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Sonnige Aussichten – Spezialisierung zum Solarteur

Frank Nowak (43) hat sich im Solar Energie Zentrum Stuttgart zum Solarteur weiterbilden lassen und gibt sein Fachwissen nun an andere weiter. Foto: SEZ StuttgartSeinen eigenen Strom produzieren und damit auch noch Geld verdienen, Photovoltaik-Anlagen machen es möglich: dank der Vergütung von Strom, der aus Erneuerbaren Energien gewonnen wird. Und so ist es kein Wunder, dass auf Deutschlands Dächern immer mehr Silizium-Flächen zu sehen sind, die im richtigen Winkel zur Sonneneinstrahlung stehen müssen. Doch inzwischen hat die Branche Probleme, genug qualifizierte Fachkräfte zu finden, die die Anlagen planen und montieren können. Neben Klimatechnikern, Elektrotechnikern und Heizungsbauern schrauben auch andere berufliche Seiteneinsteiger auf den Dächern herum. Die Spezialisierung zum Solarteur – zugänglich über eine Weiterbildung – soll für einen einheitlichen Qualifika-tionsstandard sorgen.

Seit November dieses Jahres ist sie ans Stromnetz angeschlossen: die 1.000.000. Photovoltaik-Anlage in Deutschland. Sie steht auf dem Dach des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin und ist Symbol für das rasante Wachstum der Solarenergie-Branche. „Die Photovoltaik hat sich mit großer Dynamik zu einer tragenden Säule der Energieversorgung entwickelt“, freute sich Günther Cramer, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft. Auch die Zahl der Arbeitnehmer  bestätigt den Aufwärtstrend in diesem Wirtschaftszweig: Allein in den letzten sieben Jahren stieg sie laut Bundesumweltministerium von 25.000 auf gleich 120.000 an. Sonnige Zeiten also für die Branche – und für spezialisierte Arbeitskräfte wie den Solarteur.

Diesen Bedarf hat Frank Nowak für sich als Chance erkannt. „Weil die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen, wird immer mehr auf Erneuerbare Energien gesetzt, um die Stromversorgung abzudecken. Da habe ich realisiert, dass eine Spezialisierung in der Solarenergie-Branche eine lohnenswerte Investition in die Zukunft ist“, erzählt er. Der 43-Jährige ist ursprünglich Gas- und Wasserinstallateur-Meister, entschied sich aber nach mehrjähriger Berufserfahrung für die Weiterbildung zum Solarteur. Der Name leitet sich von „Solar-Installateur“ ab und ist Programm. Denn ein Solarteur erstellt und verwirklicht ein individuell auf seine Kunden zugeschnittenes Konzept zur Warmwasserbereitung und Elektrizitätsgewinnung mit Solarenergie. Kurz: Er informiert über Solartechnik und installiert sie auch.

Energieertrag und Bauteile
Zu seinen Aufgaben gehören dabei die Beratung über Größe und Ausrichtung der Wärmepumpen, Solar- oder Photovoltaikanlagen. Wie wirtschaftlich ist die Errichtung einer Anlage überhaupt? Will der Kunde Strom oder nur warmes Wasser? Oder möchte er seinen Energieverbrauch sogar ganz abdecken? Der Solarteur errechnet den gewünschten Energieertrag und beschafft die notwendigen Bauteile der Anlage. Nach der Planung folgen die Installation, bei einer Solaranlage beispielsweise die Befestigung der Kollektoren auf dem Dach und die Verbindung mit der Haus- und Sanitärtechnik. Außerdem sorgt er für die Instandhaltung der Installation. Wichtig bei der Planung ist auch, den Kunden über Förderprogramme aufzuklären. „Die Anschaffung einer solchen Anlage beläuft sich schnell auf mehrere tausend Euro. Daher ist eine ausführliche Beratung essenziell“, betont Dirk Schön, Mitarbeiter des Zentrums für Umwelt und Energie der Handwerkskammer (UZH) Düsseldorf in Oberhausen. Im Rahmen des Marktanreizprogramms des Bundesumweltministeriums standen allein für 2011 Fördergelder in Höhe von 350 Millionen Euro zur Verfügung.

Zwar ist der Solarteur bisher noch kein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf. Nachdem 1993 die erste europäische Solarteurschule in Wien ihren Betrieb aufnahm und das europäische Qualifizierungs-Netzwerk sich seitdem auf acht Länder ausweitete, wurden jedoch Mitte der 1990er Jahre über das europäische Bildungsprogramm „Leo-nardo da Vinci“ die Grundlagen für eine einheitliche Weiterbildung und Zertifizierung festgelegt. „Der Titel ist somit ein geschützter Begriff, der erst nach der bestandenen Prüfung getragen werden darf. Das sichert den Qualitätsstandard“, erklärt Frank Nowak. Er gibt am Solar Energie Zentrum (SEZ) Stuttgart mittlerweile selbst Weiterbildungen zum Spezialisten für Solarenergie. Meist unterrichtet er Handwerker, die wie er eine Gesellen- oder Meisterprüfung in einem einschlägigen Berufszweig wie Elektro- oder Heizungstechniker abgelegt haben und eine zweijährige Berufserfahrung vorweisen können. Diese Voraussetzungen seien aber nicht zwingend, sagt Nowak. „40 Prozent wechseln aus einer anderen Branche zum Arbeitsbereich des Solarteurs“, erzählt der 43-Jährige. Wichtiger sind handwerkliches Geschick, Physikkenntnisse und Spaß am Kundenkontakt. Wer später nicht ausschließlich als Vertriebstechniker, sondern auch als Installateur arbeiten will, sollte außerdem körperlich fit sein – und schwindelfrei. Denn bei der Anbringung etwa einer Solaranlage muss das Gewicht eines Solarmoduls über das Dach getragen werden, wohlgemerkt zwischen 20 und 30 Kilo.

Weiterbildung neben dem Beruf
Beurteilt werden beim SEZ Stuttgart daher Aspekte wie Ausbildung, Berufserfahrung, Vorkenntnisse und die jeweiligen Ziele des Bewerbers, an die die Art der Weiterbildung angepasst wird. „Das SEZ gehört zu den ersten Instituten, die die Fortbildung 1996 in Deutschland etabliert haben, und hat entsprechend viel Schulungserfahrung“, berichtet der Leiter des Zentrums, Jörg Veit. 2010 überreichte er bereits dem 500. Solarteur seine Urkunde. Die Teilnehmer besuchen in Präsenz- und Onlineseminaren insgesamt 240 Unterrichtseinheiten in verschiedenen Bereichen wie Energie- und Umwelttechnik, energiesparendes Bauen oder solares Marketing, bis sie zur Prüfung zugelassen werden. Das Gute an diesem Prinzip: Diese Weiterbildung lässt sich neben dem Beruf absolvieren.

Ein etwas anderes Lernkonzept verfolgt das Zentrum für Umwelt und Energie der Handwerkskammer Düsseldorf in Oberhausen (UZH). Die Theorie zum Lehrgang findet dort statt, die Praxis lernen die Teilnehmer in der Solarwerkstatt des kooperierenden Hans-Sachs-Berufskollegs (HSBK) in Oberhausen. Auf nachgebauten Dächern proben sie unter anderem die Installation einer Solaranlage unter nahezu authentischen Umständen. Die Weiterbildung schließt mit einer Kammerprüfung zur „Fachkraft für Solartechnik“ ab. „Der Titel ‚Solarteur‘ wird gleichzeitig mit erworben“, merkt Dirk Schön an. Neben dem hohen Praxisbezug hat das UZH eine weitere Besonderheit zu bieten: Hier haben Auszubildende aus einschlägigen Gewerken die Möglichkeit, bereits während der Erstausbildung einen Teil der 200-stündigen Weiterbildung zu absolvieren. Interessierte und besonders leistungsstarke Berufsschüler können rund die Hälfte des Pensums der Fachkraft-Fortbildung am Kolleg absolvieren.

Hoch im Kurs
Der Einsatz von Zeit und Geld zahlt sich aus. Denn „mit der Weiterbildung zum ‚Solarteur‘ kann man sehr viel anfangen“, weiß Frank Nowak aus eigener Erfahrung. Auch Dirk Schön bestätigt: „Das ist der einzige Berufszweig, in dem Arbeitgeber uns beim UZH sogar explizit anrufen, ob wir Fachkräfte vermitteln können.“ Solarteure sind derzeit sogar so hoch im Kurs, dass viele Weiterbildungsinstitute Rückgänge in der Nachfrage verzeichnen und manches seine Lehrgänge sogar vorübergehend nicht anbieten kann wie das Institut für Umweltschutz der Handwerkskammer (HWK) Münster. „Entweder beschäftigen Solarenergie-Unternehmen Arbeitskräfte, die die Weiterbildung bereits absolviert haben. Oder sie stellen durch den Fachkräftemangel auch Elektro- und Heizungstechniker ein, die keine entsprechende Qualifizierung haben“, ist die Erklärung von Dr. Andreas Müller vom Kompetenzzentrum Bau und Energie der HWK Münster. „Durch die Auftragslage haben die Handwerker einfach keine Zeit für die Weiterbildung. Dabei sind fundierte Kenntnisse sehr wichtig“, betont er. Ein Beschäftigter solle sich das Fachwissen lieber strukturiert in Form der Weiterbildung aneignen – trotz des großen Bedarfs der Branche.

Die wird auch in Zukunft weiter steigen. Bereits 2007 hatten Greenpeace und der Europäische Verband der Photovoltaik-Industrie vorausgesagt, dass die Solarbranche 2030 weltweit einen Anteil von 9,4 Prozent des Strombedarfs ausmachen und 6,5 Millionen Menschen beschäftigen wird. Angesichts des derzeitigen Entwicklungstempos dürfte die Prognose mittlerweile sogar noch besser ausfallen. Solarteure haben also sonnige Zukunftsaussichten. Wer für den Titel nicht erst eine Ausbildung abschließen und zwei Jahre Berufserfahrung sammeln möchte, der hat guten Grund zur Hoffnung. Denn künftig soll die Weiterbildung zur eigenen Ausbildung werden.

Zusatzinfos:
Der Verdienst liegt in der Regel zwischen 1.600 und 2.500 Euro/Brutto, abhängig von der jeweiligen Vorbildung, der Region oder dem Tariflohn.

Umfang: 240 Unterrichtseinheiten
Dauer: ca. 6 Monate
Preis Gesamtlehrgang: 2.495 Euro

Beispiel SEZ Stuttgart: www.sez-stuttgart.de

Foto: SEZ Stuttgart

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