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Glänzende Aussichten – Ausbildung zum Gebäudereiniger

Foto: Mario ZgollSie pflegen die Außenfassaden und Innenräume von Gebäuden aller Art und sorgen für strahlende Sauberkeit und den richtigen Durchblick: Die Rede ist von Gebäudereinigern. Als Spezialisten auf ihrem Gebiet durchlaufen sie eine anspruchsvolle Ausbildung und sind keinesfalls zu verwechseln mit ungelernten Putzkräften.  Zwei dieser Hygiene-Experten sind Sebastian Riegger und André Schulz. Beide arbeiten bei der Richter Gebäudedienste GmbH im nordhessischen Niestetal. Die Reinigungsfirma ist auf die Pflege von Immobilien spezialisiert und legt einen besonderen Fokus auf die fundierte Aus- und Weiterbildung ihrer Lehrlinge.

„Bereits als kleiner Junge war ich von Fensterreinigern fasziniert, wenn ich sie in großer Höhe habe arbeiten sehen“, erzählt Sebastian Riegger. Heute ist der 20-Jährige selbst ein Gebäudereiniger. Im Sommer schloss er seine Ausbildung hessenweit als bester Geselle seiner Branche ab. Bei so viel Eifer stand einer Festanstellung bei der Firma Richter nichts mehr im Weg. Sein gutes Prüfungsergebnis und der Support seines Arbeitgebers hatte Sebastian kürzlich sogar die Teilnahme am Bundesleistungswettbewerb für Gebäudereiniger ermöglicht, bei dem er den zweiten Platz belegte. Sein jüngerer Kollege André Schulz entschied sich ebenfalls für eine Ausbildung zum Gebäudereiniger. Den 17-Jährigen überzeugte ein Praktikum bei der Firma Richter: „Ich war mir unsicher was meinen Berufswunsch anging aber nach dem Praktikum war ich total begeistert!“

Umfangreiches Wissen erforderlich
Zum Aufgabengebiet von Gebäudereinigern gehört jedes Element an und in einem Bauwerk: von Fassaden und Fenstern über Fußböden bis hin zu Einrichtungsgegenständen. „Um für jedes Material das richtige Reinigungsverfahren anwenden zu können, ist ein umfassendes Wissen über Wirkungsweise der Reinigungsmittel und die Besonderheiten der unterschiedlichen Materialien notwendig“, erklärt Ausbildungsleiterin Rebecca Rohde.

Anspruchsvolle Ausbildungsinhalte
Ausbildungsverantwortliche Rebecca Rohde erwartet von den Bewerbern Verantwortungsbewusstsein. Foto: Mario ZgollIhr Hygiene-Know-how erwerben angehende Gebäudereiniger während einer 3-jährigen Ausbildung, die abwechselnd in Betrieb und Berufsschule von statten geht und bei einem Notendurchschnitt von mindestens 2.0 auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden darf. In den Theoriephasen müssen die Azubis für einen Zeitraum von mehreren Wochen die Schulbank drücken. „Blockunterricht hat den Vorteil, dass man nicht von der Arbeit abgelenkt wird und sich ausschließlich auf den Lernstoff konzentrieren kann“, erzählt André. Das sei wichtig, da Fächer wie Technologie, Chemie oder Mathematik sehr anspruchsvoll seien. Wenn einem der Beruf Spaß mache, wenn man mit Liebe dabei sei, dann ließe sich jedoch alles lernen, sagt Sebastian.

Austausch und Rückmeldung
Da bei seinem Arbeitgeber jedes Lehrjahr mit mindestens drei Auszubildenden besetzt sei, fände stets ein produktiver Austausch unter den Lehrlingen statt, berichtet André. Regelmäßig erhielten die Azubis Rückmeldung von den Gesellen und den Ausbildungsverantwortlichen, auch unter Rücksprache mit der jeweiligen Klassenlehrerin. „Möglichen Defiziten kann so rechtzeitig entgegengewirkt werden“, sagt Rebecca Rohde. Zusätzlich werden die Lehrlinge auf den Baustellen auf ihr praktisches Können hin beobachtet und durch interne Schulungen unter anderem in der Schädlingsbekämpfung oder im Steinschleifen weitergebildet.

Vorher-Nachher-Effekt
Als besonders motivierend empfinden die beiden Gebäudereiniger den „Vorher-Nachher-Effekt“ ihrer täglichen Arbeit: „Wenn ein heller Teppich nach der Reinigung wieder wie neu aussieht, das macht einen richtig stolz“, berichtet André. Auch sei der Beruf sehr abwechslungsreich und spannend, weiß Sebastian: „Als Gebäudereiniger säubern wir internationale Konzerne oder große Krankenhäuser. Solche interessanten Einblicke hinter die Fassade eines Unternehmens bekommt man in anderen Berufen nicht geboten.“ Auch sei kein Tag  wie der andere. Jeder Kunde und jedes Gebäude stelle einen vor neue Herausforderungen und verlange Improvisationsvermögen, berichtet er weiter. Zudem halte der Beruf fit und werde bereits während der Ausbildung lukrativ vergütet.

Gute Kondition
Befindet sich im ersten Lehrjahr zum Gebäudereiniger: Auszubildender André Schulz. Foto: Mario Zgoll„Angehende Gebäudereiniger müssen körperliche Fitness mitbringen“, erklärt Sebastian. Bereits vor Antritt der Ausbildung werde man vom Arbeitsmedizinischen Dienst genauestens auf seine Tauglichkeit geprüft. „In unserem Beruf wird einem konditionell einiges abverlangt, Übergewicht ist da beispielsweise fehl am Platz“, berichtet der Gebäudereiniger. Er selbst gehe daher regelmäßig zum Sport und achte auf seine Ernährung. Die Ausbildungsverantwortliche Rebecca Rohde erwartet von den Bewerbern darüber hinaus Lust auf die Ausbildung, gute Umgangsformen, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein. „Verbessern können Interessierte ihre Einstiegschancen durch entsprechende Praktika, eine zielgerichtete Fachrichtung bei der Schulausbildung und erste Branchenkenntnisse“, sagt sie.

Angenehmes Betriebsklima
Besonders schätzt Sebastian das gute Betriebsklima an seinem Arbeitsplatz: „Bei uns kann sich jeder auf den anderen verlassen und man hilft sich untereinander.“ „Gemeinsame Aktivitäten wie Grillabende oder Klettergarten-Ausflüge fördern das gute Miteinander und die Teamarbeit“, berichtet Rebecca Rohde. Zudem biete ihr Arbeitgeber zahlreiche Zusatzleistungen wie Winterdienst, Grünanlagenpflege oder Gardinenservice an, so finde jeder Angestellte seine passende Nische, in der er sich engagieren kann.

Hohe Anforderungen
„Als Gebäudereiniger arbeitet man oft auf Gerüsten, Hebebühnen oder Spezialleitern“, berichtet Sebastian. Wer den Beruf erlernen wolle, müsse daher absolut schwindelfrei sein. Zudem sei man stark der Witterung ausgesetzt und reinige teilweise sogar über Kopf. „Viele unterschätzen die hohen Anforderungen“, weiß die Ausbildungsverantwortliche zu berichten. Die Zahl der Abbrecher sei deshalb extrem hoch. Über das Gefahrenpotenzial des Berufes müsse man sich ebenfalls von Anfang an im Klaren sein, erzählt sie weiter. Damit es jedoch erst gar nicht zu Unfällen komme, arbeite man in spezieller Sicherheitskleidung und mit Auffanggurten. Auch habe man in dem Beruf häufig mit Vorurteilen zu kämpfen, sagt André: „Viele Leute denken, wir seien ungelernte Putzkräfte.“ Erführen diese von den anspruchsvollen Ausbildungsinhalten würden sie allerdings ganz schnell kleinlaut.

Lebenslanges Lernen
Um den vielfältigen Arbeitsanforderungen gerecht zu werden, müssen Gebäudereiniger ihr Fachwissen stets aktuell halten. Wer beruflich höher hinaus möchte, der kann eine Aufstiegsweiterbildung in Betracht ziehen. Sebastian weiß: „Ausgelernte Gebäudereiniger haben die Möglichkeit, sich zum Schädlingsbekämpfer oder Hygienewirt weiterzubilden oder eine Techniker- beziehungsweise Meisterausbildung zu absolvieren. Die Angst vor Arbeitslosigkeit bleibt Gebäudereinigern zum Glück meist erspart. „Dreck wird es immer geben“, erklärt Rebecca Rohde mit einem Augenzwinkern. Arbeitslos werde man als Gebäudereiniger deshalb mit Sicherheit nicht. Für seine Zukunft erhofft sich André einen möglichst guten Abschluss, um danach von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden. Sebastian denkt derweil schon über eine Meisterausbildung nach, „aber bis dahin mache ich erst mal das, was mir am meisten Freude bereitet, einfach nur meinen Beruf ausüben.“

Fotos: Mario Zgoll

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