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Ausbildung bei der Westeifel Werke gGmbH

Ein guter Platz

Wer demnächst auf einer eleganten weißen Bank mit geschwungener Rückenlehne im Großen Garten von Dresden eine Pause macht, auf einer der 1000 blau-weißen Bänke im Aachener Reitstadion ein internationales Turnier verfolgt oder einfach lässig Kaugummi in einen der stilvollen Abfallbehälter am Hamburger Jungfernstieg wirft, kommt in den Genuss der Freiraummöbel, die von den Westeifel Werken in Gerolstein hergestellt werden. Hochwertig verarbeitet sind die 6000 Möbel-Module, angefertigt aus edlen Materialen wie Holz und Edelstahl. Aufgrund ihres besonderen Designs zählen sie zu den Premium-Möbeln für öffentliche Freiräume.

Wir wollen mit unseren Produkten auf dem Markt wahrgenommen werden“, sagt Rudolf Lenz, Leiter der kaufmännischen Verwaltung der Westeifel Werke. Ein Ziel, das jedes Unternehmen hat und dabei auf die Leistung seiner Mitarbeiter setzt. Für diesen Betrieb ist das aber nicht unbedingt ein selbstverständliches Vorhaben. Die Westeifel Werke sind ein gemeinnütziges Unternehmen, und ihre Gesellschafter sind die Lebenshilfe Kreisvereinigungen von Bitburg, Daun und Prüm. Das bedeutet, dass rund 500 Menschen mit einer geistigen, teilweise auch körperlichen Behinderung, unterstützt und gefördert von etwa 200 hauptamtlichen Mitarbeitern, die Produkte herstellen. Bundesweit gibt es um die 670 Werkstätten von ganz unterschiedlicher Größe und Aufgabenausrichtung unter dem Dach der Lebenshilfe, die 2008 ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Die Lebenshilfe versteht sich als Selbsthilfeorganisation, die für Menschen mit einem Handicap Beratung, Betreuung und Beschäftigung anbietet.

Mittelständler
Aus der klassischen Lebenshilfe-Werkstatt in Gerolstein hat sich in den letzten Jahren ein mittelständisches Unternehmen entwickelt, das einer der größeren Arbeitgeber in der Südeifel ist. „Die Westeifel Werke haben als Ausbilder einen besonders guten Ruf“, sagt Christian Retterath, der dort nach dem Abitur eine Lehre zum Industriemechaniker begann. Ein Industriemechaniker baut, wartet und repariert technische Anlagen und Maschinen, sehr häufig in großen Werkshallen. Das macht Christian Retterath hier nicht. „Ich wollte auch nicht im Akkord arbeiten, sondern eine vielseitige Ausbildung mit guter Betreuung haben“, erklärt der 22-jährige Azubi. Besonders schätzt er die eigenständigen Aufgaben, weil sie für ihn immer wieder eine Herausforderung sind. Die letzte, größere Aufgabe war die komplette Wartung einer Luftballondruckmaschine.

Persönlichkeit und Engagement
Gerade weil die Mitarbeiter ein sehr heterogener Personenkreis sind, ist die richtige Personalauswahl und -planung entscheidend. „Die Azubis werden bei uns in gewisser Weise anders wahrgenommen“, sagt Rudolf Lenz. Erst mal wird bei den Bewerbungen nicht nur auf die Noten geschaut, sondern gleichermaßen auf die Persönlichkeit des Bewerbers. Auch ehrenamtliches Engagement zählt und verschafft dem Bewerber einen Plus-Punkt. Dann wird von Anfang an viel selbstständige und verantwortungsvolle Arbeit erwartet. „Wenn der Azubi mit behinderten Menschen zusammenarbeitet oder ihnen zuarbeitet, muss er immer überlegen, welche Aufgaben und Arbeitschritte kann ich ihnen übertragen,“ erklärt Rudolf Lenz.

Auf Arbeitnehmer zugeschnitten
Diese Situation bietet den Azubis, insbesondere im handwerklichen Bereich, interessante Aufgaben. Nahezu alle Maschinen, die in der Produktion von den behinderten Menschen betätigt werden, müssen umgebaut und mit einer passenden Vorrichtung versehen werden. Damit der behinderte Mensch Schrauben exakt in einen Receiver eindrehen kann, haben Industriemechaniker einen teilautomatisierten Schraubenschlüssel entwickelt. „Für den Umbau einer Maschine müssen wir natürlich erst mal eine Skizze anfertigen. Das ist keine übliche Aufgabe für einen Azubi. Aber hier machen wir das schon“, betont der 17-jährige Sebastian Weinandy, der im ersten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker ist. Weil die Ausbildung besonders vielseitig ist, nehmen die Azubis in Kauf, dass nicht alle nach der Lehre übernommen werden. „Ich lerne hier mehr als es die klassische Ausbildung erfordert. Daher glaube ich, werden wir sicher auf dem Arbeitsmarkt keine Schwierigkeiten haben“, hebt Christian Retterath hervor, der nur noch ein Ausbildungsjahr vor sich hat.

Mit Produkten überzeugen
Den Spagat, behinderten Menschen eine berufliche Integration zu bieten und zugleich wirtschaftlich erfolgreich zu sein, bewältigen die Westeifel Werke täglich aufs Neue. Da sie Menschen mit Handicap beschäftigen, haben sie zwar Anspruch auf Pflegesatzbeträge, doch diese decken natürlich bei weitem nicht die Betriebskosten. Wenn dann noch 70 Prozent des Gewinns als Lohn an die behinderten Menschen ausgeschüttet wird, bleibt für den laufenden Betrieb und Investitionen wenig Spielraum. Als vor zehn Jahren der Firmenname geringfügig verändert wurde – von Westeifel Werkstätten auf Westeifel Werke – war der Umbruch bei der Produktgestaltung doch gewaltig. „Wir wollten das Image einer Werkstatt abstreifen und mit unseren Produkten überzeugen“, erklärt der Leiter der kaufmännischen Verwaltung. Aus einfachen Parkbänken sollten mit Hilfe eines externen Designers wettbewerbstarke Produkte werden. Die Suche nach dem Passenden war nicht einfach. „Der Designer muss bereit sein, seine Vorstellung der Leistungsfähigkeit der behinderten Menschen anzupassen“, ergänzt der Leiter. „Nicht immer ist eine eins zu eins Umsetzung möglich.“ Inzwischen sind die Werke in diesem Marktsegment aber Marktführer. Der Produktionsbetrieb für die Park- und Landschaftsmöbel ist in Weinsheim, etwa 20 Kilometer von Gerolstein entfernt. In fünf Hallen, auf einer Fläche von 2600 Quadratmetern, sind die Holz- und Metallbearbeitung, Oberflächenbeschichtung und der Montagebereich untergebracht.

Eindruck hinterlassen die Westeifel Werke ebenso auf dem Markt der Luftballonaufdrucke. Auf hohe Passgenauigkeit beim Mehrfarbendruck kommt es an. „Qualität zu fairen Preisen spielt hier die entscheidende Rolle“, erläutert Rudolf Lenz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit etwa 30 Millionen bedruckten Ballons pro Jahr ist das Werk in der Eifel eine der größten Luftballondruckereien in Europa.

Das Leistungsvermögen ist bei behinderten Menschen stark eingeschränkt. Ihre Motivation und Leistungsbereitbereitschaft dagegen nicht. Akribisch und konzentriert legen sie Teile einer Bremskupplung auf ein langsam laufendes Fließband. Das machen sie täglich. Aber lediglich sechs Stunden, da sie eine verkürzte Arbeitszeit haben. Auch ist keine Abwechslung erwünscht. Konstanz und Kontinuität sind wichtig für behinderte Menschen. Dort, wo es möglich ist, beispielsweise bei Lohnfertigungsarbeiten für die Automobilindustrie, erfolgt eine geringfügige Automatisierung.

Freude empfangen
Neben dem Berufsbildungs- und Arbeitsbereich, gibt es für die behinderten Mitarbeiter Fördergruppen. In der Fördergruppe für schwerst-mehrfach-behinderte Menschen macht Julian Theis seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Er wollte nach seinem Abi auf jeden Fall einen sozialen Beruf ergreifen. Schon durch sein Jahrespraktikum wusste er, was auf ihn zukommt. Trotzdem beeindrucken ihn immer wieder die Reaktionen seiner zu betreuenden Menschen. Da ist die oft überschwängliche Freude, die er im Gesicht des behinderten Menschen sieht, wenn dieser seine Aufgabe schafft. Manchmal wiederum muss sich Julian Theis um mehr Geduld bemühen, wenn das Aufhängen des Handtuches nach dem Hände waschen länger als eine Minute dauert. „Soziale Fähigkeiten kann man nicht so einfach erlernen, man muss sie erfahren“, sagt der 23-jährige Azubi. Von den insgesamt 26 Azubis machen 18 eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Nicht alle arbeiten in den Produktionswerken, sondern werden auch in dem Tochterunternehmen Euweco, das die berufliche Rehabilitation von psychisch kranken Menschen als Kernaufgabe hat, sowie in den Wohnheimen eingesetzt.

Nicht nur der gute Ruf, den die Westeifel Werke als Ausbildungsbetrieb genießen, war für Katja Klassen entscheidend bei der Bewerbung für eine Ausbildung zur Industriekauffrau. „Ich wusste nach dem Abitur nicht, ob ich lieber im kaufmännischen oder sozialen Bereich arbeiten möchte“, erklärt die 20-Jährige. Hier konnte sie beiden Interessen nachspüren. Jetzt, im dritten und letzen Lehrjahr, weiß sie, wo ihr Platz ist. „Soziale Arbeit ist nicht mein Ding“, stellt Katja Klassen klar. Hier hat sie gelernt, den Umgang mit behinderten Menschen lockerer anzugehen und keine Scheu mehr zu haben, wenn ihre Hilfe benötigt wird, aber eine Arbeit im Büro zieht sie letztendlich doch der pflegerischen Seite einer sozialen Tätigkeit vor.

Ausbildung über Bedarf
Auch in ihrer Funktion als Ausbildungsunternehmen sehen die Westeifel Werke eine ganz besondere gesellschaftliche und soziale Verantwortung. „Wir bilden bewusst über Bedarf Fachkräfte aus“, sagt Rudolf Lenz. Denn nur wenn genügend Unternehmen bereit sind, Fachkräfte auszubilden, wird der Arbeitsmarkt über genügend Experten verfügen.

Kontakt:
gemeinnützige
Westeifel Werke GmbH

Vulkanring 7
54568 Gerolstein

Tel.: (0 65 91) 16-0
info@westeifel-werke.de
www.westeifel-werke.de

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