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Ausbildung bei der Junghans Gruppe

»Gut gelagert, bestens ausgebildet«

Foto: Loni LiebermannSchnell und einfach mit einem elektrischen Burger-Maker vier hausgemachte Mini-Burger zubereiten. Ohne Bohren und Schrauben einen platzsparenden Ständer für zwei Fahrräder in der engen Garage schaffen. Endlich das legendäre Flight Jacket B3 der US Army aus feinstem Neuseeland-Lammfell besitzen. Produkte wie diese braucht man nicht unbedingt, aber man freut sich ungemein, wenn man sie hat. Man findet sie in einem der sechs „Pro Idee“-Kataloge der Junghans Gruppe.

Wollversand seit 1954
Junghans Gruppe hört sich nach mehreren Unternehmen an. So ist es auch. Am Standort Aachen sind sowohl der Versandhandel „Pro Idee“ als auch der Junghanswollversand angesiedelt. Mit einem kleinen Wollladen fing es 1950 an. Als selbstgestrickte Pullover und Strümpfe noch in jedem Haushalt zum Alltag gehörten, eröffnete Ehrhard Junghans seinen ersten Wollladen. Daraus entwickelte er eine Ladenkette mit Schwerpunkt in Westdeutschland. Bereits 1954 wagte der Gründer den Sprung in den Wollversand und als in den 80er Jahren die Stricknadeln seltener klackten, wurde der Ableger und Spezialversand „Pro Idee“ gegründet. Inzwischen ist „Pro Idee“ die Hauptsäule der Junghans Gruppe und zählt zu einem der führenden deutschen Spezialversandhäuser, das Bereiche wie Mode, Küche, Wein und technische Neuerungen abdeckt. Geführt wird das Unternehmen in dritter Generation von Dieter Junghans. „Die gemeinsame Klammer unserer Produkte ist, dass sie Vorteile aufweisen, die andere Produkte nicht haben“, wird der Unternehmer in einer großen deutschsprachigen Tageszeitung zitiert.

Fachkraft für Lagerlogistik
Personaleiter Klaus Kuckelkorn legt Wert auf Ausbildungsqualität. Foto: Loni LiebermannMarcus Mirgartz hat vor drei Monaten seine Lehre als Fachkraft für Lagerlogistik bei Junghans begonnen. „Für Logistik interessiere ich mich seit ich einen Nebenjob im Lager hatte“, erklärt der 20-Jährige. Nach der Realschule ging er erst einmal weiter zur Schule, machte seinen Abschluss an der höheren Handelsschule und jobbte im Lager. Die Ausbildung sei eine Herausforderung, gibt er zu verstehen. Lagerlogistik bedeutet nicht nur Be- und Entladen von Waren, vielmehr sind Kenntnisse über Lagerverwaltungssysteme gefragt. Bei Junghans gibt es zwei große Lagerbereiche. Einmal das Hochregallager mit rund 12.500 Palettenplätzen. Dann gibt es noch das Kommissionierlager, in dem die Ware zum Versand bereitgestellt wird und in dem Markus zur Zeit arbeitet. Er soll dafür sorgen, dass der Artikel aus dem Hochregallager den richtigen Platz im Kommissionierlager bekommt. Auch wenn das Meiste in der Lagerverwaltung elektronisch organisiert ist, muss der Mitarbeiter die Lagerpläne doch auch verstehen. Markus schätzt die Vielseitigkeit an seiner Ausbildung. „Nur im Büro zu sitzen, wäre mir zu langweilig. Ich brauche auch Bewegung und körperliche Arbeit. Hier habe ich beides“, erklärt er begeistert.

Vielfältige Möglichkeiten
Über 600 Mitarbeiter beschäftigt Junghans, 40 davon sind Auszubildende. 14 junge Menschen werden zu Groß- und Außenhandelskaufleuten und acht zu Bürokaufleuten ausgebildet. Sowohl im Einzelhandel als auch in der Lagerlogistik und der Marketingkommunikation gibt es drei Azubis. Hinzu kommen noch zwei Azubis für den Bereich Fachinformatik in Anwendungsentwicklung und Systemintegration und ein Azubi für Marketingkommunikation. Mehr als 250 Bewerbungsmappen landen jährlich auf dem Schreibtisch des Personalleiters Klaus Kuckelkorn. Zwischen 20 und 30 Prozent werden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Eine allgemein gültige Aussage, worauf es ankommt, möchte der Personaleiter nicht machen. „Da wir in acht verschiedenen Berufen ausbilden, achten wir bei jedem Bewerber darauf, ob er zu der jeweiligen Stelle auch passt“, erklärt Klaus Kuckelkorn. Die Ansprüche bei Junghans sind hoch. Für die Bewerbung eines Ausbildungsplatzes zum Bürokaufmann sollte zumindest ein Fachabitur vorliegen.

Ausbildungsplätze erhöhen
Die Welt der Lagerung bei Junghanswollversand und Pro Idee. Foto: Pro IdeeDas Thema „Ausbildung“ spielt bei Junghans eine große Rolle. So zählt Junghans zu den Initiatoren der regionalen Ausbildungsmesse „ZAB“ ( Zentrale Ausbildungs- und Berufsmesse), die sich zu der größten Messe dieser Art in der Region entwickelt hat. „Unser Unternehmen ist hier gut bekannt. Die Teilnahme an der Messe ist für uns jedoch eine wichtige Repräsentationspflicht“, sagt Klaus Kuckelkorn. Und wenn 2013 in NRW mit dem doppelten Abi-Jahrgang mehr Jugendliche eine Lehrstelle suchen, wird Junghans im Spezialversand seine Ausbildungsplätze von 15 auf 25 erhöhen.

In der Allgemeinbildung voranbringen
„Egal, welche Ausbildung ein junger Mensch bei Junghans macht, das Ziel ist immer, die Auszubildenden auch in der Allgemeinbildung voranzubringen“, betont der Personalleiter. Für diese Anforderung werden „Monatsbesprechungen“ mit allen Azubis organisiert. Geleitet wird die zwei bis dreistündige Besprechung von Carina Sulewski aus der Personalabteilung. Sie begleitet die Azubis während ihrer ganzen Ausbildungszeit. Bei den „Monatsbesprechungen“ können die Azubis ihre Fragen los werden, wie beispielsweise, was kann ich tun, wenn ich mit dem Lehrer an der Berufsschule nicht klar komme oder gibt es einen Dresscode bei der internen Jubiläumsfeier.

Der wichtigere Teil sind aber die Referate, die jeweils von zwei Azubis zu einem bestimmten Thema vorbereitet werden. Die Moderation der anschließenden Diskussion übernehmen die Referenten. Im Herbst stand die Wirtschaftskraft von Griechenland im Mittelpunkt. „Es kommt den jungen Menschen nur zugute, wenn sie schon während der Ausbildung lernen, kompetent aufzutreten und ein stilsicheres Ausdrucksvermögen besitzen“, sagt Carina Sulewski. „Egal welchen Beruf man ausübt, ob mit oder ohne häufigen Kundenkontakt, ist es wichtig Interesse für sein Anliegen beim Zuhörer zu wecken. Das lernen sie bei unseren Monatsbesprechungen“, schiebt Werner Schäfer, Leiter der Marketingabteilung nach.

Bürokauffrau
„Übung macht den Meister“ antwortet Vavara Stellinger, die seit zwei Jahren bei Junghans zur Bürokauffrau ausgebildet wird, auf die Frage, wie es ihr mit ihrem Vortrag über das Thema „Wolle“ bei der Monatsbesprechung ergangen sei. Wolle spielt bei Varara nicht nur beruflich eine Rolle, sondern auch privat. Das ist für die leidenschaftliche Strickerin auch mit ein Grund, weshalb sie ihren Ausbildungsplatz bei Junghans sehr schätzt. Die 29-jährige Russin kam vor drei Jahren nach Deutschland und hat aufgrund ihrer Lehrerausbildung in Deutsch und Englisch keinerlei Verständigungsprobleme. Sie liebt es, wenn viel zu tun ist und genießt die Freiräume bei ihren Aufgaben. Muss sie beispielsweise die nächste Aktion im Webshop von „Pro Idee“ vorbereiten, hat sie als Vorgabe 14 Produkte von den 30.000 auszuwählen. Nicht gerade einfach. Kriterien, die ihr bei der Auswahl helfen sind, die Produkte sollen zur Jahreszeit passen, beim Kunden einen Kaufwunsch wecken und natürlich lieferbar sein. Dafür arbeitet sie ungefähr fünf Stunden an ihrem Computer oder iPad, blättert, notiert und wählt schließlich aus. Bei fast all ihren Vorschlägen hat der Einkaufsleiter bisher zugestimmt. Ihre Englischkenntnisse gebrauchte sie für eine Arbeit der anderen Produktgruppe, als sie Handarbeitsanleitungen zu übersetzen hatte.

An den Aufgaben orientiert
Obwohl die Junghans Gruppe aus zwei Firmen besteht, die ganz unterschiedliche Produkte führen, verschiedene Zielgruppen bedienen und entsprechend bei der Bewerbung am Markt mit unterschiedlichen Logos und Strategien arbeiten, gibt es keine klare Trennung zwischen Mitarbeitern der Junghans Wolle oder Mitarbeitern bei „Pro Idee“. „Unsere Arbeitsorganisation orientiert sich an den Aufgaben“, erklärt Klaus Kuckelkorn.

Einzelhandelskaufmann
Bisher hat Azubi Felix Jaquemot erst eine Produktgruppe kennengelernt. Er hat im August dieses Jahres seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begonnen und arbeitet in dem Kreativitätsshop Junghans. Nur hier wird noch Wolle direkt zum Verkauf angeboten. Der 24-Jährige hat nach seiner Fachhochschulreife eine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten gemacht (in Englisch und Französisch), aber dann keinen Job gefunden. „Ich wollte praktisch arbeiten und gerne an eine Stelle, wo künstlerisches Interesse gefragt ist,“ begründet er seine Entscheidung für den eingeschlagenen Weg. Man muss natürlich wissen, dass das Einzelhandelsgeschäft in Aachen nicht nur Wolle, sondern ebenso Materialen für ganz unterschiedliche Hobby-Handarbeiten führt. Felix fühlte sich von Anfang an in das Unternehmen integriert. Das Verhältnis sei sehr familiär und offen. „Ein Ausbildungsbetrieb sollte sich für seine Azubis viel Zeit nehmen, damit er sie auch richtig fördern kann“, sagt Carina Sulewski. Die Umstellung von Schule auf Beruf fällt nicht jedem leicht. „In der Schule sind sie nur für sich und ihre Schulnoten verantwortlich. Wenn sie arbeiten, tragen sie auch eine Mitverantwortung im Unternehmen.“

Duales Studium
Da Junghans mit „Pro Idee“ auch einige europäische Länder sowie die USA beliefert, gibt es für Groß- und Außenhandelskaufleute die Möglichkeit ihre Lehre mit einem dualen Studium an der europäischen Fachhochschule in Brühl bei Köln zu verbinden. Fünf Azubis sind zur Zeit dabei. Das Pflicht-Auslandssemester haben sie, wenn es möglich war, bei Vertriebspartnern in Mexiko, Südafrika und England gemacht.

Um die Welt
Doch wer spürt diese interessanten Produkte für „Pro Idee“ auf? Es sind um die 15 Einkäufer, die um die Welt reisen und auf internationalen Messen findig werden. Welche Ausbildung ist dafür erforderlich? Das können die Fachleute bei Junghans nicht mit einem Satz beantworten. Aber ein ehemaliger Azubi von Junghans sei auch dabei, erwähnen sie schmunzelnd.

Kontakt:
Junghans Wollversand GmbH & Co. KG
Auf der Hüls 205
52068 Aachen
www.junghanswolle.de

Pro Idee GmbH & Co. KG
Gut Dämme Straße 4
52070 Aachen
www.proidee.de

 

Foto (1, 2, 4): Loni Liebermann
Foto (3): Pro Idee

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