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Ausbildung im Erlebnis-Zoo Hannover

Für tierische Teamplayer

22 Hektar groß ist das Gelände des Zoos in Niedersachsens Landeshauptstadt. Das entspricht einer Fläche von gut 31 Fußballfeldern. Bei etwa 8000 Besuchern sprechen die Zoo-Mitarbeiter von einem guten Tag, bis zu 12000 sind es in der Spitze. Nicht nur mit Tieren gilt es hier gut auszukommen, sondern eben auch mit den Menschen, die sie besuchen. „Auf selbstsicheres, kontaktfreudiges Auftreten legen wir großen Wert“, sagt Zooinspektor Klaus Brunsing. Er ist für die Einstellung der Auszubildenden zuständig. Und damit hat er einiges zu tun. Allein auf die drei zu vergebenden Ausbildungsstellen für Tierpfleger bewarben sich zuletzt 740 junge Leute. „Um die 40 Bewerber suchen wir uns aus und laden sie ein“, beschreibt Brunsing den alljährlichen Vorgang. Eine Entscheidung wird direkt nach den Gesprächen gefällt, einen Test gibt es nicht.

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PRAKTISCHE ERFAHRUNG

Wer Tierpfleger werden möchte, sollte unbedingt teamfähig sein und zumindest einen guten Hauptschulabschluss haben. Enorm wichtig ist es zudem, bereits praktische Erfahrung im Umgang mit Tieren vorweisen zu können. „Wir legen Wert darauf, dass die Leute schon mal im Tierpark, im Tierheim oder auf dem Bauernhof ein Praktikum gemacht haben. Wenn jemand zuhause mal Meerschweinchen hatte, hilft das nicht wirklich weiter“, sagt Brunsing.

Der 19-jährige Ronny hat sich nach der Fachoberschule aus seinem Heimatort Finsterwalde in Brandenburg bundesweit für eine Ausbildungsstelle als Tierpfleger mit der Fachrichtung Zoo beworben. Ein Schulpraktikum im dortigen Tierpark sowie die Arbeit in einem Tierpark in Herzberg brachten ihm Bonuspunkte und er bekam die Stelle in Hannover.

DER ALLTAG

Ronny ist im Revier Sambesi Nord tätig, einem Teil der Afrika-Landschaft. Mit Erdmännchen, Antilopen, Impalas, Gazellen und Zebras hat er hier zu tun, genau wie mit Pelikanen, Flamingos und Säbelschnäblern. Jeden Morgen beginnt er seinen Dienst damit, die Tiere zu füttern und auf die Freigelände zu entlassen. Die Ställe, in denen Flamingo und Co nächtigen, muss er im Anschluss mit Schippe und Hochdruckreiniger säubern.

Auch Kontrollen der Tiergesundheit gehören zu Ronnys Beruf. Zahnprobleme kann es geben, Entzündungen oder den ersehnten Nachwuchs. Tierpfleger verschaffen sich ein Bild von der Lage und verständigen im Zweifelsfall den Tierarzt.

Mit dem Tod muss man ebenfalls umgehen können. „Wo geboren wird, wird auch gestorben – das gehört leider dazu“, sagt Revierleiter Heinrich Grütter. Und wenn man mit einem Tier lange zusammengearbeitet habe, falle das schon mal schwer. Seit 1990 ist Grütter Revierleiter. „Damals“, blickt er zurück, „waren die Reviere noch wesentlich kleiner. Sowohl an Quadratmetern als auch an Mitarbeitern hat der Erlebnis-Zoo zugelegt. Bis zu 400 Beschäftigte zählt das Unternehmen heute in der Saison. Grütter hat in dieser Zeit zu manchem Tier ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. So kommen die verpennten Erdmännchen fluchs aus ihren Höhlen gekrochen, wenn seine Stimme erklingt. Und wahrscheinlich ist es gerade das, was den Reiz des Berufes Tiefpleger ausmacht.

ARBEIT AUF DEM BAUERNHOF
Philipp Plate ist Tierpfleger im dritten Lehrjahr und zurzeit auf dem zooeigenen Bauernhof beschäftigt. Nach der elften Klasse brach er sein Abitur ab und begann seine Ausbildung im Zoo. Hat er die fertig, erwirbt er damit automatisch die Fachhochschulreife. Philipp, der auf einem Resthof im etwa 70 Kilometer entfernten Klein Lessen aufgewachsen ist, hatte gute Einstellungsvoraussetzungen. „Mit vier Jahren habe ich die ersten Tiere bekommen“, sagt er, „Hühner.“ Später seien dann Schafe, Hängebauchschweine, Wellensittiche, Fasane und natürlich auch Meerschweinchen dazu gekommen. Auf dem Bauernhof leben zahlreiche Haustierarten, die vom Aussterben bedroht sind: Thüringer Waldziegen, Rauwollige Pommersche Landschafe oder Rotbunte Husumer Protestschweine. Zum Revier gehören aber ebenfalls die Gehege von Geiern, Eulen, Geparden, Nasenbären und den kleinen Pandas.  Lieblingstiere hat auch Philipp nicht. Er versteht sich mit den beiden Lamas Flocke und Sarotti genauso gut wie mit den Ziegen Hanni und Nanni oder dem Schwein Meica und ihren Bifis. „Der Umgang mit den Tieren ist das Tolle“, sagt Philipp, „und Verantwortung zu übernehmen.“

Für ihn sei das hier der Traumjob schlechthin. „Ich wollte schon immer mit Tieren arbeiten. Man ist draußen, die Tätigkeiten sind abwechslungsreich und man hat viel mit Menschen zu tun. Scheu darf Philipp nicht sein, denn zu seiner Arbeit gehört es auch, Showfütterungen über ein Mikro zu kommentieren.

 

GARTEN- UND LANDSCHAFTSBAU
Aber natürlich arbeiten im Erlebnis-Zoo Hannover nicht nur Tierpfleger. Man findet auch Crêpes-Jongleure, Kinderschminker, Bootsfahrer, Maskottchen-Darsteller, Ponyführer, Scouts, Kundenbetreuer, Sanitäter und Kassierer. Ausgebildet werden zudem Fachleute für Systemgastronomie und Gärtner. Ihre Gärtnerausbildung hat Alicia Jahn in diesem Jahr begonnen. Und im Hannoveraner Zoo hat das nicht nur etwas mit Pflanzen zu tun.

Garten- und Landschaftsbau ist das Fachgebiet der Gärtner im Erlebnis-Zoo Hannover. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn neben dem Setzen und Zurückschneiden von Pflanzen ist auch das Bearbeiten von Holz und Stein Bestandteil der Arbeit. Nahezu die komplette Pflege der Anlagen gehört zum täglichen Brot der Gärtner. „Die Neugestaltung von Gehegen macht am meisten Spaß“, sagt der stellvertretende Bereichsleiter Holger Ahlbrecht. „Wir wirken auch bei Großprojekten mit, wie dem neuen Kinderbereich Mullewapp“, fügt er hinzu.

ALLROUNDER GÄRTNER
Steine müssen geschlagen und gelegt werden, Zäune gebaut und Pflanzen platziert. Gärtner im Zoo sind Allrounder. Ein Auge für Gestaltung müssen sie da schon mitbringen. Für Alicia, die ihre Fachhochschulreife mit Schwerpunkt Gestaltung erlangt hat, ist das wesentliche Kriterium bei der Berufswahl gewesen. „Ich wollte meine Kreativität ausleben“, sagt die 21-Jährige. Und das kann sie nun auch, denn wo Sichtlöcher für die jüngsten Zoobesucher geschnitten und wo welche Pflanze ersetzt werden muss, liegt in der Hand der Gärtner.

Und nicht nur das. Das Austauschen von Erde zum Beispiel ist ebenfalls Gärtnersache. Den Umgang mit den dafür erforderlichen Maschinen wie Radlader und Bagger erlernen die Zoo-Azubis im überbetrieblichen Unterricht bei der Deutschen Lehranstalt für Agrartechnik in Nienburg. Die überbetriebliche Ausbildung in Pflanzenkunde, Bodenkunde und Materialkunde hingegen übernimmt die Landwirtschaftskammer Hannover.Im Betrieb sammeln die Azubis die entsprechende Praxiserfahrung.

WINTERZOO
Wenn die Besuchersaison im Erlebnis-Zoo Hannover Ende September vorbei ist, beginnen langsam aber sicher die Neugestaltungs- und Sanierungsarbeiten. Im November schließlich bauen die Gärtner den Winterzoo auf, inklusive Anlegen von Schlittschuh- und Rodelbahn und der damit verbundenen Umbeschilderung des Geländes.

REIHE VON BEWERBERN
Das Auswahlverfahren läuft bei den Gärtner-Azubis übrigens ähnlich wie bei den Tierpflegern. Schulische Anforderungen gibt es in dem Sinne nicht, jedoch hat man sich gegen eine Reihe anderer Bewerber durchzusetzen. Wer es letztendlich wird, klärt sich auch hier in persönlichen Gesprächen. Alicia zum Beispiel, hat sich gegen 90 Kontrahenten durchgesetzt.

TRADITIONELLE BEWERBUNG
Wer Interesse an einer Ausbildung im Zoo hat, sollte sich auf jeden Fall in traditionell schriftlicher Form bewerben. „Das sagt mehr über die Menschen aus“, sagt Zooinspektor Brünsing. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass die Plätze sehr gefragt und die Chancen, einen zu ergattern, entsprechend gering sind.

Kontakt
Erlebnis-Zoo Hannover
Adenauerallee 3
30175 Hannover

Tel.: 0511 28074-163
info@zoo-hannover.de
www.zoo-hannover.de

 

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