Berufsbilder


Ausbildung zum Pferdewirt

„Das Glück der Erde…“

Den ganzen Tag mit Pferden zusammen sein und jeden Tag reiten, das erscheint vielen jungen Mädchen als das größte Glück, das sie sich vorstellen können. Doch die Ausbildung zum Pferdewirt beziehungsweise zur Pferdewirtin besteht nicht nur aus Reiten. Es ist ein Beruf, der vollen Einsatz fordert – körperlich und geistig. Die Arbeit ist oft schwer und fordert außerdem viel Verantwortungsbewusstsein und Feingefühl.

Es ist ein ganz klarer Traumjob, auch wenn angehende Azubis viel Ehrgeiz, Biss und Durchhaltevermögen mitbringen sollten, wie die 20-jährige Lena Petersen aus Grossolt, in Schleswig-Holstein, den Bewerbern rät. „Es ist ein langer Tag und am Anfang war ich körperlich schon etwas überfordert“, gesteht sie. Und doch ist Lena zufrieden. Es ist eben ein Beruf, bei dem die Liebe zum Tier im Vordergrund steht – und die sollte von Dauer sein.

Mit Liebe und Entschlossenheit
Dauerhaft ist die Liebe zu Pferden nicht nur bei Lena, die sagt: „Ich bin immer schon geritten und wollte durch die Ausbildung noch mehr über die Tiere erfahren.“ Auch die 21-jährige Kathrin Mitzinger aus Brunsholm (Schleswig-Holstein) ist mit dem Herzen bei der Sache. „Ich reite, seit ich sechs Jahre alt bin und hatte immer eigene Pferde“, erzählt sie. Nachdem sie das Gymnasium nach der zwölften Klasse verlassen hatte, brauchte sie ein Praktikum, um anschließend an einer Fachhochschule studieren zu können. Das wollte sie auf dem Hof Norwegen bei Markus Waterhues in Mohrkirch (ebenfalls Schleswig-Holstein) machen und ist dann geblieben. „Nachdem ich zwei Monate auf dem Hof war, hab‘ ich mich für eine Ausbildung zur Pferdewirtin entschieden.“ Das Studium musste somit erst einmal warten.

Sören Nissen ist einer der wenigen Jungen, die eine Ausbildung zum Pferdewirt machen. Auch wenn er erst 16 Jahre alt ist und sich im ersten Ausbildungsjahr befindet, kann er schon auf einige Erfahrungen mit Pferden zurückblicken. Auf dem Hof seiner Eltern lernte er viel über den Umgang mit den Tieren und kann bereits auf einige Erfolge beim Springreiten verweisen.

Der Unterschied zwischen Hobby und Beruf
Eine solche Vorbildung, wie Lena, Kathrin und Sören sie mitbringen, ist für Markus Waterhues eine gute Voraussetzung. Der Pferdewirtschaftsmeister, Dressurausbilder und Sachverständige für den Ausbildungsberuf des Pferdewirts ist der Eigentümer des Hofes Norwegen, auf dem die drei Azubis derzeit lernen. Grundsätzlich könne sich jeder mit einem Hauptschulabschluss bewerben, wie Waterhues sagt. Ein Realschulabschluss sei jedoch besser, weil Hauptschüler es schon ganz schön schwer hätten mit der Theorie.

Aber der Schulabschluss ist nicht alles. Weil auch die Azubis häufig Kontakt zu den Besitzern der Tiere haben, ist ihm ein freundliches und selbstbewusstes Auftreten wichtig und natürlich ein gewisses Interesse am Reitsport. „Streicheln und Striegeln reicht nicht“, sagt er. „Es ist eben ein Beruf und kein Hobby und dafür sollten Bewerber schon gewisse Grundkenntnisse mitbringen, wie zum Beispiel das kleine Reitabzeichen.“

Für Markus Waterhues ist außerdem Leistungsbereitschaft wichtig, denn die Arbeit mit den Tieren ist mehr als ein Acht-Stunden-Job und beinhaltet so manche Wochenendschicht. Außerdem heißt es für die angehenden Pferdewirte eine hohe Verantwortung zu tragen, denn die Tiere sind nicht nur ihren Besitzern lieb und teuer. Ihre oftmals edle Abstammung und die langwierige Ausbildung macht sie ganz besonders wertvoll. Ein weitsichtiger und behutsamer Umgang ist daher wichtig. Die Auszubildenden können diesen Wert anfangs aber oft nicht richtig einschätzen, wie Waterhues erklärt.

Ein Beruf im Wandel der Zeit
Wie bei vielen anderen Berufen auch, hat sich in dieser Branche einiges verändert, wie Eckhard Rimkus erklärt. Er ist zuständig für die Betreuung acht unterschiedlicher Berufe im Agrar-Bereich bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Genau wie Waterhues war auch Rimkus an den Änderungen im Ausbildungsberuf zum Pferdewirt beteiligt, die seit dem 1. August 2010 umgesetzt werden.

„Der Beruf hat eine große Bandbreite“, erzählt er, „und in den letzten 40 Jahren haben sich die Anforderungen stark verändert.“ Das bedeutet, dass es heute ungefähr vier Mal so viele Pferde gibt, die versorgt werden wollen. Immer mehr Privatpersonen haben das Reiten als Sport für sich entdeckt und leisten sich ein eigenes Pferd. Nicht jeder kann oder will sich aber so ausführlich um sein Tier kümmern, wie das erforderlich wäre. Daher wird es künftig mehr Fachkräfte geben müssen, die sich dieser Aufgabe widmen. Im Klartext heißt das, dass der Beruf nun in fünf Fachrichtungen unterteilt worden ist und es in jeder Fachrichtung auch eine entsprechende Prüfung gibt, in denen die speziellen Anforderungen abgefragt werden. Somit entstanden beispielsweise aus den bisherigen Ausbildungsschwerpunkten Zucht und Haltung die zwei Fachrichtungen Pferdehaltung & Service sowie Pferdezucht. Bei den drei anderen Fachrichtungen handelt es sich um die klassische Reitausbildung, um Pferderennen und um Spezialreitweisen.

Reiten ist schön – aber nicht alles!
Lena und Kathrin haben ihre Ausbildung noch nach der alten Ausbildungsordnung begonnen, sich aber für den Schwerpunkt Zucht und Haltung entschieden, der bereits heute schon sehr viel Service beinhaltet. Natürlich ist für die beiden das Reiten am allerschönsten. Lena würde sich, wenn sie noch einmal die Wahl hätte, für eine Ausbildung in einer der neuen Fachrichtungen der Reitausbildung entscheiden. Aber die Azubis haben Glück, denn auf dem Hof Norwegen haben alle die Gelegenheit auf dem Pferd zu sitzen.

Der Tag beginnt für die Drei bereits um 6 Uhr in der Frühe mit dem Ausmisten der Ställe, aber nach der Stallarbeit und einer Frühstückspause beginnt dann der schönste Teil der Ausbildung: „Jeder hat seine festen Reitpferde“, erklärt Kathrin, „ab 8 Uhr reiten wir die ab.“ Das bedeutet, durch leichtes Traben werden die Pferde aufgewärmt und dadurch locker. Waterhues kann dann anschließend direkt mit der eigentlichen Arbeit beginnen, der Dressur der edlen Tiere. Auch die Azubis erhalten dann Reitunterricht und lernen beim Umgang mit den Pferden dazu.

Nach einer einstündigen Mittagspause geht es an die Hof- und Anlagenpflege. Oder der Tierarzt kommt. „Dann dürfen wir zuschauen und ihm Fragen stellen“, erzählt Kathrin. Manchmal geben sie aber auch schon Reitunterricht, bevor es zum Ende der Schicht ans Füttern der Pferde geht. „Wir haben eine Sechs-Tage-Woche“, erklärt Lena, „einen freien Nachmittag und alle drei Wochen auch am Sonntag Dienst.“ Doch so geregelt wie sich der Tagesablauf auch anhört, sei es nicht auf jedem Hof, versichern die Mädchen. Wenn sie drei Mal im Jahr zum Blockunterricht in die Schule gehen, hören sie auch ganz andere Dinge.

Und wie geht es weiter?
Laut Rimkus gibt es Berufe, die bessere Perspektiven bieten, aber gerade im Bereich Haltung und Service müssen erst die Entwicklungen abgewartet werden. Die Zucht ist seiner Ansicht nach nur etwas für echte Spezialisten, und auch als Berufsreiter sind die Chancen nicht gerade berauschend. Nur wer wirklich gut ist, habe dort Aussichten.
Auch Lena und Kathrin wissen noch nicht so recht, wie es nach ihrer Ausbildung weiter geht. Kathrin, die bereits eine Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin gemacht hat, spielt mit dem Gedanken noch ein Studium in diesem Bereich anzufangen, denn Sozialpädagogik und Pferde passen ihrer Ansicht nach ausgezeichnet zusammen. „Das Pferd ist da ein gutes Medium“, sagt die 21-Jährige. Lena denkt ebenfalls über ein Studium nach. Eventuell möchte sie Heilpädagogik studieren. Aber auch eine Fortbildung in ihrem Beruf, in einem anderen Stall, kann sie sich vorstellen. Sicher ist aber wohl für die Azubis: Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.

Teilen, drucken, mailen:

Diskussion

Keine Kommentare zu “Ausbildung zum Pferdewirt”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

azubi-News per E-Mail:

E-Mail-Adresse eingeben:

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass meine E-Mail-Adresse für die Bereitstellung dieses Services an Google weitergegeben wird. Weitere Hinweise siehe Datenschutzerklärung.

Zugestellt von FeedBurner

Online durchblättern:


Ausgabenarchiv

Regionale Specials:


Archiv

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Diese Website verwendet Cookies und Google AdSense. Mit der Nutzung erklärst Du Dich damit einverstanden. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen