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Designen nach Holz und Laune

Julia Danckworth mag es schnörkellos. Als Meisterdesignerin entwirft und fertigt sie Möbel. Seit sieben Jahren in ihrer eigenen Werkstatt.

Maßarbeit, die wirklich passt: Die Teeboutique „varie Thé“ in Aachen besticht mit einer einzigartigen Verkaufstheke. Foto: Handwerkskammer Aachen„Wir Handwerker reden mit unseren Händen“, sagt Julia Danckworth. Und sie macht das täglich. Akribisch und kreativ fertigt sie ausgefallene Möbel – Tische, Regalsysteme und Tresen – in ihrer eigenen Werkstatt. Vor sieben Jahren gründete die Tischlermeisterin gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Ike Formen das Handwerksunternehmen „handwert – möbeldesign“. Einen besseren Ort als die Räume einer ehemaligen Tischlereiwerkstatt in einem Stadtrandviertel von Aachen hätten sie nicht finden können. Durch die hohen Fenster strömt warmes Sonnenlicht, es riecht wunderbar nach Holz. In der geräumigen Werkstatt stehen moderne Holzbearbeitungsmaschinen und große Arbeitstische. Daneben im kleineren Werkraum wird gehobelt, geschliffen und geleimt. Jedes Möbel von „handwert“ ist ein Unikat. Der Betrieb – inzwischen sind sie insgesamt zu sechst – und auch die Anzahl der Kunden wachsen kontinuierlich. Ein ganz entscheidender Schritt war für die Kölnerin das Studium „Handwerkdesign“ an der Akademie Gut Rosenberg der Handwerkskammer Aachen.

Doch erst noch einmal zurück zum Anfang. Nach ihrem Abitur hatte Julia Danckworth viele Wünsche: sie wollte ins Ausland und danach ein gestaltendes Handwerk erlernen, am liebsten Restauration. Doch es kam anders. Sie begann nach einem zehnmonatigen Aufenthalt in London mit der Ausbildung zur Tischlerin. Den Wunsch Restauratorin zu werden, hatte sie schon vorher aufgegeben. „Ich wollte nicht Altes restaurieren, sondern Neues schaffen“, lautet die Begründung. Gut ausgebildete Tischler – in Süddeutschland ist übrigens die Bezeichnung „Schreiner/-in“ gebräuchlich – finden jederzeit auch einen attraktiven Arbeitsplatz, beispielsweise bei einer Bauschreinerei. Doch Wintergärten planen oder Fenster und Türen produzieren, kam für Julia Danckworth nie in Frage. Wer mit der jungen Handwerkerin spricht, gewinnt schnell den Eindruck, dass sie immer schon den nächsten Plan in der Schublade hat. So beschloss sie bereits während ihrer Ausbildung in Bedburg bei Köln, sich für das Studium „Handwerkdesign“ bei der Akademie Gut Rosenberg zu bewerben.

Die Leidenschaft für Holz und Design führt sie zusammen: Julia Danckworth und Ike Formen. Foto: Edda NeitzWeil sie gern fremde Kulturen kennenlernt, ging die Kölnerin nach der bestandenen Gesellenprüfung erst noch einmal ins Ausland. Dieses Mal zur Wanderschaft nach Frankreich. „So lernt man über den Tellerrand des eigenen Handwerks zu blicken“, sagt Julia Danckworth. Auch bei ihrem dreijährigen Studium an der Akademie hatte sie die Möglichkeit, viel von anderen Gewerken zu lernen, weil man dort in gemischten Gruppen arbeitet. Vor allem der Austausch mit Kollegen vom Metallbau und der Glasherstellung haben ihr viele Impulse gegeben. Denn auch Holzmöbelstücke werden mit anderen Materialen kombiniert. Eine weitere wichtige Grundlage für ihre Arbeit, nämlich Entwürfe zu gestalten, erhielt sie an der Akademie. „Das habe ich während meiner Gesellenausbildung nicht gelernt, aber inzwischen gehört das Thema Entwurf auch zur Ausbildung“, sagt die Meisterdesignerin. Kreative Handwerker und Handwerkerinnen weiterzubilden, hat schon Tradition an der Akademie für Handwerkdesign. Seit 30 Jahren wird in dem großen Hof aus dem 13. Jahrhundert in Horbach bei Aachen, an der Grenze zu den Niederlanden, Werkkunst gelehrt. „Wem Gestaltung und Design im gestalterischen Handwerk am Herzen liegen, der ist bei uns richtig“, sagt Studienberaterin Beate Amrehn vom Gut Rosenberg.

Foto: Edda NeitzKomplexe Designfragen selbstständig lösen, aber auch betriebswirtschaftliches Know-how erlernen, das sind die Schwerpunkte des Studiums. Das Aushängeschild der Akademie heißt „Two in One“. Hier werden neben dem Designstudium auch Teile der Meisterprüfung erworben und der Absolvent erhält den Titel eines „Meisterdesigners“, der als ein Bachelor-Abschluss anerkannt wird. Eine Examensarbeit ohne Meisterprüfung führt zum Titel eines „Handwerkdesigners“. Bewerben können sich alle, die den Gesellenbrief eines gestaltenden Handwerks haben oder anstreben.

„Durch das Studium habe ich erkannt, wohin ich mich weiter entwickeln kann“, sagt Julia Dankworth. Wenn es ihr möglich ist, nimmt sie sich Zeit für ihr zweites Herzensthema und reist nach Mosambik oder Malawi, um dort jungen Menschen ihr Fachwissen im Tischlerhandwerk zu vermitteln.

Infos:
www.handwert-möbeldesign.de
www.gut-rosenberg.de

 

 

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