Berufsbilder


Ausbildung zum Bühnenmaler und -plastiker

Die Kulissenkünstler

An den Bühnen und Theatern der Welt können sich Menschen mit künstlerischen Begabungen voll entfalten. Das geht vor den Kulissen, das ist hinter den Kulissen möglich – und sogar mit den Kulissen, wie es zum Beispiel die Bühnenmaler und Bühnenplastiker tun. Ohne deren Fertigkeiten gäbe es keine Bühnenbilder, die die Zuschauer bisweilen ebenso faszinieren wie das Schauspiel oder der Gesang selbst. Die Ausbildungsbetriebe – Theater, Opern, Filmstudios – sind quer über das Land verstreut. Der Berufsschulunterricht findet zentral in offenen Bundesfach-klassen statt, wie etwa im Berufskolleg Ost (BKO) der Stadt Essen im Ruhrgebiet.

Den Beruf gibt es in zwei Fachrichtungen – Bühnenmaler und Bühnenplastiker, analog dazu Bühnenmalerin und Bühnenplastikerin. „Sie gestalten nach konzeptionellen Vorgaben malerisch und plastisch Bühnen- und Szenenbilder“, erklärt Bildungsgangleiter Thomas Bardehle vom BKO. Die Einsatzgebiete der Bühnenmaler sind Film- und Fernsehproduktionen, Theater, Musicals, Opern, Festspiele, Kirchen-, Dekorations- und Illusionsmalerei. „Diese praktischen und künstlerischen Aufgaben verlangen handwerkliche Fertigkeiten, künstlerisches Geschick und umfassende Kenntnisse über Malerei und Gestaltung. Gefordert werden neben der künstlerischen und architektonischen Begabung Kenntnisse in Kunstgeschichte, Stilkunde und Theaterwissenschaft.“

Ein sehr komplexes Anforderungsprofil also für die dreijährige Ausbildung. Mit einer gewöhnlichen Bewerbung kommen Schulabgänger hier nicht weiter. „Die Absolvierung eines Praktikums vor dem Beginn einer Ausbildung ist zu empfehlen und oft Voraussetzung für eine Einstellung.“ Darüber hinaus sollten sich Bewerber in jedem Fall mit einer Mappe bewerben, die eigene künstlerische Arbeiten enthält. Hinzu kommt, dass wegen der begrenzten Zahl potenzieller Ausbildungsbetriebe in Deutschland auch nur eine eingeschränkte Zahl an Ausbildungsplätzen zur Verfügung steht. „Es sind durchaus Wartezeiten von einem Jahr bis zwei Jahren möglich“, so Bardehle. Das Durchschnittsalter der Azubis beträgt daher auch 21 Jahre und das, obwohl nicht nur Abiturienten, sondern auch Realschulabgänger eine Chance bekommen. Prinzipiell ist der Zugang auch für Hauptschüler mit guten schulischen Leistungen möglich.

Bühnenmaler und Bühnenplastiker lernen gemeinsam die Grundlagen des Berufs, im zweiten und dritten Ausbildungsjahr erfolgt die Spezialisierung in eine der beiden Fachrichtungen und zwar nur in den Ausbildungsbetrieben. Der Unterricht an der Berufsschule bleibt für beide Berufsrichtungen über den gesamten Zeitraum der Ausbildung gleich.

Konzeptionen umsetzen
Bühnenmaler und Bühnenplastiker haben vorrangig die Aufgabe, Konzeptionen von Bühnen- oder Szenenbildnern in zeichnerischer, malerischer oder plastischer Weise umzusetzen. „Oft werden die Vorlagen überdimensional vergrößert“, sagt Bardehle. Der Bühnenmaler bereitet Untergründe auf verschiedenen Materialien vor und malt Dekorationen und Prospekte nach Vorlagen.

Der Bühnenplastiker fertigt plastische Arbeiten aller Art an, die für den Ausstattungsbereich meist leicht sein müssen und daher zum Beispiel aus Styropor oder Hartschaum geschnitzt werden. Auch alte und neue Kaschiertechniken sowie verschiedene Modellier- und Abformtechniken mit Gips, Ton, Papier und Kunststoffen gehören zu seinem Aufgabenbereich. Die Techniken und Stilrichtungen beider Berufe sind vielfältig, die Motive der Vorlagen entstammen allen Stilen und Kunstrichtungen. Wer in diesem Beruf arbeiten möchte, sollte allerdings nicht allergisch gegen Farben und Lösungsmittel sein. Und: „Der ehemalige ,Männerberuf` zeichnet sich heute durch einen deutlichen Frauenüberhang aus“, so Thomas Bardehle.

Arbeit nach Wunsch
Eine der Frauen ist Maike Prause. Die 22-Jährige macht gerade die Ausbildung zur Bühnenmalerin. „Die größte Herausforderung ist es, sich ganz den Vorstellungen des Bühnenbildners unterzuordnen und nicht seine eigenen Ideen umsetzen zu wollen, auch wenn es einem manchmal unlogisch oder unschön vorkommt, was der Bühnenbildner haben möchte.“ Kreative Menschen haben halt ihre eigenen künstlerischen Vorstellungen, die auch nicht von ungefähr kommen. Denn Maike hatte sich bereits in der Schule intensiv mit der Malerei auseinandergesetzt und sich einen Mallehrer gesucht. Sie möchte nach Abschluss der Ausbildung für einige Zeit ins Ausland gehen, nach Italien und Schweden etwa, um die Sprachen dort zu lernen. „Am liebsten würde ich in dieser Zeit auch an einem Theater arbeiten, vielleicht im Malersaal, um festzustellen, ob es da in der Malerei vielleicht Unterschiede gibt, vielleicht aber auch noch in andere Abteilungen reinschauen, um die gesamten Abläufe des Theaters besser kennenzulernen.“

Praxis vor Studium
Die 24-jährige Anneke Mau möchte hingegen nach Abschluss der Ausbildung ihr Abitur nachmachen und eventuell BWL studieren, würde aber vorher gern an einem Theater weitere Berufspraxis sammeln, am liebsten in ihrer Traumstadt Hamburg. Eine der größten Herausforderungen in der Ausbildung sei die Umsetzung der Bilder in korrektem Maßstab gewesen. „Bei größeren Bildern verliert man oft den Überblick und sieht die eigenen Fehler nach einiger Zeit nicht mehr.“ Darüber hinaus sei der Beruf auch körperlich sehr anspruchsvoll und erfordere Ausdauer und Talent.

Verena Gossler ist überzeugt, ihren Traumberuf gefunden zu haben. „Was mich an diesem Beruf fasziniert ist die abwechslungsreiche Arbeit. Jede Produktion bringt neue Aufgaben und Herausforderungen. Die Abwechslung zwischen malerischen Arbeiten sowie den handwerklichen Tätigkeiten oder der Umgang mit verschiedensten Materialien macht mir sehr viel Spaß. Die fertige Produktion dann letztendlich auf der großen Bühne zu sehen, ist immer wieder überwältigend.“ Die 23-Jährige möchte nach der Ausbildung in jedem Fall in ihrem Beruf an einer Bühne arbeiten.

Vielfältige Möglichkeiten
Laut Bildungsgangleiter Thomas Bardehle ist die Ausbildung in beiden Fachrichtungen ein gutes Sprungbrett für jegliche künstlerisch-handwerkliche Berufsausübung oder Weiterbildung wie etwa für ein Studium der Kunstgeschichte oder der Innenarchitektur, im Bereich der Kunsttherapie, zum Bühnenbildner oder in der Bildhauerei. „Ziel kann natürlich auch die berufliche Selbstständigkeit sein, vielleicht im Bereich der Dekorationen und Shoppingideen für die Konsumwelt oder die Entwicklung von kompletten Lösungen für das Shop- oder Messedesign.

Für all jene, die am Theater ihren Platz finden und bleiben möchten, können sich dort berufliche Perspektiven auftun, sei es als Malsaalvorstand oder als Ausbilder in einem Malsaal oder in einer Plastikwerkstatt. Ein vielseitiger Beruf also, der Bühnenmaler und -plastiker.

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