb legt er auch Wert auf ein Praktikum in seinem Betrieb bevor er sich für den Bewerber entscheidet. „Ich will wissen, wo der junge Mensch steht“, begründet seine Vorgehensweise. Abmessen und anzeichnen, damit die richtigen Proportionen herauskommen, erfordert ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sowie hohe Konzentration. Wenn diese wichtige Vorarbeit geleistet ist, dann erst kann der Steinrohling ausgewählt werden. Jede Steinart hat ihre Vorzüge: Granit ist hart und widerstandsfähig, Kalk- und Sandstein sind vorwiegend weich und lassen sich gut bearbeiten. Die meisten Azubi fangen auch mit diesem Material an. Auch Alexander wählte für sein erstes Werk, eine etwa 30 Zentimeter große Eule, weißen Kalkstein. Und Marmor wirkt edel und nobel, deshalb wird er gerne für Gedenksteine genommen. Bevor Alexander aber hier eine Ecke abschlägt oder dort eine Kerbe einhaut, muss er den Stein erst einmal nach Fehlstellen und besonderen Einschlüssen absuchen. Sollen Profile und Rundkörper in den Stein eingearbeitet werden, helfen hier Schablonen, deren Umrisse auf den Stein eingeritzt werden.

Lieber fragen als probieren
Auch Flächenarbeit ist eine Herausforderung, gesteht der Azubi. Für einen Schnitt und die anschließende Herstellung einer vollkommen glatten Fläche eines Kalksteines von rund zehn mal 20 Zentimetern benötigt er fast einen Arbeitstag. „Azubis brauchen von Anfang an eine kontinuierliche und aufmerksame Unterweisung, selbst wenn es nur ein Schnitt mit der Steinsäge ist“, sagt Ulrich Berghoff und weist auch auf Verletzungsgefahr hin. Wenn dann durch Unachtsamkeit zu viel Material abgetragen wird oder ein Stück Stein unkontrolliert abplatzt, kann das Werk sogar unbrauchbar werden und es heißt: noch einmal von vorne beginnen. Lieber fragen, als unwissend probieren, lautet daher das Motto in der Berghoffschen Werkstatt. Obwohl das Steinmetzhandwerk mit rund 3000 Betrieben in Deutschland zuversichtlich in die Zukunft blickt – wie es in einer Pressemeldung des Bundesverbandes deutscher Steinmetze steht – fehlt der Nachwuchs. Zum einen sind zu wenig Betriebe bereit auszubilden. Aber auf der anderen Seite ist für viele die Ausbildung zum Steinmetz oder auch Steinbildhauer oftmals nur eine Interimslösung, die durch die Arbeitsagentur vermittelt wurde, stellt Ulrich Fay, Meister und Ausbilder am Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer in Mainz, häufig fest. „Für einige bleibt es nur eine Alternative“, sagt er. Vor rund zehn Jahren waren es noch mehr Lehrlinge, die sich bewusst für diese Ausbildung entschieden. Daher waren auch mehr Lehrlinge mit den entsprechenden Fähigkeiten dabei.

Inzwischen hat Alexander sein Werk mit Stahlwolle geschliffen und dann mit einem Wolltuch poliert. Behutsam streicht er über die weiße, jetzt stark glänzende Marmorplatte mit dem Relief. Alexander ist zufrieden mit seinem Kunstwerk und seiner Ausbildung.

Information
Bundesverband deutscher Steinmetze, www.biv-steinmetz.de

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