Finanzen


Azubis und das Finanzamt

„Was habe ich mit dem Finanzamt zu tun? Ich zahle doch eh noch keine Steuern.“ So denken sicherlich die meisten Azubis. Doch in immer mehr Berufen werden so hohe Vergütungen gezahlt, dass schon zu Beginn oder im Laufe der Ausbildung erstmals Steuern fällig werden – und nach der Ausbildung kommen die Begriffe „Finanzamt“ und „Steuererklärung“ sowieso ins Spiel.

Steuerabzug durch den Arbeitgeber
Für Azubis ist die Steuerzahlung ganz einfach: Falls auf Dein Gehalt Steuern fällig werden, zieht Dein Arbeitgeber diese gleich vom Bruttogehalt ab und überweist sie ans Finanzamt. Damit Deine Firma die Steuern korrekt berechnen kann, braucht sie bestimmte Informationen, vor allem die Steueridentifikationsnummer und die Lohnsteuerkarte.

Steueridentifikationsnummer
Diese 11-stellige Nummer ist sozusagen Dein Ausweis gegenüber dem Finanzamt und gilt Dein Leben lang. Sie ist jedem Einwohner in den letzten beiden Jahren zugeschickt worden. Mit dieser Nummer wird jeder Steuerpflichtige eindeutig erfasst und seine Einkünfte in einer zentralen Datenbank gespeichert. Steuerhinterzieher sollen so schneller auffallen.

Lohnsteuerkarte
Die „Steuerklasse“ auf der Lohnsteuerkarte entscheidet darüber, ob und wie viel Steuern die Firma von Deinem Gehalt ans Finanzamt zahlt. Fast alle Azubis sind ledig und haben keine Kinder, sie gehören deshalb in die Steuerklasse I. Eine Lohnsteuerkarte auf Papier gab es letztmalig für 2010. Weil 2011 der Steuerabzug auf ein elektronisches Verfahren umgestellt wird, gilt die alte Lohnsteuerkarte ausnahmsweise auch für 2011. Hast Du also eine Lohnsteuerkarte für 2010, gibst Du diese beim Arbeitgeber ab.

Ersatzbescheinigung
Hast Du keine Lohnsteuerkarte und beginnst Deine Ausbildung direkt nach der Schule, musst Du gar nichts tun – eine Einstufung in Steuerklasse I ist in diesem Fall immer möglich! Nur wer in eine andere Steuerklasse eingestuft werden möchte (z. B. verheiratete Azubis oder Azubis mit Kind) oder schon einmal woanders gearbeitet hat, muss beim Finanzamt eine Ersatzbescheinigung beantragen und in der Firma abgeben. Ab 2012 genügen Deinem Arbeitgeber Steueridentifikationsnummer, Geburtsdatum und Religion für die Steuerberechnung.

893 Euro monatlich steuerfrei
Im ersten Jahr einer betrieblichen Ausbildung wirst Du wahrscheinlich keine Steuern zahlen: Erst bei einer Gesamtvergütung von mehr als 10.724 Euro im Jahr (einschließlich Weihnachts-, Urlaubsgeld usw.), das entspricht 893 Euro im Monat, wird nämlich tatsächlich Steuer fällig. In vielen Berufen wird diese Grenze aber im 2. oder 3. Ausbildungsjahr überschritten, bei dualen Ausbildungen (Kombination von Studium und betrieblicher Ausbildung) sogar oft schon beim Ausbildungsbeginn – und dann zieht die Firma auch Steuern von Deinem Gehalt ab!

Kirchensteuer, Soli
Neben der Lohnsteuer wird auch Kirchensteuer fällig, wenn Deine Kirche diese Steuer erhebt. Das sind z. B. die römisch-katholische oder die evangelische Kirche, nicht aber muslimische Gemeinden. Wer keiner Religionsgemeinschaft angehört, zahlt natürlich auch keine Kirchensteuer. Die Kirchensteuer liegt je nach Bundesland bei 8% oder 9% der Lohnsteuer: Zahlst Du also 25 Euro Lohnsteuer, kommen bei einem Kirchensteuersatz von 9% noch 2,25 Euro Kirchensteuer dazu.

Der Soli (offiziell: „Solidaritätszuschlag“) wird erst ab einem Monatseinkommen von mehr als 1.398 Euro fällig. Diesen Zuschlag von normalerweise 5,5% auf die Lohnsteuer zahlen fast alle Azubis also erst nach ihrer Ausbildung zum ersten Mal.

Steuererklärung
Normalerweise berechnet der Arbeitgeber den Steuerabzug so, dass er genau zu Deinem Einkommen passt. Daher brauchst Du auch keine Steuererklärung abzugeben. Hierzu sind Azubis nur verpflichtet, wenn sie neben ihrer Ausbildung weitere Einkünfte erzielen, z. B. mit einer eigenen Firma oder aus einer vermieteten Wohnung, die sie geerbt haben.

Eine Steuererklärung ist eine „End-abrechnung“ mit dem Finanzamt. Darin machst Du Angaben zu Lohn, steuersenkenden Ausgaben, bereits gezahlten Steuern usw. Das Finanzamt prüft dann, ob Du für das betreffende Jahr Steuern nachzahlen musst, Geld zurückbekommst oder alles genau aufgeht. Auch wenn Du keine Steuererklärung abgeben musst, kann eine freiwillige Steuererklärung sinnvoll sein – nämlich dann, wenn Du hohe steuersenkende Ausgaben hattest und somit zu viel Steuern gezahlt hast. Durch die freiwillige Steuererklärung bekommst Du diese Steuern vom Finanzamt zurück.

Steuersenkende Ausgaben
Für alle Kosten, die mit Deiner Arbeit zusammenhängen, gibt es einen Abzugsbetrag von 920 Euro (Erhöhung auf 1.000 Euro für 2011 ist geplant), der automatisch in den Steuerabzug eingerechnet ist. Hast Du höhere Kosten, lohnt eine freiwillige Steuererklärung – aber nur wenn Du auch Steuern gezahlt hast, denn nur dann kann es auch eine Rückzahlung geben!

Fahrt zur Arbeit
Hier werden für jeden Arbeitstag und jeden Kilometer Entfernung zur Arbeit (nur einfacher Weg!) 0,30 € als Kosten angesetzt. Das Verkehrsmittel spielt keine Rolle, Du kannst also auch mit dem Fahrrad oder auf Inlinern zur Arbeit fahren. Beispiel: Silvio fährt an 125 Tagen im Jahr jeweils 17 Kilometer zum Ausbildungsbetrieb. Seine Fahrtkosten betragen 125 x 17 x 0,30 = 637,50.

Fahrt zur Berufsschule
Unter bestimmten Umständen, z. B. bei regelmäßigem wöchentlichem Berufsschulunterricht, kannst Du hier sogar für jeden Kilometer Autofahrt (also Hin- und Rückweg!) 0,30 Euro an Kosten berechnen. Beispiel: Silvio fährt an 85 Tagen im Jahr jeweils 24 Kilometer zur Berufsschule und wieder 24 Kilometer zurück. Seine Fahrtkosten betragen 85 x 48 x 0,30 = 1.224.

Berufskleidung, Bücher
Musst Du Dir selbst Berufskleidung (z. B. Sicherheitsschuhe, Schutzbrillen) oder Bücher zur Prüfungsvorbereitung kaufen, kannst Du auch diese Kosten beim Finanzamt angeben und so Deine Steuern mindern. Wichtig: Sammele alle Kassenzettel und gib diese mit der Steuererklärung ab, damit das Finanzamt einen Nachweis über Deine Ausgaben hat.

Steuerbescheid
Deine Angaben sind Grundlage für die Berechnung des Finanzamts im „Steuerbescheid“, der Dir mit der Post zugeschickt wird. Bist Du mit dem Bescheid nicht einverstanden, hast Du dann einen Monat Zeit, um Einspruch einzulegen.

PC-Programme nutzen
Auch bei der Steuererklärung ist der PC mittlerweile Standard: Mit einem der Spitzenprogramme (um die 30 Euro) kommst Du auch als Anfänger sicher ans Ziel und kannst keine wichtigen Sparmöglichkeiten übersehen. Zudem kannst Du den offiziellen Bescheid des Finanzamts mit der Musterberechnung vergleichen, um Abweichungen oder Unstimmigkeiten aufzuspüren und einen möglichen Einspruch zu begründen.

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