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Ausbildung bei der Heidelberger Druckmaschinen AG

Karriere nach Maß

Als Andreas Hamm 1850 eine Glockengießerei und Maschinenfabrik gründete, hätte kaum jemand geahnt, dass aus diesem Unternehmen einmal der Weltmarktführer in Sachen Bogenoffset-Maschinen werden sollte. Am wenigsten wohl er selbst. Hamm legte damals den Grundstein für die Heidelberger Druckmaschinen AG, die heute 1 400 Mitarbeiter rund um den Globus beschäftigt. 90 Prozent aller Heidelberger Druckmaschinen kommen aus dem Werk Wiesloch-Walldorf, unweit von Heidelberg. 6500 Mitarbeiter sind allein hier beschäftigt – 450 davon sind Auszubildende und Studenten. Die Vielfalt der angebotenen Ausbildungsberufe ist groß. Das Spektrum reicht vom Drucker über Gießereimechaniker und Informatik-kaufleute bis hin zum Bachelor of Science – Digitale Medien und Bachelor of Engineering – Maschinenbau. Allen Ausbildungen gemein ist die projektbezogene Arbeit im Team, die bei Heidelberg selbstverständlich ist.

ETWAS REALES TUN
„Ab dem zweiten Ausbildungsjahr werden alle Azubis an einer realen Arbeitsstelle eingesetzt“, sagt Ausbildungsleiter Werner Bader. „So können sie direkt sehen, welche Ansprüche an sie gestellt werden und etwas Reales tun“, fügt er hinzu. Durch ein ausgeklügeltes Entwicklungstool ist es sowohl dem Auszubildenden, als auch seinem Vorgesetzten jederzeit möglich, den aktuellen Entwicklungsstatus zu prüfen und gezielt zu steuern. „Die Auszubildenden sollen ihr Leistungsvermögen selbst einschätzen können. Ein Azubi muss ja wissen, was er kann“, sagt Bader.

SERVICE INTERNATIONAL
Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist nicht nur für hoch entwickelte Präzisionstechnik bekannt, sondern auch für ihre Serviceleistungen. Allein in der Bundesrepublik sind 1000 Außendienstler aus Vertrieb und Service unterwegs. „In Deutschland haben wir das dichteste Servicenetz der Branche“, erklärt Bader. In 170 Ländern weltweit baue man gleichwertige Strukturen auf. „Es ist uns daher wichtig, guten Nachwuchs auch für das Ausland zu generieren“, sagt Bader. Ziel sei es, junge Leute, die in Wiesloch ausgebildet werden, verstärkt in internationale Tätigkeiten zu bringen. Sowohl Sprachvermögen als auch die grundsätzliche Bereitschaft, in anderen Ländern zu wirken, sei vorteilhaft für Bewerber.

„In den USA gibt es zum Beispiel keine technische Ausbildung in der Form, wie wir sie hier anbieten“, sagt Bader. Deutsche Servicetechniker seien in den Staaten sehr hoch angesehen. Heidelberg bietet jungen Menschen mit entsprechendem Interesse daher schon während der Ausbildung oder des Studiums die Gelegenheit, im Ausland an realen Projekten zu arbeiten.

TRAINEE-PROGRAMM
Auch Marcel Hausner ist diesen Weg gegangen. Im Rahmen des Trainee-Programms der Heidelberger Druckmaschinen AG verbrachte er ein halbes Jahr in China – und das in verantwortungsvoller Position. Als Projektleiter war der damals 27-Jährige für die Einführung eines neuen Angebotssystems verantwortlich, organisierte Schulungen und optimierte Geschäftsprozesse.

UNBEGRENZTE MÖGLICHKEITEN
Angefangen hatte Marcel Hausner 1996 als Auszubildender zum Industriemechaniker mit der Fachrichtung Produktionstechnik. Schon während der Ausbildung nahm er an Fortbildungen teil, absolvierte zum Beispiel einen Schweißerlehrgang. Die Ausbildungszeit verkürzte er um ein halbes Jahr und eignete sich innerhalb kürzester Zeit spezielle Montagekenntnisse an. „Nach der Ausbildung habe ich gemerkt, dass ich weitergehen möchte“, sagt er. Er habe tiefer in die Materie eindringen wollen. Und so besuchte er die Abendschule und machte dort einen Abschluss als Maschinenbautechniker, wodurch er auch die Fachhochschulreife erlangte.

Doch damit nicht genug. Er stellte fest, dass mehr drin war. „Ich habe damals gesehen, dass Bedarf an Ingenieuren besteht und hörte von dem Trainee-Programm von Heidelberg“, erinnert sich Hausner. Er erkundigte sich und stellte sich schließlich der Herausforderung. Gefördert durch sein ehemaliges Ausbildungsunternehmen trat er sein Wirtschaftsingenieur-Studium an.

„Bei unserem Trainee-Programm handelt es sich um ein duales System in Kooperation mit der Fachhochschule Mannheim“, erklärt Werner Bader. In der vorlesungsfreien Zeit arbeiten die Studenten im Hause Heidelberg, sammeln dadurch Praxiserfahrung und erhalten finanzielle Unterstützung durch das Unternehmen. „Wir haben dafür einen speziellen Trainee-Vertrag, den wir mit den Studenten abschließen. Das ist allerdings keine Garantie für eine spätere Festeinstellung“, so Bader.

PRAXISERFAHRUNG
Neben dem Einsatz in der Vorlesungsfreien Zeit sind auch zwei Praxissemester Bestandteil des Programms. Verbunden sind sie jeweils mit gezielter Projektarbeit. „Die Projekte, die sie voranbringen wollen, müssen sich die Studenten selber suchen“, erklärt Werner Bader. Eigeninitiative sei gefragt. Marcel Hausner entschied sich für ein Projekt in China, um internatio-nale Erfahrung zu sammeln.

AUSLANDSPROJEKTE
„Dort sollte EPO, ein neues Vertriebstool, eingeführt werden“, erläutert Hausner. „Innerhalb weniger Wochen habe ich mich auf das Projekt vorbereitet und mich in einem Seminar über Chinas Kultur und Wirtschaft informiert“, schildert er, was sich vor etwa zwei Jahren zugetragen hatte. „Die brauchten da jemanden, der Erfahrung hat und selbstständig ist“, sagt er. Bereits nach einer Woche leitete er das Projekt.

Organisation des Projekts in den fünf chinesischen Heidelberg-Niederlassungen und Schulungen der Mitarbeiter waren seine Aufgaben. „Das ganze lief in Englisch ab“, erklärt Hausner. Aber auch Chinesisch habe er gelernt, um sich im Alltag verständigen zu können. Noch während seines Aufenthalts in China kam die Anfrage aus Heidelberg, ob er den weltweiten Roll-Out von EPC leiten wolle, einem Produktkonfigurator, auf den EPO aufbaut. Das tat er nach seinem Diplom.

ERFAHRUNGEN UND KONTAKTE
Genau wie Marcel Hausner hatte auch Benjamin Reibold nach der Mittleren Reife seine Ausbildung in Wiesloch begonnen. Derzeit befindet sich der 18-Jährige im dritten Ausbildungsjahr zum Elektroniker für Geräte und Systeme. Ein Studium soll sich auch bei ihm anschließen. „Das war für mich von vornherein klar“, sagt er. Nach seinem Abschluss wird er berufsbegleitend auf der Abendschule seine Fachhochschulreife nachholen. „Parallel kann ich so schon mal Erfahrungen, Infos und Kontakte sammeln, die ich im Beruf brauche“, sagt er.

STÄRKEN FÖRDERN
Elektrotechnik mit Schwerpunkt Automatisierungstechnik möchte er über das Trainee-Programm studieren und nach seinem Bachelor wieder fest bei Heidelberg arbeiten. Mit seinem Arbeitgeber hat er nur gute Erfahrungen gemacht. „Man wird hier in seinen Interessenbereichen gefördert“, sagt er. Ihm liege zum Beispiel die Microkontrollertechnik besonders und darauf gehe man bei Heidelberg dann auch ein.

FASZINATION MECHANIK

Steffen Weber ist 24 Jahre alt und bereits in das Trainee-Programm eingestiegen. „Als ich hier nach dem Abi meine Ausbildung angefangen habe, dachte ich keinen Deut an ein Studium“, sagt er. Während er den Beruf des Industriemechanikers erlernte, stellte er aber fest, dass auch er sein Wissen weiter vertiefen wollte. „Ich habe mich schon immer für Mechanik interessiert, aber von Druckmaschinen geht eine ganz besondere Faszination aus“, erläutert er.

Steffen studiert Maschinenbau und wird sich nach dem Grundstudium wohl für die Fachrichtung Konstruktion entscheiden. Das Trainee-Programm ist genau so, wie er es sich vorgestellt hatte: „Das wurde vorher nicht schöngeredet, ich wusste, was auf mich zukommt.“ Und Werner Bader fügt hinzu: „Das ist kein Zuckerschlecken und darum nur was für Leute, die das auch wirklich wollen. Das Ergebnis ist aber eine Top-Persönlichkeitsbildung und wenn man gut ist, eröffnet das in unserem Unternehmen fast unbegrenzte Möglichkeiten.“

PERSÖNLICHKEITSBILDUNG
Marcel Hausner, der durch diese harte Schule gegangen ist, blickt zufrieden zurück: „Ich habe sehr viel gelernt, auch wenn ich zwischenzeitlich keine Zeit zum Atmen hatte. Man nimmt enormes Wissen mit über die Unternehmenskultur und knüpft wichtige Kontakte in den Wirkungsbereichen, aus denen Netzwerke entstehen. Das möchte ich so nicht missen“, sagt er.

Werner Bader sieht in Modellen wie dem Trainee-Programm von Heidelberg die Zukunft: „Wir brauchen Systeme in Unternehmen, durch die wir jungen Menschen Entwicklungen anbieten können. Eine gewisse Durchlässigkeit ist da wichtig. Das Thema Studieren ist ja auch ein Wettbewerbsfaktor.“

HEIDELBERGER GEIST
Arbeits- und Ausbildungsplätze bei der Heidelberger Druckmaschinen AG sind gefragt. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei 20 Jahren, die Loyalität ist hoch – man spricht vom Heidelberger Geist.

BEWERBEN

Wer sich für eine Ausbildung im Hause Heidelberg bewerben möchte, kann das online tun, steht sich aber auf dem konventionellen Weg besser. Nach Prüfung der Unterlagen lädt das Unternehmen zum Einstellungstest ein, dem sich im glücklichsten Falle ein persönliches Gespräch anschließt. ¦

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