Finanzen


Meine erste eigene Wohnung

Irgendwann ist der große Moment da: der Auszug bei den Eltern in die erste eigene Wohnung. Manche Azubis müssen „Hotel Mama“ verlassen, weil ihr Ausbildungsplatz zu weit von zu Hause entfernt ist, andere wollen mehr Freiheit und suchen sich deshalb ihre erste eigene Bude. Immer jedoch sind jede Menge Rechts- und Finanzfragen zu beantworten.

Kosten der Wohnung
Die erste und wichtigste Frage ist, ob Du Dir eine eigene Wohnung überhaupt leisten kannst. Neben der Miete schlagen vor allem die Nebenkosten zu Buche – sie liegen je nach Wohnung und Ort bei 30 bis 50 Prozent der Kaltmiete. Auf zum Beispiel 300 Euro Kaltmiete kommen so noch einmal rund 100 bis 150 Euro für Heizung, Strom, Wasser, Müllabfuhr usw. All diese Kosten musst Du dauerhaft aufbringen können! Unser Tipp: Der Wechsel zu einem günstigen Strom- und Gasanbieter kann einige Euros sparen, Infos findest Du zum Beispiel unter www.verivox.de.

Renovierung, Kaution
Neben den laufenden Kosten kommen vor dem Einzug oft noch weitere Ausgaben auf Dich zu: Die Wohnung muss womöglich renoviert werden, vielleicht auch neue Teppichböden verlegt werden. Selbst wenn Du diese Arbeiten mit Freunden oder Eltern erledigst, musst Du das Material bezahlen. Fast immer wird bei einem Mietvertrag eine Kaution fällig, die vor dem Einzug zu bezahlen ist. Sie ist eine Sicherheit für den Vermieter, falls Du beim Auszug Schäden hinterlässt, die der Vermieter dann beseitigen muss. Ist beim Auszug alles in Ordnung, bekommst Du zwar Dein Geld wieder, beim Einzug muss es aber erst einmal da sein. Falls Deine Wohnung über einen Makler angeboten wird, musst Du außerdem noch dessen Provision von bis zu 2,38 Monatsmieten zahlen.

Möbel
Natürlich braucht eine Wohnung auch Möbel: Manches wirst Du aus Deinem bisherigen Zimmer mitnehmen können, aber manches musst Du neu kaufen. Hier solltest Du Dir vorab eine Liste machen, was Du brauchst und realistische Preise ansetzen, zum Beispiel aus dem Internet. Unser Tipp: Vorsicht vor Krediten für Möbelkäufe! Wenn Du einen Kredit brauchst, fehlt Dir einfach das nötige Geld. In diesem Fall solltest Du überlegen, worauf Du am Anfang verzichten kannst. Außerdem bieten viele Möbelhäuser Ausstellungsstücke oder Auslaufmodelle sehr günstig an – suchen lohnt sich!

Mietvertrag
Wenn Du alles berechnet und Dein neues Zuhause gefunden hast, kommt auch der Mietvertrag ins Spiel. Wenn Du alleine einziehst, wirst natürlich auch Du alleine Mieter. Möchtest Du später noch jemanden einziehen lassen, meist Deine Freundin bzw. Deinen Freund, musst Du das dem Vermieter mitteilen. Im Normalfall muss der Vermieter das erlauben. Wichtig: Der neue Bewohner wird nur dann auch Mieter, wenn er zusätzlich als Mieter im Mietvertrag eingetragen wird. Und nur „Mieter“ haften gegenüber dem Vermieter, falls ein anderer „Mieter“ der Wohnung nicht zahlt.

Anders sieht es hingegen aus, wenn Du schon zu Beginn des Mietvertrags nicht allein einziehst, also zum Beispiel zusammen mit Freund oder Freundin oder mit mehreren Personen als WG. Unterschreiben alle Bewohner den Mietvertrag, haften sie alle gemeinsam für die Miete. Auch wer einfach auszieht, muss weiter für die Miete geradestehen, wenn die verbleibenden Bewohner nicht mehr zahlen. Der Mietvertrag kann auch nur von allen Mietern gemeinsam gekündigt werden, dann müssen auch alle zugleich ausziehen. Man kann natürlich mit dem Vermieter verhandeln, dass die restlichen Mieter mit ihm einen neuen Vertrag abschließen und so in der Wohnung bleiben können.

Unterschreibt nur ein Bewohner den Mietvertrag als Hauptmieter, könnte er auch an die anderen Bewohner untervermieten. Zwar muss der Vermieter die Untervermietung genehmigen, das sollte aber fast immer keine Schwierigkeit sein. Komplizierter könnte es werden, wenn der Hauptmieter ausziehen will und den Vertrag kündigt. Dann sollten die Untermieter mit dem Vermieter über einen neuen Mietvertrag verhandeln, wenn sie die Wohnung weiter nutzen wollen.

Neue Adresse melden
Spätestens nach dem Umzug musst Du verschiedenen Stellen Deine neue Adresse mitteilen: Ausbildungsbetrieb, Finanzamt, Krankenversicherung, Bank usw. Bei der Post kannst Du auch gegen eine geringe Gebühr einen „Nachsendeantrag“ stellen und bekommst dann automatisch Deine Post an die neue Adresse. Auch bestimmte Papiere müssen umgeschrieben werden, zum Beispiel Personalausweis oder die Zulassungspapiere Deines Autos. Detaillierte Checklisten findest Du zum Beispiel unter www.umziehen.de/checklisten.

Kein „Kind“ mehr?
Der Auszug bei Deinen Eltern hat oft noch jede Menge andere Folgen: Du zählst nämlich in vielen Fällen nicht mehr als „Kind“, sondern bist jetzt eigenständig. So musst Du zum Beispiel prüfen, welche Versicherungen Du nun selbst abschließen musst, weil die kostenlose Mitversicherung bei den Eltern nicht mehr möglich ist. Besonders wichtig ist hier die private Haftpflichtversicherung, aber auch – je nach Wert Deiner Einrichtung – die Hausratversicherung. Unser Tipp: Wenn Du mit Freund oder Freundin zusammenziehst, lässt sich zum Beispiel in der Privat-Haftpflichtversicherung durch einen gemeinsamen Vertrag viel Geld sparen!

Umzug und Finanzamt
In manchen Fällen kannst Du sogar mit Deinen Umzugskosten Steuern sparen (siehe auch „Azubis und das Finanzamt“ im letzten Azubi, S. 16–18). Ist Dein Umzug nämlich „beruflich veranlasst“, sind die Kosten steuerlich abzugsfähig. Das lohnt allerdings nur, wenn Du auch Steuern zahlst. Beruflich veranlasst heißt, dass Dein Umzug vor allem durch Deine Ausbildung nötig ist. Beispiel: Jana zieht von Leipzig nach Köln, weil sie dort eine passende Ausbildungsstelle gefunden hat. Liegt Deine eigene Bude aber nur drei Straßen vom Elternhaus entfernt, hat der Umzug private Gründe und wird vom Finanzamt nicht anerkannt.

Weitere Kosten
Spätestens mit der eigenen Wohnung wird sich auch die GEZ bei Dir melden und von Dir Rundfunk- und Fernsehgebühren verlangen, immerhin fast 18 Euro im Monat. Auch Telefon und Internet gehen nun auf Deine eigene Rechnung. Und wenn Du in Deiner Wohnung wirklich für alle oder fast alle Kosten selbst verantwortlich bist, solltest Du auch in der nächsten Zeit Dein „Notfall-Konto“ auf mindestens 3.000 Euro aufstocken, damit Du immer genügend Reserven für unvorhergesehene Reparaturen, Nachzahlungen von Nebenkosten und so weiter hast.

Kontakt:
Martin Kinkel, 46 Jahre, ist diplomierter Volkswirt und Diplom-Kaufmann. Er schreibt als freier Fachautor zu Finanz-, Steuer- und Versicherungsthemen und ist Verfasser des Ratgebers „Job & Money für jüngere Arbeitnehmer“
(Leseprobe unter www.jobmoney.de).

Diskussion

Ein Kommentar zu “Meine erste eigene Wohnung”

  1. […] Abzweigungsantrag stellen; das Kindergeld wird dann direkt an ihn überwiesen. Beim Stichwort eigene Wohnung gibt es für Auszubildende eventuell noch die Möglichkeit, Wohngeld als Mietzuschuss zu […]

    Geschrieben von Die Ausbildung ohne finanzielle Probleme meistern | FuturePlan Magazine | Juli 29, 2015, 11:23

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