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Ausbildung am Universitätsklinikum Aachen

Gesundes Selbstbewusstsein

Gute Perspektiven in ganz unterschiedlichen Berufen gibt es im Uniklinikum Aachen. Foto: Mario ZgollGroße Raffinerie oder hochmoderne Produktionsstätte mutmaßt wahrscheinlich der eine oder andere nicht ortskundige Fahrer, der auf der Schnellstraße daran vorbeifährt und aus der Entfernung das Gebäude erblickt. Es ist die Ästhetik der außergewöhnlichen Architektur mit den herausragenden Aufzugsschächten und extern, unverkleidet verlaufenden Lüftungsröhren, die dem Universitätsklinikum Aachen dieses unverwechselbare Aussehen gibt und nicht sofort als ein hochmodernes Krankenhaus zu erkennen ist. Lehre, Forschung und Krankenversorgung sind hier unter einem Dach vereint. In 34 Fach-kliniken arbeiten zirka 6.000 Mitarbeiter.

Kaum ein Industrieunternehmen dieser Größenordnung bietet derart vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten wie die Uniklinik Aachen mit vier Fachschulen, die jährlich 400 Schüler aufnehmen, und zirka 80 Azubis, die in klassischen Berufen ausgebildet werden. Die Fachschule für Physiotherapie ist eine davon. „Physiotherapeuten sind die Experten für Bewegung und Haltung“, erklärt Jürgen Förster, Leiter der Fachschule, kurz und prägnant das Aufgabengebiet. Mit Massagen, Bewegungsübungen und Wärme- oder Kälteanwendungen behandelt der Therapeut die Schmerzen. Dazu kommen Anwendungen aus dem physikalischen Bereich wie manuelle Lymphdrainage. Wer später als Physiotherapeut im Krankenhaus arbeitet, wird automatisch auch pflegerische Aufgaben übernehmen müssen.

Anspruch gewachsen
Um die 600 Bewerbungen landen jährlich auf dem Schreibtisch von Jürgen Förster, 80 Bewerber erhalten dann einen Ausbildungsplatz. Der Anspruch an die Arbeit ist in den letzten Jahren gewachsen, deshalb ist es mittlerweile schon gängige Praxis, dass sich fast ausschließlich Abiturienten bewerben. „Neben der Qualifikation interessiert uns sehr die Motivation“, sagt Jürgen Förster. „Nur mit motivierten Schülern können wir den Ausbildungserfolg sicherstellen. Unsere Schüler sollen die dreijährige Ausbildung zu Ende führen.“

Arbeit am Patienten
Zusammen mit Jürgen Förster, Leiter der Schule für Physiotherapie, übt Schüler Nikolas Pennekamp, wie man den Rumpf eines Patienten stabilisieren kann. Foto: Mario ZgollUnentbehrlich ist außerdem ein gutes Maß an Einfühlungsvermögen. „Die Arbeit am Patienten ist immer wieder eine Herausforderung für uns“, sagt Nikolas Pennekamp. „Wir haben es mit kranken und verletzten Menschen zu tun. Da ist es wichtig, sich in den Patienten hineinversetzen zu können.“ Nikolas  ist über Umwege auf diese Ausbildung gekommen. Zuerst wollte er nach dem Abi etwas Handwerkliches lernen, merkte aber bald, dass seine Interessen doch woanders liegen. Wie Körperbewegungen ablaufen und was passiert, wenn Störungen oder Verletzungen auftreten, findet der 23-Jährige nach wie vor spannend. „Nach meinem Praktikum bei einem Physiotherapeuten bei uns in Vreden war ich mir dann sicher, dass ich Physiotherapeut werden will“, sagt Nikolas.

Patienten auf die Beine helfen
Von Anfang an haben die Schüler im Wechsel Blockunterricht und praktischen Einsatz auf der Station. Was sie in Anatomie lernen, können sie gleich auf der Krankenstation umsetzen. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr übernehmen sie, zuerst zusammen mit einem ausgebildeten Physiotherapeuten, nach einigen Behandlungen aber selbstständig bestimmte Therapiebehandlungen. Da kommen dann relativ schnell die schönen Erfolgserlebnisse. „Ich freue mich sehr, wenn mein Patient nach den ersten Behandlungen wieder eigenständig den Weg vom Behandlungsraum zum Krankenzimmer gehen kann“, sagt Stefan Schiffers, der in seiner Freizeit Basketball spielt und auch dort schon seine ersten Kenntnisse als angehender Physiotherapeut einbringt, beispielsweise wenn ein Mitspieler über eine Bänderzerrung klagt.

Stetige Betreuung
Schüler Nikolas Pennekamp. Foto: Mario ZgollUm ein Praktikum müssen sich die Schüler an der Fachschule der Uniklinik, im Gegensatz zu ihren Kollegen in Fachschulen ohne Klinikanbindung, nicht bemühen. Einen besonderen Bonus sehen Nikolas und Stefan in der stetigen Betreuung durch ihre Lehrkräfte. Selbst auf Station können sie jederzeit die Lehrkräfte ansprechen, wenn Fragen aufkommen. Schließlich arbeiten sie alle unter einem Dach. Zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und der Fachhochschule Jülich wird die Fachschule zukünftig den Bachelor-Studiengang „Physiotherapie“ anbieten.

Attraktive Arbeitszeitangebote
Eine leicht rückläufige Bewerberzahl stellt Markus Belten, der für die Betreuung aller Auszubildenden verantwortlich ist, fest. Die führt er aber nicht ausschließlich auf den demografischen Wandel zurück. „Das hängt mehr mit dem Image der Berufe im Krankenhaus zusammen“, meint der Personalfachmann. Arbeitszeit und Lohn spielen dabei eine Rolle. „Unser Thema sind attraktive Arbeitszeitangebote“, sagt er. Hier etwas zu bewegen verlange jedoch viel Koordination, um sowohl die Belange der Patienten zu berücksichtigen als auch die Strukturen der medizinischen und pflegerischen Versorgung optimal auszurichten. Schon seit zehn Jahren gibt es an der Uniklinik keine feste Schichtfolge mehr, sodass die Stationen mehr Freiräume für ihre Personaleinsatzplanung haben.

Ausbildungsplätze
Neben den Fachschulen gibt es an der Uniklinik Aachen auch Ausbildungsplätze zur/zum medizinischen und zahnmedizinischen Fachangestellten (früher Arzthelfer/-in), mathematisch-technischen Assistent für Softwareentwicklung (kurz „Matse“ genannt), Fachkraft für Lagerlogistik und zum Elektroniker. In Planung sind Ausbildungsplätze für Kaufleute im Gesundheitswesen.

Umfassender als angenommen
Alltag: An der Uniklinik sind Unterricht und praktische Arbeit auf Station unter einem Dach. Foto: Mario ZgollChristina Esser und Sebastian Bernd sind stolz auf ihre Ausbildung. Beide sind im dritten Ausbildungsjahr an der Fachschule für Gesundheit-, Kinder- und Krankenpflege. Die  Begründung „Ich will Menschen helfen“ sei für diese Ausbildung ein Quatsch und nicht ausreichend, sagen sie. Es müsse Interesse an medizinischen Themen mit allem Drum und Dran vorhanden sein. „Als Krankenpflegerin muss ich den Gesundheitszustand des Patienten beobachten und einschätzen können, um dann die richtige Entscheidung zu treffen“, sagt die 23-jährige Christina Esser und fügt hinzu, die Arbeit sei viel umfassender als oft angenommen wird. Natürlich müsse man bettlägerige Patienten waschen und pflegen, gleichermaßen muss eine Krankenpflegerin aber beispielsweise bei Herzinfarktpatienten überlegen, wie der Patient wieder auf die Beine kommt und wie sich der Zustand stabilisieren lässt.

Vorher Praktikum empfohlen
Schon in seiner Zeit als „Zivi“ hat sich der 23-jährige Sebastian Bernd für diese Ausbildung entschieden. „Ich wollte in meinem späteren Beruf mit Menschen zu tun haben“, erklärt er. Bei seiner Entscheidung haben ihm seine praktischen Erfahrungen aus der Klinik sehr geholfen. „Ich würde jedem empfehlen vorher ein Praktikum zu machen“, sagt er. Denn man muss einiges aushalten können. Auch das Lernprogramm der Fachschule ist sehr straff und umfangreich. Regelmäßiges Lernen ist angesagt. Doch es ist ein anderes Pauken als in der Regelschule. „In der Schule musste ich alle Fächer lernen. Hier muss ich nur das lernen, was ich für meinen Beruf, den ich mir selbst ausgesucht habe, brauche“, begründet er seine positive Einstellung zum Lernen. Beide blicken optimistisch in ihre Zukunft und wollen nach Abschluss ihrer Ausbildung berufsbegleitend das Studium der Pflegepädagogik in Köln absolvieren. „So verdiene ich weiterhin mein eigenes Geld, mit dem Beruf, den ich erlernt habe, und bilde mich gleichzeitig weiter“, sagt der Sebastian.

Aufgaben und Standards im Wandel
Pflegeschulleiterin Gabi Fleischmann. Foto: Mario ZgollNicht nur in der Medizin gibt es rasante Fortschritte, auch in der Krankenpflege verändern sich Aufgaben und Standards. Für Gabi Fleischmann, Leiterin der Krankenpflegeschule, ist es ein wichtiges Ziel, ihre Schüler auf diese Situation gut vorzubereiten. Ein Aspekt ist die vielseitige praktische Erfahrung, die nur an einer Uniklinik mit zahlreichen Fachkliniken möglich ist. Hinzu kommt im dritten Ausbildungsjahr praxisorientierter Unterricht. „Anhand von authentischen Beispielen werden verschiedene Krankheitsbilder besprochen. Dabei kommt auf nur sieben Schüler ein Lehrer,“ erklärt die Leiterin. Dadurch sollen die angehenden Krankenpfleger lernen, ihren Blick nicht nur auf die Krankheit des Patienten zu werfen, sondern ebenso die Bedeutung der Lebensumstände einschätzen zu können, um somit eine ganzheitliche Behandlung zu gewährleisten.

Schüler leiten eine Station
Komplexe Handlungsabläufe auf der Station zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen, spielen in diesem Beruf durchgängig eine große Rolle. Deshalb gibt es das Projekt „Schüler leiten eine Station“. „Unsere Schüler profitieren davon sehr. Denn verantwortungsvolle Aufgaben stärken die Persönlichkeit und fördern das Organisationstalent“, sagt die Leiterin der Fachschule. Weil der Aufwand von Seiten der Fachschule aber sehr hoch ist, können sie diese Aktion nicht regelmäßig realisieren.

Operationstechnische Assistenten
Hinter der High-Tech-Fassade der Uniklinik Aachen sind modernste Krankenversorgung und Forschung vereint. Foto: Mario ZgollAb Herbst werden erstmals „OTAs“; Operationstechnische Assistenten, an der Fachschule ausgebildet. Der oder die OTA wird ausschließlich im OP arbeiten. Zu den Aufgaben gehören Instrumente und Nahtmaterial vorbereiten, reichen der Instrumente während der OP sowie nach der OP Instrumente sterilisieren oder entsorgen. Auch ab Oktober 2011 werden insgesamt vier Schüler an dem dualen Studiengang „Bachelor of nursing“, der durch die Kooperation zwischen RWTH Aachen und katholischer Fachhochschule Köln (KatHo) möglich wird, teilnehmen. Im zweiten und dritten Ausbildungsjahr studieren diese Schüler parallel zu ihrer Ausbildung an der Uniklinik an der KatHo Köln. Mit zwei weiteren Semestern an der KatHo können sie nach ihrem Abschluss zum Krankenpfleger oder zur Krankenpflegerin an der Uniklinik ihren Bachelor machen.

Bachelor of nursing
Vergleichbar mit dem Bachelor-Studiengang für Physiotherapie bemüht sich auch hier die Uniklinik den europäischen Standard einzuhalten. Für die meisten Berufe im Gesundheitswesen werden im europäischen Ausland schon Studiengänge angeboten. Gabi Fleischmann sieht den „Bachelor of nursing“ als einen wichtigen Schritt in Richtung Qualitätsverbesserung in der Krankenpflege. „Mit dieser Weiterbildung landet das neue Wissen, das wir uns in den letzen Jahren erschaffen haben, nicht nur in den Lehrbüchern wie bisher, sondern dort, wo wir es brauchen. Bei uns im Krankenhaus“, betont sie.

Kontakt:
Universitätsklinikum Aachen
Pauwelstraße 30
52074 Aachen

Tel.: (0241) 800

www.ukaachen.de

Foto: Mario Zgoll

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