Finanzen


Altersvorsorge mit 17?!

Was Azubis über Finanzen wissen sollten

martin-kinkel17 Jahre alt, gerade mal mit der Ausbildung begonnen – und schon sollst Du Dich um die Altersvorsorge kümmern?! Ja, denn wenn Du von heute an jeden Monat 100 Euro auf die Seite legst und dafür 6 Prozent Zinsen pro Jahr bekommst, hast Du nach 50 Jahren 358000 Euro. Wird dieses Geld dann zu 4 Prozent angelegt, kannst Du Dir 30 Jahre lang jeden Monat fast 1700 Euro als zusätzliche „Rente“ auszahlen lassen. Frühes Sparen lohnt sich also – doch welche Angebote sind sinnvoll?

Bausparvertrag
Die meisten Bausparverträge beginnen mit der „Ansparphase“, in der Du Geld einzahlst und dafür Zinsen erhältst. Dazu kommt noch die staatliche Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent auf bis zu 512 Euro. Wird der Vertrag „zugeteilt“, kannst Du Dir neben Deinem Guthaben auch einen Kredit auszahlen lassen. Mit dem Geld kannst Du dann z.B. Deine erste Wohnung einrichten, modernisieren oder gar kaufen. In den kommenden Jahren zahlst Du den Kredit mit Zinsen zurück. Bei den meisten Bausparverträgen werden die Zinsen für Guthaben und Kredit schon beim Abschluss festgelegt. Dann bist Du Jahre später unabhängig vom Zinsniveau. Der Bausparvertrag ist zwar nicht immer der günstigste, aber ein berechenbarer Baustein, wenn Du schon in jungen Jahren die eigenen vier Wände anstrebst.

Private Rentenversicherungen
In eine private Rentenversicherung zahlst Du regelmäßig Beiträge ein und bekommst ab einem bestimmten Zeitpunkt Auszahlungen, meist als Monatsrente. Es gibt zwei wichtige Unterschiede zur gesetzlichen Rentenversicherung: In der privaten Rentenversicherung wird Geld für Dich angespart, in der gesetzlichen Rentenversicherung werden die Beiträge sofort für die Renten wieder ausgegeben. Außerdem kannst Du Dir bei Fälligkeit der privaten Rentenversicherung Dein gesamtes Kapital in einer Summe auszahlen lassen („Kapitalwahlrecht“). In der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es keine vorzeitigen Auszahlungen. Private Rentenversicherungen sind sehr sichere Geldanlagen. Dafür ist die Rendite oft nur mittelmäßig. Ein weiterer Nachteil ist die meist lange Laufzeit von 25 Jahren und mehr – eine vorzeitige Kündigung führt meist zu starken Verlusten.

Investmentfonds
Hier zahlen viele Anleger Geld an eine spezielle Kapitalanlagegesellschaft und erhalten dafür Fondsanteile. Die Gesellschaft legt das Geld dann z.B. in Aktien oder Immobilien an. Weil sie über viel mehr Kapital verfügt als der einzelne Sparer, kann sie das Risiko auf viele Geldanlagen verteilen und so verringern. Wichtig sind auch die Kosten beim Kauf von bis zu 6 Prozent der Anlagesumme und die späteren laufenden Gebühren für Management, Verwaltung und so weiter. Mit Investmentfonds kannst Du mit kleinen Beträgen Vermögen aufbauen (oft schon ab 50 Euro monatlich). Wenn Du einmal dringend Geld brauchst, kannst Du die Fondsanteile auch jederzeit zum aktuellen Wert zurückgeben. Ganz besonders wichtig ist bei Fonds die Qualität: Prüfe daher die Bewertungen für Fonds („Rating“) im Internet, wenn Dir Deine Bank Vorschläge macht. Viele Banken verkaufen bevorzugt Fonds der eigenen Fondsgesellschaft, auch wenn diese schlechter sind als andere.

Vermögenswirksame Leistungen
Fast jeder Arbeitnehmer hat heute Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen (VL). Oft finanziert die Firma einen Teil der VL mit – eine Möglichkeit, die Du unbedingt nutzen solltest! Du kannst Dein Geld in Bausparverträgen, Investmentfonds, Mitarbeiterbeteiligungen (z.B. Mitarbeiteraktien), Lebensversicherungen oder Banksparplänen anlegen. Das Geld liegt im Normalfall 6 oder 7 Jahre fest, erst danach könntest Du es ausgeben. Es bringt allerdings viel mehr, dann weiter zu sparen – allein aus Deinen VL kann so ein kleines Vermögen werden. In einigen Branchen gibt es mittlerweile keine „klassischen“ VL mehr, sondern das Geld wird z.B. in Riester-Renten eingezahlt. Auszahlungen gibt es dann erst ab dem 60. Geburtstag – bis dahin wird aus Deinem Geld auch wirklich ein Vermögen! Besonders interessant werden VL durch die staatliche „Arbeitnehmer-Sparzulage“. Bausparleistungen werden mit 9% auf bis zu 470 Euro und Beteiligungen und Investmentfonds mit 20% auf bis zu 400 Euro gefördert. Für Lebensversicherungen und Banksparpläne gibt es keine Sparzulage.

Riester-Rente
Die Riester-Rente ist eine freiwillige private Altersvorsorge mit staatlichen Zulagen. „Riester-Produkte“ sind z.B. Banksparpläne, private Rentenversicherungen und Sparpläne auf Investmentfonds. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen (z.B. Auszahlung frühestens ab Alter 60, kein Verlustrisiko) und bekommen dafür ein Zertifikat. Achtung: Dieses Zertifikat besagt nur, dass die Bedingungen erfüllt werden, nicht dass es sich um ein besonders rentables Produkt handelt! Deine Einzahlungen müssen zusammen mit den staatlichen Zulagen 4 Prozent Deines Vorjahreseinkommens erreichen. Achtung: Die Zulagen müssen beantragt werden – wer den Antrag vergisst, bekommt keine Zulage!

Rürup-Rente
Bei der ebenfalls vom Staat geförderten Rürup-Rente (auch „Basisrente“) bekommst Du frühestens ab Alter 60 eine lebenslange, monatliche Rente, wobei Du auch eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und für Hinterbliebene vereinbaren kannst. Auch hier wird Geld wird für Dich angespart, verzinst und später ausgezahlt. Damit ist die Rürup-Rente eine spezielle Form der privaten Rentenversicherung. Eine Rürup-Rente ist sehr unflexibel: So kannst Du Dir z.B. Dein Geld nicht vor Deinem 60. Geburtstag auszahlen lassen und es auch nicht vererben. Du kannst Dir auch nicht zu Beginn der Auszahlungen Dein Kapital in einer Summe auszahlen lassen. Damit läuft die Rürup-Rente auf eine Wette hinaus, nämlich ob Du den Beginn der Auszahlungen erlebst und – wenn ja – wie lange Du Deine Rente bekommst. Die Rürup-Rente ist damit bestenfalls für Leute geeignet, die auf ein langes Leben spekulieren und sich sonst nicht um ihre Altersvorsorge kümmern wollen.

Betriebliche Altersversorgung
Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern sehr gute Angebote zur „Entgeltumwandlung“. Dabei zahlst Du Teile Deines heutigen Gehalts in eine betriebliche Altersversorgung ein – „Geld heute“ wandelt sich in „finanzielle Sicherung im Alter“. Welche Produkte der Arbeitgeber anbietet, ist seine Sache, Großunternehmen haben manchmal sogar mehrere Angebote. Vor allem in Konzernen und bei größeren Mittelständlern gibt auch die Firma etwas dazu – so wird die betriebliche Altersversorgung oft sehr rentabel!

Günstige Angebote, bessere Leistungen
Zudem bleiben Deine Beiträge steuer- und sozialversicherungsfrei. So kann mehr Geld gespart werden. Erst die späteren Renten werden steuer- und beitragspflichtig. Da Unternehmen mit vielen Mitarbeitern von Banken oder Versicherungen günstigere Angebote bekommen, sind die späteren Leistungen meist besser als bei reiner Privatvorsorge. Auf jeden Fall solltest Du in der Personalabteilung nach der betrieblichen Altersversorgung fragen – es lohnt sich fast immer! Ansprüche aus der betrieblichen Altersversorgung sind übrigens gesichert, wenn der Arbeitgeber insolvent wird. Bei einem späteren Stellenwechsel kann es aber zu Nachteilen kommen, auch hierüber informiert Dich die Personalabteilung.

Fazit
Absolute Grundbausteine sind VL und die betriebliche Altersversorgung, denn hier gibt es oft Geld von der Firma und vom Staat dazu. Auch eine Riester-Rente kann interessant sein, weil die staatlichen Zuschüsse für Azubis recht hoch sind. Unbedingt wichtig ist immer ein Blick auf die Kosten und die Renditeaussichten.

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