Berufsbilder


Kaffeeröster

Ein neuer Beruf als Pilotprojekt

Eigentlich gibt es den Ausbildungsberuf des Kaffeerösters bereits seit den 70er Jahren nicht mehr. Doch ist bei den Kunden eine Rückbesinnung auf Qualität zu erkennen und so kämpfen die Röstereien um die Wiedereinführung des Berufes. Dabei gibt es einen ersten Teilerfolg: In Heilbronn werden ab dem kommenden Jahr Fachkräfte für Lebensmitteltechniker mit dem Schwerpunkt Kaffee ausgebildet.

Lange haben die Kaffeeröster um Anerkennung gerungen, denn Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Nun scheint das Ziel näher gerückt zu sein: In Heilbronn werden künftig Fachkräfte für Lebensmitteltechnik ausgebildet. Der Beruf an sich ist eigentlich nicht neu, mit dem Schwerpunkt Kaffee allerdings reicht er beinahe an den des ehemaligen Kaffeerösters heran und das gibt den Betrieben der Branche die Möglichkeit, neue Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Als in den 70er Jahren der Industriekaffee den Markt eroberte, wurde ein traditionelles Handwerk, der Beruf des Kaffeerösters, verdrängt. Von da an stand es im Vordergrund, die Computer der großen industriellen Röstereien bedienen zu können. „Wir dagegen sind handwerklich orientiert und arbeiten ohne Computer“, erklärt Heinz Wehner, der sich vor einigen Jahren im bayerischen Euerbach mit einer kleinen Kaffeerösterei selbstständig gemacht hat. Seitdem kämpft er mit seinen Kollegen darum, den alten Beruf wieder einzuführen. Er hat festgestellt, dass die Kunden sich wieder auf Qualität besinnen und das Wissen der Röstmeister zu schätzen wissen.

Nicht einfach nur ein Job
Ebenfalls sehr engagiert für den neuen Beruf ist Hanspeter Hagen. Wer in seinem Betrieb eine Ausbildung macht, hat sicherlich später keine Probleme einen Arbeitsplatz zu finden. „60 Mitarbeiter zählt unser Unternehmen inzwischen und die in den wichtigen Positionen, sind alle bei uns ausgebildet worden“, sagt Hagen nicht ohne Stolz. „Unsere Mitarbeiter sind alles ‚Springer’, die in allen Bereichen arbeiten können“, erklärt er. Und das bedeutet: Mit einer solchen Ausbildung finden die Kaffee-Spezialisten schnell ein neues Wirkungsfeld, auch wenn die Branche noch nicht sehr groß ist.

Bisher bildet Hagen zwar „nur“ Kaufleute im Groß- und Außenhandel aus, aber auch die kennen sich bereits bestens mit Kaffee, dessen Herkunft und Zubereitung aus und sind mit dem Herzen bei der Sache. „Wir sind alle eine bisschen verrückt“, gibt Hagen zu und genau das zeichnet die Menschen der Branche aus. Noch ist qualitativ hochwertiger Kaffee ein Nischenprodukt mit großen Unterschieden zum Industriekaffee, die leider nicht viele zu erkennen und zu schätzen wissen, wie Wehner und Hagen wissen. „Wir bieten den Kunden einfach mehr“, erklärt Hagen. „In unserem Haus gibt es mehr als 70 Sorten und Mischungen.“

 

Mit dem Herzen dabei
Einer der sich von der Kaffeeleidenschaft hat anstecken lassen, ist der heute 21-jährige Dam Srisuntorn, der zurzeit eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann in der Kaffeerösterei Hagen macht. Ihn hat die Atmosphäre des Hauses schon beim Vorstellungsgespräch in seinen Bann gezogen: „Der Duft des Kaffees, das fand ich herrlich“, erinnert er sich. Noch heute mag er diesen Geruch und freut sich jeden Morgen darauf. Alle Sorten des Hauses habe er probiert und sei so zum Kaffeeliebhaber geworden. „Beim Kaffee sind viele Punkte zu beachten“, weiß er, „zum Beispiel, dass er an Aroma verliert, sobald er gemahlen ist.“

Eineinhalb Jahre ist Dam dabei und als Auszubildender hatte er schon die Möglichkeit, in alle Bereiche hereinzuschnuppern: Neben Buchhaltung, Abrechnung und Kalkulation hat er daher auch viel über die Beurteilung von Rohkaffee, die Lagerung und die Geschichte erfahren. „Ich bin sehr wissbegierig und der Röstmeister kann viel über Kaffee erzählen“, freut Dam sich und selbst die Zubereitung interessiert ihn. So hochwertiger Kaffee wird natürlich nicht in eine „normale“ Kaffeemaschine gekippt. Die Arbeit an den so genannten Siebträgermaschinen, die richtige Zubereitung von Espresso oder Milchschaum erfordert die speziellen Kenntnisse eines „Baristas“, eines Kaffeezubereiters. Dam arbeitet neben der Ausbildung daher auch hin und wieder als solcher im hauseigenen Kaffeehaus. „So habe ich die Möglichkeit, auch diesen Bereich kennenzulernen“, meint er.

Pilotprojekt Fachkraft für Lebensmitteltechnik
Wer in einer Rösterei eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann oder Groß- und Außenhandelskaufmann macht, bekommt natürlich eine ganze Menge über die Kaffeekultur mit. Interessierte können sich von den Experten des Betriebes in alle Geheimnisse einweihen lassen und sich schließlich als „Röstmeister“ beweisen, auch wenn Letzteres nicht zum Berufsbild gehört und Eigeninitiative erfordert. Bei der Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik sind die Azubis natürlich noch ein wenig näher dran am Kaffee und werden ausgiebig mit der handwerklichen Seite des Unternehmens, zum Beispiel dem Rösten, vertraut gemacht.

Doch bislang können nicht in allen Röstereien Fachkräfte für Lebensmitteltechnik ausgebildet werden. Bei der Ausbildungsinitiative der Willy Hagen GmbH handelt es sich um ein Pilot-Projekt, so Michael Hilsmann von der IHK, das durch Absprachen zwischen der Rösterei, der IHK und der Berufsschule möglich geworden ist. Damit sich durch die alleinige Ausbildung in einer Rösterei keine Nachteile ergeben, dürfen die Azubis auch in die Betriebe anderer Lebensmittelhersteller hineinschnuppern. Kaffee ist schließlich auch ein Lebensmittel – lediglich die Produktionsprozesse sind anders, wie Hilsmann erklärt und daher sei eine offene Interpretation für eine Ausbildung nötig.

Leidenschaft als Voraussetzung
„Ein Abitur ist zwar nicht erforderlich“, sagt auch Heinz Wehner, „die Grundrechenarten sollten aber schon gut beherrscht werden.“ Schließlich umfassen die Büroarbeiten, die als Kaufmann erledigt werden müssen, auch das Erstellen von Angeboten und Rechnungen. Und ebenso sollte die Fachkraft für Lebensmitteltechnik rechnen können. Der Kaffee muss abgewogen und bestimmte Mischungsverhältnisse beachtet werden. Wer sich aber in einer Rösterei – ganz gleich für welche Ausbildung – bewirbt, sollte vor allem eines haben – ein Herz für Kaffee. „Ein Azubi muss Feuer haben“, erklärt Hagen.

Abwarten und Kaffee trinken
Dam hat Feuer. Bis zu seiner Abschlussprüfung hat er aber noch eineinhalb Jahre Zeit. Ob ihn sein Chef übernehmen wird, weiß der 21-Jährige zwar noch nicht, wohl aber, dass er nach der Ausbildung gern noch bleiben würde, um noch mehr über das Produkt des Hauses zu lernen. Auf jeden Fall will er dem Kaffee treu bleiben und so träumt er davon, vielleicht später einmal sein eigenes Kaffeehaus zu eröffnen.

Die Willy Hagen GmbH wird auch im kommenden Jahr wieder zwei Ausbildungsplätze anbieten: einen für den des Groß- und Außenhandelskaufmanns und einen für die Ausbildung einer Fachkraft für Lebensmitteltechnik mit dem Schwerpunkt Kaffee und ist auf die Bewerber schon gespannt. Auch Heinz Wehner freut sich auf die zukünftigen Azubis, doch er weiß: „Ausbildung kostet Zeit, Geld und Platz.“ Daher wird bei ihm derzeit umgebaut. Sobald die erforderlichen Räumlichkeiten und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegeben sind, will er auf jeden Fall auch einen Auszubildenden einstellen. ¦

Diskussion

2 Kommentare zu “Kaffeeröster”

2 Antworten zu “Kaffeeröster”

  1. […] Ernte auch hervorzuheben und zu einem herausragenden Genuss zu kreieren, braucht es einen geübten Röstmeister. Und Münchhausen nutzt einen bewährten Trommelröster von 1958. Tradition, die man mit jeder […]

  2. Danke schön für einen sehr interessanten Artikel!

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