Berufsbilder


Die Bäckerin

Jaqueline Seidel hat sich für einen Handwerksberuf entschieden. Die 17-Jährige ist im zweiten Lehrjahr in ihrer Ausbildung zur Bäckerin.
Von Anfang an habe es gepasst, sagt Jaqueline über ihr Ausbildungsverhältnis mit der Bäckerei Weymann im niedersächsischen Twistringen. Gebacken habe sie schon als Schülerin viel. Zuhause in der Küche zauberte sie Kuchen und Muffins. „Das machte mir Spaß und das dann irgendwann auch beruflich zu machen, war schon ein Anreiz“, sagt sie heute über ihre Wahl.

Ihre Ausbildungsstelle beschäftigt insgesamt 130 Mitarbeiter. 28 davon sind Auszubildende. Neben Bäckereifachverkäuferinnen bildet der Betrieb acht junge Leute zu Bäckern aus. Dass der Beruf auch körperlich anstrengend werden kann, schreckt junge Frauen nicht unbedingt ab. Drei der acht Bäcker-Azubis im Betrieb sind weiblich. Unter den Bewerbern, die jedes Jahr bei der Bäckerei Weymann vorstellig werden, halten sich Männer und Frauen die Waage. „Männer haben körperliche Vorteile, die Frauen sind dafür sorgfältiger“, sagt Henrik Weymann, der mit dem Familienunternehmen als Geschäftsführer im nächsten Jahr das 100-jährige Jubiläum feiert. Jaqueline weiß, dass die Arbeit in der Backstube anstrengend werden kann. Rücken und Füße taten nach einigen Arbeiten anfangs schon mal weh.

Was für Frühaufsteher
Für Jaqueline kaum abschreckend waren auch die etwas anderen Arbeitszeiten, die das Bäckerhandwerk hat. Schnell habe sie sich daran gewöhnt, früher aufzustehen als noch zu Schulzeiten. Die Bäckerei Weymann, die täglich ihre 13 Verkaufsstellen beliefern muss, hat für ihre Mitarbeiter ein Zweischichtsystem eingerichtet. Für die Auszubildenden beginnt die Arbeit zwischen 4 und 5 Uhr in der Früh. „Dann ist die Umstellung nicht so gravierend. Schließlich musste man als Schüler auch um 6.30 Uhr raus, um pünktlich zur Schule zu kommen“, sagt Henrik Weymann. Die ersten Bäcker in seinem Betrieb beginnen bereits um 22 Uhr mit der Brotherstellung. Es vergehen einige Stunden, bis die fertigen Brote den Ofen verlassen, da der Teig eine lange Reifephase hat und ein Großteil der Arbeit mit der Hand gemacht wird. In der Nacht von Freitag auf Samstag müssen allerdings auch die Auszubildenden in der Nachtschicht arbeiten. Dann fängt die Arbeit auch für sie schon mal um 12 Uhr in der Nacht an.

Verlässlichkeit gefragt
Für manche jungen Leute seien die Arbeitszeiten tatsächlich ein Problem. Für Jaqueline war es nicht mehr als eine Umstellung, die sie für ihren Beruf in Kauf nahm. „Man gewöhnt sich schnell daran“, sagt sie über das frühe Aufstehen. Ihre Freunde habe sie in den ersten Wochen der Ausbildung nicht oft zu Gesicht bekommen. Die Verabredungen für den Freitag-abend fielen weg. Samstags verabredet sich Jaqueline nun für etwas später als vor ihrer Ausbildung.

Nicht für alle neuen Auszubildenden im Bäckerhandwerk wird diese Hürde problemlos überwunden. Auch Henrik Weymann hatte schon Auszubildende im Betrieb, die es nicht durch die Probezeit geschafft haben. Das „Verschlafen“ ist in diesen Fällen ein häufiges Problem.

Was seine Auszubildenden mitbringen sollten, weiß Henrik Weymann sofort: „Wichtiger als Schulnoten sind Werte wie Verlässlichkeit, Höflichkeit und der Wille etwas zu lernen. Unsere Auszubildenden sollen ruhig auch mal etwas hinterfragen.“ Welches Schulfach für den Beruf dennoch am wichtigsten sei, weiß er dennoch: „Mathematik spielt für uns schon eine Rolle.“ In den Prüfungen und im Berufsalltag sind Dreisatz und Bruchrechnen gefordert.

Derzeit 35.000 Azubis im Bäckerhandwerk
Dass das Bäckerhandwerk ein Handwerk mit Zukunft ist, belegen Zahlen des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks. Aktuell seien es rund 35.000 junge Menschen, die sich zu Bäckern oder zu Bäckereifachverkäufern ausbilden lassen. 2.800 Bäcker seien weiblich und mit großem Engagement bei der Arbeit. Die Platzierungen der weiblichen Azubis bei den Deutschen Meisterschaften der Backjugend seien sehr gut, heißt es vom Verband.

10.000 Brötchen sind es, die Jaquelines Ausbildungsbetrieb täglich herstellt und sie trägt ihren Teil dazu bei. Besonders gern backt sie die süßeren Dinge für die Auslage. Berliner und Quarkbrötchen macht sie bereits ohne Probleme.

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