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Ausbildung im Miniatur Wunderland

Große Welt der kleinen Wunder

miwula_web.jpgGroßen Dingen geht oft eine kleine Idee voraus. Manchmal ist es auch umgekehrt. Beim Miniatur Wunderland Hamburg will man sich da gar nicht so festlegen. Fakt ist: Was da in der Speicherstadt zu finden ist, ist die größte Miniatur-Eisenbahnanlage der Welt. Die Idee dazu hatte Frederik Braun im Juli 2000. Sechs Jahre, vier Bauabschnitte und 700 H0-Züge später hat das Miniatur Wunderland 130 Mitarbeiter. Und seit Februar 2006 auch eine Auszubildende.

Vom Miniatur Wunderland kann man fast nur in Superlativen sprechen. Es ist die größte, höchste und gleichzeitig wohl detailverliebteste H0-Anlage der Welt. Touristen kommen aus aller Herren Ländern, um die mehr als 1 000 Züge mit weit über 15 000 Waggons zu bewundern, die über mehr als 15 Kilometer Schienennetz brausen. 1 500 Signale und etwa 3 000 Weichen werden geschaltet. Die realistischen Abläufe steuern 60 Computer, die sich auch um annähernd 300 fahrende Lastwagen und Autos und irgendwas um die 500 000 Lichter kümmern. Darüber hinaus prägen 250 000 Bäume, ebensoviele Figuren, 15 000 Autos, 5 000 Häuser und Brücken das Bild. Stundenlang kann man durch die Räume in der Speicherstadt schlendern und immer wieder Neues entdecken. Die Wasserleiche im Fluss zum Beispiel, die gerade von Polizeitauchern gefunden wurde, den kleinen rostigen VW-Käfer, der irgendwie niedlich aus dem dunklen Wald seine Scheinwerfer aufblinken lässt, das Liebespaar im Harz, dem ein kleiner Junge die Wäsche klaut, die Radarfalle am Straßenrand, Demonstrationen. Vorbild Realität liefert jede Menge Ideen, die das MiWuLa-Team gekonnt umsetzt.

IDEALISMUS UND ENGAGEMENT

Man ist mit Idealismus und Engagement bei der Sache. Das merkt man schon beim Service. Jeder Gast kann zum Beispiel kostenlos Kamera- und Handyakkus in eigens dafür vorgesehenen Schließfächern aufladen. Es ist eine besondere Philosophie, die man hier lebt und nach außen trägt. Das gilt auch für den Umgang mit Mitarbeitern. Die Betreiber zeigen unternehmerische Verantwortung. Deshalb hat man sich nicht leicht getan mit der Entscheidung, einen Ausbildungsplatz anzubieten. Daniela Krumpholz hat ihn bekommen.

Mit dem Gedanken auszubilden habe man sich schon lange getragen, sich aber nie wirklich in der Lage gesehen, das vernünftig darzustellen, sagt Birgit Hanisch. Die Bayerin kam als Projektmanagerin ins Wunderland. Ihr Hauptgebiet ist das Personalwesen. Jedoch: „Bei 130 Beschäftigten ist das jetzt eine etablierte Größe und kein Projekt mehr.“ Ausbildung ist dabei schon immer Bauchschmerzthema. Das Problem: Das Tätigkeitsfeld der Mitarbeiter ist sehr speziell. „Wir könnten durchaus Schreiner hier ausbilden und die wären auch gut auf ihrem Gebiet. Auf dem Arbeitsmarkt wären sie aber schwer zu vermitteln, weil dort in der Regel andere Anforderungen gestellt werden“, sagt Birgit Hanisch.

 


VIELE TALENTE BESCHÄFTIGT
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Im Miniatur Wunderland arbeiten natürlich viele Menschen an der Modellbahnanlage, bauen Brücken und Häuser, werkeln am Gleissystem, erfinden neue Steuerungsmethoden für die unterschiedlichen Fahrzeuge oder modellieren Berge aus Gips. Das sind Elektroniker, Elektriker, Tischler, Maler und Lackierer, Fachkräfte für Heizung und Sanitär, Veranstaltungstechniker, Logistikkaufleute, Küchenhilfen und Servicekräfte. Der Mann, der gerade die Spitzen der Schweizer Alpen aus Gips formt, ist gelernter Koch. Er hat ein Talent für seine Tätigkeit im Miniatur Wunderland. Und das in Verbindung mit einer Leidenschaft. Die richtige Mischung ist es, auf die es ankommt. Erfahrung im Umgang mit Modelleisenbahnen ist nicht erforderlich, manchmal sogar von Nachteil. Welchen Beruf könnte man in diesem Unternehmen ausbilden, überlegte sich das MiWuLa-Team und kam schließlich zu einer Lösung: Fachkraft im Gastgewerbe.

FACHKRAFT IM GASTGEWERBE

Daniela Krumpholz lernt diesen Beruf. Die 22-Jährige, im MiWuLa als Ela bekannt, arbeitet schon seit mehr als zwei Jahren im hauseigenen Bistro. Ihre Ausbildung begann sie im Februar 2006. „Sie ist hier eine wertvolle Mitarbeiterin, hatte aber bisher keinen Beruf erlernt“, sagt Birgit Hanisch. Man sei sich im Klaren darüber, dass der Erfolg des Miniatur Wunderlands stark von der Gunst seiner Besucher abhängt. „Das ist eine Realität, an der wir nicht vorbei kommen. Wenn die Gäste ausbleiben, kann es schnell vorbei sein. Und dann stünde Ela ohne Ausbildung da.“ Um das zu vermeiden habe man ihr die Ausbildungsstelle angeboten. Damit sie den Beruf in vollem Umfang erlernen kann, ist eine Kooperation mit einem ergänzenden Betrieb vorgesehen. „Tischservice, Eindecken und den damit verbundenen Kundenkontakt soll sie dort kennenlernen“, sagt Birgit Hanisch. Das hat Vorteile für beide Seiten: „Ein Wissenstransfer findet statt, durch den Ela neue Ideen und Kompetenzen in bestimmten Abläufen mitbringen kann.“ Ela ist für ihren Beruf wie geschaffen. „Mein Vater hatte eine Gaststätte und da habe ich schon früh geholfen“, sagt sie. Im Gastronomiebereich zu arbeiten sei schon immer ihr Wunsch gewesen und mit dem Ausbildungsplatz im Miniatur Wunderland habe sie richtig Glück gehabt.

TOLLES ARBEITSKLIMA

miniatur_wunderland_1.jpg „Das Arbeitsklima ist echt klasse und ich habe noch nie so einen Chef erlebt“, spielt sie auf Frederik Braun an. Der habe sich wirklich reingehängt, Ela die Ausbildung im MiWuLa zu ermöglichen. Und so schlug sie dann auch ein Angebot vom Flughafen aus. Zu Elas Aufgaben gehört unter anderem die Organisation von Seminaren und Abendveranstaltungen. Denn das Miniatur Wunderland ist auch ein beliebter Tagungsort. Dann gilt es, Tische und Getränke bereitzustellen und für kulinarische Freuden zu sorgen. Das fällt in die Spätschicht, die von 12 bis 20 Uhr dauert. Wenn Ela Frühdienst hat, beginnt ihr Arbeitstag um 9 Uhr. Bis 9.30 Uhr muss bereits das Frühstück vorbereitet sein, denn dann kommen die ersten Gäste. Steht das Frühstück bereit, geht es gleich daran, das Mittagsgeschäft vorzubereiten. Soßen erwärmen, Salat zubereiten, Currywurst, Pommes und Schnitzel bereitstellen, damit an der Ausgabe nahtlos auf das Mittagessen übergegangen werden kann.

KUNDENKONTAKT

Die Arbeit an der Ausgabe macht Ela Spaß, Kundenkontakt ist ihr sehr wichtig. Auch an der Kasse und im Shop arbeitet sie zuweilen. Natürlich herrscht gerade an den Wochenenden Hochbetrieb im Miniatur Wunderland, was auch an diesen Tagen Elas Einsatz erfordert. Das macht ihr gar nichts aus, wie sie sagt und: „In der Regel habe ich jedes zweite Wochenende frei.“ ¦

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