Berufsbilder


Fluglotse

Die Dirigenten der Lüfte

Die Anzahl der Flugzeuge nimmt von Jahr zu Jahr zu. Täglich gibt es etwa am Rhein-Main-Flughafen 1400 Flugbewegungen mit bis zu 90 Starts und Landungen je Stunde. Dafür, dass am Himmel oder schon auf den Start- und Landebahnen nicht das Chaos ausbricht, sind Fluglotsen unerlässlich.

Fluglotsen tragen höchste Verantwortung. Sie überwachen und führen den Flugverkehr Tag und Nacht und weisen den Piloten den Weg. Ohne Fluglotsen kann kein Flugzeug sicher starten, fliegen und landen. „Dieser Beruf bietet jeden Tag eine neue Herausforderung. Fluglotse zu sein ist etwas Besonderes“, so Christian Kelm aus Neu Wokern. Der 22-Jährige ist Auszubildender bei der Deutschen Flugsicherung (DFS). „In einem berufsvorbereitenden Kurs in der Schule hatten wir unterschiedliche Arbeitsplätze vor Ort besichtigt, unter anderem auch den Flughafen in Magdeburg. Da wusste ich: Das will ich machen.“

Ein Beruf – zwei Einsatzorte
Fluglotsen arbeiten entweder in der Towerkanzel oder im Center. Towerlotsen haben direkten Blickkontakt zu den Flugzeugen im unmittelbaren Bereich um den Flughafen. Per Funk leiten sie die Flieger vom oder zum Terminal über die Start-, Roll- und Landebahnen. Für die fliegenden Maschinen hoch am Himmel sind die Centerlotsen verantwortlich, die alle Flugbewegungen über moderne Radar- und Computersysteme kontrollieren. Der Luftraum über Deutschland ist in viele einzelne Bereiche eingeteilt, den so genannten Sektoren. Ein Team aus einem Lotsen am Radarschirm und einem Koordinationslotsen ist jeweils für einen Sektor zuständig. Der Radarlotse gibt dem Piloten konkrete Anweisungen über Routen, Flughöhen und Geschwindigkeiten. Sein Kollege spricht die Verkehrsabläufe per Telefon und Computer mit den Lotsen der angrenzenden Sektoren ab.

Immer einen kühlen Kopf bewahren
Voraussetzung für die Ausbildung sind das Abitur und sichere Englischkenntnisse. Zu den weiteren Anforderungen gehören ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen, hohe Konzentrations- und Merkfähigkeit, ein gutes Zahlenverständnis und Mehrfachbelastbarkeit. In Notsituationen ist es wichtig, einen kühlen Kopf bewahren zu können. Außerdem müssen Bewerber absolut teamfähig sein und ein hohes Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Zuverlässigkeits- und Sicherheitsüberprüfungen sind für alle Fluglotsen verpflichtend, denn sie unterliegen dem Datenschutz. Personen, bei denen sicherheitserhebliche Bedenken festgestellt werden, dürfen nicht eingestellt beziehungsweise beschäftigt werden.

Hartes Auswahlverfahren
Wer sich bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) bewirbt, durchläuft ein mehrstufiges Auswahlverfahren. „Zuerst bekommt man einen Fragebogen zugeschickt“, erläutert Christian Kelm, „da geht’s hauptsächlich um biografische Daten.“ Wird diese erste Auswahlstufe erfolgreich bestanden, lädt die DFS zum Auswahlverfahren nach Hamburg ein. „Darauf kann man sich im Vorfeld schon ganz gut mit Lernprogrammen aus dem Internet vorbereiten“, erklärt Christian. „Aber es waren harte fünf Tage in Hamburg. Von 48 Anwärtern wurden am Schluss gerade einmal vier ausgewählt. Unser gesamter Kurs besteht aus 16 Leuten, zur Hälfte Frauen und Männer.“ Generell liegt der Frauenanteil bei der Fluglotsenausbildung bei etwa 30 Prozent.

Ausbildung in zwei Phasen
Die Ausbildung bei der DFS beginnt mit einer einjährigen theoretischen Phase in der Flugsicherungsakademie in Langen bei Frankfurt. Unterkünfte gibt es dort in Zimmern für 64 Euro im Monat. Sporthalle, Fußballplatz, Tennisplätze und Fitnessraum stehen außerdem kostenlos zur Verfügung. „Es ist toll, so viele neue Leute kennen zu lernen“, freut sich Christian. „Mit den anderen Auszubildenden und den Lehrkräften hat sich schnell ein freundschaftliches Verhältnis ergeben.“ Täglich gibt es acht Stunden Unterricht. „Es ist Wahnsinn, wie viel Neues da auf einen zukommt“, so Christian. „Ich musste extrem viel lernen über Flugräume, Flugzeuge und Pilotenaufgaben. Es ging jedoch sehr schnell, weil man vieles danach sofort praktisch umsetzen konnte.“ In der anschließenden eineinhalbjährigen praktischen Ausbildungsphase werden die Azubis direkt in der Kontrollzentrale oder auf dem Tower eingesetzt. Gearbeitet wird im Schichtdienst. „Das ist aber kein großes Problem“, findet Christan. „Es sind im Wechsel immer drei bis vier Tage Früh- oder Spätschicht und dann zwei bis drei Tage frei, sodass man sich gut umstellen kann.“ Der Verdienst ist schon in diesem Zeitraum des Berufseinstieges überdurchschnittlich. Die Ausbildungsvergütung beträgt in der theoretischen Phase monatlich 744 Euro und in der praktischen Phase rund 2.800 Euro.

Berufsaussichten und Karriere
Der Beruf des Fluglotsen ist ein Beruf mit Zukunft. „Man wird sie immer benötigen, vielleicht im Rahmen eines veränderten Berufsbildes“, so Heike Lenort, Personalverantwortliche bei der DFS. „Pro Jahr wird die DFS in den nächsten Jahren rund 120 junge Menschen für die Ausbildung zum Fluglotsen besetzen. Im Jahr 2010 stehen 154 Ausbildungsplätze zur Verfügung.“ Die Gehaltsaussichten liegen je nach Einsatzbereich und Einsatzort bei 65.000 bis 90.000 € im Jahr.

„Karrieremöglichkeiten in der DFS stehen engagierten Mitarbeitern in großem Umfang zur Verfügung“, so Lenort weiter. „Einer der Geschäftsführer ist ehemaliger Fluglotse, und der Leiter der größten Tower-Niederlassung hat seine Lotsenausbildung erst vor zehn Jahren absolviert.“ ¦

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