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Karrieren-Start in Österreich

Sebastian Darberer durchläuft seine Ausbildung im Nachbarland

sebastian-degenfelder.jpg„Kein Vergleich zur Ausbildung in Deutschland“, sagt Sebastian Degenfelder und lacht über das ganze Gesicht. Nach einem Jahr hatte der heute 21-Jährige seine Ausbildung zum Hotelfachmann im bayrischen Passau abgebrochen und sich erfolgreich in Österreich beworben.

Geht man nach dem aktuellen DGB-Ausbildungsreport, tun es rund 40 Prozent eines jeden Azubi-Jahrgangs im Gastronomiegewerbe Sebastian gleich und brechen ab. Ein einsamer Rekord.

Woher das kommt, weiß Sebastian genau: Es ist ein enormer Arbeitsdruck da, die Bezahlung ist schlecht und man kommt sich einfach nur noch vor wie eine billige Arbeitskraft. Sebastian hat diese Erfahrungen gesammelt in einem Hotel in der Passauer Altstadt.

Nach Bio-Hotel gegoogelt
Mit dem letzten Sommer kam die Wende. Den alten Ausbildungsplatz schmiss er hin, googelte sich einen neuen. „Ich wollte mit meinen Eltern nach Kroatien in die Ferien fahren, wusste, dass ich dabei durch Kärnten komme und habe im Internet einfach nach einem Bio-Hotel dort gesucht“, erzählt der junge Mann, dessen Familie sich seit langem biologisch ernährt.

Fix war die Bewerbung geschrieben und persönlich beim Biohotel Daberer, im Südwest-Kärntner Dörfchen St. Daniel daberer.jpgabgegeben. Zurück aus den Ferien lag die Zusage bereits im Briefkasten, fünf Tage später ging es auch schon los.

„Das war genau die richtige Entscheidung“, sagt Sebastian jetzt nach einem halben Jahr in Österreich. Einfach alles läuft hier besser. Das Lehrlingsgehalt entspricht ziemlich genau dem, was er auch in Deutschland bekam. Dafür sind die Arbeitszeiten „humaner“, sagt er. Frühestens um 6.30 Uhr geht es los mit der Frühschicht im liebevoll privat geführten Hotel. Spätestens um 22 Uhr ist Schluss, wenn man zur Spätschicht eingeteilt war. Überstunden werden durch Freizeitausgleich abgegolten. Keine Selbstverständlichkeit in dem Gewerbe.

Schwerpunkt gewandelt
„Jeden Monat habe ich fünf bis sechs Tage am Stück frei und kann dann nach Hause fahren“, erzählt Sebas-tian. Die Arbeit macht ihm Spaß, auch wenn sich der Schwerpunkt des ursprünglichen Ausbildungsberufs hin zum Restaurantfachmann gewandelt hat. „Der Sebastian ist klasse, der ist für den Beruf geboren, da er wirklich sehr kommunikativ ist“, findet auch Hotelchef Willi Daberer.

Aufgrund des teilweisen Wechsels der Ausbildungsrichtung wurden die deutschen Vorausbildungszeiten nicht ganz anerkannt in Österreich. Noch anderthalb Jahre wird der junge Deutsche in Kärnten ausgebildet werden. Zu den Arbeitsfeldern gehört die Arbeit im Restaurant zu den normalen Essenszeiten, an der Hausbar am Abend und zwischendurch auch die individuelle Betreuung der Gäste.

Schwimmen und Essen
Als besonders angenehm empfindet Sebastian die Tatsache, dass die Mitarbeiter Hoteleinrichtungen wie das schöne Schwimmbad und die Saunalandschaft mitbenutzen können. Und auch das hervorragende Bio-Essen aus der Hotelküche bekommen die Mitarbeiter ebenso wie die zahlenden Gäste des 4-Sterne-Hauses. Auch bei der Verpflegung hatte Sebastian andere Erfahrungen in seinem deutschen Lehrbetrieb gesammelt.

Anderes Schulsystem
Ebenfalls positiv findet die angehende Restaurantfachkraft das Berufsschulsystem in Österreich. „In Deutschland ist es einfach nicht effektiv, wenn man nach einer Spätschicht am Vortag dann früh morgens in die Berufsschule musste,‘‘ sagt er. In Österreich findet die Berufsschule einmal jährlich zwei Monate lang im Block statt. In Sebastians Fall in einer frisch renovierten Internatsschule in der Kärntner Großstadt Villach. Bisher hatte der Deutsche noch nicht das Vergnügen, aus Berichten anderer Azubis weiß er aber, dass die Zeit dort effektiv genutzt wird und auch noch Spaß macht.

Danach Guatemala?
Und nach der Ausbildung, wie soll es weitergehen? Sebastian hat sehr konkrete Pläne für die nahe Zukunft. Die Idee des Biohotels begeistert den 21-Jährigen. Und genauso begeistert ist er von dem mittelamerikanischen Land Guatemala. Dort hat er früher mit der Austauschorganisation AFS ein Jahr in einer Gastfamilie verbracht: „Unheimlich nette Leute sind das dort und das Land hat hervorragende einheimische Produkte, die man in einem Bio-Restaurant nutzen kann.‘‘

Die Idee ist schon sehr konkret, zwei seiner besten Freunde sind ebenfalls an den Planungen beteiligt. Einer von den beiden studiert Hospitality Management und ist damit die ideale Ergänzung zu dem Mitte nächsten Jahres fertig ausgebildeten Sebastian. Geht alles nach Plan, wird das erste Bio-Hotel Guatemalas in absehbarer Zeit seine Pforten öffnen. ¦

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