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Ausbildung unter Tage bei der K+S KALI GmbH

Auf der Suche nach dem weißen Gold

Vier Etagen hat der Förderkorb, der mit zwölf Metern in der Sekunde in die Tiefe rast. Jede bietet Platz für 14 Bergleute. Ausgestattet mit Helm, Grubenlampe und einem Notfallbeatmungsgerät geht es nach unten. Am Ein- und Ausstieg fegt und wirbelt die Luft, denn der Schacht dient auch der Frischluftzufuhr für das Stollensystem. Nach 664 Metern ist der Boden erreicht und ein massives Gittertor gibt den Blick auf eine andere Welt frei. Bisher eine reine Männerwelt, doch das ändert sich jetzt. Mit Sarah Lipp und Theresa Schellhas beginnen im September die ersten weiblichen Bergleute Deutschlands ihre Ausbildung bei der K+S KALI GmbH im Verbundbergwerk Werra.

Kalisalz, das weiße Gold, hat sich in Deutschland vor mehr als 250 Millionen Jahren mit der Austrocknung des Zechsteinmeeres abgelagert. Riesige Kalilager entstanden in mehreren hundert Metern Tiefe und wurden von wasserundurchlässigen Tonschichten überdeckt. Bereits seit mehr als hundert Jahren werden im Werratal Kalisalze abgebaut und zu hochwertigen Produkten veredelt. Das Werk Werra der K+S KALI GmbH, das seit 1997 aus einem Verbund der ehemals eigenständigen Werke Hattorf, Wintershall, Unterbreizbach und Merkers besteht, ist mit seinen 4000 Beschäftigten und 297 Auszubildenden ein wichtiger Arbeitgeber in der osthessischen und westthüringischen Region.

Weit verzweigt
Das Tunnelnetz ist mehrere hundert Kilometer lang. Zwischen 600 und 1000 Metern unter der Erde verkehren rund 760 Fahrzeuge, von wuchtigen Abbau-Maschinen bis hin zu den zahlenmäßig am stärksten vertretenen Geländewagen. Für die gut 1200 Bergleute des Standorts Hattorf/Wintershall sind letztere die einzige Möglichkeit, die großen Strecken vom Aufzugsschacht bis zu ihren Einsatzorten, den sogenannten Revieren, zurückzulegen. 17 Kilometer sind es bis zum Ausbildungsrevier.

Die ersten Frauen
Die lange Fahrt durch das verwinkelte Labyrinth, zu großen Teilen einzig durch die Scheinwerfer des Autos beleuchtet, kennen Sarah Lipp und Theresa Schellhas bereits. Unaufgeregt unterhalten sie sich über Fast Food und ihre Lieblingsgummibärchen. Ihre erste Grubenfahrt haben sie längst hinter sich gebracht. Beide waren bereits im Besucherbergwerk Merkers und später noch mal hier in Hattorf/Wintershall, im Rahmen des Bewerbungsverfahrens.

Neuer Beruf unter Tage
Sarah und Theresa werden heute noch mal das Ausbildungsrevier besuchen, wo sie schon bald praktische Berufserfahrung sammeln. Bergbautechnologinnen wollen sie werden und damit einen Beruf erlernen, den es in dieser Form erst seit dem vergangenen Jahr gibt. Im Gegensatz zum Bergmechaniker, wie der Beruf vor seiner Neuordnung 2009 hieß, gibt er nun erstmals auch jungen Frauen die Chance, eine Ausbildung unter Tage zu durchlaufen. Zudem habe man die Inhalte der Ausbildung neu gewichtet, wie Ausbildungsleiter Klaus Pietzko erklärt: „Den Bereich Metallbearbeitung konnte man zum Beispiel stark reduzieren und damit auch die Ausbildung von dreieinhalb auf drei Jahre verkürzen.“

Mädels sehr interessiert
Im weiblichen Nachwuchs sieht Pietzko eine große Zukunft. „Wir erhoffen uns sehr viel davon“, erklärt der Bergbauingenieur, der selbst in dritter Generation Bergmann ist. „Ich bin sicher, dass die jungen Frauen gute Arbeit leisten werden.“ Und obwohl Sarah und Theresa ihre Ausbildung noch gar nicht begonnen haben, hat er eines schon bemerkt: „Die Mädels sind sehr interessiert an dem, was hier geschieht. Die lassen sich nicht einfach nur berieseln, sondern stellen viele Fragen.“

Wie der Vater, so die Tochter
Sarah Lipp ist über die Arbeit im Kali-Bergbau bestens informiert. Ihr Vater ist ebenfalls im Werk Werra tätig und hat ihr schon viel erzählt. „Ich wollte hier unbedingt meine Ausbildung machen, aber es hieß immer, dass das für Frauen nicht möglich ist“, sagt sie. So habe sie nach der Realschule erst mal eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau begonnen. „Als ich gehört habe, dass ich nun auch als Frau einen Bergbauberuf erlernen kann, habe ich mich sofort beworben“, erzählt die 19-Jährige.

Eine andere Welt
Theresa Schellhas hatte im Freundes- und Bekanntenkreis schon einiges über das besondere Arbeitsfeld Kalibergbau erfahren. Eigentlich, sagt die 18-Jährige, habe sie nach dem Abi Kfz- oder Zweiradmechanikerin werden wollen, aber die Erzählungen aus ihrem Umfeld hätten ihr Interesse  an einer Laufbahn als Bergbautechnologin geweckt. „Das ist wirklich eine ganz andere Welt hier“, sagt sie. Die riesigen Maschinen seien besonders beeindruckend.

Und so kam es, dass die Bewerbungen der beiden jungen Damen unter den zahlreichen Einschriften zu finden waren, die Interesse an einem der rund 80 pro Jahr zu vergebenen Ausbildungsplätze bei der K+S KALI GmbH bekundeten. Schon bald erhielten sie eine Einladung zum Einstellungstest.

Bewerbungsvoraussetzungen
Ob man sich mit einem Hauptschulabschluss bewerbe oder mit Abitur sei gar nicht so entscheidend, erklärt Ausbilder Thomas Haag. Sehr wohl gebe es aber K.O.-Kriterien: „Wir sortieren Bewerber gleich aus, die unentschuldigte Fehltage im Zeugnis haben oder schlechte Noten in den Hauptfächern.“ Bewusst sein müsse man sich der Bedingungen unter Tage: Hitze, im Durchschnitt um die 30 Grad, Kunstlicht, Staub und Enge seien nicht jedermanns Sache. Und obwohl die modernen Hightech-Maschinen die Arbeit enorm erleichterten, sei körperliche Fitness geboten. Mitbringen sollte man darüber hinaus technisches Verständnis, die Fähigkeit zum räumlichen Denken und handwerkliches Geschick. Besonders wichtig sei es aber auch, Verantwortung für andere übernehmen zu wollen.

Vorher informieren
Nach erfolgreichem Test, zu dem auch eine handwerkliche Übung gehört, wurden Sarah und Theresa zum Vorstellungsgespräch geladen. „Hier wollen wir sehen, ob der Bewerber zu uns passt und ob er weiß, was er will“, sagt Klaus Pietzko. Beim Beruf des Bergbautechnologen merke man schnell, ob sich jemand im Vorfeld informiert habe, oder völlig unvorbereitet ins Gespräch gehe.

Zunächst im Ausbildungszentrum
Das erste halbe Jahr ihrer Ausbildung verbringen die Bergbautechnologen im Ausbildungszentrum in Hattorf. Hier erlernen sie die Grundfertigkeiten der Metallbearbeitung und erhalten Einblicke in Hydraulik und Elektrohydraulik. Bevor schließlich die Ausbildung im Bergwerk beginnen kann, durchlaufen die Azubis eine vierwöchige Sicherheitsunterweisung. „Sicherheit ist immer oberstes Gebot“, sagt Klaus Pietzko.

Vielfältige Aufgaben
Unter Tage haben die auszubildenden Bergbautechnologen eine Menge unterschiedlicher Aufgaben. Im gesamten Gewinnungszyklus spielen sie eine wichtige Rolle, wie auch Christoph Kuntz (20), Ronny Leitschuh (29) und Christoph Bode (19) zu berichten wissen. Die drei jungen Männer sind im dritten Ausbildungsjahr zum Bergmechaniker, dem Vorgängerberuf. Vom Bohren und Befüllen der Sprenglöcher über den Abtransport des Rohsalzes bis hin zum Sichern der Stollen sind sie gefragt. Darüber hinaus kümmern sie sich auch um die Bewetterung (Frischluftversorgung) des Tunnelsystems und nehmen bis zu 2000 Meter weite Erkundungsbohrungen vor.

Betriebe in der Tiefe
In ihrer Ausbildung durchlaufen die Bergbautechnologen die verschiedenen Betriebe unter Tage: Die Wartungsbetriebe für Maschinen und Elektronik, den Schachtbetrieb, in dem es um das Beladen der Förderkörbe geht, den Betrieb Infrastruktur, der sich um Fahrbahnbau, Beschilderung und Wetterführung kümmert und so weiter.

Körperlich weniger anstrengend
Christoph Bode mag den Umgang mit den großen Maschinen, dem Sauberlader, dem Ankerbohrwagen und dem Sprenglochbohrwagen. „Es gibt nicht mehr die starke körperliche Anstrengung wie früher im Bergbau“, sagt er und weiß, wovon er redet – bereits sein Großvater und sein Onkel arbeiteten als Bergleute bei K+S. „Am Anfang war ich aber trotzdem ziemlich kaputt, wenn ich wieder hochgekommen bin“, blickt er zurück.

Fest verankert
Zum Bedienen der jeweiligen Maschinen erlangen die Bergbautechnologen im Laufe ihrer Ausbildung die Befähigung, die im Ausbildungsnachweis festgehalten wird. Christoph Kuntz steuert derzeit den Ankerbohrwagen. Jeder Stollenvortrieb, den die Bergleute schaffen, muss durch Firstanker gesichert werden. Im Abstand von zwei Metern bohrt Christoph 1,3 Meter tiefe Löcher in den First, wie die Gewölbedecke genannt wird, um hier mit der gleichen Maschine die 1,25 Meter langen Anker zu verschrauben. Jeder von ihnen drückt die verschiedenen Schichten der Firste mit einem Druck von 14 Tonnen zusammen und stabilisiert sie somit. Mehr als 900.000 dieser Anker werden im Werk Werra jährlich verbaut.

Abwechslungsreich und sauber
Ronny Leitschuh ist ein Seiteneinsteiger. Nach seiner Ausbildung zum Metallbauer war er acht Jahre bei der Bundeswehr, bevor er durch einen Bericht im Fernsehen auf die Berufswelt unter Tage aufmerksam wurde. „Ich habe mich im Internet informiert und mich für die Ausbildung beworben“, sagt er. Seine Tätigkeit beschreibt er als vielseitig und abwechselungsreich, das Verhältnis zu den Kollegen im wahrsten Sinne des Wortes als kumpelhaft. Besonders gut gefällt ihm das Sprenglochbohren, sieben Meter tief in die Kalischicht, das die Azubis in einem überirdischen 3D-Simulator trainieren können, bevor sie die echten, teuren Hightech-Maschinen tatsächlich bedienen. Das Bohren und Befüllen der Sprenglöcher dauert pro Abschnitt etwa zwei Stunden. Gesprengt wird immer zum Schichtwechsel, wenn keiner mehr in der Grube ist.

Übernahmechancen
Dass künftig auch Frauen im Bergbau arbeiten, können sich die befragten Bergleute gut vorstellen. Die Branche sieht es als Chance, den starken Personalbedarf auch in Zukunft zu decken. „In den nächsten Jahren werden viele Kumpels aus Altersgründen ausscheiden“, sagt Klaus Pietzko. Die Übernahmechancen seien entsprechend gut. Und im Gegensatz zum Kohlebergbau, der 2018 eingestellt werden soll, steht der Kalibergbau an der Werra auf wirtschaftlich gesunden Füßen und verfügt noch über Vorräte für mindestens fünf Jahrzehnte.

Kontakt:
K+S KALI GmbH

Werk Werra
Personal
Hattorfer Straße
36369 Philippsthal/Werra

Tel.: (06620) 79-4113

www.kali-gmbh.com

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