Studium


Studiengang: Europäische Ethnologie

Warum ist das so?
Unser Alltag steckt voller spannender Begebenheiten, die erst auf den zweiten Blick zum Vorschein kommen. Mithilfe der Europäischen Ethnologie werden sie erforscht. Foto: Karl-Heinz LaubeEs mag zunächst banal erscheinen unseren Alltag zu erforschen, ihn zu hinterfragen und versuchen herauszufinden, warum wir so leben, wie wir leben. Doch bei genauerer Betrachtung sind viele der Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten, erst über Generationen hinweg gewachsen. Ein Beispiel dafür ist unser Drang nach Sauberkeit. Es gab Zeiten, in denen Menschen regelrecht Angst vor Wasser hatten und sich deshalb kaum gebadet haben. Stattdessen setzten sie Unmengen von Parfüm ein, um den Gestank zu übertünchen. Doch woher resultierte diese Angst und warum vollzog sich langsam ein Wandel, der schließlich dazu führte, dass es heute eine Selbstverständlichkeit ist, sich mit Wasser zu reinigen? Genau da setzt die Europäische Ethnologie an. Sie versucht hinter die Fassaden des gesellschaftlichen Lebens zu blicken. Pickt sich die „kleinen“ Alltagsgeschichten heraus und setzt diese in einen großen Zusammenhang. Das Individuum steht im Mittelpunkt. Jedoch nicht abgeschottet, sondern immer als Teil einer sich ständig wandelnden Gesellschaft, die wiederum von eben jenen Individuen geprägt wird.

Europäische was?
Studierende des Fachs Europäische Ethnologie kennen folgende Frage bestimmt: „Was ist denn Ethnologie“? Das der Studiengang relativ unbekannt ist, mag daher resultieren, dass es ihn noch nicht so lange gibt. Ältere Semester kennen das Fach unter den Begriffen Volkskunde, Völkerkunde oder einfach Anthropologie. Eine gute Antwort auf die oben gestellte Frage ist „Kulturwissenschaft“, denn damit beschreibt man nicht nur die eigentliche Aufgabe der Europäischen Ethnologie, sondern gibt seinem Gegenüber auch eine greifbarere Erklärung.

Doch was erwartet einen genau während des Studiums? Schwerpunkte sind unter anderem Sozial- und Alltagsgeschichten im 19. und 20. Jahrhundert, Frauengeschichte, Migrationsbewegungen oder Medienforschung. In Kursen bedeuten diese Schwerpunkte, dass Studierende Vorlesungen oder Seminare zu Themen wie, „Geschichte und Kultur der Sinti und Roma in Deutschland“, „Beobachterin des Alltags: Europäische Ethnologie als Alltagsforschung“ oder „Hygienekulturen“ besuchen. Natürlich wird auch geforscht. In so genannten Feldforschungen oder mehrtägigen Exkursionen werden bestimmte Phänomene des Alltags unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse werden später in Form einer Publikation, Ausstellung oder eines Films der Öffentlichkeit präsentiert.

Auch ein Feld der Europäischen Ethnologie: Wie sich Wohnformen im Laufe der Zeit gewandelt haben und warum. Foto: Karl-Heinz LaubeUnd was kommt nach dem Studium?
Breit gefächert beschreibt die Auslegung des Studiengangs wohl am Besten. Geschichtlich Interessierte, aber auch Abiturienten mit Vorliebe für neuere Medien kommen auf ihre Kosten. Ebenso vielfältig präsentieren sich die Möglichkeiten für erfolgreiche Absolventen. Durch die im Verlauf des Studiums erworbenen Kompetenzen für die kulturanalytische und kulturvergleichende Untersuchung von Gegenwartsphänomenen bieten sich Berufe in Museen, Sammlungen, Ausstellungen oder Archiven besonders an. Auch Stellen in der öffentlichen und freien Kulturarbeit, der PR- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Projektarbeiten als Freiberufler kommen für Europäische Ethnologen in Frage.

Damit nicht genug. Zunächst fremd erscheinende Berufsfelder, wie Journalismus oder die Mitarbeit in einem Fernseh- oder Radiosender, eigenen sich ebenfalls für Absolventen des Studiengangs. Gerade die Fähigkeiten sich in komplexe Sachverhalte schnell einzuarbeiten, Zusammenhänge zu erkennen, diese in Relation zu setzen und all dies einem breiten Publikum öffentlichkeitswirksam präsentieren zu können, ist in unserer heutigen Arbeitswelt von unschätzbarem Wert. Für manch einen hört sich das nun vielleicht nach alles und nichts an. Doch genau dies macht den Reiz der Europäischen Ethnologie aus. Man lernt während dem Studium quasi ein Handwerk, nämlich die oben beschriebenen Fähigkeiten, und kann sich den eigenen Vorstellungen entsprechend im Beruf verwirklichen.

Smartphones veränderten unsere Kommunikation drastisch. Doch welche konkreten Auswirkungen hat das auf unsere moderne Gesellschaft? Foto: Erwin LorenzenDas Wichtigste zum Schluss: wie, wo, wann?
In Hessen bieten zwei Universitäten den Studiengang Europäische Ethnologie an. Die Philipps Universität in Marburg sowie die Goethe Universität in Frankfurt. Studiert wird das Fach, das in Marburg zusätzlich „Kulturwissenschaft“, in Frankfurt „Kulturanthropologie“ im Titel trägt, entweder als Haupt- oder Nebenfach. Wie heutzutage üblich handelt es sich um ein Bachelor-Studium, das nach einer Laufzeit von sechs Semestern mit vier weiteren Semestern, im so- genannten Master-Studiengang, ergänzt werden kann. Somit kommt man auf insgesamt 10 Semester, was fünf Jahren entspricht.

In Marburg sowie in Frankfurt ist eine Einschreibung für den Studiengang nur zum Wintersemester möglich. Beiden ebenfalls gemein, ist eine Einführungsveranstaltung, die Interessierten das Fach näher bringt und gleichzeitig den Alltag im Studium aufzeigt. Irgendwie passend, hat der geneigte Ethnologe somit doch direkt ein Feld, das er erforschen könnte.
Kontaktdaten der Fachbereiche:

Philipps Universität Marburg
Fachbereich 03 | Gesellschaftswissenschaften und Philosophie
Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft
Deutschhausstraße 3, 35032 Marburg
Telefon: (06421) 28–26516
Email: europ.ethnologie@staff.uni-marburg.de
Internet: www.uni-marburg.de/fb03/euroethno

Goethe Universität Frankfurt am Main
Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie
Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 798 32911 (Geschäftszimmer)
Email: A.Kuehn@em.uni-frankfurt.de (Geschäftszimmer | Alexandra Kühn)
Internet: http://kaee.uni-frankfurt.de

 

 

 

Diskussion

Keine Kommentare zu “Studiengang: Europäische Ethnologie”

Hinterlassen Sie einen Kommentar

azubi-News per E-Mail:

E-Mail-Adresse eingeben:

Zugestellt von FeedBurner

Online durchblättern:


Ausgabenarchiv

Regionale Specials:


Archiv

Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Um Dein Nutzererlebnis zu verbessern, verwendet diese Website Cookies. Details

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen