Berufsbilder


Ausbildung als Textilgestalter – Schönes schaffen aus Wolle und Garn

Foto: fotolia.comSticken, Stricken, Weben, Klöppeln, Filzen und Posamentieren  – das sind so alte und ausgefallene Fertigkeiten, dass für sie keine ordnungsgemäße Ausbildung mehr durchgeführt werden konnte. Jetzt werden sie  im neuen Beruf Textilgestalter gebündelt zu einem modernen Handwerkszweig für Leute, die gerne mit Nadeln und Faden umgehen oder ganz allgemein Fans von textilen Handarbeiten sind. Riesengroß sei das Interesse an diesem Berufsbild, sagt Christiane Reuter vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB). Aber die Ausbildungsordnungen für die textilen Nischenberufe Sticker, Stricker, Weber, Filzer, Posamentierer und Klöppler waren nicht mehr zeitgemäß und die Möglichkeiten, damit seinen Lebensunterhalt zu sichern, nahmen stetig ab.

Hoffen auf Renaissance
„Es wäre zu schade, wenn die alten Techniken verloren gingen“, meint Stickermeisterin Annemarie Jaeschke. Ihrem Berufsstand ist es zu verdanken, dass das BiBB die Neukonzeption in Angriff genommen hat. Seit dem 1. August gibt es nun den Ausbildungsberuf Textilgestalter/-in im Handwerk. Er sieht eine Lehrzeit von drei Jahren vor mit der Möglichkeit, Differenzierungen in Fachrichtungen zu schaffen. „Wir hoffen, dass es mit dieser neuen Ausbildungsordnung eine Renaissance der textilen Berufe gibt“, sagt Jaeschke, die in ihrer Fahnenstickerei mit 15 Mitarbeitern seit 1978 etwa 50 Stickerinnen ausgebildet hat. Auch zurzeit lernen zwei junge Frauen bei ihr sowohl das Hand- als auch das Maschinensticken. Ganz frisch dabei ist Eva-Maria Langreiter. Unter dem Beruf „Fahnenstickerin“ konnte sie sich erst nichts vorstellen, aber nach einem Praktikum bei Annemarie Jaeschke war sie begeistert: „Mir gefällt, dass man sieht, wie unter den eigenen Händen etwas entsteht.“ Ein bisschen fürchtet sich die 15-Jährige allerdings vor der Berufsschule. Denn dazu muss sie ins 500 Kilometer entfernte Münchberg. Dort befindet sich die Bundesfachklasse für Textilgestalter – mit angeschlossenem Internat.

Für bayerische Schüler sind Unterricht und Unterkunft dort kostenlos, Schüler aus anderen Bundesländern müssen diese Leistungen bezahlen. Vor allem darin sieht der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, Dr. Axel Fuhrmann, ein Problem. Denn die Lehrlingsvergütungen reichen nicht aus, um die Kosten zu tragen. Es gebe aber bundesweit zu wenige Ausbildungsbetriebe, um weitere fachbezogene Berufsschulen einzurichten. Eine pragmatische Lösung zeichnet sich dennoch ab: Außerhalb Bayerns können die angehenden Textilgestalter zusammen mit Schneider- und Modisten-Azubis die Schulbank drücken.

Ein „langsames“ Handwerk
„Man muss textilbesessen sein, um eine Ausbildung zum Textilgestalter anzufangen, sagt der Weber Jörg Ballnath. Er selbst würde es nur unter dieser Grundvoraussetzung mit einem Praktikanten versuchen. Seine Berufskollegin Beate Beil nennt als weitere Kriterien Geduld, handwerkliches Geschick, Sinn für Farben und Kraft für den Webstuhl. Denn schon das Einrichten des Webstuhls sei ein stundenlanger Prozess mit vielen Kontrollstufen. Die Webermeisterin stellt sich selbst immer wieder die Frage, was man in diesem „langsamen“ Handwerk überhaupt von dem umsetzen kann, was in der Schnelllebigkeit der Mode gerade „in“ ist. Auch beklagt sie die fehlende Wertschätzung für handgewebte Stoffe. Leben könne man von diesem Beruf nur, wenn man im Hochpreissegment bleibt.

Neue Ausbildungsplätze zu erwarten
Trotz aller kritischen Einschätzungen trifft man in den textilen Handwerksberufen viele Menschen, die begeistert sind von dem, was sie (er-)schaffen. „Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele junge Leute diese Begeisterung teilen“, sagt Beate Beil. Das BiBB sieht in der Neukonzipierung der Ausbildungsordnung die Chance, alte Kulturtechniken zu bewahren. „Es ist auch zu erwarten, dass neue Ausbildungsplätze gewonnen werden können, da das neue Ausbildungskonzept ein weiteres Berufsspektrum umfasst, und dauerhaft bessere Beschäftigungsperspektiven am Arbeitsmarkt erreicht werden“, heißt es in einem internen Papier dazu. Um das Interesse an diesem Berufsfeld bei jungen Hobby-Handarbeiterinnen oder überhaupt bei Jugendlichen in der Berufsfindungsphase zu wecken, wird das Bundesinstitut für Berufsbildung vom 14. bis 18. März 2012 in Dortmund auf der Messe „Creativa“ mit einem Informationsstand vertreten sein. „Es ist uns ein Anliegen zu zeigen, dass das Erlernen dieser schönen Handwerkstechniken eine Ausbildung auf hohem Niveau ist“, sagt Christiane Reuter.

Fotos: fotolia.com, Andreas Tauber

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Diskussion

Ein Kommentar zu “Ausbildung als Textilgestalter – Schönes schaffen aus Wolle und Garn”

Eine Antwort zu “Ausbildung als Textilgestalter – Schönes schaffen aus Wolle und Garn”

  1. Paroikou sagt:

    Ich interessiere mich für Ausbildung als Textilgestalter – Schönes Schaffen Aus Wolle Und Garn.

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