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Ausbildung im Forschungszentrum Jülich

Kompetenz für die Zukunft

juelichWer das erste Mal das Forschungszentrum Jülich besucht, wünscht sich einen Kompass oder noch besser einen kleinen Navi (Navigator). Denn es ist eine Wissenschaft für sich, auf Anhieb den richtigen Weg zwischen den langen und kurzen, schmalen und breiten, meist zwei- bis vierstöckigen Gebäuden zu finden. Über 50 Gebäudekomplexe sind auf dem etwa zwei Quadratkilometer großen Campus verteilt, der durch ein Straßen- und Wegenetz von rund 40 Kilometern erschlossen ist. Dazwischen sind viele Grünflächen mit hohen alten Bäumen und als Mittelpunkt das Seecasino mit großer Terrasse. Man könnte meinen, in einer kleinen Stadt zu sein, würden nicht einige Menschen, manche tragen auch die weißen Laborkittel, betriebsam von einem zum anderen Gebäude eilen.

Mit rund 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Forschungszentrum Jülich eines der größten Forschungszentren in Europa. Interdisziplinäre Spitzenforschung hat es sich auf die Fahnen geschrieben. Schwerpunkte sind biophysikalische Methoden in der Gesundheitsforschung, umweltfreundliche Energiegewinnung mit Photovoltaik und verbesserter Kraftwerkstechnik, aber auch Untersuchungen über die Auswirkungen technischer Prozesse auf Umwelt und Klima sowie die Entwicklung neuer Materialen und Verfahren für die übernächste Computergeneration. „Für unsere Spitzenforschung brauchen wir sehr gute Fachkräfte mit ganz unterschiedlichen Ausbildun-gen“, sagt Klaus-Rainer Schubert, Leiter der zentralen Berufsausbildung. Für das neu beginnende Ausbildungsjahr 2009 gab es 85 Ausbildungsplätze. Ausbildungen in 22 verschiedenen Berufen sind möglich.

Ausbildung in 22 Berufen
Das Forschungszentrum Jülich, das im Städtedreieck Aachen, Düsseldorf und Köln liegt, hat den größten Bedarf eindeutig bei den Ausbildungsberufen im naturwissenschaftlichen, technischen und mathematischen Bereich. Das fängt an bei den Chemie- und Physiklaboranten, geht über Elektroberufe bis hin zu den modernen Berufen wie IT-Systemelektroniker und Mathematisch-Technischer Softwareentwickler.
Da die Bewerberzahl relativ hoch ist, rund 1800 Bewerbungen jährlich, reicht eine einfache Durchsicht der Unterlagen nicht aus, um zu einer schlüssigen Auswahl zu gelangen. „Die Form der Bewerbung und die Schulzeugnisse geben uns nur erste Anhaltspunkte“, sagte Klaus-Rainer Schubert. „Wir wollen aber mehr über die beruflichen Interessen der Bewerber und ihre Motivation erfahren“. Diese Informationslücke schließen Eignungstests und Interviews mit den Bewerbern.

MATSE-Ausbildung
juelich3Die 20-jährige Maya Kletzin hat sich vor zwei Jahren im Forschungszentrum Jülich für eine „MaTSE“-Ausbildung beworben. „MaTSE“ ist nicht etwa ein abgekürzter Matthias, sondern die Kurzform für den modernen Ausbildungsberuf des Mathematisch-Technischen Softwareentwicklers, der aus dem Mathematisch-Technischen Assistenten entstanden ist und Parallelen zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung aufweist. Maya Kletzin kann sich gut an das Einstellungsverfahren erinnern. „Der Test kam mir vor, wie ein zweites Mathe Abitur. Es war kein typischer Einstellungstest mit Fragen aus unterschiedlichen Fachgebieten“, sagt sie, die für diese Ausbildung aus dem Osten Deutschlands in den Westen zog.

Auch im anschließenden Interview waren ihre mathematischen Fähigkeiten gefragt. Mit Hilfe von Differentialrechnungen sollte sie ein kleines Softwareprogramm erstellen. Dabei ist die dreijährige MaTSE-Ausbildung auch eine Jülicher Besonderheit. Denn nirgendwo sonst in Deutschland können sich MaTSE-Azubis gleichzeitig an einer Fachhochschule – in diesem Fall an der Fachhochschule Aachen – für den Bachelor-Studiengang „Scientific Programming“ einschreiben. Auch der „MaTSE“ Tim Pohlmann, der sein Abitur in Nordhessen machte und bereits im fünften Semester ist, schätzt die Ausbildung am Forschungszentrum. „Wir lernen nicht nur die Programmierung, sondern arbeiten auch direkt in einer Arbeitsgruppe am Institut. Außerdem lernen wir, wie Forschungsprojekte angelegt und Aufgaben im Team verteilt werden“, erklärt er. Ideale Rahmenbedingungen für diesen Nachwuchs, der zudem noch die Möglichkeit hat mit einer der schnellsten Rechenanlagen Europas zu arbeiten.

Ausbildung und Studium
„Wir wollen die Kombination Lehre und Studium verstärken. Ein Grund ist der demografische Wandel, den wir bereits spüren“, erklärt Klaus-Rainer Schubert. Durch die enge Verzahnung zwischen Ausbildung und Studium wollen die Ausbilder am Forschungszentrum Jülich die Fachbereiche mit der stärksten Nachfrage wie ausgebildete Elektroniker und Industriemechaniker auf Ingenieuniveau bringen. Während das erste Ausbildungsjahr noch ausschließlich im Forschungszentrum stattfindet, beginnt im zweiten Ausbildungsjahr das Vollzeitstudium an der Fachhochschule Aachen. Die betriebliche Ausbildung ist dann in den Semesterferien.

Bachelor in Heerlen
Auch die geografische Nähe zu den Niederlanden wird genutzt. Seit diesem Jahr können Biologielaboranten einen Bachelor für „Applied Science“ an der Hochschule in Heerlen, ganz nahe der deutsch-niederländischen Grenze erwerben. Nach abgeschlossener Lehre steigen die Jülicher Biologielaboranten gleich in das sechste Semester ein. Möglich ist das, weil die Niederländer die Lehrzeit der Jülicher Azubis hoch achten und um den hohen Anteil an wissenschaftlicher Arbeit während der Ausbildung wissen. „Mit einer deutschen Hochschule wäre diese Kombination zur Zeit nicht möglich“, erklärt der Personalleiter Schubert.

IMG_4142Fern vom Treiben auf dem Campus, auf einem ehemaligen Gelände der Bundeswehr, sind in einem alten und denkmalgeschützten Gebäude aus roten Backsteinen die Lehrräume der Physik-, Chemie- und Biologielaboranten. Wie im naturwissenschaftlichen Trakt einer Schule, riecht es hier nach Schwefel und Säure. 29 Physiklaboranten, darunter neun junge Frauen, werden im Moment ausgebildet. „Dass die Ausbildung so vielseitig ist, habe ich zuerst nicht gedacht“, sagt Matthias Prawitz, der sich nach dem Abitur als Physiklaborant bewarb. Die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Physiklaboranten beschränkt sich nicht auf das Erlernen von physikalischen Zusammenhängen und Messtechniken. „Wir legen Wert auf eine breite Qualifizierung und ermöglichen den Azubis auch eine Grundausbildung in Chemie, Biologie, technischem Zeichnen, Mechanik und Elektrotechnik “, erklärt Sonja Menzel, die als Ingenieurin für die Ausbildung der Physiklaboranten verantwortlich ist. Im letzten Ausbildungsjahr sammelt der Azubi Erfahrung am Institut, führt gemeinsam mit Wissenschaftlern Experimente durch und wertet die Ergebnisse aus. „Wir bilden definitiv über unseren eigenen Bedarf aus. Trotzdem kann man sagen, dass es im Moment kein Problem darstellt, eine Anstellung als ausgebildeter Physiklaborant zu finden,“ sagt sie.

Praktisch gut vorbereitet
Matthias Prawitz fühlt sich auch für den praktischen Teil der Abschluss-prüfung, die im Januar ansteht, gut vorbereitet. „Während meine Kollegen von anderen Berufskollegs oft in Eigenregie ihre praktischen Arbeiten durchführen müssen, haben wir auch dafür eine fachkundige Begleitung“, betont er. Funktionstüchtige Platinen löten und durchmessen ist eine seiner bevorzugten Tätigkeiten. Daher würde er gerne nach seiner Ausbildung am Institut für Brennstoffzellentechnik arbeiten. Im Forschungszentrum Jülich schließt Ausbildung Förderung mit ein. „Mit Projektarbeit wollen wir Azubis zu verantwortungsvoller Arbeit motivieren“, sagt Klaus-Rainer Schubert. „Wenn sie im Team jeden Arbeitsschritt ihres Projektes selbst planen, organisieren und durchführen müssen, erwerben die Azubis neben fachlichen Wissen ebenso methodische Kenntnisse und Sozialkompetenz.“ Ein Team von neun Azubis aus der Gruppe der Elektroniker, Industriemechaniker und technischen Zeichner war 2008 mit ihrem Projekt „elektronisch gesteuerter Airhockey-Tisch“ erfolgreich. Es gewann einen zweiten Preis eines internationalen Innovationswettbewerbs.

Arbeitsvertrag ist sicher
Nach den Abschlussprüfungen bekommen alle einen Arbeitsvertrag für drei Monate. „Dann müssen sie sich während der Prüfungszeit nicht noch um eine Arbeitsstelle bemühen“, erläutert Klaus-Rainer Schubert diese Entscheidung.

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