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Ausbildung bei Werder Bremen

Bewerbungen kommen in Wäschekörben

Image2003/2004 schaffte Werder Bremen nicht nur den Weg aus einem anhaltenden Formtief. Der Verein legte die erfolgreichste Saison seiner Geschichte hin. Werder gewann die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Seitdem sind die Bremer nicht mehr zu bremsen und dem FC Bayern immer dicht auf den Fersen. Wieder sind sie in Schlagdistanz, mischen vorne in der Tabelle mit. Für ihren überragenden Offensiv-Fußball wird die Mannschaft gefeiert. Sie ist motiviert, zeigt Ehrgeiz. So kennt man Werder Bremen, so lieben tausende Fans den Verein. Aber als Ausbildungsbetrieb kennen Werder die wenigsten.

Werder ist nicht nur ein Verein, Werder ist auch ein Unternehmen. Die Werder Bremen GmbH & Co KG aA hat 50 Mitarbeiter, vier von ihnen sind Auszubildende. „Wir bilden seit vielen Jahren aus“, sagt Jens Höfer, Leiter Vereins- und Amateurangelegenheiten und damit für das Personal zuständig. Früher waren es Bürokaufleute und Fachleute für Bürokommunikation. Heute sind es ausschließlich Sport- und Fitnesskaufleute, die bei Werder eine umfassende Ausbildung durchlaufen. „Wir sind ein international operierendes Unternehmen und können ein enormes Spektrum bieten“, sagt Höfer. Gerade was das Kaufmännische angehe, könne man bei Werder sicherlich mehr lernen, als in einigen anderen Ausbildungsstätten für dieses Berufsbild.

GEEIGNETE REALSCHÜLER
Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Bewerber. „Die Noten müssen stimmen“, sagt Höfer. Und zwar in den richtigen Fächern. Sport, Erd- und Sachkunde brauche man eher nicht. Deutsch und Mathe seien wichtig. „Im Unternehmen wollen wir keinen Sport treiben, wir wollen effektiv arbeiten“, sagt Höfer. Das bedeutet aber nicht, dass sich nur Abiturienten bewerben können. „Realschüler sind manchmal durchaus geeigneter“, so der Ausbildungsleiter.

DOPPELTER EINSATZ
Die meisten Bewerbungen kommen von extern. Wäschekörbeweise. Aber auch Interne können Interesse an den Stellen anmelden. Norman Theuerkauf (19) spielt seit vier Jahren für Werder, hat wahrscheinlich eine Profi-Karriere vor sich und absolviert derzeit seine Ausbildung im Unternehmen. Mit 15 Jahren ist er aus Nordhausen in Thüringen zu Werder gekommen. Damals hatte ihn der Verein entdeckt und nach Bremen geholt. „Zwei Jahre lang habe ich im hauseigenen Internat gewohnt“, sagt Norman. Nach der Höheren Handelsschule bewarb er sich um eine Ausbildung bei Werder und erhielt den Zuschlag. Seitdem stellt er sich den Herausforderungen der Doppelbe-
lastung von Training und Fulltime-Job.

DOPPELT GESICHERT
„Wir sehen es als unsere Verantwortung, unserem Nachwuchs die Möglichkeit für eine Ausbildung zu geben“, sagt Höfer. „Sie sollen nicht auf der Straße sitzen, falls etwas dazwischen kommt.“ Schließlich könne es immer sein, dass aus dem Traum von der Karriere als Profifußballer nichts wird. Und wenn sie die Ausbildung im eigenen Haus machten, sei das optimal.

KEINE EXTRAWURST
Die Berufsschule besucht Norman an zwei Tagen in der Woche. Für wichtige Trainings- oder Spieltermine wird er dort freigestellt. Höfer: „Die Schule zeigt sich kulant, das klappt schon seit Jahren sehr gut.“ Natürlich muss Norman auch vom praktischen Teil öfters mal freigestellt werden. „Am Monatsanfang lege ich einen Plan vor, wann ich sportliche Verpflichtungen habe“, sagt Norman. Sein Arbeitgeber richtet sich flexibel danach, ist natürlich am fußballerischen Erfolg des Nachwuchstalents interessiert. Eine Extrawurst in Sachen Arbeitszeiten bekommt er trotzdem nicht. „Was er wegen Trainings oder Spielen verpasst, muss Norman nacharbeiten“, sagt Höfer, und auch sonst werde Norman gefordert, wie jeder andere Auszubildende auch.

VERSÄUMTES NACHHOLEN
Dem entsprechend ist Normans Sicht vom Betrieb: „Ein ganz normales Unternehmen.“ Als Eventort, wie das Stadion in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, sieht er es nur bedingt. Regulär hat er morgens um 9 Uhr da zu sein. Dann fällt der Startschuss. Muss er zwischendurch weg, kann er abends oder am Wochenende nochmal ran. Das stört ihn nicht. Auch wenn er gute Voraussetzungen hat, dass ihm schon bald mit einer Profi-Karriere das große Geld winkt, nimmt er seine Ausbildung ernst. Im Sommer 2007 ist er fertig. Ob er dann als Profi spielt oder als Fitnesskaufmann arbeitet, ist noch völlig offen. Aber: „Er hat als A-Jugendlicher schon in der U23 gespielt“, sagt Höfer, „das ist ja schon mal eine Tendenz.“

SPIELER KAUFT ALLOFS
Eine Einkaufsabteilung gibt es bei Werder nicht. „Wenn, kaufen wir Spieler ein und das macht Klaus Allofs“, sagt Höfer. Dafür aber die Abteilung Vereins- und Amateurangelegenheiten, der er vorsteht. „Da geht es hauptsächlich um das Organisieren von Sportveranstaltungen und Events“, sagt Norman, der hier bereits Erfahrung gesammelt hat. Auch im Call-Center war er schon. „Hier gibt es allerlei Fragen zu beantworten“, beschreibt er, „und nicht nur, ob es noch Karten zu bestimmten Spielen gibt. Oft wollen die Anrufer zum Beispiel wissen, wo wir unseren Kunstrasen bestellen.“ Gearbeitet hat der U23-Spieler auch schon in der Abteilung Medien und PR. „Das ist die Presseabteilung. Pressekonferenzen vorbereiten, Informationen über Spieler als Hand-Outs zusammenstellen und Ähnliches ist hier zu erledigen.“ Derzeit ist er im Ticket-Center beschäftigt. Man kann die Karten für die Stars von heute also bei den Stars von morgen bestellen.

MAN MUSS KEIN FUSSBALLEXPERTE SEIN
Wer sich bei Werder Bremen bewerben möchte, sollte das auf dem klassischen Weg tun. „Online möchten wir das lieber nicht“, unterstreicht Höfer. In einer ordentlichen Mappe sei das aussagekräftiger in Stil, Formulierung und Handschrift. Fußballexperte muss man übrigens nicht sein: „Für die Arbeit im Rechnungswesen beispielsweise ist es völlig unerheblich, wie Werder am Samstag gespielt hat.“ Es könne allerdings nicht schaden, denn Interesse am Fußball zeige ein Stück weit auch Interesse am Unternehmen. Und wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, sollte vorsichtig sein: „Oft höre ich von den Bewerbern, dass sie schon als Kind großer Werder-Fan gewesen sind und schon immer bei uns arbeiten wollten. Wenn ich sie dann nach Tabellenplatz oder Spielern frage und nichts kommt, ist das Gespräch gelaufen. Dann lieber nichts zu diesem Thema sagen“, rät Höfer.¦

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