Berufsbilder


Nach der Ausbildung zum Geoinformationsdienst der Bundeswehr

Vermessungstechniker in Uniform

Auf dem Bildschirm erscheint ein Landschaftspanorama. Aus der Vogelperspektive sind grüne Wiesen und braune Straßen zu erkennen. In der Ferne lassen sich die Umrisse einer Stadt ausmachen. In schneller Fahrt saust die Kamera auf die grauen Häuser zu, taucht in das Labyrinth der Straßen. Der Betrachter bekommt einen Eindruck, als sei er selbst vor Ort. Wie bei einem Computerspiel kann er mit Tastatur und Maus den Blick schweifen lassen und sich durch das Szenario bewegen. „Diese 3-D-Simulation entspricht exakt den Gegebenheiten, die die Einsatzkräfte vor Ort erwarten“, sagt Steffen Reichenbecker. Der 25-Jährige ist gelernter Vermessungstechniker und arbeitet seit gut einem Jahr als Soldat für den Geoinformationsdienst der Bundeswehr (GeoInfoDBw). Auch im Büro trägt er daher Tarnuniform und schwarze Kampfstiefel. „Daran musste ich mich erst gewöhnen“, gibt der junge Mann zu. Doch die Perspektiven, die sich ihm bei der Bundeswehr eröffneten, waren vielversprechend. „Hier habe ich als Vermesser sehr gute Möglichkeiten, mich weiter zu qualifizieren und bekomme Einblicke in wirklich außergewöhnliche Arbeitsbereiche.“

Infos über das Gelände
Steffen Reichenbecker teilt sich das Büro in der Mercator-Kaserne in Euskirchen mit zwei zivilen Angestellten der Bundeswehr. Ihre Aufgabe ist das Bearbeiten und Bereitstellen von Höhendaten für geografische Simulationsprogramme. Die Informationen nutzen Soldaten bei Geländeübungen im Inland, aber auch bei den laufenden Auslandsmissionen. Durch welche Regionen und Städte er bereits in der Simulation gelaufen ist, darf Steffen Reichenbecker daher nicht verraten: Die detaillierten 3-D-Gelände-Modelle sind nur für die Soldaten und die zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr zugänglich.

Laufbahn als Feldwebel
„Eigentlich hatte ich gar nicht vor, einmal für die Bundeswehr zu arbeiten“, erzählt Steffen Reichenbecker. Doch nach Abschluss der Ausbildung auf dem Katasteramt in Hannover boten sich ihm in der zivilen Wirtschaft kaum Jobperspektiven. Da er ohnehin noch seinen Wehrdienst leisten musste, informierte er sich beim Zentrum für Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr über Karrieremöglichkeiten als Soldat. Die Berater legten dem Vermesser eine Laufbahn als Feldwebel im Geoinformationsdienst nahe, die den Abschluss einer relevanten Berufsausbildung voraussetzt.

Geo-Risiken erkunden
Auch Dominik Kolberg kam so zur Bundeswehr. Der 23-Jährige ist ebenfalls Vermessungstechniker und fand nach seiner Ausbildung ebenfalls keine längerfristige Anstellung. „Neben dem sicheren Arbeitsplatz und den Karrierechancen haben mich die außergewöhnlichen Aufgaben bei der Bundeswehr gereizt“, sagt der Feldwebel. Er hat Aufgaben in der „Gruppe Einsatz“ übernommen, wo er als Fachmann für Geologie für das Erkunden von sogenannten Geo-Risiken zuständig ist. Im Gegensatz zu Steffen Reichenbecker sind Dominik Kolberg und seine Kameraden häufig im Gelände im Einsatz, wo sie alle erdenklichen Bodenproben nehmen – etwa zur Analyse von Schadstoffbelastung an Flugplätzen, zur Erkundung von Marschrouten oder zur Unterstützung der Pioniertruppen des Heeres. „Wir sind entsprechend viel unterwegs“, sagt Dominik Kolberg, in dessen Büro neben Gesteinsmustern auch viele Karten zu sehen sind. Eine davon zeigt sämtliche Bundeswehrstandorte in Deutschland. Ob Norden, Westen, Osten, Süden – überall sind rote Markierungen zu sehen: Sie kennzeichnen die Orte, die Dominik Kolberg und sein Kamerad Tim Steber (27) im Rahmen ihrer Tätigkeit bereits aufgesucht haben.

Auslandseinsätze
Im nächsten Jahr rechnen die beiden mit einem ersten Auslandseinsatz. So besuchten sie kürzlich einen Lehrgang, bei dem sie den Lkw-Führerschein machten und lernten, den „Eagle“ zu fahren. Das gepanzerte Transportfahrzeug wird auch von den Truppen in Afghanistan eingesetzt. „Unsere Kameraden sind regelmäßig dort vor Ort, etwa um Brunnenbohrungen zu unterstützen oder den Unterbau von Straßen zu analysieren“, sagt Tim Steber. Angesichts solcher Aufgaben blicken die beiden Geoinfo-Soldaten dem mehrwöchigen Einsatz voller Erwartungen entgegen. „Wer sich beim Bund verpflichtet, erklärt sich schließlich bereit, uneingeschränkt mobil zu sein und auch an Auslandseinsätzen teilzunehmen.“ So sehr sie sich auf das Abenteuer freuen, vor Gefahren und Risiken haben sie dennoch den nötigen Respekt. Dominik Kolberg: „Da wir durch unsere Aufgaben viel unterwegs sein werden, müssen wir immer vorsichtig sein.“

Zweijährige Ausbildung
Auf die Besonderheiten des Einsatzes im Ausland werden die Feldwebel auch im Rahmen ihrer Ausbildung vorbereitet. Diese dauert zwei Jahre und umfasst neben der militärischen Grundausbildung und ersten fachlichen Schulungen eine sechsmonatige Spezialausbildung zum Feldwebel sowie eine umfangreiche militärfachliche Ausbildung, etwa in den Bereichen Geodaten-Gewinnung und GeoInfo-Produktion. Die Lehrgänge finden an unterschiedlichen Standorten der Bundeswehr statt, zum Beispiel in Fürstenfeldbruck in Bayern und in Münster, Nordrhein-Westfalen. Stationiert sind die insgesamt rund tausend Mitarbeiter des Amtes für Geoinformationswesen der Bundeswehr (AGeoBw) überwiegend in Euskirchen im Rheinland. Weitere Standorte befinden sich unter anderem in Oberpfaffenhofen, Traben-Trarbach, Bergen und Kiel.

Dominik Kolberg, Steffen Reichenbecker und Tim Steber haben sich für zwölf Jahre verpflichtet. Das heißt, dass sie auch nach der erfolgreichen Ausbildung zum Feldwebel noch einige Jahre bei der Bundeswehr vor sich haben. Langweilig dürfte es den Unteroffizieren im Fachdienst jedoch nicht werden. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und sich gerne neuen Herausforderungen stellt, kann es beim Arbeitgeber Bundeswehr weit bringen. Allein beim Geoinformationsdienst bieten sich vielfältige Perspektiven. Um weltweit aktuelle und hochwertige Geoinformationen zu beschaffen und aufzubereiten, arbeiten die Geoinfo-Soldaten mit Experten der diversen geowissenschaftlichen Fachdisziplinen wie Geografie, Geophysik, Kartographie, Meteorologie und Ozeanografie zusammen. Die militärische Ausbildung eröffnet den Feldwebeln zudem die Chance, später vielleicht sogar eine Offizierslaufbahn einzuschlagen, als Vorgesetzter mehr Verantwortung zu übernehmen.

Abwechslungsreiche Woche
Steffen Reichenbecker schätzt an der Feldwebellaufbahn nicht nur die vielseitigen Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten. Der soldatische Alltag bringt es mit sich, dass er zweimal in der Woche zum Fitnesstraining geht. „Auf Befehl hin fällt dies ebenso in die Dienstzeit wie das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens“, schmunzelt er. Auch sonst gestaltet sich seine 41-Stunden-Woche häufig recht abwechslungsreich. Über das Jahr verteilt absolvieren die Soldaten regelmäßig diverse Ausbildungen, zum Beispiel ABC-Übungen, Schießtraining und Sanitäterschulung. Die Woche über spielt sich das Leben größtenteils in der Kaserne ab, erst Freitagmittag geht es für viele übers Wochenende nach Hause. Die Einschränkungen, die der Soldatenjob mit sich bringt, nimmt Steffen Reichenbecker dennoch gerne in Kauf. „Das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr bietet Vermessungstechnikern wie mir Zukunftschancen, die ich im zivilen Bereich nicht hätte.“

Fotos: Daniel Albrecht

Teilen, drucken, mailen:

Diskussion

Keine Kommentare zu “Nach der Ausbildung zum Geoinformationsdienst der Bundeswehr”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung erklärst Du Dich damit einverstanden. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen