Bewerbung


K.-o.-Gründe bei Bewerbungen

Selbst ausgeknockt

Wenn es um die Besetzung der begehrtesten Ausbildungsplätze geht, bekommen die Chefs oder die Entscheider in den Personalabteilungen eine Vielzahl von Bewerbungen auf den Tisch. Die Wahl fällt nicht immer leicht – doch leider viel zu oft genügt ein einziger Blick auf die Mappe und die Absage steht fest. Wir sprachen mit Chefs und Personalentwicklern über die Gründe und wie gute Bewerbungen formal aussehen sollten.

Bewerbungsmappen sind so unterschiedlich wie die Menschen, die dahinter stecken. Einige Aspiranten geben sich Mühe und zeigen somit Interesse am Ausbildungsplatz. Andere erwecken eher den Eindruck, dass sie ein Pensum von mindestens 100 Fließband-Bewerbungen abgearbeitet haben. Den Empfängern bleibt das nicht verborgen, denn kaum einer kann sich bei 100 Bewerbungen so ins Zeug legen, wie jemand, der seine Energie auf wenige Mappen bündelt.

Ein Fehler ist kein Untergang – wenn es dabei bleibt
Michael Wegener ist Prokurist und Verantwortlicher für die Auswahl geeigneter Bewerber bei der PlanetLAN GmbH, einem Unternehmen, das Events und Veranstaltungen ausrichtet. Um die 300 Bewerbungen bekommt er jedes Jahr auf den Tisch. Dabei hat er festgestellt: „Manchmal knocken sich die Bewerber selbst aus.“ Als er eine Bewerbungsmappe zur Hand nimmt, fällt ihm gleich auf, dass die Postleitzahl falsch ist und der Brief ihn daher erst über Umwege erreicht hat. „Okay“, sagt er, „das kann vorkommen, ein Schnitzer ist noch zu akzeptieren.“

Auch Sabine Mlodzian sieht über einen Fehler hinweg – wenn es denn bei einem bleibt. Etwa 500 Bewerbungen im Jahr gehen beim Computerunternehmen Maxdata ein und landen somit schließlich auf ihrem Tisch. „Man sieht schon, ob sich jemand bemüht hat“, erklärt sie. „Manche machen sich schon viel Arbeit bei der Gestaltung des Deckblatts“, hat sie festgestellt. Dabei kommt es aber auch vor, dass bei einer Mappe das Anschreiben offenbar schlicht vergessen worden ist. „Das kann im Eifer des Gefechts vorkommen. Im Einzelfall, wenn der Rest der Mappe ordentlich gestaltet ist, haben wir dann auch schon mal nachgefragt.“

Selten bleibt es bei einem Schnitzer
Dass jemand etwas schlicht vergisst oder eine falsche Postleitzahl erwischt hat, sind also nicht immer Kriterien, um die Bewerbung sofort auf den Stapel für die Rücksendungen zu legen. Doch das soll kein Freibrief für Nachlässigkeiten sein, denn in den meisten Mappen finden sich leider noch mehr Fehler, die negative Rückschlüsse auf die Person zulassen.

Genau wie bei einem persönlichen Zusammentreffen ist auch hier der erste Eindruck entscheidend. Noch bevor der Empfänger einer Bewerbungsmappe die ersten Zeilen gelesen hat, macht er sich anhand der äußeren Erscheinung bereits ein Bild vom Bewerber. Bei einer zerfledderten und verknickten Mappe schließt der Betrachter schnell auf mangelnde Sorgfalt. Wenn dann das Foto auch noch Knicke aufweist oder von schlechter Qualität ist, wird der erste Eindruck verstärkt. „Meistens passt dann alles zusammen“, sagt Wegner, denn nicht selten weisen bei solchen Mappen Anschreiben und Lebenslauf schlimme Rechtschreibfehler auf oder es fehlen wichtige Dinge.

Abschreckende Beispiele – die absoluten No-Gos
„Manchmal schüttel ich den Kopf“, sagt Mlodzian. „Die Leute wissen, dass die Konkurrenz groß ist und geben trotzdem zerknüllte Mappen ab. Da kann ich nur auf zu wenig Interesse schließen.“

Eric Sadowski ist Vertriebsleiter bei Atelco und für die Auswahl künftiger Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich des Computerunternehmens zuständig. Etwa 500 Bewerbungen gehen jährlich durch seine Hände, ungefähr 100 davon beziehen sich auf einen Ausbildungsplatz. „Eines der ‚Highlights’ war keine Mappe, sondern eine handschriftlich verfasste Bewerbung auf mehrfach gefaltetem, karierten Papier“, erinnert er sich. „Da stellt man sich die Frage, ob derjenige wirklich eine Lehrstelle will.“

Auch Claudia Zoche, Abteilungsleiterin der Aus- und Fortbildung beim Textildiskonter KiK hat solche Unterlagen schon erhalten. Ein weiteres K.-o.-Kriterium für sie ist es, wenn der Bewerber sich nicht entscheiden kann, für welchen Job er sich bewerben soll. „Es macht keinen guten Eindruck, wenn in der Betreffzeile oder im Anschreiben gleich fünf Berufsbilder auftauchen“, sagt sie. „Dann fehlt die klare Orientierung für ein Berufsbild. So kann ich weder ein Interesse, noch ein Ziel des Bewerbers für seine berufliche Zukunft erkennen.“ Ebenfalls auf mangelndes Interesse und Nachlässigkeit lassen zum Beispiel Eselsohren schließen. Sadowski hat sogar schon Bewerbungen mit Kaffeeflecken bekommen. „Die schau ich mir erst gar nicht an“, sagt er.

Kreativität am falschen Platz
Auch was die Fotos anbelangt, haben die Entscheider schon einiges gesehen. Wer sich nicht einmal die Mühe macht, eine zweite Person zu bitten, ein Foto zu schießen, zeigt vielleicht Improvisationstalent, doch das ist bei Bewerbungen eher nicht angebracht. „Wir haben schon Fotos bekommen, die der Bewerber selbst vor dem Wohnzimmerschrank aufgenommen hat“, weiß Wegner zu berichten. Ebenso wenig gefallen ihm Anschreiben in bunter und kaum lesbarer, schnörkeliger Schrift. „Das ist Kreativität am falschen Platz“, findet er. Auch Sadowski weiß von außergewöhnlichen Bewerbungsfotos zu berichten. „Ein junger Mann wollte sich offenbar dynamisch darstellen und steht auf dem Foto neben seinem Motorrad.“ Ebenso über die Größe der Fotos können die Empfänger zahlreicher Bewerbungsmappen einiges berichten. So ist fast jeder von ihnen bereits von einem Bewerbungsfoto im DIN-A4-Format „erschlagen“ worden. Einfallsreich und auffällig sind auch oft die E-Mail-Adressen, die bei den Kontaktdaten angegeben werden. Spitznamen wie „pogo-paule“ oder „spiderman03“ sind eher nicht angemessen. Auch Adressen wie „Tangamaus90“ oder „Bierchen03“ lassen nicht gerade auf Seriosität schließen, wie Wegner verrät.

Was macht einen guten Eindruck?
Und was wünschen sich Chefs und Entscheider aus der Personalabteilung? Wie sollte eine Bewerbung aussehen? Eric Sadowski legt Wert auf eine ordentliche Hülle. Er mag es beispielsweise, wenn sich ein ansprechendes Foto mittig auf dem Deckblatt befindet. Es darf ruhig ein wenig größer als ein Passfoto sein, jedoch nicht im DIN-A4-Format.

Ein übersichtliches Anschreiben in sinnvolle Abschnitte gegliedert wünschen sich alle Empfänger und Zoche weist darauf hin, dass es gut ankommt, wenn der Bewerber darin zum Ausdruck bringt, warum er sich gerade für diesen Ausbildungsplatz in genau diesem Unternehmen bewirbt. „Punkten können die Bewerber auch, indem sie Nachweise über Praktika oder Nebentätigkeiten beilegen, die ihren Berufswunsch untermauern“, verrät sie. Viel Wert legen die Personalchefs auch auf die Vollständigkeit, wie Mlodzian erklärt: „Bei Lücken im Lebenslauf oder fehlenden Zeugnissen fragt man sich, warum das so ist.“ Wegner mag es daher lieber, wenn jemand in diesem Fall mit offenen Karten spielt und Brüche im Lebenslauf nicht verschweigt, sondern zu begründen weiß. Sorgfalt ist also wichtig und wer es dann noch schafft, durch eine ansprechende Mappe und ein gelungenes Anschreiben, mit dem eigenen Interesse den Leser anzustecken, wird sicherlich auch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. ¦

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