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Was ist eine Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr?

Ich wollte schon immer etwas mit Elektronik machen“, erinnert sich Niklas Lengert. Konkrete Vorstellungen hatte er allerdings noch nicht, als er mit 17 seine Schulausbildung abschloss. Er bewarb sich bei der Bundeswehr in Aachen für einen Ausbildungsplatz zum Elektroniker für Geräte und Systeme. Inzwischen ist er 19 und im dritten Ausbildungsjahr. Und glücklich über die damalige Entscheidung. Der Tipp kam vom Berater bei der Bundesagentur für Arbeit: Bewirb dich doch bei der Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr. In den Aachener Bundeswehr-Kasernen betreiben die Streitkräfte eine von 32 Ausbildungswerkstätten in Deutschland.

Bereits seit 1959 bildet die Bundeswehr junge Menschen in staatlich anerkannten Ausbildungsberufen mit dem Ziel aus, nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss qualifizierten Nachwuchs für Soldatinnen und Soldaten auf Zeit und zivile Fachkräfte zu gewinnen. Wie in jedem anderen Betrieb auch, wird die Ausbildung in der Bundeswehr nach dem Berufsbildungsgesetz durchgeführt und richtet sich nach den rechtlichen Vorgaben jedes einzelnen Berufes. In Aachen werden neben den Elektronikern außerdem noch Kraftfahrzeugmechatroniker ausgebildet. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung. Hier bietet die Bundeswehr jedes Jahr 26 Schülerinnen und Schülern diese Möglichkeit.

Fabian Holz hat sich für die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker und den blauen Arbeitskittel entschieden. „Das war die richtige Entscheidung“, ist er sich heute sicher. Die Ausbildung bei der Bundeswehr hat für ihn viele Vorteile: „Wir erhalten hier eine breitgefächerte Ausbildung, haben jeweils ausreichend Zeit für die Prüfungsvorbereitung und ich habe am Ende gute Chancen, als Soldat übernommen zu werden.“ Das Ziel von Fabian Holz ist eine Verwendung als Unteroffizier im technischen Bereich bei der Instandsetzung. „Aber noch lieber würde ich zu den Panzergrenadieren gehen“, schmunzelt der 19-Jährige.

Mit gemischten Gefühlen in die Kaserne
„Ich kam mit gemischten Gefühlen in die Kaserne“, erinnert sich Niklas Lengert. Schließlich habe er im Vorfeld viele Geschichten über die Bundeswehr gehört. „Aber die ganzen Klischees passen einfach nicht“, sagt er heute. Und die erwartete militärische Disziplin blieb auch aus. Dies liegt auch daran, dass die Auszubildenden von zivilen Angestellten betreut werden. In Aachen kümmern sich neben dem Leiter der Ausbildungswerkstatt zwei Meister und acht Lehrgesellen, einer für jedes Lehrjahr in den beiden Berufen, um die insgesamt knapp 90 jungen Männer und Frauen.

Grundlage der Ausbildung sind das Berufsbildungsgesetz bzw. die Handwerksordnung sowie die jeweils gültige Ausbildungsverordnung. Die Ausbildung wird in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Berufsschulen und den Kammern durchgeführt. Sie erfolgt nach dem „dualen System“: Der Unterricht findet in der Berufsschule statt, die theoretische und praktische Ausbildung am Arbeitsplatz im Betrieb Bundeswehr.

Mit seinem Realschulabschluss war Niklas Lengert der optimale Kandidat für die Ausbildungswerkstatt. Nach dreieinhalb Jahren und dem Berufsabschluss steht ihm ein breites Feld an Verwendungsmöglichkeiten in der Bundeswehr offen, wenn er denn möchte. Doch die Entscheidung hat er schon längst getroffen: „Ich möchte in den technischen Bereich der Luftwaffe“, wünscht sich der 19-Jährige. Und dort am liebsten mit dem Kampfflugzeug Eurofighter oder den Aufklärungsdrohnen arbeiten. Dazu steht ihm die Laufbahn der Unteroffiziere oder Feldwebel offen. Mit abgeschlossener Berufsausbildung würde er auch direkt im Dienstgrad Unteroffizier einsteigen.

Fabian Holz hat sich bereits entschieden. Seine Bewerbung als Soldat auf Zeit ist bereits abgeschickt. Nun wartet er noch auf einen Termin beim Zentrum für Nachwuchsgewinnung in Düsseldorf, wo seine Eignung und Tauglichkeit festgestellt wird. Unter anderem muss er dort einige sportliche Tests absolvieren, aber vor denen hat er keine Angst: „Wir sind fit und gut vorbereitet. Zweimal in der Woche machen wir mit allen Auszubildenden Dienstsport.“
Sein Vater freut sich, dass sein Sohn zur Bundeswehr geht. Er war selber Reservist und hat seinen Sohn bei der Berufswahl unterstützt. Auch Fabian hat sich aktiv informiert: Durch viele Gespräche beim Wehrdienstberater und Truppenbesuchen bei Luftwaffe und Marine. Bereits in seiner Schulzeit absolvierte er ein Praktikum beim ehemaligen Panzerbataillon 154 in Westerburg.

Viel Zeit für Prüfungsvorbereitung
An seiner Ausbildung schätzt Niklas Lengert neben der lockeren und angenehmen Atmosphäre sowie den geregelten Arbeitszeiten vor allem die individuelle Betreuung durch die Ausbilder. „Weil wir nicht in den Tagesbetrieb einer Firma eingebunden sind, haben wir viel mehr Zeit zum Lernen und zur Prüfungsvorbereitung“, berichtet er.
Und auf die Prüfungen bereitet er sich mit seinen Kollegen gerade vor. Am Laptop entwirft er gerade ein Layout zu einer Steuerung mit Mikrocontroller. Diese werden individuell programmiert und im Bereich der Mess- und Steuerungstechnik eingesetzt. „Damit kann man beispielsweise variable Informationen von einem Sensor verarbeiten, beispielsweise für Temperaturmessungen“, erklärt er und macht sich wieder an die Arbeit. In wenigen Wochen beginnen die Prüfungen.

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