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Medientechnologe Druck – Beruf mit Reichweite

Ausbildungsleiter Timo Kalwinsky gibt Patrick Anweisungen am Anleger der Druckmaschine. Foto: Mario ZgollAuch wenn vor allem junge Menschen heutzutage eher zum Laptop greifen als zum Buch, hat die Druckindustrie viel zu tun. Von Speisekarten und Comics über Verpackungen und Visitenkarten bis hin zu Zeitschriften und Tapeten –  Medientechnologen Druck stellen die unterschiedlichsten Printprodukte her. Dabei hat sich die ehemals als Drucker bezeichnete Tätigkeit mit der über 500-jährigen Tradition in jüngster Zeit zum High-Tech-Beruf entwickelt. Computer und sehr komplexe Technik muss bedient, Bilder und Buchstaben auf unterschiedlichste Materialien aufgebracht werden. Eine verantwortungsvolle Aufgabe mit guten Zukunftsperspektiven, die es jeden Tag aufs Neue zu bewältigen gilt.

Patrick Holzapfel ist ein angehender Medientechnologe Druck. Der 18-Jährige befindet sich im dritten Ausbildungsjahr bei Wanfried-Druck Kalden im nordhessischen Wanfried. Die Druckerei hat sich auf die Herstellung von Verpackungen und Etiketten spezialisiert. Patrick arbeitet an einer sogenannten Bogen-Offset-Maschine, die er für die jeweiligen Druckaufträge individuell einrichten muss. Auch die Aufbereitung der Druckdaten, die Auswahl von Farben und Materialien sowie die Steuerung und Überwachung des Druckprozesses fallen in seinen Aufgabenbereich. Am Ende verleiht Patrick dabei zahlreichen renommierten Markenprodukten ihr individuelles und charakteristisches Aussehen. „Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich mit meiner Arbeit täglich viele Menschen erreiche. Egal ob Käseschachteln, Schokoladentafeln oder Getränke-Sixpacks – die Druckerzeugnisse hinterlassen einen bleibenden Eindruck.“

Von Klein auf
Patricks Berufswunsch formte sich bereits in jungen Jahren: „Mein Vater arbeitet ebenfalls als Drucker bei Wanfried-Druck und hat mir immer viel von seiner Tätigkeit erzählt. Das fand ich unheimlich spannend.“ Eine Betriebsbesichtigung mit der Schule festigte seinen Berufswunsch. Erneut war es dann sein Vater, der ihn auf die Stellenausschreibung zum Medientechnologen aufmerksam machte. „Ich habe mich sofort schriftlich auf die freie Ausbildungsstelle beworben und wurde recht bald zum Einstellungstest eingeladen“, blickt der Druckbegeisterte zurück. Neben der Abfrage von Allgemeinwissen sei auch Mathe, räumliches Denken und berufsbezogenes Wissen getestet worden. Es folgte eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, bei dem er seinen jetzigen Arbeitgeber von sich überzeugen konnte.

Abwechslung und gute Bezahlung
Azubi Patrick Holzapfel. Foto: Mario ZgollMittlerweile ist Patrick im letzten Lehrjahr und die Frage nach seinem bislang schönsten Ausbildungserlebnis leicht beantwortet: „Als ich zum ersten Mal beim Maschinenpersonal eingegliedert wurde und so richtig selbst mit anpacken durfte, das war ein tolles Gefühl“, berichtet er begeistert. An seinem Beruf gefalle Patrick vor allem die große Abwechslung, die lange Tradition sowie das Erlernen der Offsetdruck-Technik. Zudem sei es eine Arbeit, die bereits während der Ausbildung lukrativ vergütet werde.

Unter Druck
Ähnlich wie die meisten Drucker muss Patrick in seinem Beruf mit Schicht- und Wochenendarbeit sowie ständigem Termindruck zurechtkommen. „Elektronik und digitale Technik erleichtert zwar die Arbeit, trotzdem ist man als Medientechnologe Druck weit davon entfernt, lediglich ein Paar Knöpfe am PC betätigen zu müssen“, erklärt Patrick. Jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung in dieser Richtung interessieren, rät er daher: „Für meinen Beruf sollte man viel technisches Verständnis und ein gutes Auge für Formen und Farben mitbringen.“ Als Medientechnologe müsse man individuelle Töne mischen können. Wer kein gutes Farbempfinden habe oder gar farbenblind sei, könne diesen Beruf nicht ergreifen, erklärt er weiter. Ausbildungsleiter Timo Kalwinsky bringt die betrieblichen Anforderungen auf den Punkt: „Von unseren Bewerbern erwarten wir vor allem Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, Interesse am Beruf und Pünktlichkeit.“

Sozialer Arbeitgeber
An Wanfried-Druck schätzt der angehende Medientechnologe vor allem das angenehme Betriebsklima. Obwohl ein hoher Leistungsdruck bestehe, herrsche ein fester Zusammenhalt unter den Kollegen, erzählt Patrick. Ausbilder Timo Kalwinsky führt dies auf die vielen gemeinschaftlichen Aktivitäten zurück: „Nach Feierabend finden regelmäßig gemütliche Grillabende statt oder die Mitarbeiter gehen zum Bowling spielen.“ Auch die hohen Übernahmechancen reizen: „Bei Wanfried-Druck bekommt jeder die Chance, sich nach der Ausbildung ein halbes Jahr lang zu beweisen. Stimmen die Leistungen, ist eine Übernahme so gut wie gewährleistet.“

Hohe Anforderungen
Angehende Medientechnologen durchlaufen eine dreijährige duale Ausbildung, abwechselnd im Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule. Patricks schulische Ausbildung ist im Blockunterricht geregelt: Alle drei Wochen drückt er für vier Tage die Berufsschulbank. Der theoretische Teil der Ausbildung sei nicht zu unterschätzen, berichtet Patrick. „Die Lernfelder beinhalten ein breites Fächerspektrum von Mathe und Politik über Deutsch und Werken bis hin zu praktischen Arbeitsgebieten, in denen beispielsweise das Einrichten der Druckmaschinen und das Mischen der Farben gelehrt werden.“ Seine bislang größte Herausforderung sei die Zwischenprüfung gewesen, dafür habe er ganz schön büffeln müssen, erinnert sich Patrick. Jetzt hieße es am Ball zu bleiben, um die Abschlussprüfung ebenso erfolgreich zu meistern.

Lebenslanges Lernen
Arbeitsplatz Bogen-Offset-Maschine: Auszubildender Patrick Holzapfel füllt den Farbkasten nach. Foto: Mario ZgollZur innerbetrieblichen Ausbildung bei Wanfried-Druck gehören regelmäßige Lernstandskontrollen, die durch Ausbilder und Maschinenführer erfolgen, ebenso wie die Ausarbeitung von Referatsthemen. „Wir stellen unseren Azubis zahlreiches Anschauungsmaterial zur Verfügung“, erläutert Timo Kalwinsky. Aber auch Erkundungen vor Ort seien Lerngegenstand. So schaue man sich beispielsweise auf Exkursionen die neuesten Druckmaschinen an, deren Funktionsweise es dann im Anschluss genauestens auszuarbeiten gelte. Kalwinsky ergänzt, dass ein Medientechnologe Druck nie auslerne und seine Fachkenntnisse stets auf dem aktuellsten Stand halten müsse, um den Anforderungen des Arbeitsalltags gerecht zu werden. „Die richtige Ausbildung findet erst nach der Ausbildung statt“, ist er überzeugt.

Karriereleiter nach oben
Ausgelernte Medientechnologen Druck, die beruflich vorankommen möchten und eine leitende Position anstreben, können verschiedene Aufstiegsweiterbildungen ins Auge fassen. Möglich sind Fortbildungen zum Meister, Techniker oder Fachwirt. Junge Leute mit Abitur können zudem ein Studium, beispielsweise zum Verpackungsingenieur, in Betracht ziehen. Patrick möchte in jedem Fall erst einmal Berufserfahrung sammeln. Danach würde auch er gerne die Karriereleiter erklimmen: „Mein Traum wäre es, später meinen Techniker zu absolvieren.“

Fotos: Mario Zgoll

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