Berufsbilder


Schornsteinfeger

Ausbildung zum Glücksbringer

Sie sind das Symbol für Glück schlecht hin, die Schornsteinfeger. Das hat auch seinen Grund, denn bereits im Mittelalter stellten die Menschen fest, dass weniger Häuser brannten, wenn die Kamine gereinigt wurden. Entsprechend erfreut waren die Menschen über den Besuch der „schwarzen Männer“.

Brandschutz ist auch heute noch eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Doch sie sind nicht nur für die Kaminreinigung da. Schornsteinfeger beraten in Energiespar- und Umweltschutzfragen. Vom Aussterben des alten Berufs also keine Spur. Eher Gegenteiliges ist der Fall, denn auch moderne Heizanlagen werden von ihnen überprüft. In vielen Haushalten heißt es heute „back to the roots“ und so besinnen sich besonders Eigenheimbesitzer wieder auf das traditionelle Heizen mit Holz – nicht nur weil ein prasselndes Feuer im Kamin so romantisch ist, sondern weil sich damit auch das ganze Haus heizen lässt.

„Kachelöfen und offene Kamine werden wieder beliebter“, verrät Gunar Thomas, Vorstand für Berufsbildung beim Zentralinnungsverband. Verbrennungsrückstände müssen jedoch nicht nur beim klassischen Kaminfeuer beseitigt werden. So alt der Beruf auch sein mag, durch das Fortschreiten der Technik sind Schornsteinfeger alles andere als vom Ruß verstaubt, schließlich müssen sie auch mit sämtlichen modernen Heizanlagen vertraut sein. Ein Grund, warum Schornsteinfeger und Auszubildende wohl auch in Zukunft zum Teil händeringend gesucht werden. Aber auch die Azubis sind bereit, für ihre Ausbildung einiges auf sich zu nehmen, denn bei der Arbeit wird man immer noch schmutzig. Die 20-jährige Lina Güttel zog sogar extra von Baden-Württemberg ins westfälische Lindlar bei Köln um, um bei Achim Dreiner, Lehrlingswart der Kölner Innung, ihre Ausbildung zu absolvieren.

Schwindelfrei, sportlich und offen
„Schwindelfrei sollte jemand schon sein, wenn er sich für eine Ausbildung zum Schornsteinfeger interessiert“, sagt Thomas. Und natürlich sollte jemand, der auf den Dächern herumklettern muss, nicht völlig unsportlich sein. „Mathe, Physik und Chemie sind ebenfalls wichtig. Außerdem müssen unsere Azubis der deutschen Sprache mächtig und aufgeschlossen sein,“ fügt er hinzu, „denn sie haben täglich viele Kundenkontakte.“

Lina brachte diese Voraussetzungen mit und ist seit zweieinhalb Jahren in der Ausbildung. „Ich habe mich im Internet nach Jobs umgeschaut. Dabei bin ich über die Schornsteinfeger gestolpert“, erzählt siem, „und dachte mir: Schornsteinfeger, das wäre ja mal interessant“. Die Entscheidung fällte sie aus dem Bauch heraus. Erst später erfuhr sie, dass auch ihr Opa bereits Kamine gereinigt hat. Lina ist zufrieden mit ihrer Arbeit: „Es ist zwar oft schmutzig und etwas anders, als ich mir das vorgestellt habe, aber gefällt mir wirklich gut“. Zwar ist der Lehrlingslohn nicht so üppig, als dass Lina ihre Wohnung allein finanzieren könnte, doch ihre Mutter unterstützt sie. Bereut hat sie ihre Wahl nicht, auch wenn sie sich darauf freut, nach der Ausbildung wieder nach Hause zu kommen.

Irgendwas mit Menschen …
Auch der 21-jährige Christopher Dreiner ist familiär „vorbelastet“ „Achim Dreiner und ich sind verwandt“, sagt er. Auf einem Geburtstag seiner Mutter erkundigte sich der Schornsteinfegermeister, was Christoper derzeit macht. „So kamen wir ins Gespräch über den Beruf.“ Nach seinem Realschulabschluss und dem Zivildienst hatte er zunächst in der Holzverarbeitung gearbeitet. „Ich wollte einfach wissen, wie das Arbeitsleben so ist. Schnell stand für ihn fest, dass er irgendetwas mit Menschen machen wollte und da kam ihm der Beruf des Schornsteinfegers sehr gelegen, denn Schornsteinfeger sind Dienstleister. Jeden Tag trifft er neue Kunden, darf in ihre Wohnungen und Keller.

Christopher machte zunächst ein Praktikum bei dem Betriebsschornsteinfeger und Lehrlingswart Achim Dreiner und begann schließlich auch dort seine Ausbildung. „Ich war erstaunt, wie schnell ich mit aufs Dach durfte“, sagt Christopher, der erst im August 2008 seine Ausbildung begonnen hat. „Der Geselle, mit dem ich unterwegs bin, hat mich von Anfang an in die Arbeit eingebunden.“ Ein paar Hinweise hat Christopher aber vorher schon mit auf den Weg bekommen und wurde auch mit den nötigen Geräten vertraut gemacht. Dann jedoch durfte er schon bald seinen ersten Kamin selbst kehren.

Nicht nur Schwarzarbeit
Im Schnitt dauert die Ausbildung drei Jahre, kann aber bei guter Leistung verkürzt werden, wie Gunar Thomas erklärt. Normalerweise ist ein Hauptschulabschluss ausreichend. Wer die Mittlere Reife in der Tasche hat, dem bietet sich außerdem die Möglichkeit, die Fachhochschulreife zu erwerben. In den drei Ausbildungsjahren gibt es jedoch viel zu lernen. „Vorbeugender Brandschutz und Emissionsschutz, also Umweltschutz sind die großen Bereiche, mit denen sich Schornsteinfeger auskennen müssen“, erklärt Thomas. „Mit dem Ziel, Verbraucher umfangreich und unabhängig beraten zu können. Daher müssen wir wissen, wie unsere Kunden energiesparend heizen können.“ Damit dieses Ziel erreicht werden kann, gilt es, zahlreiche Heizungsanlagen und Feuerungssysteme kennenzulernen. Neben der Reinigung der Kamine müssen nämlich auch andere Heizsysteme regelmäßig von Schornsteinfegern gewartet werden. Dabei werden zum Beispiel die Abgaswerte gemessen und die Arbeit mit Kameras, Messgeräten und Mikrocomputern gehört dazu. Und wie „schwarz“ ist die Arbeit nun wirklich? „Der Staub im Büro ist manchmal schlimmer als bei uns“, lacht Thomas und fügt hinzu: „Zu 50 Prozent haben wir es schon mit Verbrennungsrückständen zu tun, aber Büroarbeiten gehören auch dazu.“

Viele Perspektiven
„Wir haben viel Arbeit und brauchen junge Leute“, sagt Thomas. Entsprechend gut sind die Chancen für ausgelernte Schornsteinfeger auf einen Job als Geselle. „98 Prozent werden anschließend übernommen.“ Doch auch wer nicht als Geselle weiter arbeiten möchte, hat viele Perspektiven. Ausgelernten Schornsteinfegern stehen verschiedene Karrierewege offen. „Sie können Versorgungs- oder Heizungstechnik studieren, eine Techniker- oder Meisterprüfung machen. Sie können als Ausbilder tätig sein oder in der Energieberatung.“ Und wie geht es für Lina und Christopher weiter? Lina verkürzt ihre Ausbildung und hat daher bereits im Januar 2009 ihre Abschlussprüfung. Dann möchte sie gern wieder in ihre Heimat zurück und dort erst einmal eine Weile als Gesellin arbeiten. Christopher hat zwar noch ein wenig Zeit, aber auch für ihn steht fest, dass er im Beruf bleiben und gleich nach der Ausbildung an seinem Meisterbrief basteln will. Glück muss man den beiden wohl nicht wünschen, denn das bringen sie ja mit! ¦

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Diskussion

Ein Kommentar zu “Schornsteinfeger”

Eine Antwort zu “Schornsteinfeger”

  1. Andi sagt:

    prima Darstellung

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