Berufsbilder


Gut aufgestellt – Ausbildung zum Gerüstbauer

Wer im Job hoch hinaus will, hat verschiedene Möglichkeiten. Wortwörtlich gute Aufstiegschancen bietet der Beruf des Gerüstbauers. Nicht selten bewegt man sich in schwindelnder Höhe und genau deshalb ist die dreijährige Ausbildung auch nichts für Angsthasen. Seit 1998 ist das Berufsbild, das sowohl in Handwerk als auch in Industrie angeboten wird, als Vollhandwerk anerkannt und bietet damit im Anschluss an die Ausbildung Weiterbildungsmöglichkeiten wie zum Meister oder Techniker. Und Gerüstbauer ist längst kein reiner Männerberuf mehr. Dank leichterer Materialien ist nicht mehr nur reine Kraft gefragt. Ob Neubau oder Renovierung, Restaurierung oder Fassadengestaltung – wenn es gilt, in höheren Lagen zu bauen, zu verputzen oder zu streichen, kann auf der Baustelle ohne eine stabile Gerüstkonstruktion nicht gearbeitet werden. Damit die anderen Gewerke ihre Arbeit aufnehmen können, ist die Vorarbeit der Gerüstbauer oft unerlässlich. Sie richten Baustellen ein und sichern sie, erproben die Tragfähigkeit der Untergründe, verankern Gerüste, prüfen und protokollieren die Verankerungen, montieren und bedienen Aufzüge und Hebebühnen, bauen Arbeitsplattformen, Hängegerüste oder auch Wetterschutzhallen und vieles mehr.

Einsatzgebiete
Die Bandbreite der Einsatzorte reicht von Wohn- und Bürogebäuden über Industrieanlagen und Brücken bis hin zum Schiffsbau oder Ölbohrinseln. Immer wieder gibt es spektakuläre Beispiele dafür, wie wichtig die Arbeit der Gerüstbauer ist, wo in luftiger Höhe gearbeitet werden soll: An den Kranhäusern im Kölner Rheinauhafen zum Beispiel oder am Weltkulturerbe Zeche Zollverein im Vorfeld von Ruhr2010.

Fit, schwindelfrei und wetterfest
Luca Pohl ist angehender Gerüstbauer im ersten Ausbildungsjahr. Sein Arbeitgeber, die Firma Schüttler aus Nürnberg, ist einer der größeren Anbieter ihrer Region. Unternehmer Peter Schüttler setzt stark auf Ausbildung – bis zu sechs Azubis beschäftigt er gleichzeitig. Dabei sei es gar nicht so einfach, geeigneten Nachwuchs zu finden, sagt er. „Man muss körperlich fit, wetterfest und schwindelfrei sein“, umreißt er die Grundkriterien. Ganz besonders wichtig sei darüber hinaus Pünktlichkeit. „Wer zu spät kommt, verärgert damit seine Kollegen, die pünktlich sind, und bringt den ganzen Zeitplan durcheinander“, sagt Schüttler.

Der 17-jährige Luca bringt alle nötigen Eigenschaften mit. Im Rahmen eines zweiwöchigen Praktikums hatte er schon vor seiner Ausbildung den Alltag eines Gerüstbauers kennen gelernt. „Das hat mir Spaß gemacht und ich hab schnell gemerkt, dass der Beruf was für mich ist“, sagt er.

Tagesablauf
Lucas Tag beginnt früh. Um 7 Uhr treffen sich die Mitarbeiter und Azubis der Firma Schüttler und werden in Gruppen eingeteilt, die sogenannten Kolonnen, in denen sie die unterschiedlichen Baustellen besuchen. Jede einzelne Kolonne bespricht sich mit ihrem Vorarbeiter und dem Betriebsleiter. Je nach Baustelle müssen unterschiedliche Gerüstteile auf den Lkw geladen werden. Welche das sind, gibt der Vorarbeiter an.

Auf zur Baustelle
Kurz darauf wird der Lkw beladen. „Das gefällt mir am besten“, sagt Luca. Jedes Bauteil muss gut gesichert werden, damit es nicht in die Fahrerkabine rutschen oder von der Ladefläche fallen kann. Sobald alles verstaut ist, muss die Lagerhalle erst mal gefegt werden. „Ordnung und Sauberkeit sind wichtig“, sagt Luca. Ihre Frühstückspause machen die Männer in der Regel auf dem Weg zur Baustelle. Es ist wichtig, dass sie pünktlich am Bestimmungsort ankommen, denn viele Abläufe am Bau können erst starten, wenn das Gerüst steht.

Gute Planung entscheidend
An der Baustelle angekommen, wird der Aufbau des Gerüsts genau geplant, bevor die Arbeiten begonnen werden. Eine Rolle spielen dabei die Anzahl und Größe der verschiedenen Felder, aus denen sich das Gerüst zusammensetzt, der Untergrund und die Befestigung am Gebäude. Letztere muss sicher sein, soll aber wenig Schaden anrichten.

Sicherheit gewährleisten
Wenn das Gerüst erst mal steht und die Statik gesichert ist, muss Luca prüfen, dass der Abstand zum Gebäude höchstens 30 Zentimeter beträgt. „Wird die Lücke größer, besteht die Gefahr, dass Arbeiter hindurchfallen“, sagt er. Bevor sie das Gerüst für die Handwerker freigeben, kontrollieren die Gerüstbauer noch einmal, ob alle Bauteile richtig eingehakt und festgeschraubt sind.

Verdienter Feierabend
Die Gerüstbauer laden anschließend alle nicht benötigten Bauteile wieder auf den Lkw und sichern sie mit Gurten, bevor sie sie zurück ins Lager bringen. „Die Baustelle hinterlassen wir ordentlich, das gehört dazu“, sagt Luca. Und ist jetzt Feierabend? „Heute ja“, sagt er. Das Gerüst war groß und der Aufbau hat viel Zeit in Anspruch genommen. An manchen Tagen ist es aber auch anders: „Da bauen wir Gerüste auf drei unterschiedlichen Baustellen hintereinander auf und fahren zwischendurch nur ins Lager, um nicht benötigte Bauteile ab- und neue für die nächste Baustelle aufzuladen.“

Lucas größte Herausforderung bisher? „Das 14 Meter hohe, freistehende Gerüst, das wir für die ‚Blaue Nacht’ auf dem Nürnberger Hauptmarkt aufgebaut haben“, sagt Luca. Wie es nach der Ausbildung für ihn weitergehen soll, weiß er noch nicht ganz genau. „Ich möchte erst mal Berufserfahrung sammeln und dann mal schauen, was sich für Möglichkeiten bieten.“

Info
Weitere Infos und Vermittlung von
Ausbildungs- und Praktikumsplätzen
gibt es bei der Bundesinnung Gerüstbau:

Laura Wegewitz,
Telefon (0221) 8706030 sowie per E-Mail an l.wegewitz@geruestbauhandwerk.de

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