Berufsbilder


Bestattungsfachkraft

Professionelle Begleiter auf dem letzten Weg

ausbildungszentrumEin Beruf, um den viele einen großen Bogen machen und für den es erst seit vier Jahren ein anerkanntes Ausbildungskonzept gibt. Die Ausbildung zur „Bestattungsfachkraft“ erfährt eine große Nachfrage.

Freundlich und galant öffnet Dennis Beitzel die Tür, dezent gekleidet mit schwarzem Anzug und rotgestreifter Krawatte. Dennis Beitzel ist Azubi bei dem Bestattungsunternehmen Mirbach in Langerwehe bei Aachen und wird in diesem Sommer seine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft abschließen.

Menschen helfen
Sein Job macht ihm Spaß, was viele seiner Bekannten erst mal nicht nachvollziehen können. Aber daran hat sich Dennis Beitzel schon gewöhnt und geht offen damit um. „Ich erkläre dann, wie vielseitig und interessant der Beruf ist“, sagt der 23-Jährige. Denn zum Bestatterberuf gehört viel mehr, als einem Kunden Sarg oder Urne zu verkaufen. Schon während seiner Schulzeit interessierte er sich für diesen Beruf. „Ich möchte Menschen in dieser besonderen Situation helfen“, sagt er.

Bild hat sich verändert
Erst seit 2003 gibt es eine anerkannte Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. „Bis dahin wurde der Beruf oft von Schreinern nebenbei ausgeübt“, erklärt Dieter Mirbach, dessen Vater als Gründer des Bestattungsunternehmens auch noch zu dieser Gruppe zählte. Das Berufsbild des Bestatters hat sich aber in den letzten Jahren sehr verändert. Das gängige Vorurteil vom verschlossenen Totengräber oder dem seltsam schrägen Typ im schwarzen Frack stimmt natürlich nicht mehr.

Zahl der Azubis steigt
„Für diesen Beruf braucht man viel Gespür. Man muss ihn wirklich mögen“, sagt Dieter Mirbach, der gleichzeitig Ausbildungsbeauftragter des Bestatterverbands NRW sowie stellvertretender Landesinnungsmeis-ter der Bestatterrinnung in NRW ist und vor 14 Jahren den elterlichen Betrieb übernahm.

Seit es eine anerkannte Ausbildung zur „Bestattungsfachkraft“ gibt, steigt auch die Zahl der Azubis kontinuierlich. „Wir haben inzwischen zehn Klassen mit 300 Azubis, die zum Blockunterricht kommen“, sagt Klaus Werner von der Berufsschule in Bad Kissingen. Bundesweit gibt es vier Berufsschulen. Mehr als die Hälfte der Azubis sind Frauen, die vor allem in der Trauerbegleitung gefragt sind.

Auch Warenkunde wichtig
Neben betriebswirtschaftlichen Kenntnissen erwerben die Azubis auf geschaeftsfuehrer_dieter_mirbach1der Schule vor allem fachbezogenes Wissen. Dazu zählt Warenkunde über Särge, Beschläge, Wäsche, Trauerdrucksachen ebenso wie Bestattungs- und Friedhofsrecht. Fast jeder der rund 16000 Friedhöfe in Deutschland hat eine andere Friedhofssatzung. „Unsere Schüler müssen natürlich keine Friedhofsatzungen auswendig lernen, aber damit umgehen können und wissen, was zu beachten ist“, erklärt Klaus Werner.

Persönlichen Abschied ermöglichen
Doch wie geht man mit diesen Menschen um, die trauernd und oft verzweifelt vor einem stehen? Die Formel „Mein aufrichtiges Beileid“ vermeidet Dennis Beitzel. Er halte diese Worte für aufgesetzt, wenn man die verstorbene Person nicht kenne. Für ihn sei es wichtig, den Angehörigen zu helfen, ihre Trauer zu bewältigen und eine Bestattung so zu organisieren, dass es ein schöner persönlicher Abschied wird. Rituale und besondere Zeremonien können für Angehörige sehr wertvoll sein. Obwohl Dennis Beitzel während seiner Ausbildung schon zahlreiche Beerdigungen oder Feuerbestattungen organisiert hat, ist er noch immer stark berührt, wenn ein Angehöriger die Hand auf den Sarg legt und leise „Tschüss Mama“ flüstert.

Nicht wiederholbar
„Da wird von den Azubis und später von der Bestattungsfachkraft viel Fingerspitzengefühl und soziale Kompetenz verlangt“, betont Dieter Mirbach. „Wir müssen bereits im ersten Gespräch mit den Hinterbliebenen eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Für unsere Kunden ist der Trauerfall eine absolute Ausnahmesituation. Eine einmalige Angelegenheit, die man nie mehr wiederholen kann.“ Deshalb achtet der Bestattermeister bei den Bewerbern nicht nur auf ein ansprechendes Erscheinungsbild, sondern auch auf einen guten Umgang mit der Sprache. Bestatter sind die ersten Ansprechpartner für die Angehörigen und sollten ganz instinktiv die passenden Worte wählen können. „Außerdem verfassen wir immer häufiger Trauerreden und halten sie auch, weil die Anzahl der Trauerfeiern ohne Pfarrer zunehmen“, erklärt Dieter Mirbach.

Mit Emotionen konfrontiert
Wenn man so tief in die Trauerbegleitung einsteigt, ist es wichtig emotional auf Distanz zu gehen. „Man muss natürlich damit klar kommen, dass man täglich mit starken Emotionen konfrontiert wird. Das ist nicht immer Trauer, das kann auch Wut und Erbitterung auf den Verstorbenen sein“, sagt der Azubi Dennis Beitzel. Wichtig sei in diesem Moment die Bereitschaft zum Zuhören. „Dann dauert das Gespräch eben zwei oder drei Stunden und nicht nur eine Stunde“, erklärt er nüchtern.

Keine Berührungsängste
dennis_beitzelBüroarbeiten gehören auch zur Arbeit von Dennis Beitzel. „Wir übernehmen fast alle Behördengänge“, sagt der Azubi . Dazu zählt nicht nur die Sterbeurkunde zu besorgen, sondern ebenso den Verstorbenen von der Kranken- und Rentenkasse abzumelden und für den entsprechenden Eintrag beim Standesamt zu sorgen. Schwierig kann die Versorgung des Leichnams werden, also Waschen, Schminken und Einkleiden des Leichnams. Hier hat Dennis Beitzel keine Berührungsängste mehr. „Als ich den ersten Verstorbenen, einen älteren Mann, versorgen musste, war ich sehr unsicher“, sagt er. Da die Haut von Verstorbenen sehr empfindlich ist, kann sie nicht normal gewaschen werden, sondern muss vorsichtig abgetupft werden.

Schulungsfriedhof
Wie Kanülen, Verbände, medizinische Implantate entfernt und Wunden versorgt werden, lernen die Auszubildenden im unterfränkischen Münnerstadt. Im Bundesausbildungszentrum finden überbetriebliche Schulungen statt. Hier bildet sich die Branche fort. In der Sargwerkstatt wird geübt, wie man einen Sarg zulötet, auf dem Schulungsfriedhof wie man ein Grab richtig aushebt und in der Kapelle, wie der Sarg für die Aussegnungsfeier aufgebahrt und getragen wird.

Fachkräfte werden gebraucht
Bestattungen und Trauerfeiern unterliegen einem Wandel. Aber der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist ungebrochen. „Es werden Menschen gebraucht, die eine breite fachliche Grundlage vorweisen können und kompetent sind im zwischenmenschlichen Bereich“, sagt Dr. Rolf Lichtner, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. Zu einem Praktikum von mindestens sechs Monaten rät Rolf Lichtner jenen, die ganz sicher gehen wollen.

Aufbaumöglichkeiten
Der Beruf des Bestatters muss keine Endstation sein. Bestattungsfachkräfte können sich nicht nur zum Bestattermeister, sondern auch als Thanotopraktiker oder Kremationstechniker spezialisieren. Ein Thanatopraktiker wird vor allem dann benötigt, wenn der Bestatter konservierende Eingriffe am verstorbenen Menschen durchführen will oder muss. „Das ist bei internationalen Überführungen der Fall. In Deutschland bleibt dies mit rund zehn neuen Thanatopraktikern pro Jahr aber eine Nischenqualifizierung. Denn hier werden weniger als ein Prozent der Verstorbenen thanatopraktisch behandelt, dagegen sind es in England rund 60 und in Frankreich annähernd 45 Prozent“, ergänzt Dr. Rolf Lichtner.

Nach seiner Lehre will Dennis Beitzel erstmal in seinem Beruf als Bestattungsfachkraft arbeiten – am liebsten bei seinem Lehrmeister. ¦

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