Kaleidoskop


Noten allein sind nicht alles

Ergebnisse der Studie Bewerberauswahl Erstausbildung 2008

E-Recruiting liegt im Trend. Schließlich spart die Personalrekrutierung mittels computer- und webbasierter Medien nicht nur Papier und Porto, sondern auch jede Menge Zeit. Die Bewerber stellen ihre Fähigkeiten im Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln unter Beweis und die Unternehmen können die eingehenden Bewerbungen schnell in einer strukturierten Form verarbeiten. Ausgedient habe die Papierbewerbung damit zwar nicht, doch die Zukunft sei digital, sagen Experten. In der jetzt veröffentlichten Studie „Bewerberauswahl Erstausbildung 2008“, die der U-Form-Verlag in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Frankfurt am Main unter 505 Personalentscheidern durchgeführt hat, geben mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen an, dass sie Bewerbungen sowohl online als auch per Post entgegennehmen. Die Auswahl der potentiellen Azubis erfolgt meist nicht aufgrund von einzelnen Ausschlusskriterien, sondern auf Basis des Gesamteindrucks der Bewerbungsunterlagen. Dabei zählt am meisten der persönliche Eindruck, gefolgt von den Schulnoten.

Während einige Personalverantwortliche händeringend nach Auszubildenden suchen, stapeln sich bei anderen die Bewerbungen: Onlinetests sind daher ein gutes Mittel, um die Bewerber objektiv und mit überschaubarem Aufwand vorzuselektieren. Denn obwohl die Persönlichkeit der Azubis bei der letztendlichen Auswahl entscheidend sei, blieben Kernkompetenzen wie Deutsch- oder Mathematikkenntnisse die erste Hürde im Bewerbungsverfahren. „Basis- und Fachwissen sind nun einmal ein Kriterium, bei dem die Personalentscheider keine Abstriche machen können“, sagt die Geschäftsführerin des U-Form-Verlags, Felicia Ullrich. „Fachwissen muss für die Ausübung eines Berufes schließlich zu einem gewissen Grad vorhanden sein.“ Deshalb sei es auch umso verwunderlicher, dass den Ergebnissen der Studie zufolge bisher nur wenige der Unternehmen Onlinetests zur Vorabselektion im Prozess des
E-Recruiting nutzen.

Weniger als 15 Prozent der Unternehmen führen PC- oder onlinegestützte Testverfahren durch. Und 65 Prozent der Unternehmen, die auf PC-Unterstützung bei Tests vertrauen, führen laut Studie die Tests im Unternehmen durch und nicht bei den Bewerbern zu Hause. Als Gründe hierfür werden Nichtverfügbarkeit von Hardware bei den Bewerbern und Sorge um die mangelnde Sicherheit der Systeme genannt. Laut Statistischem Bundesamt verfügen allerdings 96 Prozent aller Haushalte mit Kindern im Alter zwischen zehn und 20 Jahren über einen onlinefähigen PC. Einschätzung und Realität klaffen hier deutlich auseinander.

„Damit zeigt die Studie ein vollkommen anderes Bild als unsere Erfahrung“, sagt Ullrich verwundert. Denn in Wirklichkeit steige die Zahl der Unternehmen, die ihre potentiellen Azubis direkt von zu Hause aus testen, bevor sie überhaupt zum Vorstellungsgespräch einladen. Wichtig ist das Ergebnis von Einstellungstests immerhin für fast 90 Prozent der befragten Unternehmen. Bei rund der Hälfte wird jeder zweite Bewerber mit Hilfe des Einstellungstests aussortiert.

Kein Bewerbungsgespräch ohne Vorab-Onlinetest
So zum Beispiel auch bei der Fraport AG, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens. Hier ist vor allem der Studiengang Bachelor of Arts in Luftverkehrsmanagement heiß begehrt. Aufgrund der hohen Bewerberanzahl entschied hier früher das Los, wer an internen Einstellungstests teilnehmen durfte. Seit fast drei Jahren müssen Bewerber allerdings nicht mehr auf ihr Glück vertrauen. Um Chancengleichheit zu gewähren, führt das Unternehmen inzwischen einen Vorab-Onlinetest durch, bei dem potentielle Azubis von ihrem eigenen Computer aus Fragen beantworten können. Nach Testende wird das Ergebnis automatisch ausgewertet. „Für uns ist das eine spürbare Zeitersparnis bei der Bewerberauswahl“, sagt Sven Roth, Leiter des Personalmarketings bei der Fraport AG.

Doch nicht nur Unternehmen haben von Onlinetests Vorteile. Auch die Bewerber profitieren davon, weil sie zum Beispiel keine langen Fahrtstrecken mehr in Kauf nehmen müssen. Zudem haben Studienergebnisse gezeigt, dass viele Schulabgänger noch nicht genau wissen, was sie eigentlich werden wollen. Die Onlinetests können bei der Berufswahl helfen, weil die Testaufgaben möglichst praxisnah gestellt sind. So würden sie den Bewerbern konkret vermitteln, was während der Ausbildung auf sie zukäme. Gelegenheit, um die Antworten nachzuschlagen oder anderweitig zu schummeln, bliebe durch die Zeitvorgabe kaum. „Meist kommt es früher oder später heraus, wenn jemand betrogen hat, da erfahrene Beobachter Angaben kritisch hinterfragen“, sagt Roth.

Positiver Eindruck ist auch bei Onlinebewerbungen wichtig
Qualifizierung alleine reicht aber nicht, wenn man eingestellt werden will – auch das ist ein Ergebnis der Studie. Wirklich überzeugen müssen die Bewerber  dann doch im persönlichen Gespräch – der letzten Hürde vor der endgültigen Vertragsunterzeichnung, auch im digitalen Bewerbungsprozess. Onlinebewerbungen helfen jedoch dabei, dass alle Bewerber, unabhängig vom sozialen Hintergrund, die gleichen Chancen erhielten, zum Gespräch eingeladen zu werden.

Entscheidungsgrundlage bei der Onlinebewerbung ist ein  standardisierter Fragebogen. Bilder, Gestaltung oder Aufmachung der Bewerbung fallen bei der Auswahl der Bewerber nicht mehr ins Gewicht. ¦

Foto: istockphoto.com

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