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Orthopädiemechaniker: Viel Handwerk – viel Medizin

Nils Weishoff (16) ist Orthopädiemechaniker im ersten Lehrjahr. Seine Ausbildung absolviert er im Sanitätshaus Medisan in Bremen. Dass er „seinen“ Beruf überhaupt für sich entdeckte, hat er einem Verwandten zu verdanken. Wenn man nicht selbst mal orthopädische Hilfe benötigt hat, ist der Beruf für einen Schulabgänger wohl noch weitgehend unbekannt. Nils Weishoff wurde von einem Verwandten auf seinen zukünftigen Beruf aufmerksam gemacht. So ganz aus Zufall wird man allerdings trotzdem kein Orthopädiemechaniker. Ohne eine Mindestmenge an Interesse und Enthusiasmus kommt man nicht in diesen Beruf, der Handwerk und Medizin in sich vereint. Nils Weishoffs Chef ist Matthias Jan Steen. Steen ist Orthopädie-Meister und fordert genau das von seinen Auszubildenden. „Handwerkliches Geschick müssen sie auch mitbringen“, sagt er.

Nils machte erstmal ein zweiwöchiges Praktikum, um auszutesten ob er und der Beruf zusammen passen würden. Immerhin: 3,5 Jahre dauert die Ausbildungszeit zum Orthopädiemechaniker und Handwerk ist eben auch längst nicht alles, was im Job gefordert ist. „Überrascht bin ich von der Menge an Anatomie, die ich in der Berufsschule lernen muss“, sagt Nils. Das Wissen über die Medizin und die Bewegungsabläufe des menschlichen Körpers ist für einen Orthopädiemechaniker und Bandagisten, wie der Beruf offiziell heißt, unverzichtbar.

Anatomie und Fachrechnen
Einmal in der Woche muss Nils in die Berufsschule, um auch in der Theorie bestehen zu können. Dort ist es nicht nur die Anatomie, für die er während der Ausbildung immer wieder lernen muss. „Probleme haben viele Auszubildende auch beim Fachrechnen“, so Matthias Jan Steen, der auch in der Prüfungskommission seines Handwerks ist. Dabei sei der Inhalt des Fachs Mathematik in der Berufsschule eigentlich nicht so kompliziert, wie zum Beispiel in der zehnten Klasse, meint Nils’ Kollegin Dorothee Klembt, die vor drei Jahren die Prüfung zur Orthopädiemechanikerin ablegte. Es sind elementare Rechenarten wie Dreisatz oder Prozentrechnen, die benötigt werden. Aber gerade diese würde vielen Auszubildenden immer wieder Probleme bereiten, gerade in der Prüfung. Für viele lägen Rechenarten einfach schon sehr weit zurück in der Schullaufbahn. „Man hat ja dann schon jahrelang viel schwierigere Dinge durchgenommen“, so Klembt.

Keine Berührungsängste
Die Theorie in der Berufsschule und das Handwerk im Betrieb ist aber noch nicht alles, was Nils für seinen Job benötigt. Mit Patienten, die Orthosen, Bandagen oder auch Prothesen benötigen, haben Orthopädiemechaniker regelmäßigen Kontakt. Und der Umgang mit ihnen muss nicht immer ganz einfach sein. Für Nils stellt diese Seite des Berufs keine große Schwierigkeit dar. „Man sollte schon einigermaßen kontaktfreudig sein“, sagt er. Seine Kollegin fügt hinzu, dass Vieles auch einfach eine Gewohnheitssache sei. Körperliche Behinderungen seien für sie einfach ein alltägliches Bild geworden. Sieht man Schwerbehinderte Kinder, komme dennoch regelmäßig Mitleid auf.

Zwar dauert die Ausbildung zum Orthopädiemechaniker insgesamt dreieinhalb Jahre, aber die Zeit nach der Ausbildung ist, wie in so vielen handwerklichen Berufen, eine ganz wichtige. „Dann geht es erst richtig los. Man lernt ständig dazu“, sagt Steen über die ersten Berufsjahre nach der Ausbildungszeit.

Fortbildungsmöglichkeiten gibt es neben der Meisterschule viele. Studiengänge im In- und Ausland kommen in Frage aber auch Weiterbildungen der Handwerkskammer und der produzierenden Unternehmen. Die benötigen für ihre aufwendigen Technologien Spezialisten, die die modernen Techniken bei den Patienten anwenden können. So gibt es beispielsweise künstliche Kniegelenke, die je nach Bedarf programmiert werden müssen. Wenn etwa ein Patient mit Prothese in den Skiurlaub fahren möchte, bekommt diese vorher noch mit dem Computer die richtigen Einstellungen.

Die große Motivation neben neuen Techniken und anspruchsvollem Handwerk ist für Nils die Tatsache, dass er mit seiner Arbeit auf direktem Wege Menschen helfen kann. „Das ist das Schöne daran“, sagt der 16-Jährige überzeugt und zufrieden.

 

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