Interview


Der Bülle von Kreuzberg: Murat Topal im Interview

„Man muss aufgeschlossen, engagiert und flexibel sein und darf niemals aufgeben“

Murat Topal, Deutsch-Türke und gebürtiger Berliner, arbeitete zehn Jahre lang als Polizist in Berlin-Kreuzberg, bevor er sich dem Dasein als Comedy-Künstler widmete. Neben Live-Auftritten schreibt er Bücher, ganz neu ist „Der Bülle von Kreuzberg“, und produziert Radiocomedies und CDs.

azubi: Wenn man in Deutschland verbeamtet ist, hat man doch eigentlich alles geschafft. Was hat Sie dazu veranlasst, bei der Polizei aufzuhören?

Murat Topal: Die Polizei verlassen habe ich, da mein unbezahlter Urlaub damals leider nicht mehr verlängert wurde und ich mich sozusagen zwischen Bühne und Uniform entscheiden musste. „Alles geschafft“ ist ja so eine Sache. Das hängt ja insbesondere von der eigenen Zielsetzung ab. Sicherlich schafft es eine gewisse Sicherheit, „Beamter auf Lebenszeit“ zu sein, auf der anderen Seite fand ich es auch reizvoll, mich der Herausforderung zu stellen, einen neuen, anderen Weg einzuschlagen und an einer Karriere als Comedian zu arbeiten.

azubi: Wie sind Sie darauf gekommen, Polizist werden zu wollen?

Murat Topal: Das war eher ein Zufall. Bekannte in meinem früheren Umfeld, also zur Schulzeit, waren bei der Polizei und hatten mich irgendwann auf die Idee gebracht: „Mensch Murat, Du bist doch so hilfsbereit und einigermaßen sportlich biste auch – Polizei das wär‘ doch was!“ Daraufhin habe ich mich mit dem Gedanken beschäftig, mich informiert, Interesse gewonnen und mich beworben.

azubi: Was war der prägendste Moment in Ihrer Ausbildungszeit?

Murat Topal: An einen einzelnen Moment kann ich mich nicht erinnern, es war eher die Ausbildungszeit insgesamt. Es war für mich ja auch ein deutlicher Schritt ins Erwachsenwerden, die erste eigene Wohnung, das erste eigene regelmäßige Einkommen, Eigenverantwortlichkeit, etc.

azubi: Was haben Sie aus Ihrer Zeit als Streifenpolizist für das Leben als Comedian mitgenommen?

Murat Topal: Sehr viel. Viele meiner Geschichten auf der Bühne, insbesondere die ersten, gründen ja auf meiner Zeit und den Erlebnissen als Streifenpolizist. Geschichten eben, die das Leben schrieb.
azubi: Was war die skurrilste Geschichte, die Sie als Streifenpolizist erlebt haben?
Murat Topal: Oh, da gab es so viele. Noch lange gelacht haben meine Kollegen und ich über eine bei einem Wohnungsbrand zufällig in der da-rüberliegenden Wohnung entdeckte Hanfplantage. Insbesondere als wir uns vorgestellt haben, wie der „Gärtner“ nichtsahnend nach Hause kommt und den Hinweiszettel an seiner Wohnungstür bemerkt, dass sich seine neuen Wohnungsschlüssel bei uns auf dem Revier befinden.

azubi: Sie engagieren sich für „Stopp Tokat“ gegen Gewalt unter Jugendlichen. Wo sehen Sie die größte Herausforderung?

Murat Topal: Die Jugendlichen für die Schwere gewisser Taten zu sensibilisieren. Das Bewusstsein bzw. Bedürfnis zu wecken, Teil unserer Gesellschaft werden zu wollen und sich damit auch an gewisse Normen und Regeln zu halten. Und für uns als Gesellschaft wieder mehr „zusammenzurücken“,
einen Anreiz für diese jungen Menschen darzustellen, Teil dieser Gesellschaft zu werden und damit auch bestimmte Dinge wieder konsequenter einfordern zu können.

azubi: Zur Berufsorientierung: Was sollte man beachten?

Murat Topal: Von vornherein vielleicht nicht allzu grosse Erwartungen zu haben. Sich gut zu informieren. Chancen zu erkennen und hart dafür zu arbeiten. Aufgeschlossen, engagiert und flexibel zu sein und vor allem nicht aufzugeben.

azubi: Was können wir von Ihnen in Zukunft noch alles erwarten?

Murat Topal: Viel gute Unterhaltung hoffe ich. Daneben werde ich weiterhin versuchen, im Rahmen meiner Möglichkeiten, einen Beitrag für ein wieder besseres Miteinander zu leisten.

azubi: Und wenn Ihnen mal die Ideen ausgehen?

Murat Topal: Tja, dann muss ich mir echt was einfallen lassen…

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