Berufsbilder


Lokführer

– immer noch ein Traumberuf…

02_03_CHu_E138_08_01Jeder Junge träumt in seiner Kindheit einmal davon, Lokführer zu werden. Einige große Jungen ihr ganzes Leben lang, wie die vielen Modelleisenbahnen in deutschen Kellern beweisen. Heute heißt der Lokführer recht unromantisch „Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport“ und längst ist es in dem Führerraum nicht mehr so einsam wie früher. Ohne Kommunikation geht es nämlich nicht. Ebenfalls vorbei sind die Zeiten, in denen der Beruf als Lokführer allein den Männern vorbehalten war.

Nein, Nachwuchssorgen hat die Deutsche Bahn, wenn es um ihre „Lokführer“ geht, wirklich nicht. Doch ganz so schlecht stehen die Chancen auch wieder nicht, einen der begehrten Ausbildungsplätze zu ergattern, wie Uwe Oenning, Ausbilder bei der Deutschen Bahn (DB Schenker Rail Deutschland AG) im Personalmanagement Duisburg, erklärt. Denn während sich in einigen anderen Berufen bis zu 100 Interessenten auf eine einzige Stelle bewerben, sind es bei der Bahn je Ausbildungsplatz zum „Eisenbahner im Betriebsdienst Fachrichtung Lokführer und Transport“ ungefähr zehn bis fünfzehn. Und wer wird genommen?

Verantwortungsbewusstsein
„Ein guter Realschulabschluss oder ein sehr guter Hauptschulabschluss sollte es schon sein“, erklärt der Ausbilder. Wichtig ist Oenning dabei, dass in den Hauptfächern zumindest befriedigende Noten erbracht wurden. „… und in Physik sollte es schon eine ‚Zwei’ sein“, ergänzt er.

Ein weiteres Kriterium ist für den Ausbilder, ob das Zeugnis des Bewerbers frei von unentschuldigten Fehlstunden ist. „Wir sind auf Pünktlichkeit bedacht und wollen Qualität bieten. Die beginnt mit Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, daher ist Zuverlässigkeit wichtig.“ Zeugnisnoten sind aber nicht alles. Schließlich gilt es, noch einen Eignungstest zu bestehen und durch eine medizinische Untersuchung gesundheitliche Probleme auszuschließen, bevor mit der Ausbildung begonnen werden kann. „Und natürlich bilden wir auch Mädchen aus“, fügt Oenning hinzu.

Kindheitstraum und Realität
„Bei mir war es der ganz klassische Fall“, erzählt der Auszubildende André Maßmann, denn er wollte schon als kleiner Junge Lokomotivführer werden. Mit der Fachhochschulreife brachte der 21-Jährige dann auch die gewünschten Voraussetzungen mit. „Ich hab mich erst im Internet informiert und mich dann noch mal beim Ausbildungsservice erkundigt“, erinnert André sich. Häufig sieht die Realität dann später aber doch anders aus, doch auf die Frage, ob er heute, nach fast drei Jahren Ausbildung enttäuscht ist, antwortet er eindeutig: „Nein“, sagt er, „das ist absolut mein Ding.“ Der Wechseldienst sei zwar anfangs gewöhnungsbedürftig gewesen, aber auch das mache ihm heute nichts mehr aus. „Sicher“, sagt André, „man muss schon diszipliniert sein. Wenn man merkt, dass der Körper Ruhe braucht, kann man eben nicht mehr mit Freunden feiern gehen. Schließlich muss man topfit sein.“ Gearbeitet wird im Wechseldienst mit unterschiedlichen Dienstzeiten. Dabei wird allerdings genau darauf geachtet, dass die vorgeschriebenen Ruhezeiten zwischen den einzelnen Schichten eingehalten werden.

Von wegen einsam!
Wer glaubt, dass ein Lokführer einsam und ohne Kontakt zur Außenwelt seine Strecken fährt, der irrt. „Der Schein trügt“, sagt Oenning ganz klar, „ohne Kommunikation geht es gar nicht. Gerade Lokrangierführer reden fast den ganzen Tag.“ Wer im Bahnhof Züge zusammenstellt, muss sich schließlich mit den Kollegen abstimmen, damit jeder Wagen unfallfrei an seinen Platz findet. Natürlich sind das keine Kaffee-Klatsch-Gespräche. Damit alles funktioniert, ist der Wortlaut wichtig, wie Oenning erklärt und daher wird alles wiederholt, damit der Gesprächspartner weiß, dass es richtig verstanden worden ist. „Wer mit den Gütern auf der freien Strecke zum Beispiel von Oberhausen nach Hamburg unterwegs ist, hat natürlich nicht so viel Kontakt“, muss Oenning zugeben, „trotzdem gibt es immer eine Verbindung zu den Kollegen.“

Personen oder Güterverkehr
Wer irgendwann einen Zug fahren möchte, muss sich zunächst einmal entscheiden, ob er später im Personen- oder Güterverkehr eingesetzt werden möchte, denn für die beiden Bereiche sind zum Teil unterschiedliche Triebfahrzeuge erforderlich. Während beim Personenverkehr überwiegend E-Loks zum Einsatz kommen, werden die Güterzüge von Diesel-Loks und modernen Drehstromlokomotiven gezogen.
„Bei uns in Duisburg wird zum Beispiel im Güterverkehr ausgebildet“, erklärt Oenning. „Besonders außergewöhnlich ist dabei, dass wir nicht nur einen betrieblichen Ausbildungsplan haben, der sich aus dem Ausbildungsrahmen-plan ergibt, sondern auch interne Ausbildungsrichtlinien anwenden, die die fachliche Kompetenz der Azubis erhöhen.“ So wird der Azubi zunächst zum Rangierbegleiter ausgebildet und findet später als Lokrangierführer im Cargo-Bahnhof seinen Einsatz. Dort heißt es für ihn dann zum Beispiel, Züge zusammenstellen und an den richtigen Ort bringen, Wagen und Bremsen prüfen und für einen
reibungslosen Ablauf sorgen.

Gut Ding will Weile haben
Weil es sich beim Führen eines Zuges um eine so verantwortungsvolle Aufgabe handelt, kann natürlich nicht jeder Andre Massmanngleich mit seinem Zug über die Schienen donnern. So liegt das Mindestalter für Auszubildende zwar bei 16 Jahren, bis diese dann aber die schweren Güterzüge allein fahren dürfen, ist nicht nur die dreijährige Ausbildung, sondern auch das richtige Alter Voraussetzung: Erst ab 21 Jahren dürfen sich die jungen Lokführer allein im Bahnhof und auf der „freien Strecke“ bewegen. „Dabei gibt es allerdings Sondergenehmigungen“, wie Oenning erklärt. „Wer bereits früher als geeignet befunden wird, bekommt zum Beispiel mehr Unterrichtsstunden und muss einige Auflagen einhalten. Dann kann er aber schon früher eigene Fahrten übernehmen.“ André hat zwar das nötige Alter erreicht, seine Ausbildung aber noch nicht ganz abgeschlossen. Unter Aufsicht darf er aber jetzt schon fahren. Die Loks zu bewegen, ist natürlich nicht alles, was zum Beruf gehört. „Jede Schicht beginnt mit dem Vorbereitungsdienst“, erklärt der 21-Jährige. „Dabei wird alles betriebsbereit gemacht. Zum Beispiel werden die Bremssysteme geprüft.“ Damit an die nächste Schicht alles ordnungsgemäß übergeben wird, endet der Dienst wieder mit einer Kontrolle. „Dann werden die Betriebsstoffe kontrolliert. Zum Beispiel der Ölstand oder es wird getankt.“

Gute Aussichten
Die Zukunftsperspektiven für „Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport“ sind sehr gut. Wer seine Ausbildung bei der Deutschen Bahn erfolgreich absolviert, wird zurzeit übernommen und kann – je nach Eignung – Gruppenleiter werden oder bei den entsprechenden Voraussetzungen eine Weiterbildung zum Meister für Bahnverkehr machen. André ist sich noch nicht ganz sicher, ob er nach seiner Abschlussprüfung im Mai ein Studium beginnen, Gruppenleiter oder Meister werden möchte. „Das hängt auch davon ab, wo Leute gebraucht werden“, sagt er. Sicher ist aber, dass er bei der Deutschen Bahn bleiben möchte. Übernahmesorgen hat er aber nicht, denn seine Noten sind gut.
Und was ebenfalls nett ist: Wer eine Ausbildung zum Eisenbahner macht, darf nicht nur Lok fahren, er darf sich auch von den Kollegen fahren lassen. Mit dem Job-Ticket wird das eigene Auto beinahe schon überflüssig… ¦

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