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Ausbildung bei Carl Zeiss in Jena

Auge fürs Detail

Manchmal sind in der Geschichte Dinge möglich, die in der Biologie nicht funktionieren. Dass die Mutter jünger ist als die Tochter zum Beispiel. Der Hauptsitz der Carl Zeiss AG ist heute im baden-württembergischen Oberkochen, seine historischen Wurzeln hat das weltweit für seine feinmechanisch-optischen Instrumente bekannte Unternehmen jedoch in Jena. Hier beschäftigt die Carl Zeiss Gruppe rund 1750 Mitarbeiter, 73 Azubis und 19 BA-Studenten.

Die Carl Zeiss AG hat weltweit mehr als 12000 Mitarbeiter und machte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von über 2,7 Milliarden Euro. Als der Mechanikermeister Carl Zeiss das Unternehmen 1846 gründete, war dieser Erfolg längst nicht abzusehen. Zeiss fertigte zwar schon in den ersten Jahren erfolgreich Mikroskope, die Grundlage für diese filigranen Instrumente war jedoch mit Probieren nicht ganz so wissenschaftlich, wie sie es durch die Zusammenarbeit mit Physikprofessor Ernst Abbe 1866 schließlich wurde. Durch ihn gelang es Carl Zeiss als weltweit erster Firma, Mikroskopoptiken mit vorberechneten Eigenschaften zu produzieren. Eine einzigartige Erfolgsgeschichte begann.

Stiftungsunternehmen
Abbe trat 1875 als Teilhaber in das Unternehmen ein und wandelte es nach dem Tod von Carl Zeiss in ein Stiftungsunternehmen um. Diesem Umstand ist es vermutlich zu verdanken, dass es das Unternehmen Carl Zeiss heute noch gibt. Denn vor der Demontage des Zeiss-Werkes in Jena durch die Sowjets und die spätere Wandlung in einen volkseigenen Betrieb der DDR hatten die Amerikaner 1945 zahlreiche Spezialisten und die Geschäftsleitung in Richtung Baden-Württemberg mitgenommen. Diese gründeten in Oberkochen die Opton Optische Werke Oberkochen GmbH, aus der 1950 die Firma Carl Zeiss wurde. Die baden-württembergische Landesregierung erhob Heidenheim zum Sitz der Carl-Zeiss-Stiftung, wodurch es nunmehr zwei Stiftungen gab. Dies führte zu heftigen rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen West und Ost, die erst 1971 beigelegt werden konnten. Nach Auflösung der DDR war auch die Existenz des Jenaer Zeiss-Werkes bedroht. Mit dem Engagement aus Oberkochen und staatlicher Unterstützung wurde der Weg für eine gemeinsame erfolgreiche Entwicklung eingeschlagen. Heute ist Jena ein Kernstandort der Carl Zeiss Gruppe.

Exzellente Aussichten
Inzwischen hat sich Carl Zeiss in Jena von den Turbulenzen der letzten 50 Jahre längst erholt und sich wieder zu dem entwickelt, was es einmal war: Ein zukunftsträchtiger Arbeitgeber mit exzellenten Berufssaussichten, auch für Auszubildende und Berufsakademie-Studenten. Gemeinsam mit der Firma Schott richtete man am Standort das Schott-Zeiss-Bildungszentrum (SZB) ein, in dem unter anderem künftige Feinoptiker, Industriemechaniker, Mechatroniker und Physiklaboranten ihre ersten praktischen Erfahrungen sammeln, bevor sie an ihren späteren Arbeitsplatz kommen. An modernsten Geräten und Maschinen werden sie hier für den Betrieb fit gemacht. Carl Zeiss will als innovativstes Unternehmen in seinen jeweiligen Geschäftsfeldern angesehen werden, mit Investitionen in den Nachwuchs meint man es entsprechend ernst. „Bei uns steht hinter jedem Ausbildungsplatz ein Arbeitsplatz“, sagt Gabriele Gördel, im Personalwesen zuständig für die Ausbildung in Jena.

Praktikum erwünscht
Wer Ausbildung oder BA-Studium bei Carl Zeiss in Jena beginnen möchte, sollte zunächst ein Praktikum absolvieren. „Alleine die Noten der Bewerber geben nicht den Ausschlag, dass wir uns für jemanden entscheiden“, sagt Gabriele Gördel. „Wir wollen Leute, die als Person zu uns passen und legen Wert auf Praktikumsnachweise.“ Wer schon mal einen Blick in die Praxis geworfen habe, könne sich ein Bild von den Berufen machen. Vielen sei zum Beispiel vorher nicht geläufig, dass die Tätigkeiten eines Feinoptikers in der Industrie ganz andere seien, als die eines Optikers im Fachhandel.

Interesse zeigen
Um jungen Menschen die Möglichkeit zum Probearbeiten zu geben, bietet das Bildungszentrum Schnupperpraktika in den Ferien an. „Uns ist es wichtig, Interesse am Beruf zu sehen“, sagt Lothar Friebel, Ausbildungsleiter im SBZ. Wer für ein Praktikum eine Woche Ferien aufgebe, die er ja auch nicht vergütet bekomme, signalisiere dieses. Fleißig, gewissenhaft, motiviert und teamfähig sollen die Bewerber sein. „Wir wollen dabei auch sehen, wie geschickt jemand ist“, sagt Gabriele Gördel.

Anwendungsbereites Wissen
In jedem Bewerbungslauf gibt es etwa 750 Zuschriften für Schott und Zeiss. „Etwa ein Drittel der Bewerber laden wir zu Eignungstests ein“, erklärt Lothar Friebel. Mathekenntnisse, teschnisches Vorstellungsvermögen, Deutschkenntnisse und Allgemeinwissen werden abgefragt. Nach den Tests bleiben etwa zwei bis zweieinhalb Bewerber pro zu besetzender Stelle übrig. „Mit denen führen wir ein persönliches Gespräch“, sagt Friebel. „Der Leiter des jeweiligen Fachbereiches kommt dann auch mit an den Tisch“, führt Gabriele Görbel aus. Man suche Leute mit anwendungsbereitem Wissen – das fehle häufig, auch wenn die Leute gute Noten haben.

Nicht nur Abiturienten
Der Schulabschluss ist übrigens bei der Auswahl der Bewerber nicht unbedingt entscheidend. „Wir haben konkrete Vorstellungen, wollen aber nicht in jedem Fall Abiturienten“, sagt Lothar Friebel. Die habe man anfangs bevorzugt genommen, dann aber festgestellt, dass die Hälfte nach der Ausbildung zum Studium gegangen sei und entsprechend die Fachkräfte fehlten. „Den Top-Leuten empfehlen wir deshalb, ihre Schulausbildung als Sprungbrett an die Berufsakademie zu nutzen“, so Friebel. Auf verbale Einschätzungen in den Zeugnissen, die es ja in verschiedenen Schulen wieder gebe, lege man ebenfalls großen Wert.

Handwerk und High-Tech
In der Ausbildungswerkstatt lernt man sein Handwerk von der Pike auf. Man arbeitet zum einen mit modernsten CNC-Schleif- und Poliermaschinen, lernt aber auch die Handfertigung, die heute im Alltag nicht mehr so gebräuchlich ist. An Messgeräten wie dem Interferometer, mit dem man bis auf 1/1000 Millimeter genau messen kann, können die Azubis die Qualität ihrer Arbeit selbst begutachten. Und was hier hergestellt wird, findet durchaus Verwendung. „Wir fertigen hier Baugruppen und Hilfsmittel an, die im Unternehmen intern benutzt werden“, erklärt Feinoptiker-Ausbilder Ingo Schubert. Die Sechsfachlupe sei beispielhaft dafür. „In der Fertigung hat die jeder und jeder Feinoptiker-Azubi stellt so eine her.“

Industriemechaniker
Stephan Richard ist auszubildender Industriemechaniker im letzten der 3,5 Ausbildungsjahre. Seine Ausbildung wird er voraussichtlich mit einem Einserschnitt abschließen. In der achten Klasse der Realschule absolvierte er ein Schnupperpraktikum bei Carl Zeiss in Jena. „Besonders lag mit die Arbeit mit Metall“, sagt er. Heute ist er im Funktionsmuster- und Betriebsmittelbau, da also, wo das Unternehmen Prototypen, Vor- und Kleinserien fertigt. „Hier werden besondere Anforderungen an die Mitarbeiter und Azubis gestellt“, sagt Gabriele Gördel.

Große Verantwortung
Als Kind eines ehemaligen Mitarbeiters ist Stephan in vierter Generation bei Carl Zeiss beschäftigt und kennt das Unternehmen entsprechend gut. „Das Miteinander unter den Lehrlingen gefällt mir und die Ausbilder sind top“, lobt der 20-Jährige. Im Funktionsmusterbau stellt er Werkzeuge für Maschinen und die Optikfertigung her und montiert diese. Anspruchsvoll ist die Arbeit mit den Dreh- und Fräsmaschinen, mit denen er Werkstücke anhand von Zeichnungen fertigt. Eine Aufgabe mit großer Verantwortung, die Stephan eigenständig erledigt. Für Fragen steht ihm aber immer ein betrieblicher Betreuer zur Seite.

Tradition
Carl Zeiss, das ist für Stephan nicht irgendein Arbeitgeber. Selbst sein Vater, der mittlerweile nicht mehr bei Carl Zeiss arbeitet, blicke mit Stolz auf seine Zeit bei Zeiss zurück. Perspektiven, Verantwortung und eine „sehr gute Ausbildungsvergütung“, lobt Stephan. Und noch etwas schätzt er sehr hoch: „Die Tradition ist wichtig, die gibt es bei jüngeren Firmen nicht in dieser Form.“

Mechatronikerin
Andrea Ehrhardt ist 21 Jahre alt und angehende Mechatronikerin. Keine typische Frauendomäne, aber bei Carl Zeiss gerne gesehen. „Wenn sich eine junge Frau für einen vorwiegend von Männern ausgeübten Beruf entscheidet, dann zieht sie das auch durch“, sagt Gabriele Gördel. Das wird immer was. Während der elften Klasse durchlief Andrea ein Praktikum im Bereich Spektralsensorik. Während ihre Mitschüler auf Klassenfahrt in London waren, prüfte sie optische Gitter mit Lichtstrahlen. „Physik und Mathe hatte ich in der Schule als Leistungsfächer gewählt und hier fand ich es in der Praxis wieder“, sagt sie. Und so entschied sie sich erst einmal gegen ein Studium und für eine Ausbildung bei Carl Zeiss. „Ich wollte was tun und nicht nur dasitzen und lernen“, sagt sie. Ein Studium sei aber weiterhin vorstellbar.

Zeitdruck und Werte
Bei Carl Zeiss fühlt Andrea sich wohl. „Das Betriebsklima ist gut, wie die Leute miteinander umgehen. Man kann sich an jeden wenden und bekommt etwas erklärt.“ Sie arbeitet im Bereich Systemintegration der Laser Scanning Mikroskope. Hier geht es um die Montage und Justage von Baugruppen. Unter anderem sind das Zusatzmodule, die nur in Kleinserien hergestellt werden. „Da stecken richtig Zeitdruck und Werte dahinter“, sagt Andrea. „Von hier verlassen die fertigen Systeme das Werk und gehen direkt zum Kunden.“ „Es ist schön, wenn man da den Zeiss-Aufkleber drauf macht“, fügt Stephan hinzu.

Keine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die Arbeit ist anspruchsvoll. „Die Tätigkeit ist immer wieder neu“, sagt Andrea, „es gibt keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern Zeichnungen.“ Da müsse man mitdenken, sich einbringen und sich Lösungswege einfallen lassen. „Immer wieder eine Herausforderung“, sagt sie und man sieht ihr an, dass es genau das ist, was ihr gefällt. „Die Präzision fasziniert mich“, erklärt Andrea.

Feinoptikerin
Den Beruf der Feinoptikerin erlernt Sybille Schwabe. Interesse an handwerklichen Berufen habe sie zu Carl Zeiss gebracht, sagt die 21-Jährige. Auf das Unternehmen aufmerksam wurde sie beim „Tag der Ausbildung“, zu dem das Unternehmen jeweils am ersten Samstag im September einlädt.   „Hier erklären die Azubis der ersten beiden Lehrjahre die Berufe und Arbeitsplätze“, sagt Gabriele Gördel. „Jedes Jahr finde die Veranstaltung regen Zuspruch und verzeichne Hunderte von Besuchern.“

Beeindruckende Fingerfertigkeit
Sybille hatte ebenfalls am Tag der Ausbildung teilgenommen und sich für eine Zukunft bei Carl Zeiss interessiert. Allerdings seien ihre Noten nicht so optimal gewesen, erinnert sie sich. „Sie absolvierte ein Langzeitpraktikum bei uns und zeigte eine beeindruckende Fingerfertigkeit“, blickt Gabriele Grödel zurück. „Ich wurde im Betrieb gut angenommen“, sagt Sybille, „ich stand nicht nur da und musste zugucken.“ Andere Praktika habe sie bereits gemacht, hier werde man aber viel zielgerichteter an den Beruf herangeführt.

Millimeter wie Kilometer
Inzwischen ist sie im zweiten Ausbildungsjahr und gehört als Feinoptikerin zu den Mitarbeitern mit den saubersten Händen. „Für uns gelten besondere Kleidungsvorschriften“, sagt sie. „Wir arbeiten in Nanometerbereichen, Millimeter sind wie Kilometer.“ In welchem Bereich sie nach ihrer Ausbildung arbeiten wird, ist noch nicht ganz geklärt. „Die Rundoptik gefällt mir besser als die Planoptik“, sagt sie. Allerdings ergebe sich das nach den betrieblichen Erfordernissen.

Zeiss-Geist
Die hohe Identifikation mit dem Unternehmen ist allen Mitarbeitern gemein. „Wir sprechen vom Zeiss-Geist“, sagt Gabriele Gördel. Das gilt auch für die Auszubildenden, die merken, dass man sich um sie bemüht. „Auf zwölf Azubis kommt bei uns ein qualifizierter Ausbilder, der sich um die Vermittlung der Ausbildungsinhalte kümmert. „Unsere Ausbildung ist sehr kostenintensiv, aber die Effektivität später im Beruf dadurch sehr viel höher, wie unsere überproportionale Produktivität beweist. Die IHK-Durchschnittsnote unserer Azubis in der praktischen Prüfung lag bisher bei 1,6 bis 1,8“, sagt er. ¦

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