Finanzen


Mit Geld vom Chef vorsorgen

Über die Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge

 

Auch wenn Du erst am Anfang Deines Berufslebens stehst, eines ist jetzt schon sicher: Die gesetzliche Rente wird für Dich und Deine Freunde in vielen, vielen Jahren bestenfalls noch eine Grundversorgung bieten. Zusätzliche Vorsorge ist also Pflicht – doch heute schon ans Alter denken? Wenn Du über 50 Jahre regelmäßig jeden Monat 100 Euro sparst und dafür 5 Prozent Jahreszins bekommst, sind das am Ende fast 257.000 Euro. Fängst Du erst in zehn Jahren an und hast damit noch 40 Jahre Zeit bis zur Rente, werden es „nur“ 148.000 Euro. Neben der rein privaten Geldanlage kannst Du auch mit der „betrieblichen Altersvorsorge“ Vermögen aufbauen – das ist oft sehr rentabel, und häufig gibt die Firma noch Geld dazu!

Fünf Formen möglich
Für die betriebliche Altersversorgung sind vom Gesetz fünf Formen zugelassen, unter denen die Firma auswählen kann. Für welche der fünf Varianten sich Deine Firma entscheidet, ist ihre Sache. Du kannst meist nur entscheiden, ob Du mitmachst oder nicht, wobei in manchen Unternehmen die Teilnahme an der betrieblichen Altersversorgung Pflicht ist. Vor allem Kleinunternehmen bieten oft nur eine Anlagemöglichkeit, bei Großunternehmen ist häufig die Auswahl zwischen mehreren Anlageformen möglich.

Entgeltumwandlung
Das Geld für die betriebliche Altersversorgung kommt aus zwei Quellen: Deinen eigenen Beiträgen und möglichen zusätzlichen Einzahlungen Deines Arbeitgebers. Das Grundprinzip für Deine Beiträge ist dabei die „Entgeltumwandlung“: Du zahlst Teile Deines heutigen Gehalts in eine betriebliche Altersversorgung ein – „Geld heute“ wandelt sich in „finanzielle Sicherung im Alter“. Ob die Firma etwas zu Deiner Altersversorgung beisteuert, ist deren Entscheidung, aber vor allem bei größeren Unternehmen üblich.

Für Berufseinsteiger sind bei der betrieblichen Altersversorgung vor allem drei Fragen von Bedeutung: Steuern und Sozialversicherung, ein späterer Arbeitgeberwechsel und die Sicherheit Deines Kapitals.

Steuerfrei Vermögen bilden
Beim Thema „Steuern und Finanzamt“ ist es ganz einfach: Deine Einzahlungen bleiben steuerfrei, und zwar je nach Anlageform im Jahr 2010 bis zu für Azubis astronomischen 4440 Euro oder sogar unbegrenzt. Erst die späteren Auszahlungen im Rentenalter werden voll besteuert. Ähnlich vorteilhaft sind die Regelungen zu den Sozialversicherungsbeiträgen: Deine Einzahlungen sind im Jahr 2010 bis zu 2640 Euro sozialversicherungsfrei.

Doch worin liegt der Vorteil der heutigen Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit? Hierzu ein Vergleich: Wenn Du eine Gehaltserhöhung von 100 Euro erhältst und sofort Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen musst, bekommst Du vielleicht 60 Euro ausgezahlt. Diese kannst Du dann privat anlegen. Bei der Anlage in der betrieblichen Altersversorgung werden keine Steuern und Sozialabgaben fällig – also können die vollen 100 Euro investiert werden und damit auch entsprechend höhere Erträge abwerfen.

Kindergeld retten
Wichtig: Die Einzahlungen in die betriebliche Altersversorgung fallen bei der Berechnung der Einkommensgrenze fürs Kindergeld unter den Tisch. Wenn Du also möglicherweise so viel Geld verdienst, dass Deine Eltern das Kindergeld verlieren könnten, schlägst Du mit der betrieblichen Altersversorgung zwei Fliegen mit einer Klappe: Du tust selbst etwas für Deine Versorgung, und Deine Eltern haben wesentlich mehr Geld in der Tasche. Es gibt sogar Unternehmen, in denen spezialisierte Berater betroffenen Azubis genau ausrechnen, wie viel Geld sie in die Altersversorgung einzahlen müssen, um das Kindergeld zu retten.

Beiträge erst im Alter
Weil Du auf Deine heutigen Einzahlungen keine Sozialversicherungsbeiträge zahlst, werden auf die späteren Auszahlungen an gesetzlich Versicherte die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Und für die sozialversicherungsfreien Einzahlungen in die betriebliche Altersversorgung gibt es weniger Ansprüche aus der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung, dafür aber natürlich eine entsprechende Rente aus der betrieblichen Versorgung.

Günstige Bedingungen
Die betriebliche Altersvorsorge bringt auch deshalb oft wesentlich mehr als private Vorsorge, weil Unternehmen oder Branchen mit vielen tausend Mitarbeitern von den Banken und Versicherungen wesentlich günstigere Bedingungen bekommen als Du als einzelner Kunde. Hierauf haben auch einige Branchen mit neuen Regeln in den Tarifverträgen reagiert. So werden in der Metallindustrie die bisherigen Arbeitgeberleistungen für vermögenswirksame Leistungen (VL) nur noch für die Altersvorsorge gezahlt. Das sind immerhin 159 Euro jährlich (nach der Ausbildung sogar 319 Euro), die Du für die betriebliche Altersversorgung oder einen privaten, vom Staat geförderten Riester-Vertrag vom Arbeitgeber erhältst.

Stellenwechsel
Bei einem Stellenwechsel regeln gesetzliche Fristen, wann Deine Ansprüche nicht mehr verloren gehen: Hat sich der Arbeitgeber an der betrieblichen Altersversorgung beteiligt, muss die Zusage mindestens 5 Jahre bestanden haben, und Du musst beim Verlassen des Unternehmens mindestens 25 Jahre alt sein. Hast Du die betriebliche Altersversorgung durch Entgeltumwandlung voll selbst finanziert, ist der Anspruch sofort unverfallbar.

Ein Wechsel kann jedoch auch bei gesicherten Ansprüchen zu Leistungseinbußen führen. Immer öfter ist aber auch die Übertragung der betrieblichen Altersversorgung vom alten auf den neuen Arbeitgeber möglich, wobei auch das mit Fallstricken verbunden sein kann. Da viele Azubis keine Garantie auf eine spätere Übernahme haben, solltest du diese Frage in einer Beratung unbedingt ansprechen.

Sicherheit bei Firmenpleite
Wichtig ist außerdem, was mit Deinen Ansprüchen passiert, falls der aktuelle oder frühere Arbeitgeber insolvent wird. Hier werden die einzelnen Anlageformen entweder von der Versicherungsaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) kontrolliert oder vom „Pensions-Sicherungs-Verein“ (PSV) abgesichert, so zum Beispiel aktuell für die Ansprüche der Karstadt-Mitarbeiter. Die Beiträge für die Absicherung werden von den Arbeitgebern gezahlt.

Das Thema „betriebliche Altersversorgung“ ist also ziemlich komplex, zudem gelten je nach Unternehmen und Branche noch Sonderregelungen. Andererseits bieten viele Arbeitgeber schon für Azubis sehr attraktive Konditionen, die aus Unkenntnis oft nur zögerlich angenommen werden. Dabei ist die betriebliche Altersversorgung oft konkurrenzlos, vor allem wenn sich auch die Firma finanziell daran beteiligt. Der wichtigste Tipp lautet also: Frage Deinen Arbeitgeber – es lohnt sich fast immer!

Infos zum Thema Pflegeversicherung: www.jetzt-vorsorgen.com

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