Finanzen


Kaufen oder mieten? Augen auf beim Vertragsabschluss

Verträge bestimmen einen großen Teil unseres Alltags, egal ob Du einen Cheeseburger kaufst oder eine Wohnung mietest. Die Regel der alten Römer „Verträge sind einzuhalten“ gilt heute noch – doch wie funktionieren Verträge und worauf musst Du achten?

Geschäftsfähigkeit
Grundsätzlich gilt: Erst mit 18 kannst Du alle Verträge selbst abschließen. Allerdings gibt es für Jugendliche unter 18 einige Ausnahmen. Die wichtigste ist der „Taschengeldparagraf“: Bekommst Du Geld zur freien Verfügung, kannst Du Dir davon kaufen, was Du willst – wenn die Produkte auch für Minderjährige zugelassen sind. Mit Deinem Taschengeld kannst Du also einen Döner kaufen oder auf ein Netbook sparen, aber keine Zigaretten kaufen, weil das nach anderen Gesetzen verboten ist.

Genehmigung der Eltern
Ansonsten sind minderjährige Jugendliche „beschränkt geschäftsfähig“. Das bedeutet, dass Deine Eltern Deine Verträge genehmigen müssen. Sie dürfen auch zu einem schon von Dir geschlossenen Vertrag „Nein“ sagen. Dann wird der Vertrag „rückabgewickelt“, das heißt, es wird so getan, als wäre der Vertrag nie geschlossen worden. Beispiel: Der 17-jährige Kevin kauft bei einem Händler einen Gebrauchtwagen und bezahlt ihn bar. Die Eltern widersprechen – Kevin muss das Auto an den Händler zurückgeben und bekommt sein Geld zurück.

Keine Kredite an Minderjährige
Wenn Deine Eltern bestimmte Verträge genehmigt haben, darfst Du danach einige Entscheidungen selbst treffen: Wenn sie z. B. Deinen Ausbildungsvertrag genehmigen, darfst Du eigenständig ein Girokonto eröffnen und Deine Ausbildungsvergütung dorthin überweisen lassen, weil das direkt mit der Ausbildung zusammenhängt – und die haben Deine Eltern erlaubt! Willst Du aber von diesem Konto einen Urlaub per Überweisung bezahlen, haben Deine Eltern ein Einspruchsrecht, weil die Reise nichts mit der Ausbildung zu tun hat. Grundsätzlich verboten sind Kredite an Minderjährige. Allerdings solltest Du auch nach Deinem 18. Geburtstag sehr vorsichtig mit Krediten sein: Ein Kredit bedeutet, dass man sich etwas nicht leisten kann – dann heißt es „sparen und nicht „Schulden machen“!

Laufzeit und Verlängerung
Neben diesen Grundregeln sind bei Verträgen einige andere Punkte zu prüfen: Besonders wichtig ist die Laufzeit, also wie lange der Vertrag gelten soll. Gerade bei jungen Menschen ändern sich die Lebensumstände schnell, und dann sind lange Laufzeiten (und entsprechende finanzielle Verpflichtungen!) oft ein Problem.
Ähnlich wichtig ist die Frage, ob sich ein Vertrag automatisch verlängert. Das ist oft sinnvoll, z. B. bei der gesetzlich vorgeschriebenen Kfz-Haftpflichtversicherung, damit Du nicht aus Versehen mit einem unversicherten Auto herumfährst. Automatische Verlängerungen können aber auch dazu führen, dass Du für mittlerweile überflüssige Verträge weiterzahlst. Hier hilft nur regelmäßige Kontrolle oder der Abschluss von Verträgen, die automatisch enden und bei denen Du immer wieder neu entscheidest, ob Du verlängern willst.

Kündigungsfrist
Sie gibt an, wie lange vor Vertragsende Du kündigen musst. Bei einer Kündigungsfrist von drei Monaten zum Jahresende muss Deine Kündigung z. B. spätestens am 30.9. eingehen, weil es dann noch genau drei Monate bis zum Jahresende am 31.12. sind. Geht Deine Kündigung später ein, läuft der Vertrag noch ein volles Jahr weiter, und Du musst ihn natürlich auch bezahlen. Zudem gibt es vielfach Rücktritts- und Widerrufsrechte, sodass der eigentlich vereinbarte Vertrag dann doch nicht in Kraft tritt oder rückabgewickelt wird. Beispiel: Katharina bestellt im Internet einen Mantel, das Geld wird nach der Lieferung von ihrem Konto abgebucht. Bei Internetkäufen gibt es ein Rückgaberecht von 14 Tagen. Da Katharina der Mantel nicht gefällt, schickt sie ihn zurück, der Versender überweist den Rechnungsbetrag zurück auf ihr Konto.

Leistung, Garantien
Hier geht es um die Frage, was Du überhaupt von Deinem Vertragspartner bekommst und welche Garantien Du erhältst. Dabei sind auch die „Lieferbedingungen“ wichtig. So ist es beim Kauf einer Waschmaschine ein Unterschied, ob diese bei der Lieferung aufgestellt und angeschlossen wird oder ob das Gerät im Flur abgestellt wird und Du Dich um den Rest selbst kümmern musst. Und was passiert, wenn z. B. ein Gerät einmal kaputtgeht oder mit einem Fehler ausgeliefert wird: Kommen die Techniker zu Dir oder musst Du das Gerät auf eigene Kosten zur Reparatur bringen? Und wie lange gelten überhaupt die Garantieregelungen?

Kosten
Bei den Kosten sind neben den Anfangskosten oft die Folgekosten entscheidend: So ist z. B. die Freischaltgebühr von 20 Euro für eine SIM-Karte ein Klacks. Wenn Du aber gleichzeitig einen Vertrag mit zwei Jahren Laufzeit und 20 Euro monatlichem Mindestumsatz abschließt, liegen Deine Folgekosten bei (mindestens!) 480 Euro. Es ist also wichtig, dass Du Dir immer einen Überblick über alle Kosten verschaffst! Daneben spielen auch die Zahlungsbedingungen eine wichtige Rolle: Wann werden die Zahlungen fällig? Zahlst Du auf Rechnung oder wird abgebucht? Bei einer Zahlung auf Rechnung behältst Du leichter den Überblick, kannst aber auch einen Termin vergessen und bekommst dann eine Mahnung, die zusätzliches Geld kostet. Das kann bei einer Abbuchung normalerweise nicht passieren – hier musst Du aber dafür sorgen, dass ausreichend Geld auf Deinem Konto ist!

Vertragspartner, Gerichtsstand
Diese Punkte sind vor allem bei Internetkäufen wichtig. Liegt Dein Vertragspartner im Ausland und gilt bei Streitigkeiten ausländisches Recht, wird das bei Unstimmigkeiten schnell zum Problem. Beispiel: Mandy bestellt im Internet bei einem Lieferanten in Singapur eine Spielkonsole und zahlt diese per Vorkasse, also vor der Lieferung. Die Konsole wird geliefert, ist aber total zerstört. Mandy schickt das Gerät zurück, der Versender weigert sich, das Geld zurückzuzahlen. Eine Klage vor einem deutschen Gericht wird Mandy bei einem Lieferanten in Singapur wenig helfen, und eine Klage in Singapur ist viel zu teuer. Wahrscheinlich wird sie ihr Geld nie wiedersehen.

Nie sofort unterschreiben!
Grundsätzlich solltest Du alle Verträge, die länger laufen oder mit denen Du größere finanzielle Verpflichtungen eingehst, genau prüfen, und zwar vor Deiner Unterschrift! Im Zweifel hilft neben einem Gespräch mit Deinen Eltern auch der Gang zu Fachleuten, zum Beispiel einer Verbraucherberatung.

Infos:
Martin Kinkel, 46 Jahre, ist diplomierter Volkswirt und Diplom-Kaufmann.
Er schreibt als freier Fachautor zu Finanz-, Steuer- und Versicherungsthemen und ist Verfasser des Ratgebers „Job & Money für jüngere Arbeitnehmer“. (Leseprobe unter www.jobmoney.de).

Foto: www.istockphoto.com

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