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Beruflicher Einstieg in den Niederlanden

Start im anderen Staat

gilde-v-023_web.jpgZwar gibt es mittlerweile wieder mehr freie Ausbildungsplätze in Deutschland, aber trotzdem ist es nicht immer leicht den passenden im Traumberuf zu finden. Ein Umzug ist da manchmal nicht zu vermeiden. Anstatt in eine andere deutsche Region zu ziehen, gibt es jetzt auch die Alternative in den Niederlanden, unweit der deutschen Grenze, seine Ausbildung zu machen.

SCHWIERIGKEITEN, AUSBILDUNGSPLATZ ZU FINDEN
Mit einem Hauptschulabschluss eine Ausbildung zu finden, ist nicht so leicht, weiß so mancher Bewerber aus eigener leidvoller Erfahrung. Hundert Bewerbungen müssen mitunter geschrieben werden, bevor es klappt. Oft gibt es nicht mal eine Antwort. Das Institut für Maßnahmen zur Förderung der beruflichen und sozialen Eingliederung (IMBSE) in Mönchengladbach bietet die Möglichkeit zur Ausbildung in den Niederlanden an. Die Niederlande verzeichnen nur rund sechs Prozent arbeitslose Jugendliche, etwa die Hälfte des deutschen Wertes. „Das niederländische System fängt die Jugendlichen ganz anders auf, erklärt Sabine Kühnhenrich vom IMBSE. Gemeinsam mit Gabriela Hinz berät sie Jugendliche in einer Ausbildungsbörse, der so genannten Euregio, in der sich die niederrheinischen Gemeinden und Städte auf beiden Seiten der Grenze zusammengeschlossen haben.

Eine IMBSE-Nebenstelle gibt es auch in Moers. Das Institut kooperiert auf niederländischer Seite mit dem Ausbildungszentrum Gilde Opleiding. In Deutschland stehen die Berater außerdem mit 40 Schulen in der Grenzregion in engem Kontakt und werben dort mit Informationsveranstaltungen für eine Ausbildung in Holland. Im Januar 2006 startete das IMBSE gemeinsam mit dem niederländischen Partner, von Fördermitteln der Euregio unterstützt, die Ausbildungsinitiative der anderen Art. Acht Jugendliche begannen im August 2006 als Pioniere eine Ausbildung in Venlo oder Roermond, den beiden grenznahen Ausbildungszentren. Sechs haben bis zum heutigen Tag durchgehalten. „Wer sich für eine Ausbildung in den Niederlanden entscheidet, muss sich schon manchmal durchbeißen“, weiß denn auch Stefanie Kühnhenrich.

ZWEI WEGE ZUM BERUF
Vieles läuft anders als hierzulande. Es gibt zwei Wege zum Beruf: den berufsausbildenden (BOL) und den berufsbegleitenden (BBL). Der BBL ist vergleichbar mit dem dualen System in Deutschland. In den Niederlanden aber eher ungewöhnlich. Die meisten entscheiden sich für den BOL, der stärker verschult ist. Die Theorieanteile der Ausbildungen finden in einem regionalen Schulungszentrum statt. Damit die Sprachbarriere am Anfang nicht zu groß ist, lernen die Jugendlichen zunächst in einem Niederländisch-Crashkurs die wichtigsten Grundlagen: sich begrüßen und einander vorstellen, zählen, die wichtigsten Grammatikregeln. Zu wissen, wie die Sprache funktioniert, ein bisschen Smalltalk mit den Arbeitskollegen – all das hilft, um schnell Anschluss zu finden. 180 Ausbildungsberufe in den Bereichen Technik, Wirtschaft, Gastronomie und Wellness sowie Gesundheit und Soziales bietet das Zentrum an. Jede Berufsrichtung kann auf unterschiedlichem Niveau erlernt werden: Niveau eins dauert ein Jahr und ist vergleichbar mit einer Assistentenstelle. Eine Ausbildung der Stufe vier entspricht einer deutschen Meisterausbildung und dauert vier Jahre, „Jeder bekommt eine Chance, jedem ist ein Einstieg möglich“, betont Kühnhenrich. Rund 950 Euro kostet ein Ausbildungsjahr.

FÖRDERMITTEL DER EU
Deutsche erhalten allerdings etwa zwei Drittel der Ausgaben aus den Fördermitteln der Europäischen Union zurück. „Wir halten die Jugendlichen dazu an, wahrend ihrer Lehre auch alles auf Deutsch zu dokumentieren“, sagt Kuhnhenrich. Denn nur so haben sie die Möglichkeit, sich ihre Qualifikation bei den deutschen Kammern bescheinigen zu lassen. Ganz hürdenlos ist Europa noch immer nicht. ¦

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