Berufsbilder


Wasserbauer

Alles im Fluss

wasserbauer.jpgEtwa 8000 Kilometer schiffbare Gewässer gibt es in Deutschland. Gepflegt und in Ordnung gehalten werden diese Flüsse, Kanäle und Seehäfen von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die dem Verkehrsministerium untersteht.

Vor Ort sind die regionalen Wasser- und Schifffahrtsdirektionen sowie die lokalen Wasser- und Schifffahrtsämter zuständig. Rund 13.000 Mitarbeiter beschäftigt der Behördenapparat zur Zeit – Leute, die dafür sorgen, dass Personen- und Frachtschiffe sicher in Bewegung bleiben.

Ganz nah am Wasser und manchmal auch mitten darauf sind die Wasserbauerinnen und Wasserbauer tätig. Ein Beruf, den es zwar offiziell schon seit 1942 gibt, der aber vor genau drei Jahren eine neue, moderne Ausbildungsordnung bekommen hat.

„Momentan werden in Deutschland nur 200 bis 300 junge Menschen zum Wasserbauer ausgebildet“, sagt Diplom-Ingenieur Eberhardt Städtler, Sachkundiger für die Neuordnung Wasserbauer der Länder. Annähernd 90 Prozent davon lernen in der Bundesbehörde und ihren Außenstellen, der Rest in anderen, zum Teil privaten Ausbildungsbetrieben. „Dies steht in keinem Verhältnis zu den vorhandenen schiffbaren und nicht schiffbaren Gewässern, den rund 7500 Kilometern Hochwasserschutzanlagen und den rund 500 Talsperren“, so Städtler. Er fordert, dass die Gesamtzahl der Auszubildenden etwa 2000 bis 2500 betragen müsste. „Hier besteht erheblicher Informations- und Nachholbedarf.“

BUNDESWASSERSTRASSEN

Wasserbauer warten und inspizieren die so genannten Bundeswasserstraßen. Sie sichern das Fahrwasser bzw. die Fahrrinne für die Schifffahrt und schildern sie aus. Das Gewässerbett muss regelmäßig untersucht werden, damit sich die Schiffe darin ohne Probleme fortbewegen können. „Wasserbauerinnen und Wasserbauer sorgen dafür, dass die Gewässer ungehindert fließen können“, sagt Harald Schmitt, Sprecher der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd in Würzburg.

TECHNISCH INTERESSIERT

nv2_web.jpg Bewerber sollten technisch interessiert sein, verantwortungsbewusst und gerne im Team arbeiten. Sie sollten zupacken können und zumindest die Freischwimmerprüfung erfolgreich abgelegt haben. Dafür bietet der Job eine vielseitige Tätigkeit auf und am Wasser, Arbeit im Freien und die Verbindung von Bauarbeit mit praktischem Naturschutz.

Die Ausbildung ist der erste Schritt ins Berufsleben. Danach geht’s weiter, beispielsweise als staatlich geprüfter Techniker. Ziel kann natürlich auch die berufliche Selbständigkeit sein. Klar ist: Keiner muss sein Leben lang immer im gleichen Job dasselbe tun. Im Gegenteil: Wer heutzutage gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt beziehungsweise als selbständiger Unternehmer haben will, muss flexibel sein und sich regelmäßig weiterbilden. Es gibt jede Menge Lehrgänge, Kurse oder Seminare, um sich zu spezialisieren. Zum Beispiel im Erd- und Wasserbau, in der Bauwerks- und Damminspektion, der Vermessungskunde oder dem Peilwesen. Mit mehrjähriger Berufserfahrung kann man selber zum Ausbilder werden oder verantwortliche Positionen übernehmen, etwa als Schichtleiter an Schleusen. Mit dem Abitur oder Fachabitur in der Tasche ist das Studium an einer Fachhochschule zum Ingenieur Bauingenieurwesen und Wasserwirtschaft möglich.

ARBEITEN IM TEAM
In der Praxis arbeiten Wasserbauer im Team. „Solch ein Team ist für einen gewissen Abschnitt einer Wasserstraße zuständig“, sagt Anneliese Weintraut, stellvertretende Leiterin des Berufsbildungszentrums der Wasser- und Schifffahrtsdirektionen in Koblenz. Dort erhalten die angehenden Wasserbauer in Fachklassen das theoretische Rüstzeug für ihren Dienst entlang der Gewässer. Aber die Wasserbauer arbeiten nicht nur an den Ufern, sondern auch auf Anlagen in den Gewässern, schwimmenden Fahrzeugen und in der Werkstatt. „Bei der Ausbildung muss man sich darauf einstellen, dass man oft von zu Hause weg ist“, sagt Weintraut. „Es ist ein harter Job, bei dem man sich auch mal die Hände schmutzig macht“, so Schmitt. Etwa an einer Neckar-Schleuse. Tief hängen die Regenwolken über der Landschaft. Ein nasskalter April-Tag. Wer mag da schon open-air arbeiten?

TROCKENLEGEN
Eine Truppe von Wasserbauern! Azubi Benjamin ist dabei. „Trockenlegen von Bauwerken“ lautet das Unternehmen heute: Um ein Teil an dem in die Jahre gekommenen Schleusentor, quasi eine Art „Türdichtung“, austauschen zu können, muss das Wasser raus aus der Schleusenkammer. „Das sieht unvorstellbar für den Laien aus, ist aber Routine für uns“, sagt Benjamin. Gemeinsam mit einem Taucher unter Wasser dichten die Männer die Schleuse ab. Pumpen legen die Baustelle trocken. Trocken – so gut das eben geht bei einem Bauwerk mitten im Fluss. Die Arbeiten in der leeren Schleusenkammer sind gefährlich. Es ist überall glitschig und feucht, Algen machen die eingebaute Betontreppe der Schleusenkammer zur unberechenbaren Rutschfalle. Ein provisorischer Treppenturm wird gebaut, über den das Team schwindelerregende 15 Meter hinab in die Kammer klettert.

Jetzt muss das alte verrottete Holz der Schleusentor-Dichtung abgeschlagen werden, um Platz für die neue zu machen. Der Neckar hat Matsch aus dem Holz gemacht, die Arbeiter sehen aus wie nach einem Schlammbad. Auf einer Hebebühne lässt sich ein Wasserbauer mit der Handfräse an ihr entlang von oben nach unten fahren, um eine gerade Kante hinzubekommen – nur wenige Meter entfernt von den aufgestauten Wassermassen. Alles geht gut – das Schleusentor hat eine schicke neue Dichtung, und es heißt wieder „Wasser marsch!“ Neben 40 Wochen Theorie in der Bundesfachklasse in Koblenz oder Kleinmachnow bei Berlin werden weitere 24 Wochen der dreijährigen Lehre an überbetrieblichen Ausbildungsstätten unterrichtet. „Dabei sind die jungen Leute internatsmäßig untergebracht“, erzählt Weintraut.

GEHALT IN DER LEHRZEIT
Es wird also einiges verlangt von den zukünftigen Fluß- und Kanalpflegern. Dafür gibt es in der Lehre zwischen 600 und 700 Euro pro Monat, je nach Ausbildungsjahr. Die Berufsaussichten sind blendend auch wenn es keine unbefristete Einstellungsgarantie bei den Wasserbaubehörden gibt. „Ich werde meine Ausbildung zum Wasserbauer im Juli abschließen“, schrieb ,Azubi20‘ anonym vor ein paar Monaten in einem Online-Forum. „Anschließend bekomme ich einen befristeten Arbeitsvertrag. Dies macht mich persönlich sehr traurig. Ich sehe mich jetzt schon als Arbeitslosen! Ich hoffe, dass die nächsten Azubis mehr Glück haben als ich.“

Neben dem Hauptschulabschluss als Mindestqualifikation ist der Freischwimmer-Ausweis eine wichtige Voraussetzung vor der Bewerbung. Da Wasserbauer hauptsächlich draußen arbeiten und immer wieder zupacken müssen, sollten sie zudem praktisch und handwerklich begabt sein. Einsatzfähigkeit ist ebenfalls gefragt am Wasser – in Katastrophenfällen wie einer Sturmflut oder Hochwasser auch in der Nacht und am Wochenende.

GUT IN MATHE

grundwasser1_web.jpg „Gute Fähigkeiten in Mathematik sollten die Azubis zudem mitbringen“, findet Weintraut. Immer mehr werden ihnen auch Verwaltungstätigkeiten übertragen, „sie müssen Angebote einholen und Aufträge vergeben.“ Eine 3 als Mindestnote in Mathe und Deutsch im Abschlusszeugnis wird verlangt. Die vielleicht wichtigste Voraussetzung für den Beruf sind aber die Freude am Arbeiten in der Natur und im Team. ¦

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